La Liga – Zweiklassengesellschaft

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Viele Tage sind es nicht mehr bis zum offiziellen Start der neuen Saison. In nicht einmal zwei Wochen steht das Eröffnungsspiel gegen UD Levante auf dem Programm und bildet den Startschuss in eine hoffentlich erfolgreiche Spielzeit. Auf dem Weg zur nächsten spanischen Meisterschaft wird wohl auch diesmal wieder nur Real Madrid ein Mitspracherecht einfordern und zusammen mit dem FC Barcelona eine Zweiklassengesellschaft begründen. Seit fast einem Jahrzehnt geht die Liga-Trophäe entweder in die Hauptstadt oder nach Katalonien. 2003/04 war das letzte Mal, dass ein anderer Verein erfolgreich war. Damals durfte sich der FC Valencia glücklich schätzen, die Meisterschaft geholt zu haben. 

Die Perspektivlosigkeit in der nationalen Liga ist gewiss nicht der einzige Grund, warum viele Spieler mit klangvollen Namen das Weite suchen und Spanien den Rücken kehren. Es ist aber ein die Entscheidung prägendes Motiv, gab der nach Manchester City gewechselte Negredo jetzt zu verstehen. „Ich habe den Verein verlassen, um neue Herausforderungen anzugehen, etwas Neues zu erleben und eine andere Art des Fußballspielens zu erlernen. Ich entschied mich nach England zu gehen, weil es für mich der beste Ort ist…

Ich weiß nicht, warum andere Spieler diesen gewählt haben, denke aber, dass sie genau so denken wie ich: sie wollen wachsen. Madrid und Barcelona sind zurzeit die einzigen großen Mannschaften in Spanien. Wenn man etwas gewinnen will, muss man für diese Mannschaften spielen. Das war ein weiterer Grund dafür, wegzugehen. Sie beenden die Saison mit so vielen Punkten und es ist schwer, das gleiche Niveau zu erreichen wie sie. Ich bin sehr glücklich mit der Entscheidung, die ich getroffen habe und hoffe, dass ich die Zeit hier genießen kann.“

Negredo ist nicht die einzige prominente Erscheinung, die ihr Glück in ferneren Gefilden sucht. 11 Spieler der aktuellen spanischen Nationalmannschaft verdienen ihren Lebensunterhalt außerhalb Spaniens. In England sind sage und schreibe 32 Spanier unter Vertrag, darunter Jesús Navas, David Silva oder Juan Mata. Der Weltklasse-Torjäger und einstige Spieler in Diensten von Atlético Madrid, Radamel Falcao, wird ab der nächsten Saison ebenfalls nicht mehr in Spanien zu bewundern sein. Er verließ Atlético in Richtung Monaco und nahm sein feuriges Temperament mit. Auch für ihn dürfte das Spiel um Platz drei kein angemessener Anreiz gewesen sein, in Spanien zu bleiben. 

Wohl aber die finanziellen Aussichten im Ausland für die Entscheidung, Spanien zu verlassen. Gegen die finanzstarken Vereine im Ausland haben die gebeutelten spanischen Klubs nicht den Hauch einer Chance. Ihre Gesamtschulden belaufen sich auf 4,1 Milliarden Euro, eine äußerst ungünstige Ausgangsposition, um große Spieler zu halten oder zu verpflichten; oder zu bezahlen. Immer häufiger schreiben die Kontoauszüge der Spieler rote Zahlen, analog zu den roten Zahlen der Vereine, die um ihre Existenz bangen müssen. 

Die spanische Liga befindet sich auf keinem guten Pfad. Die sportliche und finanzielle Kluft zwischen den Vereinen wird immer größer und droht die gesamte Veranstaltung in Verruf zu bringen. Der FC Barcelona und Real Madrid werden an der Spitze einsam ihre Bahnen ziehen. Sie werden ihre Gegner Woche für Woche pulverisieren, bis das erste Clásico auf dem Programm steht, Wochen im Voraus beworben, weil die Spannung nach kurzer Zeit gegen null tendiert. 

Auch für die beiden großen Vereine kann eine schwache Liga zum Problem werden. Defizitäre Spielanlagen werden nicht oder erst spät entblößt, spätestens in der Champions League, wenn es gegen die Größen Europas geht. Dann wird es häufig bereits zu spät sein. Zuvor wiegt man sich in Sicherheit, mit zahlreichen Kantersiegen im Gepäck und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein – ein trügerische Meisterschaft. 

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