Chile kann den geparkten Wohnwagen der Niederlande nicht aufbrechen

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In Gruppe B ging es zwischen den Niederlanden und Chile zwar nicht mehr um viel, dennoch wollten beide Mannschaften wohl gern auf Platz Eins stehen, wozu das Team um Alexis Sánchez einen Sieg benötigte. Zum Zeitpunkt der Partie war zwar noch nicht klar, aber sehr wahrscheinlich, dass der Zweitplatzierte im Achtelfinale gegen Brasilien ran muss – das ist gerade am Zuckerhut für niemanden ein Zuckerschlecken. Am Ende behielt die Oranje die Oberhand und geht damit einer Begegnung mit den Brasilianern im Achtelfinale aus dem Weg.

Chile aktiv, Holland passiv

Chile und die Niederlande bestritten das Spiel mit völlig unterschiedlichen Herangehensweisen. Die Südamerikaner spielten wie gewohnt mit einer Dreierkette, dieses Mal nahezu in einem 3-4-3. Die Verteidiger standen dabei sehr weit auseinander, um die Spieleröffnung zu erleichtern und das Spiel bereits im ersten Spielfelddrittel auseinander zu ziehen. Die Dreierformation gab so den Flügelspielern Sicherheit für deren Vorstöße. Im Gegenzug ließ sich Díaz aus dem Mittelfeld immer wieder zurückfallen, wodurch er selbst mehr Platz hatte, Innenverteidiger Medel unterstützte und diesen sogar beim Spielaufbau förderte. Im Sturm hatten die Chilenen Gutiérrez in der Mitte, Vargas links und den Star der Mannschaft, Alexis Sánchez, auf der rechten Seite. Erstgenannter ist eigentlich Mittelfeldspieler und überließ immer wieder Vargas das Sturmzentrum, gerade weil das Spiel viel über die rechte Seite lief.

Die Niederlande waren fast nur aufs Verteidigen bedacht und versuchten sich am viel verrufenen zerstörerischen Spiel, was man aus vieler Munde als „Mauerfußball“, „Antifußball“ oder „geparkter Bus“ (sollten wir hier besser Wohnwagen sagen?) kennt. Die Holländer positionierten sich in einem 5-3-2, in dem Blind die Sonderaufgabe hatte, Alexis die Lust am Spiel zu verderben. Snejder nahm seine Rolle als Verbindungspieler nur bedingt war, sodass fast nur Robben und Lens für die Angriffe der Oranje vorgesehen waren.

Alexis als tragender Spieler bei Chile

Die Chilenen hatten sichtbar Mühe, irgendetwas gegen das gut strukturierte Abwehrbollwerk der Niederlande auszurichten. Trotz allem konnte gerade Alexis in diesem Spiel besonders hervorstechen und bewies seine Bedeutung in der Nationalmannschaft. Vorn wurde er gern mit Pässen aus der Tiefe gesucht, vergab die Pässe aber auch selbst ungewohnt oft an seine Mitspieler. Immer wieder ließ er sich ins rechte Mittelfeld zurückfallen und unterstützte den schwierigen Spielaufbau seiner Mannschaft. Außerdem schaffte er durch schnelle Dribblings und Diagonalläufe immer wieder Räume. Andererseits mussten sich die Mittelfeldspieler Chiles relativ weit weg vom gegnerischen Tor aufhalten, um nicht in Unterzahl zu geraten und dabei den Ball zu verlieren, was gefährliche Konter nach sich hätte ziehen können. Gefährlich vor dem Tor wurde Chile eigentlich nur bei Standardsituation, dann aber so richtig. Ein perfekt einstudierter flacher Eckball gab Chile die beste Chance der ersten Halbzeit. Spielerisch kam vielleicht auch deshalb zu wenig, weil die Intensität deutlich geringer war als in den vorangegangenen Spielen, was wohl der geringeren Bedeutung der Partie lag.

In Schutz nehmen kann man die Chilenen dennoch, da die Holländer sehr gut hinten standen und die Angriffe auch geschickt zu unterbinden wussten, wenn es einmal gefährlich wurde. Besonders Blind behinderte Alexis häufig mit kleinen Fouls, was erst zu spät in der zweiten Hälfte mit Gelb geahndet wurde. Sie hielten den Gegner möglichst weit vom eigenen Tor entfernt und pressten, wenn er zu nahe kam oder machten mit kleinen Fouls die Spielzüge kaputt. Bei Balleroberung sollten häufig mit einem langen Ball die schnellen Stürmer in Szene gesetzt werden. Doch auch daraus resultierte ziemlich wenig, sodass sich die Chancen der Niederlande ebenfalls auf Standardsituation beschränkten, die die körperlich unterlegenen Chilenen jedoch recht souverän im Griff hatten.

Chile riskiert mehr und wird bestraft

Das grundsätzliche Bild im Spiel änderte sich nicht, jedoch war Chile mit zunehmender Spieldauer gezwungen, noch mehr für die Offensive zu tun, da ein Unentschieden ihnen überhaupt nicht weiterhelfen konnte. Auf die Spitze getrieben wurde das Ganze, als in der 70. Minute Valdívia als weiterer Offensivspieler gebracht wurde und mit Silva ein Verteidiger den Platz verließ. So spielte Chile zwar mit hängenden Flügeln, aber letztendlich nur mit zwei wirklichen Verteidigern zu Ende. Trotz einiger starker Ansätze war es offensiv trotzdem zu wenig, um ein Tor gegen die Oranje zu erzielen. Die Niederlande machte es besser, als nach einem kurzen Eckball eine Flanke in die Mitte geschlagen wurde, bei der neben der Körpergröße der Chilenen auch die Zuordnung defizitär war. Leroy Fer traf zum 1:0. Mit Leryol und Depay als weiterer frischer Spieler in der Offensive war Holland zudem stärker bei Kontern, was sein zweites Tor eindrucksvoll belegt.

Man kann nicht unbedingt sagen, dass dieser Sieg für die Niederlande verdient war. Beide Mannschaften spielten die Partie nicht mit voller Kraft. Chancen waren auf beiden Seiten die Ausnahme, und auch mit völlig unterschiedlichen taktischen Ansätzen konnte keiner über den jeweils anderen die Oberhand gewinnen. Sicher ist das Spiel der Chilenen für jeden neutralen Zuseher deutlich attraktiver, besonders wirkungsvoll war es jedoch nicht, den geparkten Wohnwagen der Holländer aufzubrechen. Chile beißt jetzt also in die bittere Zitrone, gegen den Titelfavoriten Brasilien spielen zu müssen. Die Niederländer dagegen müssen gegen die Mexikaner ran.

Alexis bravourös, Bravo souverän

Wie schon erwähnt, war Alexis die auffälligste Figur im Spiel der Chilenen, teils die erste und teils die letzte Instanz im Angriffsspiel, bei dem er die gegnerischen Verteidiger zu einigen Fouls zwang. Spielerisch sehr freilebend, lieferte Alexis die überzeugendste Leistung aufseiten von Chile, auch wenn er letztendlich glücklos blieb.

Claudio Bravo fand bisher keine Erwähnung, was angesichts seines wahrscheinlichen Wechsels zu Barça natürlich nicht hinzunehmen ist. Zu seiner Leistung im Tor gibt es allerdings wenig zu sagen. Wenn er mal gefordert war, dann war er auch immer da. Bei den Gegentoren konnte Bravo dagegen absolut nichts machen.

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