Real Sociedad – FC Barcelona 05.02.2012

StartLa LigaReal Sociedad - FC Barcelona 05.02.2012
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Der FC Barcelona gab sich im heimischen Camp Nou keine Blöße und besiegte Real Sociedad hochverdient mit 2:1. Der junge Spieler Tello avancierte dabei zum Matchwinner. Mit seiner jugendlich unbekümmerten Art verzauberte er die Zuschauer und ließ sein Ausnahmetalent aufblitzen.

Von Raphael Lugowski

Linkslastiges, aber kein eindimensionales Spiel

Formell nahm der FC Barcelona das Spiel in seiner altbewährten 4-3-3 Formation in Angriff, der jedoch bei Spielern wie Alves und Adriano in der Startformation wenig Bedeutung beizumessen ist. Diese orientierten sich demnach schnell in Richtung der Flügel und ließen hinten Mascherano und Puyol als letzte Anker zurück, sodass in der Vorwärtsbewegung gar mit einem 2-5-3 aufgewartet wurde. In der Rückwärtsbewegung komplettierten sie die Abwehr zu einer Viererabwehrkette. Im Vergleich zum Valencia-Spiel schalteten sich Puyol und Mascherano nur selten in die Offensive ein, und wenn doch einer von ihnen eine günstige Gelegenheit sah, wurde die Lücke von Alves oder Adriano geschlossen, die sich zurückfallen ließen. Das stellte aber die absolute Ausnahme dar, weil Real Sociedad nicht wie der FC Valencia oder Real Madrid die Passwege zustellte und die Spieler voneinander isolierte. Xavi-Ersatz dos Santos hatte aus diesem Grund die Zeit und den Raum, die Bälle an Thiago oder Fabregas weiterzuleiten. Er erfüllte seine Mittlerfunktion besonders in der ersten Halbzeit hervorragend und war die Bindungsstelle schlechthin zwischen Defensive und Offensive. Gleichwohl muss man aber seine einseitige Spieleröffnung rügen. Überwiegend suchte er seine Mitspieler auf der linken Seite und veranlasste sowohl Thiago als auch Fabregas, sich dorthin zu orientieren. Dies hatte zur Folge, dass das große Talent Cuenca wie schon im Spiel gegen Valencia auf links verhungerte. Wenn er doch einmal den Ball bekam, musste er in den direkten Zweikampf gegen zwei Gegenspieler, was zum Scheitern verurteilt war. In der zweiten Halbzeit wurde Thiago weiter auf rechts beordert und der FC Barcelona diversifizierte seine Angriffsbemühungen.

Youngstar Tello mit der Führung

Trotz der linkslastigen Spielanlage gelang es dem FC Barcelona, viele Chancen zu erspielen. Bereits wenige Minuten nach Anpfiff der Partie hatte Lionel Messi eine hochkarätige Chance zur Führung nach einem Doppelpass mit Fabregas, scheiterte jedoch mit einem Schuss am Schlussmann der Gäste. Im unmittelbaren Gegenzug hatte Real Sociedad die Möglichkeit, es besser zu machen, doch auch Valdez beweist seine gesamte Klasse und verhindert den frühen Rückstand. Das sollte nicht das erste mal gewesen sein, dass ein Spieler von Real frei vor Valdez auftauchte. Beim langsamen Aufbauspiel durch Real Sociedad konnte der FC Barcelona die Viererabwehrkette zwar aufbauen, doch bei schnellem Umschalten des Gegners und bei Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung konnten die Stürmer ins Laufduell mit Mascherano oder Puyol geschickt werden, was Risiken barg. Nichtsdestotrotz sollte es bis zur Pause die letzte Aktion der Gäste gewesen sein, von da an spielten nur die Katalanen. Besonders Tello blühte auf und bewies seine Extraklasse als Flügelstürmer. In der 9. Spielminute von Messi freigespielt zeigte er keine Nerven vor dem Tor und besiegelte mit einem Schuss in die rechte Ecke die Führung für den FC Barcelona. Nach einem feinen Doppelpassspiel mit Thiago hatte Messi die Möglichkeit, die Blaugrana mit zwei Toren in Führung zu bringen, vergab aber wiederum leichtfertig. Kurz darauf probierte sich Thiago beim Toreschießen, nachdem er schön von Cuenca freigespielt wurde, tat es aber Messi gleich. Vor der Pause hatte noch einmal Alves auf halbrechter Position eine gute Möglichkeit, doch auch sein Schussversuch war nicht gut genug.

Real Sociedad leistet Widerstand

Das Spielbild änderte sich in der zweiten Halbzeit nicht geringfügig. Real Sociedad wollte sich nicht einfach geschlagen geben und war jetzt näher dran an den Gegenspielern und auch hinter dem Ball. Der FC Barcelona hatte nicht mehr die Zeit und den Raum, um das Spiel seelenruhig aufziehen. Das spürte auch Dos Santos, der nun einen schwereren Stand hatte und ein wenig abtauchte. Pep Guardiola hatte die Hilflosigkeit von Cuenca erkannt und veranlasste Thiago, weiter nach rechts zu rücken. Dies schaffte allerdings nur wenig Abhilfe, weil der Gegner auf rechts kompakter stand als auf links und Cuenca nichts anderes übrig blieb, als den Ball nach hinten zu spielen. Die zweite Halbzeit nahm ihren Anfang mit einer hundertprozentigen Chance für Real Sociedad. Ein Pass in die Spitze und Mascherano läuft dem Gegenspieler wieder nur hinterher – doch Valdez auch hier mit einer Glanztat. Einen Vorwurf kann man Mascherano, der ansonsten Weltklasse-Tacklinks zeigte, kaum machen. Diese brenzligen Situationen sind system- und taktikbedingt und damit auch Teil des Kalküls von Guardiola. In der 63. Spielminute spielt Thiago einen klasse Pass auf Messi, der den herauseilenden Torwart umdribbelt, aber nicht sofort abschließt. So kann der Gegenspieler den Schuss vom Argentinier blocken. Wenige Minuten später ein unglücklicher Ausgang einer sehr guten Situation für den Gastgeber. Alves spielt Cuenca frei, dessen Schuss an die Unterkante der Latte prallt und vor die Füße von Tello fällt. Tello befördert den Ball zwar ins Tor, doch berührt er vorher Alves, der im Abseits stand. Welch ein Unglück für die Katalanen.

Schockmoment für die Blaugrana

Dann aber ist es endlich so weit. Alves spielt einen hohen Ball in den Strafraum in Richtung des linken Pfostens, wo sich Messi hinbegeben hat und zur 2:0 Führung für den FC Barcelona vollendet. Eine mehr als hochverdiente Führung für die starken Katalanen, an der sich die Fans jedoch nur kurz erfreuen können. So schön die Vorarbeit von Alves auch war, so schwach war sein Passversuch vor dem eigenen Strafraum. Real Sociedad kommt an den Ball, ihr Stürmer wird sofort angespielt und eilt allen davon. Diesmal behält der Stürmer die Nerven und netzt ein zum Anschlusstreffer. Sodann folgte ein Doppelwechsel auf Seiten des FC Barcelona. Dos Santos machte für Busquets Platz, und der starke Puyol wurde von Abidal in den wohlverdienten Feierabend entlassen. Guardiola wollte das Spiel mit diesen Wechseln wohl beruhigen, was ihm auch gelang: Der FC Barcelona agierte fortan behutsamer in der Defensive. Abidal rückte in die Innenverteidigung und Busquets orientierte sich ins defensive Mittelfeld. Adriano interpretierte seine offensive Rolle auf dem Feld nun etwas restriktiver und war fast nur noch hinten links anzutreffen. Ein guter Zug vom Trainer, der aber alsbald über den Haufen geworfen wurde. Nach einem Zweikampf an der linken Außenlinie blieb Busquets verletzt liegen und musste ausgewechselt werden. Die Kameras zeigten eine offene Wunde und ließen Schlimmes befürchten. Doch der FC Barcelona gab per Twitter Entwarnung, es sei nur eine Schnittwunde. Sogar ein Einsatz am Mittwoch sei unter Umständen möglich. Zwischenzeitlich hatte Thiago in der 75. Spielminute noch eine gute Möglichkeit, doch auch ihm mangelt es derzeit an der Kaltschnäuzigkeit. So mussten sich die Fans mit einem knappen Sieg begnügen. Die Pflicht aber wurde erfüllt, und nur darauf kommt es an. Visca el Barca!

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