Víctor Font: „Barça hat Veränderungen versäumt!“

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Der FC Barcelona müsse endlich handeln, wenn man nicht in zehn Jahren in der Einöde versinken wolle. Das ist der Tenor, den Víctor Font zu vermitteln versucht. Doch er scheut sich nicht, auch anzusprechen, was er gerne ändern würde und was das momentane Board alles falsch mache. Lest hier im ersten Teil anschließenden Bericht nach, wie Víctor Font plant, die Struktur des FC Barcelona zu revolutioneren.

Teil zwei des Interviews, das Barcelonas Präsidentschaftsanwärter Victor Font der Mundo Deportivo gab. Hier könnt ihr Teil eins nachlesen.

 

Sie stimmen in einigen Sachen mit Joan Laporta überein. Wären Sie bereit, mit ihm zu gehen?

Ich teile ein paar Sachen mit ihm, aber auch mit anderen Ex-Präsidenten. Wir tendieren zu sehr, uns auf eines festzulegen, und ich würde mir wünsche, dass mein Projekt über so etwas steht. Wir denken an das Barça von 2030. Die Herausforderung ist so komplex, dass wir das gesamte Talent des Barcelonismo miteinander verknüpfen müssten. Die Feinde, die haben wir in Madrid, die haben wir in Europa, die haben wir überall auf der Welt. Es handelt sich um etwas, das, sofern es eine Rolle spielen kann, auch eine Rolle spielt. Und ich gehe einen Schritt vorwärts, um mich in den Dienst dieses Talentes zu stellen, das der Barcelonismo hat. Ich glaube, dass wir im Fußball Anhänger Cruyffs sein müssen, aber man kann auch Elemente aus anderen Sparten dazunehmen. Ich teile mit Laporta die Konsistenz im Einsatz für etwas, das mir nicht nur gefällt, sondern das uns zum besten Team der Geschichte gemacht hat.

Würden Sie ihm die Türe öffnen, um mit Ihnen zusammenzuarbeiten?

Sicherlich haben seine Erfahrung und seinen Beziehungen einen großen Wert. Warum gründen wir nicht wie in den USA einen Rat aus Ex-Präsidenten? Gaspart hat immer noch gute Beziehungen zu den Verbänden. Es wäre gut, aus jedem Haus die besten zu nehmen.

Welche wären denn die Hauptachsen Ihres Projektes?

Das Model des Klubs so zu verändern, dass wir 2030 immer noch den Verein in den Händen der Socios wissen und dabei in der Champions League mitspielen. Dafür muss man das Verwaltungssystem ändern. Man muss ändern, wer die Entscheidungen trifft und wie sie getroffen werden. Und man muss einen klare Idee verfolgen und die am besten vorbereiteten Leute von jeder der drei Gebiete haben. In der sportlichen Ebene den multisportlichen Charakter zu wahren und in den verschiedenen Sektionen den Frauensport zu fördern, das wäre wichtig. Beim Fußball würden wir den Cruyff-Stil mit den besten Leuten fördern.
Die wirtschaftliche Sektion ist diejenige, die uns am meisten besorgt. Wir glauben, dass das aktuelle Modell des großen Vereine ihr Maximum erreicht hat. Vier oder fünf Verträge garantieren 80% aller Einnahmen. Rakuten, Nike, Übertragungsrechte, … Das sind Verträge mit einer langen Laufzeit, die man nicht jährlich neu verhandelt und mit denen man nicht dauerhaft wachsen kann. Auch haben sich Ausgaben gebildet, von denen zum Beispiel die Gehälter die teuersten der Welt sind. PSG kommt bereits 200 Mio. nach uns… Wir generieren nicht genug Einnahmen, um diese Generation von Fußballern ersetzen zu können, und für das Espai Barça. Und die Schulden werden auch immer mehr…

Wie ändert man dieses Modell?

Barça hat 300 oder 400 Millionen Anhänger in der gesamten Welt. Wenn wir ein internationales Geschäft gegründet hätten und allen Anhängern direkt Produkte des FC Barcelona verkaufen würden, ohne dass dies die UEFA oder FIFA oder Nike machte, dann würden wir viel mehr einnehmen.

Welches Produkt könnte man verkaufen?

Es gibt verschiedene Kategorien, aber sehr eindeutig sind die audiovisuellen Produkte. Heutzutage haben die Handys den Sport revolutioniert und wir können so 80% der Fans erreichen. Exklusive Inhalte für sie zu schaffen, wäre eine glasklare Priorität.

In einer Welt, in der im Internet immer alles gratis sein soll, ist das sich nicht leicht.

Wir gewöhnen uns immer mehr daran, mehr an Netflix, Amazon Prime und andere Anbieter zu zahlen. Wenn es so einfach wäre, täte es Barça bereits. Und viele andere auch. Es geht darum, die nötige Kreativität zu haben und die Innovationskraft, um zu wissen, für welches Produkt die Kunden wirklich Geld ausgeben würden. Und danach muss man wissen, wer sie sind und so sie sich aufhalten. Danach, wie man sie erreicht. Und hier muss man Übereinkommen mit Telekommunikationsunternehmen treffen. Die Verantwortlichen in Indonesien zum Beispiel müssen Kontakt zu unseren Fans dort haben. Du triffst dann ein Übereinkommen mit ihnen, um ihnen den Inhalt anzubieten, den du verkaufen willst. Oder man macht Verträge mit Netflix. Anschließend muss man wissen und sicherstellen, welche Inhalte und Produkte schlussendlich interessant für die Leute sind.

Und welches Produkt wäre das?

Wenn man diese Antwort hätte, würde das bereits machen. Die Möglichkeit, hier Geld zu machen, existiert auf jeden Fall. Wer macht denn im Moment solche Sachen und versucht, hier Geld zu verdienen? Private Initiativen wie „OTRO“, in der Messi, Neymar, Beckham, Zidane und andere renommierte Sportler vertreten sind. Sie erschaffen einen Inhalt, der teilweise gratis ist. Will man aber mehr sehen, so muss man auch dafür zahlen. Ich kenne Fernando Sanz sehr gut und ich weiß, was LaLiga gerade macht. Seine Pläne und das, was er macht, um die Liga internationaler machen, mehr einzunehmen, neue Verträge abzuschließen, …
Die Spieler machen auch solche Sachen. Piqué erschuf „La decisión“ („Die Entscheidung“; Anm. d. Red.). Du siehst, wie sich die Ligen ausbreiten und die Spieler neue Ideen haben. Wenn wir über Einnahmen sprechen, hat man auch andere Kategorien wie in der Formel 1. Man hat das Merchandising, das dieses Jahr wieder neu bei uns aufgestellt wurde, aber man benötigt auch eine Struktur, um das erfolgreich durchzubringen. Dann sind da noch die Spiele, das Gaming. Das ist ein explodierender Markt. So wie die e-sports. Und deswegen braucht man beim Rat auch nicht einen Geschäftsmann vom Bauwesen, sondern jemanden, der die helfen kann, solche Entscheidungen zu treffen. Barça ist schon der Verein mit den meisten Anhängern in den sozialen Netzwerken, aber hier handelt es sich doch um Einnahmen. Barça ist einer der Vereine mit den höchsten Einnahmen, aber das reicht auch nur, um einen De Jong zu verpflichten oder das Espai Barça zu realisieren. Oder man muss Rakitic und Suárez verkaufen. Wir reden hier von einer globalen Möglichkeit und nicht nur von Barça. Madrid hat das ausgeprägter, weil sie ein sehr präsidentenbezogenes Modell haben.

Was hat das momentane Board denn schlecht gemacht?

Sie haben nicht von dem Umstand profitiert, die beste Generation von Fußballern in der Geschichte dieses Sports bei sich zu haben. Es wurde nicht getan, das uns erlauben würde, in zehn Jahren weiterhin zu den besten zu gehören und dabei das soziale Eigentum nicht zu verlieren. Und sie haben nicht die notwendigen Änderungen vollzogen. In neun Jahren haben sie zum Beispiel noch nicht das elektronische Wählen eingeführt. Eine andere Sache ist die Inkonsistenz in der sportlichen Politik. Es gibt gute Dinge wie die Verpflichtung De Jongs. Aber andere waren wohl eher keine gute Idee.

Und was hat das Board gut gemacht?

Die Optimierung des traditionellen Modells der Einnahmen. Da hat man von unseren Spielern sehr profitiert. Es wurden gute Verpflichtungen getätigt, darunter Umtiti, ter Stegen, Cillessen, Arthur, Lenglet, … Große Entscheidungen. Es wurden gute Verträge mit Rakuten und Nike geschlossen. Jetzt gab es tolle Einigungen bezüglich der neuen Namensrechte des Camp Nou. Es gibt immer gute und schlechte Sachen, aber der historische Weg, auf dem wir uns gerade befinden, zeigt, dass wir nicht die notwendigen Wechsel angestrebt haben. Wechsel, die einfach niemand gemacht hat.

„Trage Barça im Blut“: Teil eins des Victor-Font-Interviews findet ihr hier 

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