CA Osasuna – FC Barcelona 11.02.2012

StartLa LigaCA Osasuna - FC Barcelona 11.02.2012
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Welch eine herbe Niederlage für die Blaugrana. Die Mannschaft von Pep Guardiola verliert mit 2:3 bei Osasuna und lässt die Titelverteidigung in immer weitere Ferne rücken. Ein Kollektivversagen von Mannschaft, Trainer und Schiedsrichter.

Von Raphael Lugowski

Valencia und Madrid als Vorbild

Es war nicht nur eine lethargische Haltung, die zur Deutung der gestrigen Ereignisse herangezogen werden kann. Diese in den tiefen Bewusstseinssphären verankerte Trägheit hat gewiss seinen Teil zum Niedergang beigetragen. Auch die Vorgaben von Pep Guardiola konnten nur wenig Überzeugungskraft vermitteln. Die Wahl fiel auf ein 4-3-3-System, das zu keinem Zeitpunkt in der ersten Halbzeit eine ernsthafte Chance hatte, zu einem offensivbetonten 3-4-3 zu erstarken. Die Ursachen hierfür waren sowohl in der aggressiven Grundhaltung der Gastgeber als auch in zweifelhaften taktischen Anweisungen von Guardiola zu finden. Der Trainer von Osasuna adaptierte das Spielsystem seiner Mannschaft an jenes von Real Madrid oder Valencia und veranlasste seine Spieler, die Katalanen früh in Bedrängnis zu bringen. Dementsprechend weit waren die Spieler von Osasuna aufgerückt und störten das Aufbauspiel der Katalanen aus der Abwehr heraus. Mascherano als defensiver Mittelfeldspieler und antizipierter Taktgeber beim Aufbauspiel wurde zugestellt und konnte seine Funktion nicht wahrnehmen. Die Abwehrspieler wurden damit zu hohen Bällen in die Mitte des Spielfeldes hinein genötigt, ein geordneter Spielaufbau aus der Abwehr heraus erschien ausgeschlossen. Dies machte es dem Gegner einfach, den Ball zurückzuerobern und die Blaugrana aus dem Spiel zu nehmen.

Taktische Missstände

Es war nicht unbedingt zu erwarten, dass eine Mannschaft wie Osasuna ähnlich wie Valencia oder Madrid die Pass- und Anspielwege zustellen würde. Und es schien, dass Guardiola selbst von der Herangehensweise des Gegners überrascht worden ist. Fatal war aber der Umstand, dass er keinerlei Reaktion zeigte und seine Mannschaft sich selbst überließ. Das Aufbauspiel aus der Abwehr heraus gestaltete sich deshalb so schwierig, weil angesichts des Pressings von Osasuna keine Anspielstationen vorhanden waren. Der Gegner brauchte nur Mascherano abzuschotten und der FC Barcelona war handlungsunfähig. Derweil tummelten sich Thiago und Sergi Roberto jenseits der Mittellinie und keiner von ihnen wurde von Guardiola zurückbeordert, um eine zusätzliche Passstation für die Abwehr zu schaffen. So kam das Tiki Taka des FC Barcelona nicht über Verlegenheitspässe im ersten Spielfelddrittel hinaus. Die Funktion der beiden Mittelfeldakteure konnte aber auch darüber hinaus nicht erschlossen werden. Das Mittelfeld schien zu jeder Zeit unterrepräsentiert zu sein. Mascherano hinten bei der Abwehr, während diese das Spiel eröffnet, Thiago und Roberto in der gegnerischen Spielhälfte und Messi auf rechts außen – das muss man sich nur mal bildlich vorstellen. Es entstand ein Vakuum in der Mitte, das erst in der zweiten Hälfte geschlossen werden konnte. Thiago und Roberto wurden angewiesen, sich tiefer zu positionieren und gestaltend tätig zu werden. Gleichzeitig konnte sich Messi durch die Einwechslung von Cuenca und Tello ins Mittelfeld zurückfallen lassen und die tiefere Stellung seiner beiden Mannschaftskameraden auf dem Feld kompensieren. Und siehe da, fortan lief es besser für den FC Barcelona.

Osasuna nimmt die Blaugrana auseinander

Bis es allerdings soweit war, mussten die Spieler des FC Barcelona und ihre Fans viel Leid über sich ergehen lassen. Aufgrund dieser taktischen Defizite in der ersten Halbzeit wurde die Abwehr zum Teil stark unter Druck gesetzt, dem sie kaum standhalten konnte. Bereits nach fünf Minuten war die Blaugrana in Rückstand. Ein unsystematisches Pressing eröffnet Räume für den Gegner, die er zu einem herrlich herausgespielten Tor durch Lekic nutzt. Pique und Puyol waren in dieser Situation nicht aufmerksam genug. Wenige Minuten später beförderte Sanchez den Ball auf der Gegenseite ins Tor, wurde aber zu Unrecht zurückgepfiffen. Beim Abspiel befand sich Sanchez nämlich keineswegs im Abseits, bitter für die Katalanen. Einen Schuss von Messi aus halbrechter Position konnte der Schlussmann von Osasuna mühelos entschärfen. Der FC Barcelona tat sich zunehmend schwerer gegen einen Gegner, der ob seiner Konkurrenzfähigkeit überrascht und zeitgleich beflügelt zu sein schien. Osasuna erhöhte das Pressing und kam in der 22. Spielminute wiederum durch Lekic zum zweiten Torerfolg. Abidal orientiert sich in die Mitte und vernachlässigt seine linke Abwehrseite sträflich, was sich als Ausgangspunkt dieses erneuten Niederschlags entpuppen sollte. Dieses Tor hätte aber niemals zählen dürfen, weil ihm eine eindeutige Abseitsstellung vorangegangen war. Wieder eine folgenreiche Fehlentscheidung zum Nachteil der Katalanen. Vor der Pause hatte Messi noch einmal die Chance zum Anschlusstreffer, zögerte jedoch zu lange und wurde beim Schussversuch geblockt.

Valdes zerstört die Aufholjagd

Nach dem Seitenwechsel und den bereits angesprochenen Veränderungen tat sich der FC Barcelona wesentlich leichter und hatte das Spiel nun – vorerst – im Griff. Während Messi mit seinem Schuss von der Strafraumgrenze noch am gegnerischen Keeper scheiterte, machte es Sanchez in der 54. Spielminute besser und erzielte den verdienten Anschlusstreffer aus kurzer Distanz für die Gäste. Cuenca bediente den quirligen Chilenen aus rechter Position. Doch die Freude und die aufkeimende Hoffnung wehrten nur kurz. Ein katastrophaler Pass von Valdes vor die Füße des Gegners war der Beginn eines Kausalverlaufs, der wiederum mit einem Gegentor sein Ende nahm. Dabei bestand eine realistische Chance darauf, diesen Fauxpas von Valdes ungeschehen zu machen. Nur vertraute Mascherano lieber auf die Wirkungskraft seiner Reklamation beim Linienrichter als auf sein Spurtvermögen und kam den entscheidenden Schritt zu spät, um die Hereingabe von links und damit das Gegentor zu verhindern. Ein überaus naives Abwehrverhalten. Danach hatten Sanchez per Kopf und Tello die Möglichkeiten zum erneuten Anschluss, die Versuche waren aber nicht zwingend genug. Besser machte es letzterer in der 74. Spielminute, in welcher er den Schlussmann der Gäste links freistehend zu überwinden wusste. Damit war das Endergebnis hergestellt. Der FC Barcelona hatte noch zwei bis drei gute Gelegenheiten, insbesondere durch Fabregas, der in der Nachspielzeit allein vor dem Tor zum Kopfball kam, aber nicht einnetzen konnte. Auch Osasuna kam noch einmal gefährlich zum Abschluss, doch rettete der Pfosten für die Blaugrana. Bei sieben Punkten Rückstand und einem Spiel mehr macht sich langsam Ernüchterung breit unter den Anhängern des FC Barcelona. Die Kampfansagen der Spieler und von Guardiola wirken vor diesem Hintergrund nur wenig glaubwürdig. Man ist nun auf Schützenhilfe angewiesen. Eine Siegesserie muss her, alles andere liegt nicht mehr im Einflussbereich der Blaugrana. Visca el Barca!

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