Ter Stegen: “Ich kann mir die Namen meiner Gegenspieler nicht merken”

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Barcelonas Torwart Marc-André ter Stegen sprach in einem Interview über die Ausgangssperre und die Verantwortung der Fußballspieler in Zeiten des Coronavirus, seine mentale Stärke, die kulturellen Unterschiede zwischen Spanien und Deutschland und seine Probleme, sich die Namen seiner Gegner in La Liga zu merken.

Marc-André ter Stegen sprach in einem Interview mit der spanischen Zeitung El País über verschiedene Themen, darunter seine mentale Stärke seine liebsten Stadionerlebnisse. Barçawelt hat Teile des Interviews ins Deutsche übersetzt.

Frage: In welchen Aspekten sind sie schon ein Spanier geworden?

Marc-André ter Stegen: “Ich habe vom ersten Tag an versucht, mich so schnell und so gut wie möglich in die spanische und katalanische Kultur zu integrieren. Wenn man die Sprache beherrscht, ist es einfacher, alles um sich herum zu teilen und zu verstehen. Die Leute haben mir und meiner Familie immer ein sehr gutes Gefühl gegeben. Und es gibt hier Dinge, die ich liebe, wie das Essen, das Klima und das Meer. Aber ich habe auch noch sehr deutsche Dinge an mir.”

Was zum Beispiel?

“Die Pünktlichkeit. Ich kann nicht anders, als früh an Orte zu kommen. Im Allgemeinen muss ich warten.”

Wie gehen Sie mit der Ausgangssperre um?

“Man kann es aus einem negativen Punkt aus betrachten, weil wir das Haus nicht verlassen können, aber ich sehe das nicht so. Es ist ein Umstand, der uns dazu bringt, manche Dinge viel mehr zu schätzen. Es sind zwar grundlegende Dinge, letztlich sind es aber die wirklich wichtigen. Was die Arbeit betrifft, so stehen wir täglich in Kontakt mit unseren Fitnesstrainern. Wir müssen in Form bleiben, auch wenn wir noch nicht wissen, wann wir wieder spielen werden.”

Sind Sie unruhig?

“Im Moment nehme ich es sehr ruhig hin. Natürlich würde ich gerne auf dem Feld sein und für alles kämpfen, wofür wir zu kämpfen haben. Wir befinden uns in der letzten Phase der Saison, und es ist schade, dass sie nicht mehr stattfindet. Aber im Moment hat der Fußball keine Priorität. Wir müssen zu Hause sein. Wir sind da keine Ausnahme.”

Hat diese Situation den Fußballspieler geerdet, “normalisiert”?

“Was ist normal? Es ist ein sehr relativer Begriff. Ich gehe in den Supermarkt, ich gehe gerne spazieren. Ich versuche, natürlich zu sein, die Dinge zu tun, die gut für mich sind, und von Menschen umgeben zu sein, die mich kennen und mir sagen, was ich gut und was ich falsch mache. Meine Freunde sind diejenigen, die ich mein ganzes Leben lang hatte. Ich glaube an die wenigen, aber guten Freunde.”

Haben Sportler jetzt eine größere Verantwortung?

“Das Gute ist, dass wir Millionen von Anhängern haben. Mit einigen gut gewählten Botschaften können wir den Menschen helfen. Neulich sprach ich mit Alisson [dem Torhüter des FC Liverpool, Anm. d. Red.], der mir einen Rat gab, wie ich mir die Hände waschen sollte. Ich habe noch nie darüber nachgedacht, und jetzt habe ich es in sozialen Netzwerken weitergegeben. Dies kann Menschen beeinflussen und für jemanden nützlich sein.”

Was verstehen sie unter Führung?

“Die Priorisierung des Gemeinwohls. Ich mag es wirklich, wenn alle zufrieden sind. Wenn wir das, was wir tun genießen, dann spielen wir auch besser. Ich spreche gerne mit Menschen, aber am Ende spielt man Fussball, um erfolgreich zu sein. Dann hat jeder auf dem Spielfeld seine Rolle, und die Priorität ist das Kollektiv. Und das positive Denken.”

Wie schaffen Sie es, so viel mentale Stärke zu haben?

“Ich weiß es nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich so erzogen wurde. Ich glaube, dass das Wichtigste in der Weiterentwicklung liegt, die ein jeder sucht. Die Frage ist: Welche Person willst du sein? Ich bin daran interessiert, mir immer Klarheit darüber zu verschaffen. Dann ist da die Frage, ob ich es erreichen kann oder nicht. Manchmal kann ich den Weg nicht finden und muss nach einer anderen Lösung suchen. Aber ich versuche, es von einer sehr neutralen Position aus zu analysieren. Von Zeit zu Zeit lassen wir uns von unseren Emotionen mitreißen, und es gibt Entscheidungen, die man mit dem Kopf treffen muss. Man muss den Mittelpunkt finden zwischen Gefühl und Vernunft.”

Auch auf dem Fußballplatz?

“Natürlich. Es gibt zum Beispiel eine Sache, die im Fußball oft passiert: Es ist der Moment, in dem man versagt hat und die Situation sofort lösen will. Du willst dir selbst beweisen, dass du zurückkommen kannst, das hat mit einer emotionalen Komponente zu tun. Manchmal kann es schädlich sein. Dann muss man sich mit diesen Emotionen auseinandersetzen und den Kopf einschalten. Das ist nicht immer einfach.”

Hat man im Tor viel Zeit, über derlei Dinge nachzudenken?

“So viel Zeit haben wir nicht. Im Tor wird es uns nicht langweilig. Die Leute denken, dass wir viel Abstand zur Mannschaft haben, aber das stimmt nicht. Aber was mir auf dem Spielfeld passiert ist eine Sache, und eine andere ist, was mir im Leben passiert. Ich versuche immer nachzudenken. Ich glaube nicht an den Torhüter, der von der Mannschaft losgelöst ist, oder an den Fussballer, der vom Alltag losgelöst ist. Genauso ist es mit meiner Frau, die viel über ihren Beruf [sie ist Architektin, Anm. d. Red.] spricht. Das sind Dinge, die die Menschen nicht sehen, die aber zum Alltag gehören.”

 

Sprechen Sie gerne über Fußball?

“Die Leute lachen, wenn ich ihnen sage, dass ich nichts über Fußball weiß. Ich schaue nicht viel Fußball, außer wenn es gute Spiele gibt oder wenn ich mich für ein bestimmtes Spiel interessiere, weil ein Bekannter oder ein Freund spielt. Manchmal fragen sie mich nach dem Namen eines Spielers und ich habe keine Ahnung. Manchmal, in La Liga zum Beispiel, habe ich Probleme mit den Namen [der gegnerischen Spieler]. Ich kenne ihre Namen dann nicht. Aber später, wenn ich im Videostudium bin, realisiere ich, dass ich ganz genau weiß wer der Spieler ist. Ich erinnere mich besser daran wie er sich auf dem Platz bewegt oder er den Ball schießt als an seinen Namen. Es ist ziemlich seltsam, aber das passiert mir, wenn wir unsere Gegner analysieren.”

Aber über Stadienerlebnisse sprechen Sie schon gerne?

“Das ist etwas Kulturelles, glaube ich. Das Camp Nou zum Beispiel ist einzigartig. Die Mentalität [der Fans in Spanien] ist völlig anders als in Deutschland. Dort singt man viel mehr und konzentriert sich auf die Mannschaft. Die Barça-Fans schätzen die einzelnen Details viel mehr. Es ist, als hätten sie einen anderen Geschmack, das gefällt mir. Ich mag es zum Beispiel, wenn Frenkie de Jong etwas tut und die Leute es genießen und es feiern. Es ist anders, aber sehr interessant. Man erlebt die Empfindungen mehr; es geht nicht darum, dass die Fans das ganze Spiel über singen, sondern dass sie das, was passiert, leben und versuchen, dich in den Momenten zu unterstützen, in denen du es am meisten brauchst.”

Welches Stadion hat Sie am meisten beeindruckt?

“Das San Paolo [das Stadion des SSC Neapel, Anm. d. Red.] ist nicht sehr modern, hat aber etwas Besonderes. Es hängt viel von den Fans ab. Ich mag diese Spiele wie gegen Athletic Bilbao, bei denen die Leute sehr hinter ihrer Mannschaft stehen. Sie fangen einen Krieg mit dir an – das ist eine Herausforderung, die ich liebe.”

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