Was für’n cooler Typ: Isaac Cuenca über Barça, seinen Werdegang und Lionel Messi

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Isaac Cuenca stand 2012 gemeinsam mit Messi, Iniesta und Co. für den FC Barcelona im CL-Halbfinale. Wirklich angekommen ist der La-Masia-Absolvent im Camp Nou allerdings nie. Nach seinem Abgang erlebte der Flügelflitzer eine Berg- und Talfahrt in der Türkei, den Niederlanden und Deportivo, die sowohl Erfahrungen als auch Narben hinterlassen hat. 2016 tritt Cuenca für Granada das runde Leder und erzielte zuletzt gegen Atlético Madrid einen reizenden Treffer. Auch wenn es damals nicht für die erste Elf der Blauroten gereicht hat, kommt der kämpferische Geist dem jungen Spanier im emotionalen Interview mit der ‚Sport‘ nicht abhanden. 

Auch Verletzungspech und die abrupten Trainerwechsel haben dafür gesorgt, dass Cuenca sich in Barcelona nicht gegen Spieler wie Alexis Sánchez oder Lionel Messi durchsetzen konnte. Dass ihm das alles noch irgendwie zu Herzen geht, ist ihm deutlich anzumerken. Vor allem für ‚La Pulga‘ fehlen dem sympathischen 25-Jährigen heute noch die passenden Worte. Das ausführliche Gespräch gibt in erster Linie eine Antwort darauf, wie die Karriere-Wege von talentierten Akteuren verlaufen können, die es in den großen europäischen Teams nicht über den anfänglichen Hype hinweg schaffen. Cuenca zumindest macht heute einen geerdeten, wenn auch nicht ganz unaufgeregten Eindruck vor dem Samstagsspiel gegen seinen Ausbildungsverein. Das Duell mit dem Ex-Klub kommentierte er im Talk mit einem Zitat aus der Anime-Serie ‚Captain Tsubasa‘.

Cuenca über Granada, Barça und Messi

Wirst du dich bei einem Klub niederlassen?

Die Wahrheit ist, dass es für einen Spieler sehr wichtig ist, sich bei einem Verein niederzulassen, einem Klub, bei dem du über Jahre selbstbewusst sein kannst, ein bekanntes Ambiente, das dich umgibt, und ein Ort, den du kennst. Bis jetzt war das nicht der Fall.

Granada?

Nein. Nun, wenn das Jahr zu Ende ist, habe ich ein eineinhalb weitere Jahre hier – mehr Zeit, als ich bei Depor und in der Türkei verbracht habe. Für den Moment bin ich zufrieden, ich bin glücklich, ich fühle mich gut.

Granada steckt im Abstiegskampf. Hast du dich daran gewöhnt?

Seitdem ich Barça verlassen habe, ja, mehr oder weniger. Bei Depor haben wir bis zur letzten Woche gelitten. Genauso war es letztes Jahr in Granada, da ging es bis zur vorletzten Woche, in der wir gegen Sevilla gewonnen haben. In der Türkei war das nicht der Fall, wir waren gut, aber nach mehr oder weniger zwei Jahren Abstiegskampf sammelst du eben Erfahrung.

Wie geht ein Spieler, der Barça verlassen hat, damit um?

Das erste Jahr war das schwerste und du weißt genau, was du danach zu tun hast. Du musst am Limit trainieren, um maximal mithalten zu können. Du musst dein Bestes geben. Später siehst du, wie das Team funktioniert, was du tust, die Liga…und nachher kommen die finalen Wochen, die einfach nur verrückt sind. Wirklich verrückt!

Das ist leidenschaftlicher Fußball.

Es ist vollkommen anders. Es ist leidenschaftlich, die Leute und die Stadt leben das. Es gibt viele Leute, die sich auf die Rettung verlassen, denn wenn du dich selbst nicht rettest, gehst du runter in die ‚Segunda‘ (Zweite Liga). Es ist nicht so, als ob du ein Finale verlieren würdest und dir sagst, vielleicht gewinnen wir es nächstes Jahr. Nein. Viele Leute verlassen sich auf uns und das macht uns nervös.

Im Camp Nou zu spielen, ist das gut oder schlecht für deine Situation?

Wir kommen nicht dorthin, um das Spiel aus der Hand zu geben. Wir werden da rausgehen und versuchen, das bestmögliche Resultat zu bekommen und alles dafür zu geben. Wir geben – wie wir es immer tun – 100 Prozent. Du weißt nie, was passieren wird, schaut euch Alaves an.

Was wird dir durch den Kopf gehen, wenn du das Camp Nou betrittst?

Nun, um ehrlich zu sein, werde ich mich auf das Spiel fokussieren und den Gegner nicht anders als sonst betrachten. Ich werde das tun, was wir uns vorgenommen haben, mich so professionell wie möglich verhalten und der Mannschaft individuell helfen.

Es ist nicht allzu lange her, da standst du auf der anderen Seite.

Ja, es war eine großartige Zeit, ich spielte unter Guardiola viele Spiele, inklusive der Semifinals der Champions League. Ich war sehr glücklich.

Die UCL. Vermisst du sie?

Ja, sehr. Ja, ja, ja. Die CL ist das höchste Level, und hier zu spielen…Allein die Hymne ist sehr schön.

Siehst du rückblickend irgendwelche Probleme in deiner Zeit in Barcelona?

Nun, mehr als Probleme – diese Vereine sind… sie sind die besten von allen! Dann verletzt du dich und bist für eine ziemlich lange Zeit draußen. Und dann verletzt du dich wieder. Das sind mehr als nur Probleme, was bleibt ist ein Stückchen Realität. Wenn du einmal dort bist und dich dann aber zweimal verletzt, im Ernst, dann sagst du dir: „Es ist Zeit zu gehen“.

Da gibt es kein weiteres Problem…

Nein, da ist nichts weiter. Sie wechselten den Trainer sehr oft. Vielleicht, wenn es weiterhin Pep gewesen wäre, hätten sie gesagt: „Gib ihm Selbstvertrauen, damit er zurückkommt, etc.“ – Aber mit so vielen Wechseln…

Du hast die Verletzung überstanden und bist zurück auf dem höchsten Level…

Die Rückschläge lassen dich reifen, die Wahrheit ist, dass die Erfahrungen außerhalb von Barça sehr positiv waren. Ich bin sehr glücklich im Alter von 25 Jahren, in solchen Mannschaften und unterschiedlichen Kategorien gespielt zu haben.

Kein Team ist wie Barça?

Barça ist voll mit Stars, sie sind sehr gut. Sie bauen darauf, konstant zu sein, und später, etwa in der Champions League, den Semi-Finals, entscheiden sie durch Details, da kannst du mal mehr oder weniger Glück haben, einen Abpraller oder ein Auswärtstor erhalten, was doppelt so viel wert ist.

Und Messi?

Ja, natürlich. Und Messi. Barcelona ist ein Kandidat dafür, immer weiter als die anderen zu kommen und alles zu gewinnen.

Willst du, dass Barcelona gewinnt, abgesehen von Samstag?

Ja, ja, ja. Ich persönlich hoffe, dass sie sich gut schlagen und das tun, was möglich ist, damit jeder glücklich ist.

Was hast du während der Zeit gelernt, als du ein Culé warst?

Viele Dinge. Ich habe viel gelernt. Um ehrlich zu sein, gab es damals schon einen unglaublichen Kader.

Messi ist der gemeinsame Nenner in den drei unterschiedlichen Ären.

Man. Was Messi tut, weißt du? Es passiert jedes Mal…Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Wie lang macht er das jetzt schon? Wie lang? 10 Jahre? Und das jede Woche! Der Tag, an dem er mal innerhalb von 2 Wochen nicht trifft, ist direkt eine Krise. Und danach trifft er wieder. Er trifft immer und erzielt schon seit einer sehr langen Zeit Tore. Das ist nicht normal! Das ist nicht normal!

Was ist normal?

Ich weiß es nicht, dass du eben gut bist und die Dinge ihren Lauf nehmen. Manchmal gut, manchmal nicht. Verstehst du? Aber bei ihm läuft es immer.

Dann packst du ihn neben Neymar und Suárez.

Natürlich, ja, ja, ja. Zwei großartige Spieler, aber Messi macht das jetzt seit 10 Jahren. Ronaldinho war hier – und er hat ihn überholt. Eto’o, Henry, viele Spieler. Und jetzt was? Du verstehst, was ich dir damit sagen will? Aber dennoch, die zwei (Ney und Luis) haben jetzt einen großartigen Spieler. Verrückt.

Aber du bleibst bei Messi?

Mann, wenn ich wählen dürfte, könnte ich jeden von ihnen nehmen.

Als Flügelspieler konzentrierst du dich mehr auf Neymar?

Nun, das weiß ich nicht. Neymar ist sehr leicht, oder? Er gleitet einfach durch die Gegner, ein, zwei…

Und sie treten ihn.

Ja, ja, ja, sie treten ihn und dennoch geht er weiter und trifft. Er verärgert sie. Ich weiß es nicht, sie sind alle großartig.

Wirst du leiden oder es genießen, im Camp Nou zu spielen?

Im Camp Nou zu spielen, ist wie bei Oliver und Benj (TV Serie: ‚Captain Tsubasa‘), es hört nie auf. Du verteidigst, du bekommst den Ball, du schaust nach oben und sagst: „Scheiße! Da ist niemand da.“

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