Brennpunkte vs. Sevilla | Barça siegt dank Dreierkette und kollektivem Pressing

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Der Wechsel zur Dreierkette ebnete Barcelona den Weg zum Erfolg über den FC Sevilla. Barças Struktur, Pressing, Spiel gegen den Ball und das disziplinierte Positionsspiel waren die Schlüssel zum 2:0-Sieg. Unsere Brennpunkte.

Die Dreierkette als Absicherung

Ronald Koeman entschied sich für eine Dreierkette in der Verteidigung, Oscar Mingueza, Gerard Piqué und Clement Lenglet sollten im Verbund ebenso davon profitieren wie ihre Vorderleute. Das System ermöglichte schließlich vor allem den beiden Außenverteidigern Jordi Alba und Sergiño Dest, sich ein ums andere Mal in das Offensivspiel der Blaugrana mit einzuschalten.

Während Alba im ersten Durchgang kaum zu seinen gewohnten Läufen hinter die Abwehrreihen ansetzen konnte, wurde Dest auffällig oft in Duelle mit Escudero geschickt. Durch die Dreierkette konnte der 20-Jährige bei Gegenstößen der Blaugrana so das Spielfeld breit machen, ohne dass Barça dabei an defensiver Stabilität einbüßen musste. In Halbzeit zwei agierten die Katalanen nicht mehr so oft über seine rechte Seite, dafür startete Alba (wie schon gegen Elche) des Öfteren Läufe in das Zentrum gen gegnerischen Strafraum, um dort für Überzahlsituationen zu sorgen. 

Solche Überzahlsituationen wurden ebenfalls durch die Dreierkette ermöglicht. Gerade im Mittelfeld konnten die Katalanen dadurch gegen kompakt stehende Gastgeber frei aufspielen; sei es durch Frenkie de Jongs und Pedris dynamische Offensivvorstöße mit dem Ball am Fuß, die durch die Absicherung der Abwehrkette auch gegen individuell stärkere Gegner ohne Risiko aufgezogen werden konnten, oder durch die Möglichkeit einer weiteren Anspielstation in den Mittelfeldzonen.

Nach dem Seitenwechsel stellte jedoch auch Julen Lopetegui auf eine Dreierkette um, auch wenn diese von seinen Schützlingen anders interpretiert wurde als von der Hintermannschaft Barças. Jules Koundé gelangen beispielsweise immer wieder Offensivvorstöße bis tief in Barcelonas Hälfte hinein. Fernando und dem zur Halbzeit eingewechselten Karim Rekik fiel es in diesen Momenten nicht schwer, einfach so zusammenzuschieben, dass sie ein Innenverteidigerduo bildeten, wie man es bei einer Viererkette gewohnt ist. Solche unterstützenden Läufe blieben beim FC Barcelona aus, lediglich Mingueza löste sich das ein oder andere Mal aus der Verteidigungsreihe, um de Jong und Dest zu unterstützen. Für Ronald Koeman sollte das System eben für die erwünschte Absicherung der Offensivkräfte sorgen, was letztlich auch hervorragend funktionierte. 

 

Sevillas Probleme mit Barças Pressing

Was im Hinspiel des Halbfinales in der Copa del Rey gegen den FC Sevilla kaum gelang, sollte diesmal ein wichtiger Bestandteil im Spiel der Truppe von Ronald Koeman sein: aggressives Anlaufen. Durch die Überzahlsituationen im Mittelfeld wurden die Sevillistas nicht selten zu Rückpässen auf Schlussmann Bono gezwungen. Sobald sich dieses Muster bei den Gastgebern andeutete, setzte der ballnahe Spieler Barças sofort zum Pressing auf die Verteidiger und schließlich auf den Torwart an. Dabei war es egal, von welchem Barça-Akteur das Pressing ausging, so machten auch Pedri, Dest oder Busquets diese Meter. Fast schon stellvertretend dafür war der erste Ballkontakt von Ilaix Moriba eine erfolgreiche Grätsche gegen Sevillas Torhüter. 

Eine solch intensive Herangehensweise macht natürlich nur dann Sinn, wenn die ganze Mannschaft hinter dem Impulsgeber in vorderster Reihe nachrückt, um mögliche Anspielstationen zuzustellen. Genau das gelang der Blaugrana am Samstagnachmittag, sodass der Hintermannschaft Sevillas kaum etwas übrig blieb, als den Ball ins Aus zu klären oder einen langen Ball zu schlagen, der von den Innenverteidigern Barças entschärft werden konnte.

Diese kollektive Druckausübung war ein weiterer Schlüssel zum Auswärtssieg. Auch Koeman merkte nach dem Spiel an: „Das Wichtigste heute war der Ehrgeiz, der Kampf und der Druck, den wir als Team aufgebaut haben.“

Was die Hintermannschaft Sevillas neben Barcelonas Pressing in Bedrängnis brachte, waren Steckpässe in die Spitze. Schon in der Anfangsphase löste sich Ousmane Dembélé von Diego Carlos, sobald der Ball in die Nähe des Franzosen kam. Duelle gegen den in Zweikämpfen humorlos agierenden Brasilianer sollten somit vermieden werden. Wie die Katalanen davon ergebnistechnisch profitierten, zeigte die Entstehung des ersten Treffers. In dem Moment, als Messi an den Ball kam, schaltete Dembélé schneller als sein Gegenspieler, entwich ihm mit seiner Antrittsschnelligkeit, konnte so den Steckpass Messis im vollen Lauf zwischen den beiden Innenverteidigern entgegennehmen und anschließend zum 1:0 verwerten – ein Tiefenlauf, ganz wie ihn sich Barcelonas Trainerteam gewünscht hatte. 

Auch bei der Entstehung zum 2:0 wurde durch den Doppelpass zwischen Lionel Messi und Ilaix Moriba in Windeseile eine Lücke in der Abwehrkette der Andalusier kreiert, erkannt und anschließend durch La Pulga bestraft. 

Diszipliniertes Positionsspiel hindert Sevilla am Offensivspiel

Die Weichen auf Erfolg wurden aber auch durch die aktive Teilnahme am Spielgeschehen gestellt. In allen Bereichen des Feldes strahlten die Katalanen Präsenz aus, ob mit dem Spielgerät am Fuß oder in der Arbeit gegen den Ball. Sobald die Offensivkräfte Sevillas am Ball waren, stellte der am nächsten stehende Mittelfeldspieler den Gegner, sodass dieser Tempo aus der Aktion nehmen und auf Mitspieler warten musste. In dieser Zeit waren es jedoch zumeist die Akteure der Blaugrana, die zu dieser Situation hinzustießen, um auch hier wieder die Überzahl in Ballnähe herzustellen.

Auch ein Spieler mit technischen Fähigkeiten auf allerhöchstem Niveau wie Papu Gomez hatte es dann nicht leicht, so schien auch ein Dribbling gegen den nächsten Mittelfeldspieler meist aussichtslos; schließlich warteten dahinter noch drei Abwehrspieler, die an diesem Nachmittag mit kleinen Ausnahmen kaum den Anschein machten, irgendetwas anbrennen zu lassen. 

Dass beide Teams hinten nichts anbrennen lassen wollten, wurde gleichermaßen durch Variabilität und Disziplin im Stellungsspiel deutlich. Sowohl der FC Sevilla als auch der FC Barcelona hielten trotz viel Bewegung in den Mittelfeldregionen und damit dem Verlassen der Positionen durch einzelne Spieler ihre Grundordnung.

Somit kam Sevilla in der Offensive kaum zu der Möglichkeit, das geordnete Gesamtkonstrukt zu durchbrechen. Konsequentes Verschieben bis in die Schlussminuten ließen auch die Bemühungen der Gastgeber, das Spielfeld breit zu machen, um die Abwehrkette auseinanderzuziehen, verpuffen. Dass so die Null am Ende stand und Barça unter anderem dadurch das Verfolgerduell für sich entschied, erwähnte nach der Partie auch Ronald Koeman: „Das Spiel ohne Ball war der Schlüssel.“ Gerade dieses funktionierte in Sevilla wohl so gut wie nie zuvor in dieser Saison.

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