Victor Font über seine Wahlniederlage: “Fühlte mich wie von einem Lastwagen überfahren”

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In seinem ersten großen Interview nach der Wahlniederlage sprach der ehemalige Präsidentschaftskandidat Victor Font über die Belastung während des Wahlkampfes, die Personalien Xavi und Jordi Cruyff in seinem Projekt sowie einen Verbleib von Lionel Messi beim FC Barcelona. 

In einem Interview mit der katalanischen Tageszeitung La Vanguardia sprach der ehemalige Präsidentschaftskandidat Victor Font

…darüber, wie es sich angefühlt hat, als der Wahlkampf vorbei war: “Ich hatte zwei Tage lang einen enormen Blutdruckabfall, ich fühlte mich, als wäre ich von einem Lastwagen überfahren worden.”

…darüber, ob es nicht übertrieben ist, dass es im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen eine so große mediale Berichterstattung gab: “Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass die ganze Arbeit, die wir mit den Medien machten, so war, als würde man mit Kanonen auf Fliegen schießen, aber wenn man öffentliche Bekanntheit erlangen will, ist das notwendig. Im November gaben wir eine Umfrage in Auftrag, und 45 Prozent der Socios wussten immer noch nicht, wer Victor Font war. Man muss bei allen Interviews perfekt sein, denn man weiß nie, wann ein Socio einen zum ersten Mal sieht. Wenn einem in diesen [ersten] 20 Sekunden ein Fauxpas passiert….”

…darüber, ob der exzessive Wahlkampf am Ende alles wert war: “Ich hörte auf, Sport zu treiben, ich kam abends nach Hause und stopfte mich mit Keksen voll. Es gab Zeiten, in denen ich mitten in der Nacht aufgewacht bin und überlegt habe, was ich am nächsten Tag sagen soll. Aber ja, es hat sich auf jeden Fall gelohnt.”

…über das Wahlergebnis: “Wir waren enttäuscht, weil wir gewinnen wollten, aber wir waren auch stolz, weil wir das Gefühl hatten, einen Samen für die Zukunft gesät zu haben. Vielleicht war es nicht der richtige Zeitpunkt, das Modell des Klubs zu ändern, aber die Zeit dazu wird kommen. Das Spiel [gemeint ist der Wahlkampf, Anm. d. Red.] für uns begann mit einem 0:10-Rückstand, der sich noch vergrößerte, als Laportas Wahlplakat [im Herzen Madrids] seine Favoritenrolle bestärkte.”

…auf die Frage, was er nun machen werde: “Noch in der Wahlnacht sagten uns viele Socios: ‘Geht nicht zu weit.’ Mein Traum lebt immer noch, und ich überzeugt: Die Transformation des Clubs, wie wir sie wollen, wird früher oder später kommen, aber nicht jetzt mit Laporta, seine Vision ist anders, das ist klar.”

…auf die Frage, ob er wieder kandidieren werde: “Bis dahin ist noch ein langer Weg zu gehen, aber der Traum ist noch da. Doch der Zweck heiligt nicht die Mittel. Wenn ich zu gegebener Zeit nicht die Notwendigkeit sehe, oder es eine bessere Alternative gibt…”

…über die ständige mediale Diskussion über die Personalie Xavi in seinem Projekt: “Wir haben getan, was wir vereinbart hatten. Die Entfernung [also der Umstand, dass Xavi in Katar und nicht vor Ort in Barcelona war] hat uns nicht geholfen. Wenn er hier und nicht in Doha gewesen wäre, hätte er die Dinge vielleicht richtiggestellt. Am Tag der Wahlen wurde ich immer noch gefragt ‘aber was ist mit Xavi’. Ich musste bis zum letzten Tag Erklärungen abgeben. Es hat uns beeinflusst, aber nicht so sehr, dass dies der Grund für unsere Niederlage war.”

…angesprochen auf die Personalie Jordi Cruyff: “Das ist ganz anders. Ich glaube, er fühlte sich unter Druck gesetzt. Ich denke, er hat selbst eingesehen, dass er vielleicht ein bisschen zu weit gegangen ist.”

…auf die Nachfrage, was er damit meine: “Auf dem gleichen Stuhl, auf dem Sie [der Reporter] jetzt sitzen, saß Jordi zwei Tage bevor wir seinen Namen in die Präsentation des Organigramms aufgenommen haben. Er und Toni Nadal waren dabei und gingen durch, wie wir sie präsentieren würden. Er erzählte mir [im Nachhinein], dass seine Entourage ihm klarmachte, dass er sich von uns distanzieren müsse, um sich nicht ausschließlich auf ein Projekt einzulassen, da dies für ihn schädlich sei. Wir haben ehrlich gehandelt.”

…auf die Frage, ob er glaubt, dass Messi bei Barça bleiben werde: “Ich denke schon. Und ich weiß, dass er uns wohlwollend gegenüberstand. Ein von Xavi geleitetes Projekt hörte sich für ihn sehr gut an.”

…auf die Frage, ob es ihm in den Wahldebatten an Aggressivität gefehlt habe: “Wir wurden gebeten, den Schmutz auszugraben, aber die Kampagne muss ein Spiegelbild dessen sein, wie man regieren würde. Natürlich hätten wir es besser machen können, aber ich denke, dass die Socios es nicht gewollt hätten, dass wir uns gegenseitig die Teller an den Kopf werfen. Wir waren so ehrlich wie möglich, ohne Wahlkampfgetöse.”

 

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