FC Barcelona – UD Levante 03.12.2011

StartLa LigaFC Barcelona - UD Levante 03.12.2011
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Die Funktion einer Generalprobe im Vorfeld eines Großereignisses ist, sich bestmöglich auf dieses Spektakel vorzubereiten und den Ernstfall zu simulieren. Der Wille, sich zu verausgaben und seine Grenzen auszutesten,

ist in jenen Momenten ausgeprägter und beflügelt die Athleten bei der Suche nach den selten angezapften Reserven, die in ihnen schlummern und nur darauf warten, reaktiviert zu werden. Die mentale Auslastung ist hoch und es ist diese wettkampfbetonte Haltung, welche die Athleten zu Höchstleistungen antreibt und sie dazu veranlasst, die vom zentralen Nervensystem ausgehenden Schmerzimpulse abzuschütteln wie Usain Bolt seine Kontrahenten in der goldenen Disziplin der Leichtathletik. Eine hohe mentale Beanspruchung hat allerdings auch eine Kehrseite. Sie kann in einem krampfhaften Verhalten münden und daher auch als Hemmnis wirken, wenn man die Kunst der mentalen Gelassenheit nicht beherrscht. Die Leichtigkeit und Lockerheit während der größtmöglichen körperlichen und geistigen Anstrengung, das ist das Geheimnis des sportlichen Erfolgs, das ist die wahre Bedeutung der mentalen Stärke. Die Art und Weise, wie der FC Barcelona gestern aufgetrumpft hat, wie sie das Camp Nou in einen hellen Schein verwandelten, der die Erde aus fernen Galaxien betrachtet wie einen Polarstern aussehen lässt, das war keine geheimnisvolle Offenbarung, es war die Kundgebung ihres Erfolgsgeheimnisses. Sie zeugt von mentaler Gelassenheit, die tief verankert und störenden Einflüssen nicht zugänglich ist. Die Spieler des FC Barcelona gaben zu erkennen, dass sie bereit sind für die bevorstehende Aufgabe am kommenden Wochenende und das Furcht für sie das Fremdwort einer Sprache ist, die noch erfunden werden muss. Trotzdem muss man die Bedeutung des Spiels relativieren, um sich keinen Illusionen im Hinblick auf das Clasico hinzugeben. Das Spiel gegen UD Levante war nicht die erwartete Simulation des Ernstfalls. Der Gast fungierte vielmehr als wohlwollender Sparringspartner, der sehr darum bemüht war, den Gegner nicht zu verletzen.

Geschlossene Mannschaftsleistung

Bereits ab der ersten Spielminute übernahm der FC Barcelona die Vorherrschaft im Camp Nou und ließ zu keiner Zeit Zweifel aufkommen, wer aus dem Spiel als Sieger hervorgeht. Die Gastgeber kombinierten gefällig, fanden sich immer wieder gefährlich vor des Gegners Tor und nutzten immerhin fünf ihrer Tormöglichkeiten zur Aufstockung ihres für Fremde beängstigenden Torverhältnisses im heimischen Stadion auf 39:0. Dabei hätte das Ergebnis ob der vielen Chancen durchaus noch höher ausfallen können, ja sogar ausfallen müssen, wenn man das aus unbekannten Motiven heraus verwerte reguläre Tor von Andres Iniesta in die Betrachtung mit einbindet. Iniesta war derjenige Spieler, welcher das Spiel immer wieder mit einzigartigen Geniestreichen belebte und die Zuschauer ein ums andere Mal verzückte. Es ist ein großer Glücksfall, ihn zu haben. In den Vordergrund gespielt hat sich aber auch ein Spieler, der eher im Hintergrund die Fäden zieht. Sergio Busquets beeindruckte gestern mit einer unglaublichen Antizipation, einer 360° Spielübersicht und einer Spieleröffnung, die angesichts seiner angestammten Position immer wieder für Verblüffung sorgt. Sein Verhalten auf dem Platz ist häufig spielentscheidend, wenngleich dieser Umstand im katalanischen Wirbelsturm sehr häufig untergeht. Sein Stellenwert kommt immer dann zum Ausdruck, wenn er mal nicht auf dem Platz steht. Aber auch die anderen Spieler zeigten eine ansprechende Leistung und dürfen sich mit der Erkenntnis beruhigen, für das Spiel der Spiele gewappnet zu sein. Es gab keinen Spieler, der durch ein gravierendes Fehlverhalten von sich Rede machen ließ. Der Erfolg war einer geschlossenen Mannschaftsleistung geschuldet, wie sie gegen Real Madrid erforderlich sein wird.

Real Madrid eine andere Hausnummer

Dies bildet die Überleitung zu der Frage, inwieweit das Spiel gegen Levante Rückschlüsse auf das Clasico gegen Real Madrid zulässt. Die Antwort auf die Frage fällt einfach, wenn man sich das Zweikampfverhalten der gegnerischen Spieler vor Augen führt. Der FC Barcelona bis zum Erreichen des gegnerischen Strafraums nicht gestört und nach Belieben kombinieren. Die Spieler von UD Levante wirkten darüber hinaus träge und waren nicht geistesgegenwärtig genug, um das schnelle Spiel der Katalanen zu unterbinden. In der Vorwärtsbewegung waren die Gäste, sofern sie das Mittelfeld überbrücken konnten, was ziemlich selten der Fall war, harmlos. Das Spiel war demnach nicht der Maßstab, den man sich wünscht, um die Leistungsfähigkeit des FC Barcelona und die Chancen dieser Mannschaft im Clasico ableiten zu können. Mit Real Madrid wartet ein ganz anderes Kaliber auf die Spieler, das sie vor große Herausforderungen stellen wird. Real Madrid wird sich nicht verstecken, sondern sie werden ihrerseits ihr Glück in der Offensive suchen. Dafür spricht, dass das Spiel im Bernabeau stattfinden wird und die heimischen Fans eine große Erwartungshaltung an das Clasico knüpfen. Die Schmach aus dem letzten Jahr ist noch nicht vergolten, die Wunden sind noch nicht verheilt – sie wurden eher durch die „Clasico-Festtage“ sogar noch vertieft. Es sind also noch einige Rechnungen offen. Auch der aktuelle Vorsprung in der Liga und das aus der Siegesserie folgende hohe Selbstwertgefühl lässt auf eine überwiegend offensive, den Torerfolg suchende spielerische Ausrichtung schließen. Real Madrid kann in diesem Spiel also nur wenig verlieren, aber sehr viel gewinnen. Alles in allem gibt es sehr wenige Anhaltspunkte für eine erneute „Mauertaktik“ von Real Madrid. Aus diesem Grund muss sich die katalanische Defensive auf einen arbeitsreichen Abend einstellen. Dieser wird wohl von vier gelernten Verteidigern gebildet. Eine Dreierabwehrkette könnte den Offensivbemühungen von Benzema & Co. nur schwerlich standhalten. Auch das Mittelfeld wird es wesentlich schwerer haben als gegen Levante. Es ist bereits hinreichend bekannt, dass Mourinho seine Spieler mit konkreter Manndeckung bereits im Mittelfeld betraut und ihnen damit ein laufintensives Spiel abverlangt. Manndeckung soweit die Beine tragen, lautet die Leitmaxime. Bei dieser zu erwartenden Spielart wäre es durchaus sinnvoll, das Mittelfeld breiter zu besetzen. Wie dies bei einer Viererabwehrkette realisiert werden soll, bleibt allerdings fraglich. Es bestehen viele Möglichkeiten in dieser Hinsicht. Auf jeden Fall muss vermieden werden, dass Real Madrid das katalanische Kreativorgan aus dem Spiel nimmt, wie in einigen Clasicos dieses Jahr geschehen. Man muss die Lehren daraus ziehen. Im Spiel gegen Levante hat sich der FC Barcelona warmgeschossen. Gegen Real Madrid müssen sie über sich hinauswachsen. Sie haben das Zeug dazu.  Visca el Barça!

 

Raphael L.

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