Herzschlagfinale FC Barcelona gegen Atlético Madrid: Tata muss einen coolen Kopf bewahren

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So schön die Möglichkeit für den FC Barcelona auch ist, im letzten Spiel der Saison um den Titel zu spielen, Tata Martino und seinem Trainerstab dürfte der kommende Samstag Schweißperlen auf die Stirn treiben. Fünf Mal haben die Blauroten in dieser Saison gegen Atlético Madrid gespielt, kein einziges Mal gingen sie als Sieger vom Platz. Und man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass es auch diesmal eine richtig heiße Kiste werden wird. Es gilt die defensiven Fehler aus den letzten Partien zu vermeiden und nach einer Taktik gegen den Bus Ausschau zu halten.

Ein Sieg muss her im letzten Spiel der Saison, alles andere wäre eine sehr große Enttäuschung. Doch das ist leichter gesagt als getan, schließlich geht es nicht gegen irgendwen. Wer hätte gedacht, dass sich ausgerechnet Atlético Madrid zu einem kleinen Angstgegner für den FC Barcelona entwickelt. In der Supercopa konnte die Blaugrana zwar die Trophäe in die Höhe stemmen, doch mehr als ein Unentschieden sprang in Hin- und Rückspiel nicht heraus. Anfang Januar dann der Tanz im Estadio Vicente Calderón, und wieder hatte Barça kein Patentrezept, wie man diese Mannschaft niederringt. Damals herrschte noch heile Welt, was sich allerdings im Champions-Leaque-Viertelfinale schlagartig änderte. Vor heimischer Kulisse gab es wieder nur ein Unentschieden gegen die Schützlinge von Diego Simeone, bevor Barça eine Woche später in Madrid eine herbe 0:1-Niederlage kassierte. Das bedeutete das Aus in der Königsklasse und war ein harter Niederschlag für Messi und Co.
Nach alledem stellt sich die Frage, wie man Atlético Madrid mit dem Spielermaterial, das Tata Martino zur Verfügung steht, bezwingen kann. Nimmt die bisherigen Spiele zum Maßstab, hat die Mannschaft sowohl defensiv als auch offensiv noch Potenzial nach oben. Es wird darum gehen, die Stärken des Gegners stärker einzudämmen und die eigenen Qualität besser zur Geltung zu bringen. Im Einzelnen könnte Tata Martino an folgenden Schrauben drehen:

Weite Bälle in die Spitze:

Atlético Madrid agiert sehr gerne mit weiten, hohen Bälle nach vorne. Daraus resultierten im Rückspiel der Champions League einige gute Gelegenheiten durch die im perfekten Moment durchstartenden Stürmer, nachdem der Ball per Kopf verlängert worden ist. Die Spieler des FC Barcelona haben im Luftzweikampf naturgemäß Schwierigkeiten, sich durchzusetzen. Deshalb könnte ein Schlüssel für die Akteure von Tata Martino darin liegen, vorne mehr Druck zu entfachen, um diesen hohen Zuspielen die Präzision zu nehmen. Mit anderen Worten also ein offensives Pressing einzuführen, das jedoch nicht dazu führen darf, dass die Kompaktheit beeinträchtigt wird. Atlético wird erfahrungsgemäß den langen Ball aus der Abwehr heraus wählen, ungeachtet der fehlenden Präzision, weil sie um ihre Stärke beim Kampf um den ersten und zweiten Ball wissen. Um hier nicht unterzugehen, wird das Mittelfeld von Barça den Abstand zur Abwehr klein halten müssen, was wiederum die Möglichkeiten beim offensiven Pressing beeinträchtigt. Für Tata geht es in diesem Zusammenhang also vor allem darum, auf ein intelligentes und zeitgleich effektives Pressing zu setzen, das diese Vorgaben erfüllt.

Pressing und Gegenpressing: Nach 20 gespielten Minuten hatte Atlético Madrid beim letzten Aufeinandertreffen bereits einige hochkarätige Chancen zu verbuchen. Zweimal rettete für die Blaugrana das Aluminium. Was war los? Zum einen bereiteten dem FC Barcelona die hohen Bälle Probleme. Ein noch etwas ungemütlicherer Faktor war das Offensivpressing und das Gegenpressing seitens Atlético. Die Madrilenen pressten die wichtigen Mittelfeld-Akteure von Barça und brachten den kontrollierten Spielaufbau komplett zum Erliegen. Als sei das nicht schon schlimm genug, resultierten hieraus auch einige vielversprechende Tormöglichkeiten. Der FC Barcelona gehört sicher zu den pressing-resistentesten Mannschaften der Welt. Erst am vergangenen Wochenenende stellten sie das unter Beweis, indem sie das hohe Pressing durch Elche zumeist sauber parierten – und das auf fremdem Terrain. Im Vicente Calderón praktizierte Atlético das Offensiv- und das Gegenpressing aber mit einer Intensität, bei der sich die Frage aufdrängte, ob eine spielerische Lösung überhaupt rational erscheint. Genau jene suchten die Katalanen, was ihnen letztlich zum Verhängnis wurde. Im Nachhinein betrachtet wäre es mit Sicherheit besser gewesen, zumindest beim Offensivpressing durch Atlético aufzurücken und im Mittelfeld den Kampf um die Bälle aufzunehmen. Mit anderen Worten also den Ball vorerst herzugeben für die Möglichkeit, ihn weiter vorne auf dem Feld zu erobern. Entspricht nicht dem Selbstverständnis der Spieler, kann aber in gewissen Situationen geboten sein.
Nun findet das Spiel nicht in Madrid statt, sondern im Camp Nou. Und dort ist der FC Barcelona im Spielaufbau grundsätzlich wesentlich sicherer als anderswo. Vor allem aber hatte Atlético im Hinspiel der Champions League dort Schwierigkeiten, ihr Offensivpressing durchzuziehen. Die Abstimmung zwischen den Spielern von Atletí stimmte nicht ganz und von der Intensität her praktizierten es die Hauptstädter nur mit halber Kraft. Diesmal benötigen sie nicht einmal ein Tor, was dafür spricht, dass sie noch weniger Risiken eingehen werden. Trotzdem sollten sich Tata Martino und die Mannschaft mit der Möglichkeit von starker Gegenwehr bereits in der eigenen Hälfte auseinandersetzen und Lösungsstrategien erörtern. Angriff ist immer noch die beste Verteidigung – das weiß gewiss auch Diego Simeone. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass das Pressing- und Gegenpressing der Hauptstädter doch sehr mannorientiert verläuft. Vielleicht wäre es eine Option, die Innenverteidiger verstärkt im Spielaufbau in die Verantwortung zu nehmen und sie den Ball nach vorne tragen zu lassen. Technisch sind sie hierzu allemal in der Lage.

Standardsituationen: Ecken und Freistöße in den Strafraum von Barça gleichen immer noch einem halben Elfmeter. Die Spieler sind klein und daher im Nachteil, können hohe Bälle nur schwer verteidigen. Aus diesem Grund sollte die Mannschaft die Zahl der Standardsituationen minimieren, am besten indem sie Atlético nicht oft in das letzte Spielfelddrittel vordringen lässt. Die Zauberformel hierbei lautet Pressing und Gegenpressing. Eine hohe Verteidigung drängt den Gegner in die eigene Hälfte und vergrößert seine Wege zum gegnerischen Tor. Im Champions-Leaque-Hinspiel hat das wunderbar geklappt – Diego Simeones Team erreichte nur selten die gefährlichen Spielbereiche. Auch dank einer herausragenden Leistung der Innenverteidiger, die als letzte Instanz des Gegenpressings immer sehr nahe an ihren unmittelbaren Gegenspielern dran waren und ihnen keine Möglichkeit gelassen haben, die Bälle zu verarbeiten. Am Samstag wird es wichtig sein, dass die Innenverteidigung ihrer Aufgabe sehr beharrlich nachgeht.

Spiel gegen den ‚Bus‘: Hieran wird sich womöglich das Spiel entscheiden. Wie auch immer Atlético zu spielen gedenkt – der ‚Bus‘ gehört sicherlich zu ihrer Verteidigungsstrategie. Und damit einhergehend stellt sich für Barça die Frage, wie man ihn knackt. Hohe Bälle in den Strafraum durch Dani Alves waren in der Vergangenheit wenig erfolgreich, wenngleich einige Hochkaräter dabei waren. Kopfbälle gehören nun mal nicht zum Spezialgebiet der Katalanen. Bewegung ohne Ball hingegen schon, eigentlich. Je länger die Saison dauerte, desto weniger Bewegung fand im letzten Spielfelddrittel statt. Vor allem vertikal gibt es kaum Durchbrüche, wenige Situationen, in denen die Spieler einander suchen, um zu unvorhergesehenen Kombinationen anzusetzen. Es ist alles sehr vorhersehbar und langsam, kurz gesagt kreativlos. Die Spieler müssen wieder damit beginnen, einander zu suchen, sie müssen das Tempo erhöhen, auch wenn damit ein größeres Risiko verbunden ist. Und sie müssen dorthin gehen, wo es ungemütlich ist. Vieles hängt mit der Einstellung zusammen; nicht mit der Einstellung, das Spiel und die Meisterschaft gewinnen zu wollen, das möchten die Spieler ganz bestimmt. Sondern mit einer Art Lethargie vor dem Tor. Diese gilt es zu durchbrechen, es gilt die eigene Schläfrigkeit und die Ohnmacht angesichts von neun Spielern hinter dem Ball zu durchbrechen und zum Teufel zu jagen. Mit der Zeit hat sich bei den Spielern eine mentale Blockade gebildet, derer sie sich jetzt bewusst werden müssen.
Am besten wäre es jedoch, den ‚Bus‘ erst gar nicht zur Entstehung kommen zu lassen. Gegen sehr gut stehende, physisch starke Gegner wird Barça auch in Topform nur wenige Chancen kreieren können. Aus diesem Grund sollten die Spieler schnell umschalten, wann immer sich die Gelegenheit hierzu ergibt. Gerade um die Mittellinie herum muss die Mannschaft kompakt stehen und Druck ausüben, sollte Atlético von hinten aufbauen anstatt den Ball nach vorne zu spielen.

Intensität im Spiel: Tata Martino kann an einigen Schrauben drehen, die Intensität seiner Mannschaft ist seinem Einflussbereich aber weitestgehend entzogen. Am Ende einer langen Saison ist es nicht leicht, alle Reserven zu mobilisieren, und als Barça-Fan ist man geneigt zu fragen, wie viele Reserven überhaupt noch vorhanden sind. Man merkt der Mannschaft ihre Müdigkeit deutlich an, die letzten Wochen verliefen vor allem deshalb nicht nach Plan, weil sie nicht mehr imstande war, die physische und mentale Kraft aus der Hinrunde abzurufen. Sie muss aber nicht so aufspielen wie in der Hinrunde, um einen Sieg einzufahren. Auch Atlético hat eine lange Saison hinter sich und mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Spielentscheidend wird sein, welche Mannschaft länger in der Lage sein wird, ein hohes Tempo zu gehen. Gegen Elche sah man 20-30 intensive Minuten beim FC Barcelona, bevor die Leistungskurve rapide nach unten zeigte. Sollte es Barça in der intensiven Phase nicht gelingen, ein Tor zu erzielen, wird die Mannschaft mit Problemen zu kämpfen haben. Es wird vor allem darum gehen, das Momentum auszunutzen, welches sich eröffnet, weil auch Madrid seine Momente im Spiel haben wird.

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