Camp Nou: Barça gibt Expertise zum 60. Jahrestag

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Das Stadion des FC Barcelona zählt zu den schönsten und größten Fußballtempeln der Welt. Wer einmal die Stadiontour besichtigt oder gar ein Livespiel durchlebt hat, schwärmt von den Dimensionen, der Eleganz und einer energetischen Aura. Erst am Wochenende zitierte der MDR in einem Kulturbeitrag die Herren Andreas Müller, Manuel Tomas und Thomas Kattenbeck, die nichts außer Beachtung für den Austragungsort finden konnten, dessen Namen auch 60 Jahre nach Eröffnung stets für Verwirrung sorgt. Zur Feier des Tages hat der Verein nun die letzten Unklarheiten rund um das majestätische Gemäuer aufgeräumt: zehn überraschende Stichfakten über Barças Wahrzeichen. 

Das Camp Nou …

… wurde doch eigentlich für Kubala gebaut?

Im Volksmund heißt es oft, das Camp Nou wäre auf Wunsch des offensiven Mittelfeldspielers László Kubala gebaut worden. Das alte Stadion ‚Les Corts‘ hätte nämlich die hohe Anzahl an Fans, die den Ungarn in Action sehen wollten, einfach nicht beherbergen können. Bei der Geschichte handelt es sich allerdings um eine Halbwahrheit. Kubala sorgte zwar für einen unvorhersehbaren Hype, aber die Pläne, einen neuen Platz zu errichten, existierten bereits bevor der Spieler 1950 unterschrieb.

… war schon immer ein kostspieliges Projekt:

Zu jener Zeit sorgte das Projekt zwischen den Klubmitgliedern für hitzige Kontroversen. Viele Anhänger des FC Barcelona trauerten ‚Les Corts‘ hinterher, dem spirituellen Zuhause des Klubs, zu seiner besten Zeit des Jahrhunderts. Auch gab es Bedenken darüber, ob ein derart riesiges Investment dem Klub schaden könnte. In manchen Punkten sollten die Kritiker bestätigt werden. Denn in den Folgejahren blieben die Titelgewinne spärlich, während die Katalanen immer noch an den Kosten für den Stadionbau zu nagen hatten. Auch der aktuell geplante Umbau des Wahrzeichens soll etwa 600 Millionen Euro verschlingen. Bis 2022 sollen sowohl die Erweiterung der Sitzplätze als auch ein Upgrade der Museumstour, die Integrierung von modernen Glasfassaden sowie verbesserte Trainingsmöglichkeiten und vieles mehr durchgeführt werden.  

… machte Joan Gamper paradoxerweise zum Tabu:

Ursprünglich sollte das Stadion nach dem Gründer und fünffachen Präsidenten Joan Gamper benannt werden. Während der Franco-Diktatur war es jedoch undenkbar, dass das monumentale, prestigeträchtige Objekt den Namen eines liberal-denkenden protestantischen Ausländers tragen könne, der zudem auch noch den in Spanien tabuisierten Selbstmord begangen hatte. 

… als „Neuer Boden“:

Stattdessen wurde das Stadion ab 1965 unter dem Namen ‚Estadi del FC Barcelona‘ bekannt. Der Durchbruch gelang der Namensgebung jedoch nie wirklich, sodass die Menschen in Barcelona das Stadion auf ‚Camp Nou‘ (‚Neuer Boden/Grund‘) tauften. Zur Saison 2000/2001 wählten die Mitglieder mit 68.25% ‚Camp Nou‘ dann zum offiziellen Titel. 

… und die Jungs aus Brasilien:

In den späten 60er Jahren erzielten Eulogio Martínez, Tejada Sampedro und Evaristo die Tore bei einem 4:2-Sieg Barças. Nach dem Spiel kamen Anschuldigungen des gegnerischen Trainers auf, der Referee hätte Barcelona absichtlich gewinnen lassen, damit die Heimfans einen Sieg bejubeln durften. Evaristo wurde zuvor von Flamengo abgekauft. Er war einer der Spieler, die den ersten von fünf WM-Titeln für die Seleção gegen das Mutterland des Fußballs, England, gewinnen sollten. Seither galten die Engländer nicht mehr als Meister des schönen Spiels. Rivaldo, Ronaldinho, Dani Alves und Neymar waren nur ein paar aller Brasilianer, die das Publikum des Camp Nou in den kommenden Jahrzehnten begeistern sollten.

… empfängt kirchlichen Segen:

Die Eröffnungszeremonie der Spielstätte am 24. September 1957 wurde in zwei Veranstaltungen gespalten. Ein religiöses Event fand zunächst am Morgen statt. Trotz der Tatsache, dass Frauen freien Eintritt erhielten, war nur die Hälfte aller Sitzplätze belegt. Zu erleben gab es den Erzbischof von Barcelona und eine Performance des Songs Hallelujah. Das zweite Event brachte eine Parade der wichtigsten Klubs aus Katalonien hervor, bei dem 11.000 weiße Tauben freigelassen wurden.

… unter Kontrolle:

Alles endete mit dem Hissen der spanischen Flagge und dem stehenden Publikum im Stadion, welches die Nationalhymne respektierte. Die Presse fand nichts als überschwängliche Bewunderung für die Aktion und für die Unterstützung von General Franco für das gesamte Projekt. Doch die Journalisten mussten selbstverständlich darauf achtgeben, welche Zeilen sie während der Hochzeit der Diktatur von sich gaben. Daher sollte man vorsichtig sein, manche Aussagen der damaligen Presse zu wortwörtlich zu nehmen. 

… ein Ausmaß für sich:

110 x 73 Meter war die größte Größe, die international erlaubt war, erklärte Barças damaliger Präsident gegenüber ‚El Mundo Deportivo‘: „Die Idee ist es, Teams, die ultradefensive Taktiken anwenden, bei Auswärtsspielen anfälliger zu machen.“ Und der sollte recht behalten, denn die damalige Wahl der beeindruckenden Dimension des Felds hat bis heute Auswirkung auf den einzigartigen Spielstil von Messi und Co.

… im osteuropäischen Flaire:

Das Stadion wurde mit einer Serie von drei Freundschaftsspielen eingeweiht. In dieser Zeit, als es noch keine globalen TV-Übertragungen gab, sorgten solche Austragungen für einen seltenen Einblick in die ausländische Spielkultur. Nur aus diesem Grund wurden die Gastmannschaften eingeladen. Im Eröffnungsspiel traf Barça auf Legia Warschau. Das osteuropäische Passspiel revolutionierte die Art und Weise in der Fußball gespielt wurde. Nach der beeindruckenden Vorstellung und dem Besuch des ungarischen Clubs Honved wollten die Barcelona-Fans mehr davon. Legia spielte allerdings nicht wirklich bei den Großen mit. Im Zuge des WM-Vorbereitungsspiels zwischen Bulgarien und Polen wählte Trainer Henrick Reyman einige Spieler anderer Klubs aus. Die Auswahl sollte später als „Warschau Elf“ bekannt werden.

… bringt die Namensvetter Miró und Miró hervor:

Es kommt oft vor, dass der ehemalige Präsident des FC Barcelona und einer der beiden Architekten des Camp Nou miteinander verwechselt werden. Francesc Miró–Sans und Francesc Mitjans i Miró waren aber tatschlich Cousins.

… wird zum Trauma für Dortmund:

Barça kam mit voller Kraft gegen eine Mannschaft zurück, die nach dem Krieg in Westdeutschland den Status als stärkstes Fußballteam innehielt. Borussia Dortmund hatte zu jener Zeit zahlreiche Spieler aus dem erfolgreichen WM Kader von 1954. Und dennoch endete die Partie mit einem entspannten Sieg für die Blauroten. Die Tore zum 4:1-Sieg schossen damals Villaverde (2), Hermes González und Coll (Elfmeter). In der jüngsten Vergangenheit lieferte sich Barça mit dem deutschen Traditionsklub ein Transferduell um die Gunst von Flügelspieler Ousmane Dembélé. Ein sportliches Kräftemessen der beiden Teams im Camp Nou liegt schon lange zurück.

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