Gehaltsverzicht, Kurzarbeit, finanzieller Schaden: Bartomeu bezieht Stellung

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Der Präsident des FC Barcelona, Josep Maria Bartomeu, hat sich öffentlich geäußert. In mehreren Interviews sprach der Barça-Boss über die Kurzarbeit (ERTE), den Gehaltsverzicht von Lionel Messi und Co., die Gründe für die verspätete Einigung mit den Spielern samt medialer Aufregung und den finanziellen Schaden für den Klub.

Präsident Josep Maria Bartomeu bezieht Stellung. Die Gehaltskürzungen und Debatten darüber halten den FC Barcelona seit Tagen in Atem, nun äußert sich der Präsident Barças öffentlich. In mehreren Interviews in der SPORT, bei Catalunya Radio sowie bei Cadena SER sprach der Vereinsboss über die (finanzielle) Situation bei den Katalanen, die in Zeiten der Coronavirus-Pandemie mindestens als undurchsichtig und vertrackt bezeichnet werden kann.

Am Freitag hatte Barcelona angekündigt, dass der komplette Klub Kurzarbeit beantragt

(in Spanien wird dieser Vorgang “ERTE” bezeichnet), am Montag bestätigten die Profis des FC Barcelona, dass sie auf 70 Prozent ihres Gehalts verzichten würden – und die Mitarbeiter des Klubs zudem finanziell unterstützen werden – denn Barça beantragt die Kurzarbeit für die Klubmitarbeiter weiterhin.

“Bereitschaft war vom ersten Tag an da”

Nun sprach Bartomeu über die aktuellen Vorgänge im Verein in Zeiten der Corona-Pause. “Die Einwilligung [der Spieler] ist eine Geste, die ihr Engagement für den Klub aufzeigt, es ist eine Bestätigung”, lobte Bartomeu den großzügigen Gehaltsverzicht der Barça-Profis.

Davor hatte es tagelange Verhandlungen gegeben, die nicht zu einer Einigung führten. Warum es so lange gedauert hatte? “Es ist nicht so einfach, eine Einigung zu erzielen, wenn man sich nicht sehen kann. Vielleicht sind es viele [Spieler], die es erst verstehen mussten… Es ist nicht einfach mit einer Grupe von Spielern zu reden und zu verhandeln, die sich [untereinander] nicht sehen oder absprechen können. Aber es ist nicht wichtig. Was zählt, ist die endgültige Einigung”, so Bartomeu, der ausführte: “Am 20. März, das war das wichtigste Treffen, schlugen wir einen Verzicht von 70 Prozent vor, und sie sagen ‘Ja, wir werden helfen’. Ihre Bereitschaft war vom ersten Tag an total vorhanden. Sie waren einverstanden.”

Bartomeu gab aber zu, dass der Klub die Kurzarbeit ERTE und somit eine Gehaltsreduzierung im Verein von bis zu maximal 70 Prozent auch ohne Einverständnis der Spieler durchgeführt hätte. “Wir hätten es trotzdem getan, mit oder ohne Zustimmung. Wir könnten ERTE durchführen, ohne um Erlaubnis zu fragen. Aber es ist besser, das im Einvernehmen zu tun. Ich bin froh, dass es so war. Wir wollten, dass es eine vereinbarte und keine aufgezwungene Maßnahme ist.”

Bartomeu: Manche kannten die Realität nicht

Die Berichterstattung über den Gehaltsverzicht, in spanischen aber auch deutschen Medien, war von Kritik geprägt. Es hieße, die Spieler Barcelonas würden nicht auf Gehalt verzichten wollen. Schon im von den Profis geteilten Statement auf Social Media wunderten sich diese über die Berichterstattung sowie den (medialen) Druck: “Es hört nicht auf uns zu überraschen, dass es innerhalb des Klubs Leute gibt, die uns unter die Lupe nehmen und versuchen, uns unter Druck zu setzen”, hieß es hier in dem Statement auf Social Media, den alle Profispieler publizierten.

Nun erklärte Bartomeu auf diese Botschaft angesprochen: “Wir sprechen seit dem 20. März, das sind zehn Tage des ständigen Dialogs. Es gab eine Menge Aufregung, und sicherlich gab es Leute im Klub und von außerhalb, die ihre Meinung geäußert haben, ohne die Realität oder die Informationen zu kennen. Das ist auch menschlich. Vielleicht hat das die Spieler gestört”, sagte Bartomeu und wies die Schuld für die teils tendenziöse Berichterstattung von sich: “Innerhalb des Vereins heißt nicht im Vorstand. Die Verhandlungen wurden von Oscar Grau und mir geführt, und wir haben uns bis dato nicht geäußert. Es gab Aufregung, aber damit hatten wir nichts zutun.” 

Angesprochen auf die Frage, ob die Aussage der Spieler auf den Vorstand und Bartomeu selbst bezogen ist, sagte der Barça-Boss: “Das interpretiere ich nicht so. Es sind viele Leute im Verein. Aber man müsste die Spieler fragen. Meine Beziehungen zu den Spielern sind davon nicht berührt, sie sind reibungslos und konstant.”

 

Kurzarbeit trotz Gehaltsverzicht

Trotz Gehaltsverzicht der Stars beantragt der FC Barcelona Kurzarbeit, ein Vorgang, der Unternehmen in Spanien zusteht, die von außergewöhnlichen finanziellen Krisen heimgesucht werden. Bartomeu erklärt den Prozess: “Ja, ERTE wird duchgeführt. Die Spieler erhalten eine Kürzung von 70 Prozent, und weitere 2 Prozent werden hinzugefügt, wenn der Verein über ERTE mit den Angestellten verhandelt.”

Bartomeu weiter: “Barça wollte einen Teil des Kurzarbeitsgeldes bezahlen, bis sie fast 100 Prozent des Gehalts erreicht haben, und die Spieler helfen bei dieser Differenz. Das Jahresgehalt der Spieler wird während dieses Ausnahmezustandes monatlich um 5,75 Prozent reduziert. Damit spart der Verein 14 Millionen bei der Fußballmannschaft und 2 Millionen bei den anderen Mannschaften. Das sind 16 Millionen pro Monat während dieses Ausnahmezustandes. Aber das reicht nicht aus, um das geringere Einkommen auszugleichen”, so der Klubpräsident.

Bartomeu: “ERTE betrifft jeden”

Doch wie genau wirkt sich ERTE auf die verschiedenen Teile des Vereins aus? “Das variiert je nach Funktion jedes Einzelnen. Ob diejenigen arbeiten können oder nicht”, so Bartomeu, “es können demnach 30 Prozent, 50 Prozent oder 100 Prozent sein. Es betrifft jeden. Wir werden sehen, ob die hohen Manager auch ERTE beantragen oder eine Gehaltskürzung erleiden. Die Spitzenmanager können auf das Kurzarbeitsgeld verzichten, so wie die erste Mannschaft, damit der Staat dieses Geld für die Menschen verwenden kann, die es brauchen.”

Der FC Barcelona stellt deshalb auf Kurzarbeit um, weil er finanziell mit am stärksten betroffen ist, das liegt an den hohen Gehaltskosten, aber auch am Wegfall der Einnahmen nicht nur durch Ticketverkäufe oder TV-Gelder, sondern auch durch wichtige Einnahmequellen wie das Museum und den Megastore FCBotiga am Camp Nou – beides wurde geschlossen, beides generiert normalerweise monatliche Einnahmen in Millionenhöhe.

Der FC Barcelona vor dem Ruin?

Wie hoch könnte der Einnahmeverlust also sein? “Das hängt davon ab, wie lange es [die Corona-Pause] dauert”, erläutert Bartomeu: “Am 14. März haben wir geschlossen, ab dann stoppten die Einnahmen. Wir verkaufen keine Tickets, es gibt keine Spiele, keine Schulen, nichts. Jetzt versuchen wir, die Ausgaben des Klubs mit den Einnahmen, die wir jetzt haben, in Einklang zu bringen.”

Gemäß Bartomeu bestünde die Gefahr aber nicht, dass Barça Pleite geht. “Nein, überhaupt nicht. Wir sind der [finanziell] erfolgreichste Klub der Welt. Wir unterscheiden uns von anderen, die [Einnahmen] nur über Ticketing- oder Fernsehrechte generieren. Wir haben Schulen, Museen… eine Unterbrechung trifft uns zwar mehr als andere, aber wir werden auch schneller wieder auf die Beine kommen.”

 

 

Alex Truica
Freier Sportjournalist, Podcaster und Chefredakteur Barçawelt
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