FC Sevilla – FC Barcelona 17.03.2012

StartLa LigaFC Sevilla - FC Barcelona 17.03.2012
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Auch wenn in diesem Spiel nicht alles reibungslos lief, muss man konstatieren, dass die Katalanen nun auch in der Ferne ungefährdet siegen können. Nach 25 Minuten führten sie bereits 2:0 und brachten das Ergebnis mehr oder weniger souverän über die Zeit. Messi und Xavi stachen mit Traumtoren heraus.

(Foto: Shutterstock)

Von Raphael Lugowski

Sevilla setzt auf die Offensive

Das Auftreten von Sevilla in dieser Partie spielte dem FC Barcelona gut in die Karten. Die Gastgeber versteckten sich nicht und versuchten ihren Gegner mit einer offensiven und authentischen Spielweise zu schlagen. Im Verhältnis zum Hinspiel war die Mannschaft im Hinblick auf ihre Ausrichtung kaum wiederzuerkennen. Damals hatten sie noch auf eine Mauertaktik gesetzt und im Camp Nou eine Punkteteilung erwirkt. Diesmal sollten es im heimischen Stadion mehr Punkte werden. Früh versuchten sie die Katalanen im Aufbauspiel zu stören und ihr Mittelfeld positionierte sich relativ weit vorne. Sehr früh offenbarte sich ein 4-4-2, bei dem Moral in die Spitze rückte und Kanoute ein wenig versetzt hinter ihm agierte. Trotz dieser Maßnahmen zur Belebung der Offensive konnte Sevilla in der ersten Halbzeit kaum Gefahr entfalten. Ihr Pressing war unvollkommen und bietete der Blaugrana immer den nötigen Raum, um sich zu befreien.

Wenig Ballbesitz für den FC Barcelona

Bedingt durch die hohe Stellung der Spieler gibt es auch bei dem Defensivverhalten Anlass zur Rüge. Wenn man den FC Barcelona den Ball abknüpfen will und sich entsprechend offensiv auf dem Feld positioniert, muss auch gewährleistet sein, dass man den Ball erobert. Ergeben sich hingegen Schlupflöcher, wird es sofort brandgefährlich. Ein relativ ausgeglichenes Ballbesitzverhältnis in Halbzeit 1 verdeutlicht die Defizite im gegnerischen Spiel. Die Katalanen hatten im Vergleich zu anderen Spielen sehr wenig Ballbesitz, weil dieser ausnahmsweise nicht erforderlich war, um zu guten Tormöglichkeiten zu gelangen. Bei Eroberungen des Balles wurde dieser in einem schnellen Vertikalspiel nach vorne getragen und die Abwehrspieler immer wieder in gefährliche Situationen verwickelt. Auch als es Sevilla gelang, die defensive Ordnung herzustellen und den Konter zu unterdrücken, kam der FC Barcelona gleichwohl zu Möglichkeiten. Die Mittelfeldspieler Sevillas rückten nah aneinander und wollten damit Kompaktheit herstellen bzw. Pässe zwischen die Ketten verhindern. Derweil hatte Alves auf rechts allen Raum für Vorstöße. Es tat sich ein Dilemma auf für Sevilla: Zentrum abdichten oder die Flügel verstärken.

Die Spieler machen sich das Leben leicht

Beides gelang dem FC Sevilla nicht optimal. Kanoute ließ sich zuweilen zurückfallen, damit die Verteidigungslinie breiter gezogen werden konnte. In Wahrheit war er aber mit seiner behäbigen Spielweise mehr Hindernis denn Hilfe und ließ die Gegenspieler mit seinem inkonsequenten Zweikampfverhalten ein ums andere Mal passieren. Aber auch seine Mitspieler glänzten nicht gerade mit einer außerordentlichen Laufbereitschaft und guter Zweikampfführung und machten es den Spielern des FC Barcelona relativ einfach. Diese zeigten in der ersten Halbzeit ein gutes Spiel und wussten zu jeder Zeit die richtigen Schlüsse aus den defizitären Handlungen des Gegners zu ziehen. Das Spiel wurde bei Bedarf breit gemacht oder es wurde eng gespielt. Bei Balleroberungen in der eigenen Hälfte wurde zielstrebig nach vorne kombiniert und die Spieler haben erkannt, dass ein Tiki Taka bei diesen Grundvoraussetzungen der fahrlässigen Hergabe guter Torchancen gleichkäme. Nach dem Seitenwechsel ergab sich ein leicht abgewandeltes Bild. Der FC Barcelona verlor seinen Rhythmus und kam nicht mehr so leicht vor das gegnerische Tor. Das mag auch ein Verdienst der Spieler von Sevilla sein, die im Mittelfeld näher am Mann standen und die Räume enger machten. Fabregas hatte bei seinen Wegen nach hinten sogar bis hin zum Strafraum Gefolgschaft. Während Sevilla mehr investierte, fuhren die Katalanen ihre Bemühungen systematisch zurück.

Xavi und Messi genial

Bis es allerdings soweit war, konnte der FC Barcelona zahlreiche gute Torchancen verbuchen. Adrianos abgefälschter Schuss in der Anfangsphase der Partie sank sich gefährlich auf das Tor von Palop. Kurze Zeit später hatte Pedro aus halblinker Position die Chance zur Führung, nachdem er von Fabregas gut in Szene gesetzt worden war. In der 18. Spielminute ein genialer Moment von Xavi. Nach Foul an Adriano gab es Freistoß an der Strafraumgrenze und Xavi verwandelte diesen mustergültig zur Führung für seine Mannschaft. Nur zwei Minuten später hätte Iniesta erhöhen können, doch der Ball rauscht knapp am Tor vorbei. Besser machte es Lionel Messi bei der nächsten hochkarätigen Möglichkeit. Fabregas erkämpft sich im Mittelfeld den Ball und bedient Messi. Dieser begibt sich in Richtung Tor und leitet den Ball an Iniesta weiter, welcher das Spielgerät sofort an den dreimaligen Weltfußballer zurückgibt und höchste Fußballkunst bewundern darf. Zunächst wird der Gegenspieler mit einem Beintunnel düpiert und dann der herauseilende Torwart überlupft – ein magischer Moment im Spiel. Von Sevilla war bis zur 33. Spielminute kaum etwas zu sehen. Nach einer Hereingabe von rechts gibt es Unstimmigkeiten zwischen Valdes und Pique, sodass Moral zum Kopfball kommt und nur das Lattenkreuz Schlimmeres verhindert. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit fand sich Fabregas alleine vor dem Tor wieder, doch sein Schuss ist zu unpräzise und kann von Palop pariert werden.

Wenig Leidenschaft

Nach dem Seitenwechsel verlor der FC Barcelona seine klare Linie und das Spiel wurde zerfahrener. Viele leichtfertige Ballverluste und mangelnde Präzision im Zusammenspiel sowohl bei der einen wie auch bei der anderen Mannschaft standen der Darbietung guten Fußballs im Weg. Die Katalanen kamen kaum mehr vor das Tor von Sevilla und es entwickelte sich ein Kampf um das Mittelfeld – eine befremdliche Situation für die Anhänger des Vereins. Erst in der 66. Spielminute wurden die zahlreichen Fans aus dem kollektiven Tiefschlaf hervorgeholt. Adrianos Zweikampfführung auf links entpuppt sich als zu unbeherzt zum Unterbinden der Hereingabe auf den zweiten Pfosten, wo Moral bereits lauerte und die Chance zum Anschlusstreffer vergibt. Wenige Minuten später läuft Iniesta nach einem Zuspiel von Messi frei auf das Tor zu und lupft den Ball am rechten Pfosten vorbei – die Möglichkeit zur endgültigen Entscheidung. Kurz vor Ende der Partie gab es noch auf beiden Seiten Gelegenheiten zum Torerfolg. Ein Durcheinander im katalanischen Strafraum verschafft Kanoute den nötigen Freiraum vor dem Tor, den dieser jedoch nicht für seine Absichten nutzen kann. Im Gegenzug bekam Sanchez einen Hochkaräter vor die Füße serviert, einzig und allein fehlende Coolness und ein starker Palop verhinderten einen weiteren Saisontreffer des chilenischen Superstürmers. So blieb es beim 2:0 für die Katalanen. Eine ambivalente Vorstellung des amtierenden Meisters, bei der es Licht und Schatten gab. Visca el Barca!

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