Niederlage im El Clásico: Ein Weckruf zur rechten Zeit oder der Boden der Tatsachen?

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Während die Spieler und Trainer sicherlich bereits damit beschäftigt sind, die Gründe für die Niederlage des FC Barcelona im El Clásico ausfindig zu machen, ist unter den Anhängern der Blaugrana eine kleine Diskussion über die wahre Leistungsfähigkeit der Mannschaft entbrannt. Für die einen war das Spiel ein Fingerzeig für den Rest der Saison, die anderen sehen hierin nicht mehr als einen Weckruf zur rechten Zeit. Haben die Schützlinge von Luis Enrique das Zeug, den vollkommenen Erfolg der vergangenen Saison zu wiederholen? Es gibt durchaus Raum für Zweifel.

Bis zum Führungstreffer durch Gerard Piqué in der 56. Spielminute war das Spiel für den FC Barcelona unter Kontrolle, erst danach nahm es einen Verlauf, der den Madrilenen in die Karten spielte. Verständlicherweise konzentriert sich die Kritik an die Mannschaft insbesondere auf die letzte halbe Stunde der Partie und die Fehler, die in dieser Phase beobachtbar waren. Das Geschehen am Samstagabend könnte darüber hinaus aber auch grundlegende Probleme zum Vorschein gebracht haben, denen vor dem Hintergrund der bevorstehenden Aufgaben Beachtung geschenkt werden sollte.

Nach dem Spiel stellte Dani Alves zutreffend fest: „Wir hatten nicht genügend Chancen.“ Dabei schien das defensive Gefüge von Real Madrid an diesem Abend durchaus einer Lösung zugänglich zu sein, mit ‘MSN’ standen die richtigen Spieler auf dem Feld, um die Schwächen des Gegners auszuloten und in Tore umzumünzen. Nicht erst seit gestern manifestiert sich aber zunehmend der Eindruck, als sei dem Sturmtrio die Lockerheit und Leichtigkeit etwas abhandengekommen. Es lässt sich durchaus darüber diskutieren, ob die strategische und taktische Marschroute von Luis Enrique die richtige war. Die Vorgaben des Trainers waren aber immerhin anspruchsvoll genug, um dem Sturmtrio mehr als nur einmal eine aussichtsreiche Situation zu vermitteln. Neymar, Messi und Suárez konnten aber recht wenig daraus machen und verloren viele Bälle, die Entscheidungsfindung ließ genauso zu wünschen übrig wie die Präzision. Auch im Dribbling gab es für Messi und Neymar an diesem Abend kaum ein Vorbeikommen.

Ohne ‘MSN’ in der Verfassung aus der letzten Saison wird es für die Katalanen schwer, den Erfolg zu wiederholen. Die offensiven Lasten sind beim FC Barcelona sehr stark auf ihre Schultern verteilt – wenn sie nicht funktionieren, hat die Mannschaft Schwierigkeiten, sich Torchancen herauszuspielen. Das ist die Schwäche im System von Luis Enrique und es schließt sich die Frage an, ob die Abhängigkeit im Offensivspiel nicht schon zu groß ist. Beim FC Barcelona gibt es keinen Plan B, der zur Anwendung gelangt, wenn die Formkurve der drei Sturmjuwelen einmal nicht steil nach oben zeigt. Vieles ist bei Barça auf Positionsspiel und das Ballbesitzspiel ausgelegt, es gibt auf der anderen Seite jedoch kaum Mechanismen, die andere Spieler stärker ins Offensivspiel einbinden und sie dort mehr in die Verantwortung nehmen. Es ist schade, dass die Trainer abseits der Genialität von ‘MSN’ nur wenig an der offensiven Mannschafts- oder Gruppentaktik feilen und das offensive Schema weitgehend starr und unbeweglich ist. Die Möglichkeiten von Messi, Neymar und Suárez sind nicht unbegrenzt, vor allem in Partien gegen starke Mannschaften treffen sie auf ebenso starke Gegenspieler und benötigen Unterstützung.

Zweifel keimen seit längerem auch unter einem anderen Gesichtspunkt: Nach der Niederlage im Estadio Anoeta im vergangenen Jahr zelebrierte die Mannschaft über Monate hinweg einen Fußball der Dominanz. Die Spieler brannten Woche für Woche ein Feuerwerk ab, es entwickelte sich schnell eine Atmosphäre der Überlegenheit, die auf dem Platz wiederum ein bestimmtes Selbstverständnis der Mannschaft förderte. Die Notwendigkeit einer Schonung der Spieler stellte sich nicht, Müdigkeit war kein Faktor. Demgegenüber werden diese Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit der Spielweise des FC Barcelona nun schon seit Wochen in den Mund genommen. Was nicht verwundert, schließlich war die Blaugrana in diesem Jahr noch in keinem einzigen Spiel in der Lage, die Dominanz aus der vergangenen Spielzeit aufs Parkett zu legen und ein Spiel mit einem entsprechenden Selbstverständnis zu bestreiten.

Mir wurden Statistiken gezeigt, die mir bestätigten, dass das Team sich in einer besseren Verfassung befindet als zum gleichen Zeitpunkt in der letzten Saison. Es gibt keine mathematische Formel dafür, aber wir sind zuversichtlich. Hoffen wir, dass sie dieses Fitnesslevel halten können.

Luis Enrique

Luis Enrique beteuert, dass sich die Mannschaft in einer besseren physischen Verfassung befinde im Vergleich zur Triple-Saison. Daran mag man in Anbetracht der bisherigen Darbietungen nicht so recht glauben. Müdigkeit scheint durchaus ein Thema zu sein, doch die Bedenken betreffen auch die mentale Seite. Die Mannschaft vermeidet in diesem Jahr spielerische Risiken und spielt eher verhalten. Hierin spiegelt sich womöglich der veränderte Zustand des Teams und das Bewusstsein der Trainer, bei ihren Überlegungen die Form aus der Vorsaison nicht zugrunde legen zu können.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Sorgen im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit der Mannschaft begründet sind. Nach dem Spiel gegen Real Madrid erklärte Gerard Piqué voller Überzeugung, dass die Mannschaft alles für den Sieg gegeben habe. Das Auftreten der Mannschaft nach dem Führungstreffer zeichnete hier allerdings ein anderes Bild, was auch für die Spielweise davor zutreffen könnte. Auf der anderen Seite verlief auch das Achtelfinale in der Champions League gegen Arsenal London nicht reibungslos. Daher möchten wir euch zum Abschluss um eure Meinung bitten:

Wird Barça zum Saisonendspurt noch eine Schippe zulegen können?

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