Brennpunkte | Barças Systemumstellung, Standards und die Rolle der Außenverteidiger

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Dank zweier Standardsituationen erkämpfte sich der FC Barcelona einen schmeichelhaften Sieg bei CD Leganés. Dabei stellte Trainer Ernesto Valverde erstmals seine vier Starstürmer von Anfang an auf. In den Brennpunkten widmen wir uns der Systemumstellung auf ein 4-2-3-1, der Abhängigkeit von Standards sowie der Leistung der beiden Außenverteidiger.

Das 4-2-3-1-Experiment

Beim Blick auf die Startaufstellung mussten sich die Anhänger Barças kurz die Augen reiben: Trainer Ernesto Valverde bot in der Offensive in Form von Lionel Messi, Ousmane Dembélé, Antoine Griezmann und Luis Suárez alle seine Topstars auf, was eine Umstellung des Systems zur Folge hatte. Statt des üblichen 4-3-3 agierte Messi im 4-2-3-1 auch nominell als klassischer Zehner vor einer Doppel-Sechs, gebildet von Sergio Busquets und Frenkie de Jong.

Über weite Strecken des ersten Durchgangs merkte man den Akteuren aus Katalonien diese Umstellung an, da es immer wieder zu Abstimmungsproblemen kam und einstudierte Abläufe erneut nicht zu finden waren. Besonders Antoine Griezmann blieb auf dem linken, zeitweise auch auf dem rechten Flügel extrem blass und hatte keine Bindung zum Spiel, während Luis Suárez im Sturmzentrum isoliert wirkte. Einzig Dembélé strahlte über die Außenbahnen ein wenig Gefahr aus, doch der Franzose agierte unglücklich und verlor zu viele Bälle. Fehlende Bewegung ohne Ball machte es Lionel Messi zudem sehr schwer, im Zentrum Lücken zu finden und seine Mitspieler in Szene zu setzten, jedoch rannte sich auch La Pulga zu oft fest und versprühte nicht die von ihm bekannte Spielfreude.

Auch die Defensive hatte mit dem neuen System, besonders im ersten Durchgang, zu kämpfen und ließ sich bei schnellen Gegenstößen der Gastgeber zu einfach ausspielen. Busquets und de Jong zeigten sich über weite Strecken unkonzentriert – was sich in einigen gravierenden Fehlpässen widerspiegelte – und zu langsam bei der Arbeit gegen den Ball. 

So beendete Valverde sein Experiment Systemumstellung nach 57 Minuten wieder, als er den erneut blassen Griezmann herausnahm und Mittelfeldkämpfer Arturo Vidal brachte. Die Umstellung war nicht geglückt – es bleibt abzuwarten, ob sie damit bereits gescheitert ist, oder ob Valverde seine vier Stürmerstars demnächst noch einmal gemeinsam von Anfang an aufs Feld lässt.

Standardsituationen als einzige Gefahr

Aufgrund der fehlenden Durchschlagskraft und Ideenlosigkeit im Spiel nach vorne verwundert es nicht, dass erneut zwei Standardsituationen zum Erfolg für die Katalanen führten. Zwar verwandelte Messi diesmal keinen Freistoß direkt – Barça konnte sich keinen einzigen in einer aussichtsreichen Position erspielen -, doch eine gute Hereingabe des Weltfußballers fand den Kopf von Luis Suárez, der den Ausgleich erzielte. 

Das Siegtor fiel passenderweise nach einem Eckball, wobei die Blaugrana durchaus Glück hatte: Die Hereingabe sprang von Rubén Pérez’ Bein zum frei vorm Tor stehenden Vidal, der mühelos einschob. Insgesamt strahlte die Mannschaft von Ernesto Valverde bei ruhenden Bällen wesentlich mehr Gefahr aus, als aus dem Spiel heraus, denn auch Abwehrchef Gerard Piqúe hatte nach einem Eckstoß eine gute Möglichkeit, traf aber nur den Pfosten. Auf Chancen, die durch einen guten Angriff kreiert wurden, wartete man am frühen Samstagnachmittag vergeblich.

Wenn man sich neben dem Auftritt in Leganés auch die vergangenen Spiele anschaut, ist klar zu erkennen, dass aktuell fast schon eine gewisse Abhängigkeit von Standardsituationen besteht. Diese Tendenz sollte nicht nur ein Alarmsignal für einen Spitzenklub wie den FC Barcelona sein, man hätte sich diesen Charakterzug bei der einst spielstärksten Mannschaft der Welt kaum vorstellen können. Doch die Realität ist eine andere und wirft mit Blick auf den Rest der Saison einige Sorgenfalten auf die Stirn vieler Culés.

 

Firpo und Wagué offensiv ineffektiv

Los Pepineros standen über weite Strecken des Spiels sehr tief und verteidigten mit neun Mann am eigenen Strafraum, wodurch die Gäste aus Barcelona satte 77 Prozent Ballbesitz vorweisen konnten. Diesen Ballbesitz vermochte Barça allerdings nicht in gefährliche Torchancen umzumünzen, was auch an der Leistung der Außenverteidiger lag.

Moussa Wagué gab in Abwesenheit der etatmäßigen Rechtsverteidiger Nélson Semedo und Sergi Roberto sein Saisondebüt, zuvor konnte er lediglich 90 Einsatzminuten für die senegalesische Nationalmannschaft verbuchen. Zwar hatte der 21-Jährige ganze 94 Ballaktionen und war immer wieder auf dem rechten Flügel anspielbereit, allerdings fand keine seiner sechs Flanken einen Mitspieler und er verlor 19 Mal den Ball. Man sah Wagué die fehlende Reife und auch den fehlenden Spielrythmus an, zudem verwundert es natürlich nicht, dass es in der Abstimmung und damit im Zusammenspiel mit den Mitspielern noch merklich haperte. 

Ähnlich erging es Junior Firpo auf der linken Seite, der ebenfalls oft frei war und das Spielgerät erhielt, jedoch für keine Gefahr auf der Außenbahn sorgen konnte. Abgesehen von einigen gescheiterten Flankenversuchen schoben sich die Außenverteidiger die Kugel meist über kurze Distanzen mit den Flügelspielern, den Abwehrleuten oder dem ballnahen Sechser hin und her, öffnende Läufe in die Tiefe oder ein Eins-gegen-eins-Dribblings waren absolute Mangelware. Bei diesem Auftritt merkte man deutlich, dass beide im System überhaupt nicht eingespielt sind und die Aufgabe FC Barcelona vielleicht noch ein wenig zu früh kommt. 

Gegen einen tief stehenden Gegner haben die Außenverteidiger eine wichtige Rolle im Angriffssystem – an diesem Tag waren Barças Außenspieler dieser Rolle (noch) nicht gewachsen. Auch ein Grund dafür, warum sich der spanische Meister gegen den biederen Tabellenletzten dermaßen schwer tat.

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