FC Barcelona gegen Real Madrid: Taktikrückblick Teil 2

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Wir sprachen bisweilen über die taktische Patt-Situation vor dem Gegentor durch C. Ronaldo. Der FC Barcelona setzte auf Mittelfelddominanz, konnte aber mangels Spieler im Sturm  keine ernsthaften Torchancen herausspielen.

Özil überlädt den rechten Flügel

Auch Laufwege in die Spitze bildeten die Ausnahme und blieben überwiegend aus. Eine Ausnahme hiervon bildete das Verhalten von Jordi Alba, der, wie bereits dargelegt, auf seiner linken Abwehrseite sehr offensiv auftrat. Seine vertikalen Sprints die Seitenlinie entlang wurden abgesichert durch eine Dreierkette, die von Adriano, Mascherano und Alves respektive Montoya gebildet wurde. Zum Teil rückte auch Busquets in die Verteidigungszentrale, wenn Alves/Montoya gleichwohl den Weg nach vorne antrat. Den Offensivaktionen von Jordi Alba kam einige Male das Verhalten von Arbeola entgegen, der sich von Fàbregas einige Male aus der Verteidigung herauslocken ließ und damit einen Raum eröffnete, in den der Neuzugang aus Valencia hineinstoßen konnte. Dadurch entstanden im Ansatz ein bis zwei Mal gefährliche Situationen, die einzigen bis zum besagten Gegentor.

In der 23. Spielminute gerieten die Katalanen zum einzigen Mal in diesem Clásico in Rückstand. Die Entstehungsgeschichte verdeutlicht noch einmal die fluide Struktur des Madrid-Spiels. Den Ursprung dieses sehenswerten Angriffs, der mit einem Tor belohnt wurde, bildete ein Flügelwechsel auf Mesut Özil, der sich einmal mehr hat auf Rechtsaußen heraustragen lassen und an den Ball kam. Ein Doppelpassspiel mit Di Maria später kam Marcelo an der Strafraumkante an den Ball und leitete den Ball direkt auf Khedira weiter. Die extrem offensive Ausrichtung von Marcelo wurde von Xabi Alonso abgesichert, der hinten geblieben war. Der Rest des Angriffs ist Geschichte. Die Überladung des rechten Flügels war also mitverantwortlich für dieses Gegentor, eine taktische Besonderheit im Real-Spiel. Bei diesem Gegentor hat die Haltung der Barça-Spieler aber gleichfalls ihren Beitrag geleistet. Sie standen zu weit weg vom Mann und gingen nicht konsequent in die Zweikämpfe. 

Kurz darauf hätte noch ein weiteres Tor für den königlichen Gast fallen können. Grund dafür ist ein Fehlverhalten von Busquets, der viel zu tief stand und Khedira in der Folge unbedrängt zwischen den Ketten an den Ball kam. Khedira, Özil und Di Maria bildeten ein Dreieck und kombinierten sich herrlich durch die linke Flanke. In dieser Situation zeigte sich einmal mehr die taktische Schule von Mourinho. Khedira als vertikaler defensiver Mittelfeldspieler war maßgeblich an dieser Chance beteiligt und hat mit seinem Zug zur Grundlinie diese Chance überhaupt erst ermöglicht. 

Zweite Halbzeit: Madrid lässt deutlich nach – Messi dreht auf

Das soll es zur ersten Halbzeit gewesen sein, springen wir in die zweite Hälfte. Warum kam Barça in der zweiten Spielzeit zur mehr Möglichkeiten? Ein Grund hierfür kann insbesondere in dem Abstand zwischen der Abwehr und dem Mittefeld von Real gesehen werden. Die Mittelfeld- und Offensivfraktion stand zum Teil sehr hoch positioniert und die Abwehr rückte nicht gleichermaßen nach. Dadurch ergab sich in der Mitte ein großer Freiraum und eine Einladung für die Spieler des FC Barcelona. Außerdem haben die Madrilenen dem Tempo aus der ersten Halbzeit deutlich Tribut zollen müssen und es fiel ihnen zunehmend schwer, die Lücken durch eine intensive Laufarbeit zu schließen. 

Insbesondere einem Mann schien die Situation in der zweiten Halbzeit sehr zu behagen, namentlich Lionel Messi. Immer wieder kam er zwischen den Ketten an den Ball, kein Innenverteidiger und kein Mittelfeldspieler bekam ihn zu fassen. Mit seinen unnachahmlichen Dribblings riss er riesige Löcher in den Defensivverbund des Gastes und band zum Teil drei bis vier Spieler an sich. In der Defensive hatte der FC Barcelona weniger zu tun als noch in Halbzeit 1. Die Angriffe des Gegners wurden gut unterbunden, waren aber nicht mehr so präzise wie noch im ersten Durchgang. Mesut Özil bekamen die Hausherren aber weiterhin kaum zu fassen. Diesmal orientiere er sich oftmals auf die linke Seite und überlud den linken Flügel einmal sehr erfolgreich im Zusammenspiel mit Marcelo. Eigentlich hätten es die Katalanen nach der ersten Halbzeit besser wissen müssen. Özil auf den Außenbahnen bedeutete immer Gefahr.

Abschließend sei noch kurz auf das zweite Gegentor einzugehen. Nun, es gibt diesbezüglich nicht viel zu sagen. Iniesta wurde eindeutig gefoult und fehlte daraufhin beim Verteidigen. In diese Lücke spielte Real Madrid hinein und die Abwehr hatte ob der schnellen Entstehung dieser Situation kaum Chancen, den durchstartenden Ronaldo am Torschuss zu hindern. Auch Vilanova haderte nach der Partie mit der Entscheidung des Unparteiischen, das Spiel weiterlaufen zu lassen. Es war in dieser Situation sehr entscheidend. Eine letzte Anmerkung zu der Einwechslung von Alexis Sánchez, der für Fàbregas in die Partie kam. Das Motiv dieses Wechsels wurde bereits im Teil 1 angesprochen. Ein weiterer Grund hierfür kann auch in der Sicherung der Defensive erblickt werden, denn hierdurch musste sich Alba nicht mehr exzessiv in die Offensive einschalten, um dem Spiel die nötige Breite zu geben. Sánchez machte ein herausragendes Spiel und half dem Team sehr. 

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