Luis Suárez kaschiert die Piquédependencia

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Die Abhängigkeit von Lionel Messi ist wahrlich keine Neuigkeit, doch dass der FC Barcelona auch von Abwehrchef Gerard Piqué abhängig sein würde, zeigte das Gastspiel beim FC Villarreal (4:4) nur allzu deutlich. In einem verrückten Spiel rettete Luis Suárez die Katalanen mit einem Schuss in letzter Sekunde vor einer peinlichen Niederlage.

Mit dem buchstäblich letzten Schuss des Spiels hat der FC Barcelona am Dienstagabend in Villarreal einen Punkt gerettet. Die 90 Minuten waren offiziell vorbei, das vom Abstieg geplagte Villarreal führte 4:3, in einem verrückten Spiel waren die Hausherren einem Sieg gegen den haushohen Favoriten nahe. Drei Minuten Nachspielzeit wurden vorgegeben, als die Uhr 92:45 anzeigte, trat Messi zum Eckball an, dem finalen Akt des Spiels. Nur noch diesen Eckstoß abwehren, und Villarreal hätte drei immens wichtige Punkte im Abstiegskampf eingefahren. Messi, durch dessen famosen Freistoß in den Winkel zum 3:4-Anschlusstreffer das Spiel erst eine späte Dramaturgie erhalten hatte, flankte die Kugel also vom Eckpunkt rein… und sie fiel an der Sechzehnmeterlinie Luis Suárez vor die Füße. In bester Pistolero-Manier – nicht lange nachdenken, einfach schießen – drosch Suárez den Ball volley unhaltbar flach in die Maschen zum 4:4 in wahrlich letzter Sekunde. Tor, Abpfiff. Jubelnde Spieler in blauroten Trikots hier, verzweifelte Akteure in gelben Leibchen da. Der Schiedsrichter pfiff die Partie direkt ab respektive gar nicht erst wieder an, während Barça an der Eckfahne geschlossen jubelte, sank Santi Cazorla enttäuscht zu Boden, sinnbildlich für das gesamte Team Villarreals.

Doppelte Remuntada

 “Villarreal verliert dieses Spiel mit 4:4”, fasste Kommentator Jan Platte auf DAZN das gerade Geschehene treffend zusammen. Denn Villarreal sah tatsächlich wie der sichere Sieger aus, aus 0:2 machte das Gelbe U-Boot ein 4:2, so stand es bis zur 90ten Minute, und das Spiel war eigentlich gelaufen – dachte man. Bis Messi einen Freistoß in unnachahmlicher Manier in den Giebel wuchtete und Barças spätes und unerhofftes Aufbäumen begann. “Wir sind ein Team, das niemals aufgibt”, erklärte Coach Erneste Valverde nach der Partie das, was Villarreal am eigenen Leibe zu spüren bekam. “Am Ende haben wir viel Leidenschaft und Ehrgeiz gezeigt”, sagte Ausgleichstorschütze Suárez. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass mit dem 1:2-Anschlusstreffer Villarreals das Spiel kippte und die Hausherren mehr Ehrgeiz an den Tag legten als der katalanische Favorit. Barcelona hatte anfänglich noch fulminant begonnen und nach Toren von Coutinho (12.) und Malcom (16.) früh mit 2:0 in Front gelegen, änderte sich der Spielverlauf dann doch durch Chukwuezes Anschlusstor (23.). Plötzlich kam Villarreal immer besser ins Spiel, während Barcelona komplett die Kontrolle verlor. Die Abwehr um den äußerst anfälligen Samuel Umtiti war wacklig wie selten, auch Busquets, Vidal und Arthur konnten das Mittelfeld nicht stabiliseren, und so drehte Villarreal in Halbzeit zwei ein 0:2 in ein durchaus verdientes 4:2.

Umtiti ein Unsicherheitsfaktor – Piqué fehlt an allen Ecken und Enden

“Dieses Spiel sollte eine Lektion für uns sein. Wir können aus diesem Spiel viel lernen”, resümierte Valverde, und tatsächlich ist eine Lehre, dass Umtiti nach halbjähriger Verletzungpause noch nicht annähernd der Alte ist. Rhythmus, Spritzigkeit, Stellungsspiel, Übersicht – es fehlte dem fränzösischem Innenverteidiger an so gut wie allem, und auch sein Landsmann Clement Lenglet hatte alle Hände voll zutun und konnte die Abwehr nicht wie gewohnt stabiliseren. Kurzum: Abwehrchef Gerard Piqué – der geschont wurde – fehlte an allen Ecken und Enden. “Die Piquedependencia existiert”, schrieb tags darauf die Sport, also die Abhängigkeit von Piqué, in Anlehnung an die berühmte Messidependencia. Die Sport weiter: “Es zeigte sich, dass Piqué unersetzbar ist”, außerdem sah man “eine alarmierende Brüchigkeit der Defensive”. 

In der Tat fehlte der Abwehrchef, der Organisator – Lenglet konnte diese Rolle (noch?) nicht erfüllen, zudem erwischten auch Jordi Alba und Sergi Roberto nicht ihren besten Tag, selbst Marc-André ter Stegen, der sonst ein gewohnt vorzügliches Spiel zeigte, leistete sich einen Aussetzer, als er bei Ekambis Hereingabe zu weit vor dem Tor Stand und auf eine Flanke spekulierte, flugs segelte die Hereingabe zum 2:2-Ausgleich ins verwaiste Tor (50.). Der Ausgleichstreffer kurz nach der Pause beflügelte Villarreal noch mehr, Barça schien sich vom Nackenschlag nicht mehr zu erholen und kassierte nach abermals schwacher kollektiver Abwehrarbeit sogar das 3:2 (Iborra, 62.) und 4:2 (Bacca, 80.). Messis Freistoß schien am Ende nur Kosmetik zu sein. Bis Pistolero Suárez das buchstäblich letzte Wort in einem verrückten Spiel hatte. 

 Spielerkritik: Chaos mit Licht und Schatten

Alex Truica
Freier Sportjournalist, Podcaster und Chefredakteur Barçawelt
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