Real Valladolid gegen FC Barcelona – Taktikrückblick

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Wer kann diese Mannschaften stoppen? In La Liga marschiert der FC Barcelona unbeirrt in Richtung Titel und lässt sich auch durch tragische Ereignisse nicht von seinem Weg abbringen. Sicherlich waren das Spiel und der gestrige Sieg auch Tito Vilanova gewidmet, der das Spiel vor dem Fernseher verfolgt hat. Der Trainer durchlebte einen ruhigen Abend, seine Mannschaft brillierte zwar nur selten, zeigte aber eine überaus solide Vorstellung in der Ferne. Valladolid war nicht in der Lage, Gefahr für den Kasten von Víctor Valdés heraufzubeschwören und zeigte einige Nachlässigkeiten in der Defensive – drei Gegentore waren die logische Konsequenz. Ein Kompliment muss man Valladolid für ihre Leistung dennoch aussprechen, ist es ihnen doch über weite Phasen des Spiels gelungen, den Spielaufbau der Katalanen empfindlich zu stören und sie zu Fehlern zu zwingen.

Valladolid gelingt es, Barça im Zaum zu halten

Obschon es Andrés Iniesta in den Kader des FC Barcelona geschafft hatte und mit nach Valladolid reiste, fand sich der Edeltechniker nicht in der Startformation der Blaugrana wieder. Jordi Roura wollte diesbezüglich kein Risiko eingehen und sah im Spiel gegen Valladolid wohl auch keine Notwendigkeit, unbedingt auf Iniesta zurückzugreifen. Die Fertigkeiten von Thiago sind schließlich ebenfalls nicht von schlechten Eltern und so war es Thiago, der Iniesta auf der halblinken Mittelfeldposition beerbte. Xavi und Busquets gesellten sich an die Seite von Thiago und komplettierten das Mittelfeld der Katalanen. In der Abwehr durfte Mascherano wieder seine Vorzüge unter Beweis stellen und machte an der Seite von Gerard Piqué ein ordentliches Spiel. Den verletzten Adriano vertrat Dani Alves, der zwar nicht so viel Elan wie einst an den Tag legte, sich gleichwohl verbessert präsentierte. Auf der gegenüberliegenden Seite durfte einmal mehr Jordi Alba rumwirbeln, der in diesem Jahr ein enormes Pensum heruntergespult hat. Im Sturm gab es im Vergleich zum letzten Spiel keinerlei Veränderungen; Pedro, Messi und Sánchez gaben sich die Ehre und sollten die gegnerischen Verteidiger in diesen kalten Tagen erwärmen. 

Diese elf Protagonisten ergaben nominell ein 4-3-3, faktisch ist es hingegen schwer, das System von Barça zweifelfrei zu identifizieren. Die Außenverteidiger schieben nach vorne, die Flügelstürmer arbeiten unermüdlich nach hinten. Das gibt dem Spiel von Barcelona ein einzigartiges Gepräge mit vielen strategischen Implikationen. Auch Lionel Messis freie Rolle auf dem Spielfeld lässt eine klare Definition nur schwer zu. Der FC Barcelona spielt mit einem System sui generis. Einfacher dagegen war es das System von Valladolid zu erkennen. Mit einem 4-4-2 stemmten sie sich gegen die Katalanen, zunächst durchaus mit Erfolg. Mit Ausnahme der Chance aus der 5. Spielminute ließ Valladolid nur wenige Tormöglichkeiten zu. Dass sich die Katalanen derart schwer taten, war insbesondere einem Charakteristikum der Spielweise des Gegners geschuldet. In der ersten Hälfte spielte Valladolid ein Mittelfeldpressing, in welches auch die beiden Stürmer integriert waren. Unermüdlich störte insbesondere Manucho den Wirkbereich von Sergio Busquets und verlagerte das Spiel des FC Barcelona damit vom Zentrum auf die Außenbahn. 

Deckung der gesamten Spielfeldbreite, Löcher im Mittelfeldverbund

Die Mittelfeldkette Valladolids war sehr breit aufgestellt und deckte einen erheblichen Teil der Spielfeldbreite ab. Dadurch war es Valladolid möglich, insbesondere auf dem linken Flügel, dem Angriffsflügel des FC Barcelona in dieser Saison, Überzahlsituationen herzustellen und damit das Offensivpotenzial der Katalanen in dieser Region zu beschneiden. Sánchez und Alba konnten sich auf links nur selten in Szene setzen, was die erste Halbzeit anbetrifft. Die Kehrseite dieser breiten Spielanlage sind vergrößerte Abstände im Mittelfeldverbund, die zu Lochpässen in die Halbräume hinein einladen. Tatsächlich gelang es dem FC Barcelona verhältnismäßig häufig, Messi zwischen den Ketten an den Ball zu bringen. Für hochkarätige Tormöglichkeiten konnte Messi aber nicht sorgen. Das lag zum einen an dem sehr couragierten und laufintensivem Spiel der Mittelfeldspieler, die Messi beharrlich auf die Füße traten, aber insbesondere auch an den Innenverteidigern, die zum richtigen Zeitpunkt zu Messi ausrückten und ihn schon bei der Ballannahme stellten. Mit diesem Kniff sollte der Nachteil zu weiter Abstände zwischen den Mittelfeldspielern aufgefangen werden. 

Es wäre aber verfehlt, ausschließlich darauf abzustellen und hierin die Ursache für Barças Schwerfälligkeit zu erblicken. Einige Ungereimtheiten und individuelle Fehler waren der Präzision im Zusammenspiel abträglich und erschwerten den Aufbau und den Abschluss von Spielzügen zusätzlich. Auch erschien einem das Spielfeld in Valladolid nicht unbedingt als rekordverdächtig in den Abmessungen, was den Raum noch mehr verengte. In Verbindung mit dem Arbeiten gegen den Ball und der Aufgabenzuteilung an die Stürmer stellte sich die taktische Konzeption von Valladolid durchaus als geeignet dar, ein zähes Unterfangen für die Blaugrana zu begründen. 

Vertikaler Spielzug besorgt die Führung

Mehr als ein zähes Unterfangen sollte es aber für den FC Barcelona nicht werden. Im Offensivspiel zeigte sich der Hausherr so harmlos wie ein Hauskätzchen und hatte nach den ersten 45 Spielminuten keinen einzigen Torschuss zu verbuchen. Das lag vornehmlich an der Angewohnheit des ballführenden Spielers, sofort in Richtung Valdés Fahrt aufzunehmen, das dem Aufrücken seiner Mitspieler zuvorkam. Damit war es den Katalanen ein Leichtes, den ballführenden Spieler zu isolieren und ihn vom Ball zu trennen. Dies gilt zumindest für die hoffnungsvollen Umschaltsituationen. Der Rest der Angriffe landete im katalanischen Pressingnetz oder wurde durch das starke Arbeiten gegen den Ball zunichte gemacht. Der FC Barcelona macht es den Gegnern aber auch nicht unbedingt einfach, mit Ausnahme von Lionel Messi beteiligen sich alle Spieler an der Defensivarbeit und sorgen für Überzahlsituationen in allen Regionen ihrer Hälfte. Das Angriffspressing von Pedro und Co. verhinderte einen geordneten Spielaufbau von Valladolid aus der eigenen Hälfte heraus, hohe Abschläge waren die Folge. Im anschließenden Kampf um den Ball zeigte sich der FC Barcelona gestern ungewohnt stark, schnell konnte das Spielgerät in die eigenen Reihen adaptiert werden. 

Es dauerte bis zur 43. Spielminute, bis die Mannen von Jordi Roura ihre Überlegenheit in etwas Zählbares ummünzen konnten. Mit einem herrlichen vertikalen Spielzug war es um die Hintermannschaft von Valladolid geschehen. Auf Höhe der Mittellinie kommt Messi an den Ball und sieht elf gegnerische Spieler vor sich. Sofort wird er von dem Sturmpaar unter Druck gesetzt, kann sich ihnen jedoch mit einer Körpertäuschung entziehen und spielt den Ball zwischen den löchrigen Mittelfeldverbund hindurch zu Xavi. Messi unterbricht seinen Lauf nicht, sondern stürmt hin zum Strafraum und leitet die weiteren Vorbereitungen für Xavis Tor ein. Gegen das schnelle vertikale Spiel hatte Valladolid nichts entgegenzusetzen. Man muss aber auch konstatieren, dass das Zweikampfverhalten der Heimmannschaft in dieser Situation sowie die Aktivität in ihrem Spiel einen vorläufigen Tiefpunkt erreichten. Nichtsdestotrotz waren der beherzte Antritt von Lionel Messi und der sich daraus ergebende vertikale Zug hauptverantwortlich für die verdiente Führung. 

Hohes Pressing und Messis Genialität bringen die Entscheidung

In der zweiten Halbzeit hat Valladolid etwas umdisponiert und ein situationsbedingtes Angriffspressing praktiziert, allerdings mit mäßigem Erfolg. Für die brenzligen Situationen sollten weiterhin die Katalanen zuständig sein. Für sie ergaben sich nun mehr Räume im Spiel, sodass dieses unter ihrer völligen Vorherrschaft stand. Wenn Valladolid aufgerückt war bzw. ihr Offensivpressing umspielt worden ist, ergaben sich darüber hinaus auch Möglichkeiten für schnelle Konter. In der 58. Spielminute hätte ein halbherziges Anriffspressing von Valladolid beinahe fatale Folgen gehabt. Mühelos wird die defizitäre Pressingzone umspielt und ein Konter eingeleitet, der im Normalfall in einem Tor mündet. Messi kommt einsam vor dem Tor zum Schuss, verzieht aber kläglich. Nur zwei Minuten später kann La Pulga es besser machen. Im Vorfeld seines 91. Pflichtspieltores im Kalenderjahr 2012 kam einmal mehr die Dominanz des FC Barcelona in dieser Partie zum Vorschein. Durch ein hohes Pressing bringt sich der FC Barcelona in Ballbesitz und diesem schließt sich ein weiterer genialer Coup von Messi an, an dem Xavi nicht ganz unbeteiligt ist. Ein herrlicher Treffer, der einmal mehr auch der taktischen Marschrichtung des FC Barcelona geschuldet war. 

Das Spiel war entschieden, die Unachtsamkeit kurz vor Spielende sollte nicht mehr ins Gewicht fallen. Lediglich zwei Punkte fehlen dem FC Barcelona am Ende der Hinrunde zur Maximalpunkteausbeute, ein unfassbares Resultat, das wohl für alle Ewigkeit Bestand haben wird. Der Erfolg in der Hinrunde bringt auch zum Ausdruck, dass in taktischer Hinsicht eine Weiterentwicklung stattgefunden hat. Bisweilen haben wir nur von Spiel zu Spiel geschaut. Nun ist es an der Zeit, zurückzublicken und dem Leser ein Gesamtbild über das FC Barcelona dieser Hinrunde zu vermitteln – unter dem taktischen Blickwinkel wohlgemerkt. Dies freilich erst nach den Feiertagen. 

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