Spielanalyse | FC Barcelona – Real Madrid: Barça verpasst Sieg im El Clásico ganz knapp

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Schon vor dem Spiel ist klar gewesen: Dieser El Clásico wird anders als die letzten sein. Der FC Barcelona musste einen Vorsprung von sechs Punkten vermindern und war zum Siegen verpflichtet. Real Madrid hingegen würde alles dafür tun, um den herausgespielten Vorsprung zu behalten oder gar zu vergrößern. Es ist kein Spiel gewesen, in dem sich zwei Taktikfüchse die Schädel einschlugen, um hinterher auf der Pressekonferenz zu sagen, mit welchen Mitteln man versuchte, dieses Ergebnis einzufahren. Der FC Barcelona als auch Real Madrid zogen ihr typisches Spiel auf und der erste El Clásico dieser Spielzeit endete mit einem 1:1-Remis. Nachdem zwei Elfmeter für Real Madrid als auch für Barça nicht gegeben wurden, war es Luis Suárez, der nach einem Freistoß von Neymar per Kopf die Führung erzielt. In der letzten Spielminute traf Real Madrid durch Sergio Ramos zum Ausgleich. 

Barcelona startete wie erwartet mit Marc-André ter Stegen im Tor. Die Viererkette wurde von Jordi Alba, Gerard Piqué, Javier Mascherano und Sergi Roberto gebildet. Im Mittelfeld agierten Sergio Busquets, Ivan Rakitic und Andre Gomés. Das Sturmtrio bestand wie erwartet aus Lionel Messi, Luis Suárez und Neymar.

Barça sowie Real Madrid ohne taktische Überraschungen

Die Katalanen agierten wie auch in den vorherigen Partien, nur, dass diesmal die Akteure lauffreudiger waren, was zwar auch auf die erste, aber noch mehr auf die zweite Halbzeit zutraf. Zumindest lauffreudiger als in den beiden vorangegangenen Partien im Pokal als auch in der Liga. Auf ein Pressing setzte der FC Barcelona nur im Mittelfeld und zog sich bei gegnerischem Ballbesitz in der Regel zurück. Die Formation lautete dabei 4-4-2, in der Neymar wieder einmal in die Mittelfeldreihe einrückte und versuchte, das Verteidigungsspiel der Blaugranas breiter zu staffeln. Dies klappte in der ersten Halbzeit allerdings nicht immer gut, was von Real Madrid so gut wie immer in der Offensivbewegung ausgenutzt wurde. Weiterhin rückte im Aufbauspiel Neymar weiter nach vorne und aus einem 4-4-2 wurde ein 4-3-3. Die Mannschaft rückte allerdings eher behäbig auf, sodass meist im vorletzten Drittel ein Angriff aufgrund Real Madrids Defensivformation verhindert werden konnte. Die Madrilenen zogen sich in der Regel im 4-1-4-1 zurück und gingen die Verteidiger nicht an. Es waren die Mittelfeldspieler des FC Barcelona, die ins Visier von Isco und Co. genommen worden sind. In der Defensivformation war in der Regel ein 4-4-2 zu erkennen, welches auch die Grundformation Real Madrids bildete. Das 4-4-2 war zunächst dann zu sehen, als die Blaugranas den Ball um den Mittelkreis spielten und versuchten, das Spiel aufzubauen. Die Viererkette im Mittelfeld stand in der Regel eng zusammen und ließ lediglich Freiräume über die Außen zu, welche vom FC Barcelona hätten besser bespielt werden können. Auf Seitenwechsel reagierte Real Madrid allerdings mit Verschiebungen und Doppelungen mit der gesamten Mannschaft, was allerdings keine Besonderheit im Defensivspiel darstellt.

Im Bild: Real Madrid im 4-4-2-System.

Rückten die Katalanen weiter nach vorne, verschoben die beiden Viererketten enger zueinander, sodass es nur wenige Möglichkeiten für den FC Barcelona gab, zwischen die Ketten zu kommen. Die disziplinierte und aggressive Spielweise Real Madrids im Mittelfeld sorgte in der Folge dafür, dass die Katalanen keine Kontrolle über das Spiel hatten. Dieser Mangel an Spielkontrolle brachte Lionel Messi, der in der ersten Halbzeit offensiv kaum in Erscheinung trat, dazu, sich tiefer fallen zu lassen, um dem Mittelfeld die Unterstützung aufgrund seiner Ballsicherheit zu geben. Folglich fehlte es dem FC Barcelona in den ersten 45 Minuten zum einen an Kontrolle über das Spiel, was sich in den Bewegungen des Weltfußballers widerspiegelte, als auch in der Folge an Offensivgefahr, da mit Messi ein wichtiger Offensiv- und Kreativspieler in der Offensive weggefallen ist, um die nicht vorhandene Spielkontrolle zu bekommen.

Luis Suárez‘ Tor und Iniestas Einwechslung bringen das Selbstvertrauen zurück

In der zweiten Halbzeit sollte sich das Bild des Spiels ändern. Nachdem die Madrilenen in der ersten Hälfte die Mannschaft waren, die mehr zu überzeugen wusste und vor allem wegen ihres aggressiveren Spielstils mehr vom Spiel hatte – auch wenn der FC Barcelona mehr Ballbesitz gehabt hat -, änderte eine Szene alles. Neymar wird gefoult, Neymar tritt zum Freistoß an. Die Flanke erreicht Luis Suárez, dieser köpft ein – Tor! Danach war der Schalter umgelegt. Luis Enrique erkannte rechtzeitig, dass nun ein Andrés Iniesta die nötige Frische ins Mittelfeld bringen und das Offensiv- als auch das Defensivspiel beflügeln würde. Zum einen deswegen, weil Iniesta ein Spieler ist, der die Mitspieler entlasten und die Spielkontrolle wieder aufseiten der Katalanen bringen kann, zum anderen aber auch deswegen, weil Lionel Messi nun weiter vorne agieren konnte und mehr Freiheiten hatte. Der FC Barcelona konnte nun viel mehr aus seinen Stärken machen und war im schnellen Umschaltspiel nun wesentlich aktiver. Messi als auch Iniesta spielten entweder starke Pässe nach vorne oder kamen selbst zum Abschluss. Gemeinsam mit Neymar kam man insgesamt auf vier vielversprechende und klare Chancen nach der Führung, um das Spiel frühzeitig zu entscheiden. Diese wurden allerdings nicht genutzt, was oft im Fußball bestraft wird. In der Schlussminute ist es Sergio Ramos gewesen, der eine Freistoßflanke per Kopf verwandeln konnte. Hierbei kam er unbedrängt zum Kopfball, da Javier Mascherano zuvor ausgerutscht ist und so seinen Gegenspieler verlor. 

Real Madrids Offensivspiel: Mit Tempogegenstößen gegen weit aufgerückte Katalanen

Real Madrid verstand es insbesondere in der ersten Halbzeit, die Probleme der Katalanen anzugehen; der Gegner konnte sie aber nicht für sich verwerten. Dafür war die Chancenverwertung zu schlecht. Sergi Roberto als auch Ivan Rakitic hatten im Laufe der ersten 45 Minuten Probleme, sich zu verständigen. Dies konnte daran erkannt werden, dass Sergi Roberto beim Aufrücken oft nicht abgesichert worden ist. Kam Sergi Roberto in die Nähe des ballführenden Gegenspielers, wurde allerdings häufig der Defensivzweikampf gemieden, was es dem Ballherrn erlaubte, Spielszenen zu initialisieren, die durchaus für Gefahr sorgten. Die rechte Abwehrseite ist praktisch entblößt gewesen, sodass Cristiano Ronaldo und Co. von dort aus ihre Angriffe fuhren. Vor allem fand Marcelo daran Freude, sich ausgelassen nach vorne zu bewegen. Dies unterstreicht zum einen, dass man auf der rechten Abwehrseite ziemlich offen stand. Lionel Messi, der in vorigen El Clásicos oft die Außenspieler Real Madrids band, war weiter ins Zentrum eingerückt ist, was Marcelos Bewegungen noch begünstigte. Das belegt auch die Statistik: 38 Prozent der Angriffe fanden über die linke Angriffsseite Real Madrids statt, über das Zentrum als auch über die rechte Seite waren es sieben Prozent weniger. Weiterhin muss berücksichtigt werden, dass der FC Barcelona zunächst Probleme damit hatte, angemessene Abstände zwischen Verteidigungs- und Mittelfeldlinie herzustellen. Zwischen den Ketten war somit zu viel Platz vorhanden. Vor allem Sergio Busquets sorgte aber für Entlastung, weil er zwar von Real Madrids Mittelfeldspielern aggressiv angegangen wurde, es allerdings verstand, in Drucksituationen seine typische Ruhe, die in dieser Saison überraschenderweise noch nicht so oft gesehen wurde, zur Geltung zu bringen und den Ball sicher zum nächsten Mann zu spielen.

Sergi Roberto rückt weitauf

Sergi Roberto rückt weit auf, man achte auf den Freiraum hinter seinem Rücken

Marcelo nutzt Freiraum aus

Mit einem einfachen Pass und einer einfachen Bewegung kann der Raum nun bespielt werden. Eine Grätsche von Piqué, der den Pass auf Marcelo abfängt, verhindert Schlimmeres.

Real Madrid verliert den Zugriff auf die Barça-Spieler

Nach dem Gegentreffer verfiel Real Madrid in Schockstarre. Der Zugriff auf die Barça-Spieler wurde verloren, die mehr und mehr das Heft an sich rissen. Dies zeigte sich insbesondere in der Defensivbewegung. Zuvor verstanden es die Madrilenen nämlich, die Zwischenräume gut abzudichten, indem man sich beispielsweise kontrolliert im 4-1-4-1 zurückzog, um schlussendlich ein 4-4-2 zu bilden, das dicht an der Defensive war. Nach dem ersten Treffer ist es so gewesen, dass die Zwischenräume für die Blaugranas wesentlich einfacher zu bespielen war. Real Madrid kam nur noch in wenige Zweikämpfe und verlor die Kontrolle über den Ball, welchen die Katalanen sicher in den eigenen Reihen zirkulieren ließen. Erst in den Schlussminuten verstand es Real Madrid wieder, öfter den Weg in Richtung Tor zu gehen und dabei den Ball besser, aber nicht flüssig, laufen zu lassen.

Fazit: Der FC Barcelona verpasst es, Real Madrid zu bezwingen

Insgesamt ist zu sagen, dass sich der FC Barcelona im Vergleich zu den vorherigen Begegnungen verbessert gezeigt hat. Das lag vor allem daran, dass Sergio Busquets wieder ein starkes Spiel ablieferte, aber auch an Iniestas Einwechslung, die dafür gesorgt hat, dass die Rollenverteilung nun klarer war und sich die Akteure nun mehr auf ihre Stärken und typischen Aufgaben konzentrieren konnten. Daher ist es kein Wunder, dass ‚MSN‘ vor allem nach Andrés‘ Einwechslung ins Spiel gefunden hat.

Es bleibt festzuhalten, dass die Tore bezeichnend für das Spiel beider Mannschaften gewesen sind. Aus dem Spiel heraus ging für den FC Barcelona vor der Führung nämlich wenig. Man kam kaum vor des Gegners Tor und konnte somit nur wenig Gefahr ausstrahlen. Dasselbe gilt für Real Madrid. Die Madrilenen waren nach dem Rückstand wie erstarrt und strahlten ebenfalls keine Gefahr mehr aus. Bezeichnend war dies vor allem deswegen, weil beide Tore nach Standardsituationen und nicht aus dem Spiel heraus fielen.

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