Koeman kritisiert Barça-Führung: “Vertrauen im letzten Abschnitt nicht gespürt”

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Bei der Pressekonferenz vor dem Saison-Abschluss in La Liga gegen die SD Eibar hat Ronald Koeman die Führung des FC Barcelona um Präsident Joan Laporta kritisiert und dabei mangelndes Vertrauen in seiner Arbeit als Chefcoach bemängelt. Der Niederländer wies ausdrücklich darauf hin, bleiben zu wollen, gab allerdings auch zu: “Es gibt bessere Trainer für diesen Klub.”

90 Minuten noch, dann ist die Saison 2020/21 für den FC Barcelona Geschichte. Vor dem Auswärtsauftritt am 38. Spieltag in Eibar (Samstag, 18 Uhr, live im Ticker auf Barçawelt.de

) stand Barça-Trainer Ronald Koeman den Journalisten am Freitagmittag wie gewohnt Rede und Antwort.

Ronald Koeman…

…über den La Liga-Abschluss in Eibar: “Es ist das letzte Saisonspiel und wie vor jeder Partie bereiten wir uns gut vor. Wir wollen auf Sieg spielen, mit Intensität auftreten, auch wenn wir nicht mehr erreichen können als diesen Sieg. Ich würde diese Saison gerne erfolgreich abschließen.”

…über seine Zukunft: “Ich habe mit dem Präsidenten bei dem Essen vor zwei, drei Wochen abgemacht, dass wir nach der Saison miteinander sprechen. Nach dem morgigen Spiel werden wir sicherlich sprechen. Wir werden sehen. Ich habe vom ersten Tag an gesagt, dass ich bleiben und meinen Vertrag erfüllen will. Es gibt Dinge, die es zu verändern gilt, aber das letzte Wort hat der Präsident. Nach dem heutigen Training habe ich mich mit Ramón Planes und Mateu Alemany über Dinge der nächsten Saison unterhalten. Es ist mein Job, den ich bis zu meinem letzten Tag machen muss und den ich auch gerne mache.”

…über die Rückendeckung des Vereins: “Im vergangenen Monat hätte man den Trainer und unsere Spieler mehr respektieren müssen. Ich verstehe, dass die Spieler angeschlagen sind nach dem, was in den letzten Tagen in der Presse geschrieben wurde. Sie verdienen diesen Umgang nicht, sie verdienen viel mehr Respekt. Es gibt vieles, was wir anders machen müssen. Ich selbst habe das Vertrauen des Klubs im letzten Abschnitt der Saison nicht gespürt, denn wir haben nicht über die Zukunft gesprochen, aber ich besitze einen Vertrag. Ich verstehe, dass wegen der letzten Ergebnisse Zweifel herrschen. Man muss kommunizieren. Ich weiß genau, wo ich bin, dass man hier erfolgreich sein muss. Ich habe über die ganze Saison hinweg bei allen Pressekonferenzen immer meinen Mann gestanden. Es schien, als wäre ich der einzige Vereinssprecher. Das muss man anerkennen.”

…über ein mögliches Bestehen auf eine Abfindung im Falle einer Entlassung: “Man muss nicht im Vorfeld darauf antworten. Wir sind erwachsen, wir mögen diesen Klub sehr. Der Präsident gibt in jeder Hinsicht aber den Weg vor. Solange ich nicht genau weiß, was passiert, kann ich darüber nicht reden. Ich werde mit dem Präsidenten sprechen. Ihr kennt mich gut, ich bin eine Person, die den Verein sehr mag. Wenn der Klub meint, dass ich die Mannschaft nächste Saison nicht führen soll, dann reden wir darüber, dann teile ich meine Sicht mit.”

…über die Saison und seine Arbeit als Trainer: “Im vergangenen August hätten wir diese Saison, die wir nun hingelegt haben, unterschrieben. Wir haben einen Titel gewonnen und bis zu den letzten zwei, drei Spielen um die Meisterschaft gekämpft. Das Problem war, dass die Hoffnungen auf die Meisterschaft im Jahr 2021 gewachsen sind – wegen der Punkte, die wir aufgeholt haben, wegen des Bildes, das die Mannschaft abgegeben hat, wegen der Art und Weise, wie wir die Copa del Rey gewonnen haben. Wir sind traurig über die Spiele, in denen wir nicht auf unserem Niveau waren, wo wir mehr hätten tun können. Generell ist diese Saison mit all den Problemen keine schlechte, ebenso aber auch keine sehr gute. Für mich ist es eine gute Saison, wenn man all das bedenkt, was gegen uns lief.”

…über den vorzeitigen Urlaub für Lionel Messi und Pedri: “Es gibt drei, vier Spieler, die eine unglaubliche Anstrengung in jeder Hinsicht geleistet haben – Frenkie de Jong, Pedri und Messi. Ich will nicht sagen, dass die anderen es nicht getan haben. Sie haben aber am meisten Spiele mit den höchsten Einsatzminuten bestritten. Frenkie de Jong war vergangene Woche gesperrt. Pedri fährt hoffentlich zur Europameisterschaft, was für seine Erfahrung sehr wichtig wäre. Und Leo nimmt an der Copa América teil. Von daher muss ich diese Spieler körperlich schützen. Ich habe mit ihnen gesprochen und wir sind so verblieben, dass Pedri und Leo nicht dabei sind, Frenkie aber schon.”

…über Messis Zukunft: “Ich hoffe, dass Leo hier noch viele weitere Jahre bleibt. Diese Saison hat er wieder bewiesen, dass er einzigartig ist. Er hat 30 Tore gemacht und sein Spiel für die Mannschaft war fantastisch. Wenn er nicht bleibt, dann muss man andere Spieler zusammenführen und nach Effektivität suchen, weil uns dann erstmal 30 Tore fehlen. Ein Barça mit Messi hat eine bessere Zukunft als ein Barça ohne Messi.”

…über mögliche Abgänge im Kader: “Die Spieler sind nicht dumm. Jeder weiß, was er diesem Klub geben kann und wann er sich in seinen letzten Jahren oder Monaten befindet. Sie verdienen sich aber einen respektvollen Umgang und wissen ganz genau, dass sie nicht noch acht Jahre im Verein sind. Irgendwann kommt das Ende.”

…über seine Bewertung der eigenen Arbeit: “Ich bin selbstkritisch. Ich bin der Verantwortliche. Ich bin verantwortlich für die Wechsel, für den Einsatz der Jugendspieler, für die Momente, in denen wir nicht da waren. Man kann mich immer beschuldigen. Die letzten Wochen dieser Saison haben weh getan. Man muss alles analysieren, was wir gemacht haben. Es ist nicht so, dass ich denke, ich sei der beste Trainer für diesen Klub. Es gibt bessere Trainer. Es hängt vom Vertrauen, von den Spielern, von der Mannschaft ab. Ich halte mich aber definitiv für fähig, Trainer dieses Klubs zu sein.”

 

…über Kader-Veränderungen zur nächsten Saison: “Wir haben vom ersten Tag an gesagt, dass wir Veränderungen wollen. Innerhalb eines Jahres kann man das alles aber nicht umsetzen. Wir brauchen mehr Zeit für mehr Veränderungen, um eine stärkere Mannschaft aufzustellen. Atlético Madrid zum Beispiel ist ein fertiges Team, was wir meiner Meinung nach nicht sind. Wir haben eine Idee, die wir gerne weiterhin verfolgen würden. Was wir besprechen, bleibt intern. Bei diesem Klub gelangt auch ziemlich viel an die Öffentlichkeit, was nicht nach außen treten darf.”

…über eine mögliche Reue, den Job in Barcelona angenommen haben: “Nein, nie. Ich bin bis heute sehr glücklich, hier und Trainer dieses großen Klubs zu sein. Meine Hoffnung war immer, Barcelona eines Tages zu trainieren. Es herrscht ein großer Druck, was ich akzeptiere. Manchmal denke ich, dass ihr euch hier in diesem Land viel mehr auf Themen rund um den Trainer einschießt als woanders. Es fehlt der Respekt, aber ich kann das nicht ändern. Ich akzeptiere es, habe dabei aber meine Zweifel. Ich bin für den Klub hier und will bleiben.”

 

Filip Knopp
Redakteur und Sportjournalist
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