Bartomeu fordert Rücktritte: Tabula Rasa in Barcelonas Vorstand

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Tabula Rasa und Machtkämpfe beim FC Barcelona: Präsident Josep Maria Bartomeu will mehrere Vorstandsmitglieder zum Rücktritt bewegen, darunter Emili Rousaud. Doch dieser holt zum Gegenschlag aus und wehrt sich in einem Radiointerview vehement.

Präsident Josep Maria Bartomeu sorgt für einen Knall hinter den Kulissen beim FC Barcelona: Der Barça-Boss will den Vorstand umbauen und mehrere Vorstandsmitglieder Barcelonas zum Rücktritt bewegen. Das berichteten katalanische Medien übereinstimmend. 

Wie Mundo Deportivo schreibt, versammelte Bartomeu am Montag die Vorstandsmitglieder zu einer Telefonkonferenz, in der er unter anderem den Rücktritt von Emili Rousaud forderte. Bartomeu halte Rousaud, der aktuell kommissarisch als Vizepräsident fungiert, für illoyal.

Auch Schatzmeister Enrique Tombas, Jugendteam-Direktor Silvio Elias und Josep Pont, der für den kommerziellen Bereich zuständig ist, sollen zum Rücktritt bewegt werden. Sollten die Vorstandsmitglieder nicht freiwillig von ihren Ämtern zurücktreten, werden sie künftig degradiert und nur noch kleine Funktionen ausüben, heißt es in der Mundo Deportivo weiter.

Bartomeu vertraut Gefolgsleuten nicht mehr

Dass Bartomeu das Board just vor seinem letzten Amtsjahr so rigoros umbauen möchte, kommt nicht unbedingt überraschend, es heißt, dass er das Vertrauen seiner Gefolgsleute nicht mehr spüre – und diese offenbar für die undichten Stellen rund um den Social-Media-Skandal und andere Enthüllungen und Berichte halte. Womöglich will Bartomeu auch nur seine eigene Haut retten. 

Bartomeus Beziehung zu einem Sektor des Vorstands ist infolge der ‘Barçagate’-Krise sehr geschwächt. Es wurde innerhalb des Vorstands von manchen Mitgliedern sogar vorgeschlagen, dass er zurücktreten sollte respektive dass es im Sommer bereits Neuwahlen geben könnte, um die zukünftigen Optionen einer fortgesetzten Präsidentschafts-Kandidatur des aktuellen Boards nicht zu schwächen.

Zuletzt war die Kritik am Vorstand aus Spielerkreisen immer deutlicher und lauter geworden, so schrieben Lionel Messi und Co. auf Instagram und Twitter in einem Schreiben, in dem sie ihren 70-prozentigen Gehaltsverzicht verkündet hatten: “Es hört nicht auf uns zu überraschen, dass es innerhalb des Klubs Leute gibt, die uns unter die Lupe nehmen und versuchen, uns unter Druck zu setzen…”

Tabula Rasa im Vorstand also, Bartomeu fordert nun die Köpfe einiger Gefolgsleute, denen er eindeutig nicht mehr vertraut.

 

Emili Rousaud schießt gegen Bartomeu

Rousaud, das wohl prominenteste Opfer, ging sogleich bei Cadena SER Catalunya in die Offensive und erklärte gegenüber dem Radiosender: “Bartomeu rief mich an und sagte mir, dass er den Vorstand umgestalten wolle, dass er Bedenken gegen einige der Direktoren habe, darunter auch gegen mich. Er sagte mir, dass es undichte Stellen gebe, die die Spieler stören, und dass ich die Arbeit der Führungskräfte in Frage stelle.”

Rousaud verteidigte sich gegen die Vorwürfe auf kuriose Weise: “Ich habe Bartomeu gesagt, dass ich mit der Presse spreche, aber ich filtere nicht [keine Informationen heraus] – und ich habe die Spieler nie kritisiert.” Rousaud findet Timing und Art und Weise der Rücktrittsforderung ungerecht: “Ich denke, es ist nicht sehr mutig, dies am Telefon und ohne vorherige Ankündigung zu tun. Nach den Statuten kann der Präsident mich degradieren, aber als gewählte Amtsperson kann er mich nicht [aus dem Vorstand] ausschließen.”

Rousaud als Präsidentschaftskandidat 

Die Rücktrittsforderung an Rousaud ist umso pikanter, denn dieser galt als designierter Nachfolger der Junta für die Präsidentschaftskandidatur 2021 – das gab Rousaud selbst zu. “Es gab einen Konsens im Vorstand, dass ich – sofern es eine fortgesetzte Kandidatur [des aktuellen Boards] gibt – der Präsident sein werde.”

Doch diese Pläne sind durch die aktuellen Entwicklungen natürlich komplett über den Haufen geworfen worden, Rousaud fühlt sich unfair behandelt. “Die Gründe, die mir Bartomeu nennt, sind nicht logisch”, so Rousaud in dem Radio-Interview, der eine ‘Meuterei’ gegen den Präsidenten abstreitet, aber den Vorschlag der vorgezogenen Wahlen bestätigt: “Bei dem informellen Treffen vor einigen Wochen wurde Bartomeu nie zum Rücktritt aufgefordert; es wurde vorgeschlagen, dass es vielleicht das Beste sei, die Wahlen vorzuziehen… die Mehrheit war dafür, aber es ist nichts passiert.”

Im Fall des Barçagate getauften Social-Media-Skandals gab Rousaud sogar zu, dass es beim FC Barcelona Unregelmäßigkeiten beim Vertragsabschluss mit der Firma I3 Ventures gegeben hatte – doch er sei nicht involviert gewesen. “Ich bin im Vergabeausschuss und die Rechnungen dieser Firma wurden mit dem Ziel zerstückelt, die internen Kontrollen des Klubs zu umgehen. Das ist eine Tatsache.”

So deutete Rousaud also Verwicklungen anderer Vorstandsmitglieder an dem Social-Media-Skandal an, eine Vertuschung der Abläufe sogar… ohne aber die Namen der beteiligten Personen oder des Drahtziehers zu nennen.

Die Machtspiele beim FC Barcelona, sie gehen in die nächste Runde.

Zum Thema:

Alex Truica
Freier Sportjournalist, Podcaster und Chefredakteur Barçawelt
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