Topspiel und Kampf der Systeme: Barça trifft auf Defensivkonstrukt Getafe

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Wenn der FC Barcelona in den vergangenen Jahren in der Liga auf einen drittplatzierten Hauptstadtklub traf, hieß der Gegner entweder Real oder Atlético Madrid. Dieses Mal kommt der auf Rang drei liegende Verein jedoch aus einem Madrider Vorort und heißt FC Getafe. Nichtsdestotrotz wird am Samstag auch ein Hauch von Atleti durchs Camp Nou fegen. 

Die Erleichterung der Barça-Akteure war förmlich zu spüren, als Schiedsrichter José María Sánchez Martínez die Partie zwischen Betis und der Blaugrana nach 94 Minuten beendete, welche Barça mit 3:2 in der Ferne gewinnen konnte. Denn wenngleich die Béticos in dieser Spielzeit weit unter ihren Möglichkeiten performen, so sind sie nach wie vor ein unangenehm zu bespielender Gegner und potenzieller Stolperstein, wie der FC Valencia, Real Sociedad und Real Madrid in dieser Saison bereits erfahren haben.

Nach dem unglücklichen Ausscheiden in der Copa del Rey, einem glanzlosen Heimsieg über Levante sowie dem schwachen Auftritt in Valencia, wirkte der nach zweifachem Rückstand hart erkämpfte Sieg in Sevilla wie ein möglicher Wendepunkt für das Team von Neu-Trainer Quique Setién. Eines dieser Spiele, bei dem nicht alles rund lief, aber bei dem man letztlich doch aufgrund der individuellen Qualität sowie der Genialität eines Lionel Messi als Sieger den Platz verließ.

Und obgleich das Ausscheiden im Pokal mehr als ärgerlich war, so hat es den Katalanen immerhin eine spielfreie Woche vor dem Topspiel gegen den Drittplatzierten FC Getafe (Samstag, 16 Uhr) beschert. Und diese Pause dürfte dem ausgedünnten Kader von Quique Setién durchaus gutgetan haben, denn die personellen Optionen des 61-Jährigen halten sich in Grenzen.

Setién ohne Experimente 

Die Offensivreihe stellt sich mit Messi, Antoine Griezmann und Ansu Fati quasi von alleine auf, sollte Setién erneut auf einen Dreiersturm setzen. Insbesondere Griezmann müsste sich nach zuletzt schwachen Auftritten mal wieder beweisen, denn wenngleich seine defensive Arbeitsrate bemerkenswert ist, tauchte er im Spiel nach vorne in den vergangenen Wochen teilweise komplett ab.

An dieser Stelle besteht jedoch nach wie vor die Option, dass Barça von der Sonderregelung der RFEF Gebrauch machen würde, die es ihnen erlaubt, aufgrund der schweren Verletzung von Ousmane Dembélé einen Stürmer außerhalb des Transferfensters nachzuverpflichten.

Aufgrund der dünnen Personaldecke im Sturm setzte Setién zuletzt auch gerne einmal auf ein Vierer-Mittelfeld. Doch auch hier halten sich die Optionen aufgrund von ausbleibenden Leistungen in Grenzen, denn sowohl Ivan Rakitic als auch Arturo Vidal machten im Trikot der Katalenen zuletzt keine gute Figur. Dies öffnet wiederum die Tür für Arthur. Der Brasilianer ist nach seiner Schambeinverletzung wieder auf dem Weg zu alter Stärke, stand unter Setién bis dato jedoch nur beim Gastspiel in Valencia in der Startelf (wo er jedoch nach 56 Minuten ausgewechselt wurde) – ansonsten kam er immer als Joker von der Bank.

In der Abwehr kehrt unterdessen Gerard Piqué nach abgesessener Gelbsperre zurück in die Mannschaft. Dafür muss Clément Lenglet aufgrund seiner Roten Karte vom vergangenen Wochenende dieses Mal auf der Tribüne Platz nehmen. Somit wird Samuel Umtiti aller Voraussicht nach erneut von Anfang an auflaufen, auch er zuletzt einige Trainingseinheiten aufgrund einer Knieschwellung verpasst hatte. 

Drittplatziertes Getafe überrascht weiterhin 

Während die Stimmung beim FC Barcelona momentan noch ein wenig gedämpft ist, könnte sie derzeit im Vorort Madrids ausgelassener kaum sein. Nachdem der FC Getafe die vergangene Saison auf einem überraschenden wie großartigen fünften Platz abschloss – und die Teilnahme an der Champions League nur ganz knapp verpasste – stehen die Azulones aktuell sogar noch besser da und strafen jeden Lügen, der sie vor einem Jahr noch als One-Hit-Wonder abgetan hat.

Getafe grüßt nach nunmehr 23 Spieltagen von Platz drei, drei Punkte vor Atlético und Valencia, die sich am Freitagabend auch noch gegenseitig die Punkte wegnehmen werden. Nach anfänglich Startschwierigkeiten (sieben Punkte aus sieben Spielen und Platz 16 in der Tabelle), hat sich die Mannschaft von José “Pepe” Bordalas wieder gefangen.

Dabei geholfen hat einerseits eine stabile Defensive (20 Gegentore, drittbeste Abwehr der Liga) rund um Abwehrchef Djené, die die vergangenen vier Spiele jeweils zu Null gespielt hat, ebenso wie das auf dem Papier überaltert wirkende Offensivtrio um Kapitän Jorge Molina (37 Jahre alt/5 Saisonore), Jaime Mata (31/8) und Ángel Rodriguez (32/9) – drei abgezockte Angreifer, die sich abwechseln und perfekt in das System von Bordalás passen.

Ihr destruktiv-abwartender und auf Konter ausgelegter Spielstil gepaart mit ihrer stabilen Defensive hat Getafe auch ein wenig den Ruf beigebracht, ein Atlético 2.0 zu sein. Zugegeben, Getafe spielt einen recht harten Fußball, was schon ein Blick auf die Foul-Tabelle zeigt, die die Azulones mit 430 Fouls anführen (zum Vergleich: auf Platz 2 liegt Deportivo Alavés mit 369).

Dass die Mannen von Bordalás jedoch auch spielerisch überzeugen, Torchancen kreieren und einen Gegner an die Wand spielen können, bewiesen sie jüngst am vergangenen Spieltag, als sie einen 3:0-Heimerfolg über Valencia feierten.

Die Gäste sind derzeit in blendender Form, zudem prasseln zwei komplett konträre Spielphilosophien aufeinander, wie auch Setién anmerkte, der sich in der Vergangenheit verbale Scharmützel mit Bordalas lieferte, weil er dessen Art Fußball spielen zu lassen nicht sonderlich zu schätzen wusste, seitdem sind beide Trainer nicht gut aufeinander zu sprechen. Barcelona gegen Getafe klingt zwar nicht unbedingt nach Topspiel, doch auf Messi & Co. wartet am Samstag im Duell der Systeme eine harte Nuss.

 

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