Griezmanns Rolle, Koemans Tor-Sorgen: Das Messi-Aus und die Folgen

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Nach 17 Jahren bei den Profis des FC Barcelona verabschiedet sich Lionel Messi wider Erwarten aus dem Camp Nou. Die Causa Antoine Griezmann dürfte damit geklärt sein, Ronald Koeman plagen offenbar Sorgen. Wer wird Kapitän, wer bekommt die Nummer 10? Barçawelt beleuchtet Folgen des Messi-Abgangs.

Barça nach 17 Jahren wieder ohne Messi

Der Fan des FC Barcelona muss sich gefühlt haben wie in einem falschen Film. Am Donnerstag schien es endlich so weit zu sein, dass die Katalanen die Verlängerung des zum 30. Juni ausgelaufenen Vertrags mit Lionel Messi offiziell bekanntgeben. Diverse Zeitungen und Sender hatten am Morgen berichtet: Jetzt ist er gekommen, der Tag der Unterschrift.

Und dieses Vorhaben verfolgten beide Parteien im Laufe des Tages tatsächlich auch. Dann die plötzliche 180-Grad-Wendung, der Paukenschlag, der dem Barcelonismo den Boden unter den Füßen weggerissen hat: Der neue Deal ist geplatzt, konnte “aufgrund wirtschaftlicher und struktureller Hindernisse (spanische LaLiga-Bestimmungen)” – gemeint ist hier allen voran die von dem Liga-Verband vorgeschriebene Gehaltsobergrenze für Barça in Höhe von 347 Millionen Euro – nicht unter Dach und Fach gebracht werden, wie der Klub mitteilte.

Die Erstmeldung dazu tauchte dann auch noch ausgerechnet aus Madrid auf – von der dort ansässigen Sportzeitung Marca, die sich eigentlich in erster Linie mit dem Kosmos von Erzrivale Real befasst. Ein surrealer Tag für jeden, der es mit der Blaugrana hält. Nach satten 17 Spielzeiten muss Barça nun erstmals wieder ohne Messi in den eigenen Reihen auf Titeljagd gehen. Barçawelt beleuchtet Folgen des großen Knalls.

  • Griezmann wird zum Gewinner und bleibt bei Barça

Um Antoine Griezmann hatte es zuletzt Spekulationen um eine Rückkehr zu Atlético Madrid gegeben. Die “Rojiblancos” bestätigten ihr Interesse, der gehandelte Tausch mit Saúl Ñíguez erledigte sich aber ziemlich schnell. Barças Präsident Joan Laporta erklärte den Franzosen in der Folge dennoch für verkäuflich, während Sportchef Mateu Alemany diese Haltung untermauerte, aber ebenso deutlich machte, nicht mit einem ausreichend hohen Angebot und daher auch nicht mit einem Abschied von Griezmann zu rechnen.

Ein Thema, das sich mit Messis Abgang nun endgültig erledigt haben dürfte. Barças wirtschaftliche Situation bleibt zwar ziemlich angespannt, jedoch wird Griezmann spätestens jetzt wohl kaum ganz oben auf der Liste derer stehen, die noch gehen und Geld in die Klubkasse spülen sollen. Das trifft auf einen Philippe Coutinho zu, auf einen Samuel Umtiti, einen Miralem Pjanic, einen Martin Braithwaite, vielleicht sogar auf Ousmane Dembélé (Vertrag bis 2022).

Gerade mit dem Fortgang des Kapitäns eröffnet sich Griezmann nach zwei statistisch (99 Spiele, 35 Tore, 17 Vorlagen) zwar ordentlichen, aber letztlich doch ausbaufähigen Jahren in Barcelona die große Gelegenheit, seine 120 Millionen Euro schwere Ablöse zu rechtfertigen. In seiner ersten Saison musste der 30-Jährige oftmals auf dem für ihn unpassenden linken Flügel ran. Luis Suárez sorgte schließlich mit seinem Wechsel zu Atlético dafür, dass sich Griezmann mehr Richtung Angriffszentrum orientieren konnte. Dennoch stand er sich dort mit Freigeist Messi oftmals noch zu sehr auf den Füßen. Jetzt ist auch La Pulga weg. Bühne frei für den Weltmeister von 2018.

  • System: Katalanen ohne Messi taktisch variabler?

Trainer Ronald Koeman setzte im Laufe des vergangenen Spieljahrs nach dem bewährten 4-3-3 verstärkt auf ein 3-5-2 als taktische Formation – was in erster Linie aber nicht wirklich etwas mit Messi zu tun hatte. Was dessen Fortgang aus Barcelona nun an den System-Plänen des Niederländers ändert? Koeman könnte nun sogar öfter variieren. Mit dem unumstrittenen Stammspieler Messi hätte es wohl meist eine Viererkette mit Dreiersturm gegeben, damit gleichzeitig Star-Neuzugang Memphis Depay und Griezmann oder wahlweise Sergio Agüero zum Zug kommen.

  • Koemans Sorgen: “Wer soll die Tore schießen?”

Koeman wird die Mitteilung über die Entscheidung in der Causa Messi wohl aber sicher ziemlich besorgt zur Kenntnis genommen haben. Im Mai hatte der 58-Jährige ganz offen zu verstehen gegeben, sich eine Zukunft im Camp Nou ohne den Superstar beim besten Willen nicht vorstellen zu können. “Es ist unmöglich, ohne ihn zu spielen. Er hat 30 Tore in der Liga geschossen. Diese 30 Tore haben der Mannschaft viele Punkte beschert, über viele Jahre hinweg. Wenn wir Leo nicht mehr haben werden, wer soll dann die Tore schießen?”, betonte Koeman Messis Wichtigkeit. “Wir benötigen mehr Spieler, die Tore erzielen können”, forderte er zugleich. Ob Memphis Depay und Sergio Agüero als Verstärkungen ausreichen werden, um den schweren Verlust mit Griezmann und Co. aufzufangen? Letzte Saison trafen außer Messi nur Griezmann (20) und Dembélé (11) zweistellig.

 

  • Neuer Barça-Kapitän: Busquets oder Piqué

Messis Abgang zieht auch nach sich, dass Barça einen neuen Kapitän bekommt. Dieser wird für gewöhnlich innerhalb der Mannschaft von den Spielern gewählt. Die Rangfolge war zuletzt: Messi, Sergio Busquets, Gerard Piqué, Sergi Roberto. Im Grunde genommen müsste die Binde daher jetzt an Busquets gehen. Eine Entscheidung über den neuen Spielführer ist angesichts des bevorstehenden Auftakts der Pflichtspiel-Saison am 15. August zügig zu erwarten. Piqué wird ebenso seine Chance haben, Reservist Roberto dagegen nur einer der Vertreter bleiben. Als Nachrücker für Messi gilt Jordi Alba. Sie alle werden nach dem Abschied der langjährigen Galionsfigur des Vereins noch mehr Verantwortung übernehmen und in der Team-Führung eine größere Rolle spielen müssen.

  • Messis Nummer 10 bekommt wohl Memphis Depay

Seit der Saison 2008/09 war die prestigeträchtige Rückennummer 10 im Besitz von Messi. Er hatte sie von dem nicht weniger legendären Ronaldinho erhalten, war zuvor je zwei Jahre lang mit der 19 und anfangs mit der 30 aufgelaufen. Der eine oder andere Romantiker könnte die Katalanen jetzt dazu auffordern, die 10 nicht mehr zu vergeben.

 

Doch allein aufgrund einer Regelung des spanischen Fußballverbands RFEF ist das so gut wie ausgeschlossen. Diese sieht nämlich vor, dass die Nummern 1 bis 25 an alle Profis des Kaders vergeben werden müssen. Barça dürfte also maximal 23 Akteure besitzen (aktuell 24), um die 10 nicht mehr zu vergeben – und das dann eigentlich ja so lange, wie diese Vorgabe gilt. Das ist unrealistisch, weshalb Real Madrid etwa die 4 von Sergio Ramos ebenso sofort an David Alaba weitergab. Óscar Mingueza, der die 28 trägt, ist bis dato ganz offiziell bei der Liga nicht als Teil der Profis angemeldet. Sobald sich das ändert, braucht auch er eine tiefere Zahl.

Die 10 winkt nun Memphis, der bei den Vorbereitungen bereits einen guten Eindruck hinterließ und sich oft als neuer Fixpunkt im Offensivspiel der Katalanen erwies. Frei sind neben der 10 derzeit die 6, die 17, die 19, die 24 und die 25. Die 25 soll bestenfalls an Torhüter vergeben werden, fordert die RFEF. Die Neulinge Eric Garcia, Emerson Royal und Agüero sind ebenso wie Memphis offiziell noch ohne Trikotnummer.

Filip Knopp
Redakteur und Sportjournalist mit großem Fokus auf Spaniens La Liga.
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