Spielerkritik | Suárez zaubert, Messi desinteressiert, de Jong kostet Barça den Sieg

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Der FC Barcelona gab beim Remis bei Espanyol den Sieg aus der Hand, nachdem die letzten 15 Minuten in Unterzahl verbracht wurden. Während Luis Suárez in zwei Aktionen seine Klasse aufblitzen ließ und Lionel Messi einmal mehr erstaunlich teilnahmslos wirkte, sorgte Frenkie de Jong mit seinem Platzverweis für Zittern in den Reihen der Blaugrana. Die Spielerkritik zum ersten Auftritt im neuen Jahr.

 

Neto

Der Brasilianer durfte gegen Espanyol zum ersten Mal in der Liga für die Katalanen ran, nachdem Marc-André ter Stegen angeschlagen passen musste. Neto zeigte von Beginn an, dass er ebenso wie der Deutsche mit dem Ball umgehen konnte und bemühte sich auffällig, alle Pässe kurz zu spielen. Einmal wäre es in der ersten Halbzeit fast schief gegangen, doch er hatte Glück und der Gegenspieler kam gerade nicht ran. Beim Gegentor in der 23. Minute war Neto chancenlos, der Ball landete unhaltbar im langen Eck. Danach agierte Barças Nummer 2 insgesamt souverän, die wenigen Schüsse, die auf sein Tor kamen, parierte er problemlos. Beim späten 2:2 ist ihm kein Vorwurf zu machen, dafür passte der Ball zu genau neben den Pfosten. Barçawelt-Punkte: 7

Sergi Roberto

Der Rechtsverteidiger startete sehr engagiert in die Partie und zeigte einige Läufe in die Spitze. Zwar hatte er Probleme beim Kombinationsspiel mit Messi, doch das entmutigte ihn nicht. In der 41. Minute lieferte Sergi Roberto nach einem solchen Powerlauf eine sehr gute Flanke auf Messi, die dieser per Kopf nicht genau genug platzierte. In Durchgang zwei baute Roberto offensiv etwas ab, nun spielte Barça aber auch häufiger über links. Nach dem Platzverweis de Jongs wechselte er ins Mittelfeld, wo er ohne große Auffälligkeiten die Partie zu Ende spielte. Es war kein schlechter Auftritt, aber den Konkurrenzkampf mit Semedo hat er mit solchen Leistungen nicht klarer gestaltet. Barçawelt-Punkte: 6

Gerard Piqué

Barcelonas Abwehrchef begann das Spiel sehr souverän, in der 4. Minute klärte er beispielsweise lässig mit der Hacke zum Mitspieler. Ansonsten war er stets aufmerksam und bei den Luftduellen immer zur Stelle. Kurz vor der Halbzeit leistete Piqué sich aber einen Aussetzer, als er weit in der eigenen Hälfte einen schlampigen Fehlpass spielte, im Kollektiv konnte dieser Fehler aber ausgebessert werden. In der zweiten Halbzeit wurde er dann lange Zeit nicht gefordert, bis in der Schlussphase plötzlich Hektik in die Partie kam. In den wichtigen Situationen war er dann zur Stelle und hatte den Fuß dazwischen. Beim späten Ausgleich war er nicht für die Deckung des Torschützen zuständig – hier ließ Lenglet seinen Gegenspieler ziehen. Barçawelt-Punkte: 7

Clément Lenglet

Lenglet zeigte eine unauffällige Leistung – bis zu seinem Fehler kurz vor dem Ende. Der Franzose war bemühte, schnell nach vorne zu schieben und Pässe zu antizipieren, was ihm aber nur teilweise gelang. In der 36. Minute flog sein Kopfball nach einem Freistoß zwar weit am Tor vorbei, setzte aber nach langer Durststrecke zumindest wieder einen Torschuss. Wie sein Nebenmann Piqué war er oft nur mit der Spieleröffnung gefragt, was er ohne grobe Schnitzer vollbrachte. Sein solider Auftritt wurde dann aber geschmälert, als er Wu Lei in seinem Rücken weglaufen ließ und somit den größten Anteil am 2:2 hatte. Barçawelt-Punkte: 6

Jordi Alba

Alba kam nicht gut in die Partie und hatte Schwierigkeiten auf seiner linken Seite. Besonders das Zusammenspiel mit Antoine Griezmann funktionierte überhaupt nicht, weswegen er sich oft zu Rückpässen gezwungen sah. Ein schöner, jedoch ergebnisloger Heber über den Mitspieler in der 20. Minute täuschte leider auch nicht über diese Tatsache hinweg. Zudem waren zwischen Alba und Lenglet manchmal Abstimmungsprobleme zu erkennen. Mit Fortschreiten des Spiels kam Alba dann aber besser in die Partie. Kurz nach der Halbzeit bediente er Suárez mit einer schönen halbhohen Flanke, die dieser zum Ausgleich nutzen konnte. Danach zeigte Alba generell mehr Sprints im Angriffsdrittel, wobei man erwähnen muss, dass er auch immer mehr Platz auf seiner Seite vorfand. Barçawelt-Punkte: 6

Sergio Busquets

Busquets zeigte eine für ihn typische Partie. Er überragte nicht und hielt sich zurück, doch er verstand es gut, Räume zu schließen und das Spiel zu eröffnen. Oft stand der Abräumer einfach gut. Für die Ideen hätten seine beiden Mittelfeldkollegen sorgen sollen, insofern ist ihm in diesem Sinne kein Vorwurf zu machen. Allerdings verhielt er sich oftmals zu statisch und seine Rückwärtsbewegung war wie so oft nicht berauschend. Allgemein kann man konstatieren, dass Busquets Barcelona weder im Guten noch im Schlechten stark beeinflusste. Herausragend waren aber seine 128 Ballkontakte – die mit Abstand meisten aller Akteure. Barçawelt-Punkte: 6

Ivan Rakitic

Der Kroate sollte für Stabilität und Kontrolle sorgen, tat dies aber nur bedingt. Er entschleunigt wie so oft das Spiel und konnte keine kreativen Impulse nach vorne setzen. Bezeichnend ist die Szene in der 2. Minute, als er in aussichtsreicher Position am Strafraum Espanyols halbherzig über den Ball schlägt. Rakitic leistete sich keine groben Schnitzer, schaffte es jedoch nie, auch nur einen Funken Gefahr auszustrahlen. Daher ist es nicht überraschend, dass er zur Halbzeit für Vidal vom Platz genommen wurde. Eine unauffällig Partie des Kroaten, von dem man sich mehr Impact erhofft. Barçawelt-Punkte: 5

Frenkie de Jong

Gegen Espanyol begann de Jong im halblinken Mittelfeld. Da Busquets auch spielte, musste er nicht so sehr auf Absicherung bedacht spielen, trotzdem kamen nur wenige Dribblings von ihm. Das ist besonders schade, weil die wenigen Vorstöße von ihm sehr dynamisch und spieleröffnend waren. Beim Gegentreffer in der ersten Halbzeit verlor er den Gegenspieler und war dann nicht mehr eng genug an ihm dran, um ihn am Kopfball zu hindern. Insofern geht dieses Gegentor auf seine Kappe. In der 66. Minute holte sich der Niederländer nach einem taktischen Foul zudem die gelbe Karte ab. Diese wurde ihm dann später zum Verhängnis: In der 75. Minute zog er unnötigerweise nach eigenem Ballverlust noch einmal das Foul, was folgerichtig mit Gelb-Rot geahndet wurde. Damit leistete er den Katalanen, die zu diesem Moment das Spiel im Griff hatten, einen Bärendienst. Den später Punktverlust kann man so de Jong indirekt ankreiden. Barçawelt-Punkte: 3

Lionel Messi

La Pulga begann verhalten. Interessant zu beobachten war, dass er in den ersten 20 Minuten wirklich auf der rechten Außenbahn blieb und kaum in die Mitte rückte. Da er aber merkte, dass dort das Spiel an ihm vorbeilief, änderte er das im Laufe der Partie. Kurz vor dem Halbzeitpfiff hatte er eine gute Möglichkeit per Kopf, setzte seinen Kopfball aber zu unplatziert. In der 65. Minute zeigte er dann wieder sein ganzen Potenzial, als er aus der eigenen Hälfte einen Sololauf startete und schlussendlich Suárez mustergültig bediente, der aber an López scheiterte. Ansonsten verhielt er sich ungewohnt passiv, wirkt fast schon desinteressiert und lustlos. Besonders nachdem Barça nur mehr zu zehnt war, hätte man ihn gebraucht. Stattdessen ließ er in der letzten Spielminute seinen Gegenspieler einfach ohne Begleitung allein auf die Viererkette zulaufen. Ein Verhalten, das sich für einen Kapitän nicht gehört. Barçawelt-Punkte: 4

Luis Suárez

Das Spiel begann für Luis Suárez wie beinahe immer: Er bewegte sich wenig, offenbarte Probleme bei der Ballannahme und nahm nur wenig an Kombinationen teil. Offensichtlich wurde das zum Beispiel in der 10. Minute, als er eine Chance vertändelte. Doch wie so oft hat das bei Suárez nichts zu bedeuten. In der 41. Minute wackelte er plötzlich alle aus und setzte einen Schuss aus dem Nichts an den Pfosten. Nach der Halbzeit sollte es dann aber passen: In der 50. Minute bekam der Uruguayer den Ball von Alba gut aufgelegt und verarbeite diesen schwierigen Ball grandios, mit viel Gefühl schob er die Kugel mit dem ersten Kontakt ins kurze Eck. Kurz darauf kam seine nächste Sternstunde: Im gegnerischen Strafraum eroberte er den Ball, behauptete ihn und flankte perfekt auf den einlaufenden Vidal, der zum 2:1 einköpfte. Gegen Ende vergab er jedoch zwei sehr gute Chancen, mit denen er das Spiel hätte entscheiden müssen. Dennoch eine starke Partie des Uruguayers. Barçawelt-Punkte: 8, MOTM

Antoine Griezmann

Der Franzose war leider nur wenig am Offensivspiel beteiligt – was vor allem daran lag, dass Barça über weite Strecken des Spiels in der Offensive absolut unsichtbar war. In ein paar Aktionen ließ er gute Ideen aufblitzen, konnte aber nichts Entscheidendes einbringen. Am Ende war es ein gebrauchter Arbeitstag für Griezmann, kein Torschuss, nur ein erfolgreiches Dribbling, eine Passquote von 74 Prozent wird ihm auch nicht gefallen. Der 120-Millionen-Einkauf fiel aber auch nicht stark vom Mannschaftsgefüge ab. Barçawelt-Punkte: 4

 Arturo Vidal

Der Chilene kam nach der Halbzeitpause, um Schwung in die Partie zu bringen. Sein Elan sollte für mehr Bewegung sorgen, schließlich ist er für konsequente Läufe in die Spitze bekannt. Das war der Plan – und er ging auf. Sofort versprühte die Blaugrana mehr Gefahr. Beim 1:1 zog Vidal einen Innenverteidger durch einen Lauf in den Strafraum auf sich, was Suárez den nötigen Platz verschaffte; beim 2:1 vollendete er nach toller Vorarbeit Suárez’ mit einem wuchtigen Kopfball. In dieser Form ist Vidal viel wert. Man sah sofort, inwiefern der Chilene dem Spiel gut tut, wenn gerade wenig los ist. Barçawelt-Punkte: 8

 Nélson Semedo

Semedo wurde 80. Minute eingewechselt, um Sergi Roberto, der ins Mittelfeld rückte, als Rechtsverteidiger abzulösen. Semedo konnte in den Schlussminuten aber keine Akzente mehr setzen und verteidigte souverän. Barçawelt-Punkte: keine Bewertung

Trainer Ernesto Valverde

Valverde wählte eine sehr konservative Aufstellung und setzte mit dem Mittelfeld, bestehend aus Busquets, Rakitic und de Jong, sehr auf Kontrolle und Sicherheit. Dieses Konzept ging überhaupt nicht auf. Keine Ideen, Planlosigkeit, kaum Bewegung, keinerlei Gefahr – leider konnte Valverde über die Weihnachtsferien nichts daran ändern. Zumindest merkte er, dass es so nicht weitergehen konnte und bracht Vidal für Rakitic, der Chilene sollte mit läufen in den Strafraum einen verkappten zweiten Stürmer geben. Diese Einwechslung hatte sofortige positive Konsequenzen, Valverdes Plan ging bei beiden Toren voll auf. Warum er allerdings nach dem Platzverweis de Jongs ausgerechnet Griezmann runternimmt, der für sein exzellentes Defensivverhalten bekannt ist, anstatt Suárez, bleibt wohl ein Rätsel. Irgendwie kann ihm somit das späte 2:2 auch teilweise angekreidet werden. Eine vorhersehbare Aufstellung, ein guter und ein schlechter Wechsel – auch für Valverde war das Spiel gegen Espanyol durchwachsen. Barçawelt-Punkte: 5

Erklärung zur Punktevergabe

10 Punkte: Weltklasse
9 Punkte: sehr gute Leistung
8 Punkte: gute Leistung
7 Punkte: ansprechende Leistung
6 Punkte: durchschnittliche Leistung
5 Punkte:
unterdurchschnittliche Leistung
4 Punkte: schwache Leistung
3 Punkte: schlechte Leistung
2 Punkte:
ungenügende Leistung
1 Punkt: Totalausfall

 

Michael Weilch
Treuer Culé seit Beginn der Ära Messis und der festen Überzeugung, dass Barça "més que un club" ist. Hofft, dass sich die Blaugrana auf ihre historischen Wurzeln besinnt und gerade in heutigen Zeiten ein Leuchtbild für Demokratie und Chancengleichheit darstellt - der Grund, warum der FC Barcelona eben nicht "nur" ein Fußballverein ist. Motto: "Tots units fem força!"
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