Brennpunkte | Griezmann profitiert von neuer taktischer Ausrichtung

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Bei Barcelonas 5:2 gegen Real Betis verzichtete Ronald Koeman anfänglich auf Lionel Messi – was besonders Antoine Griezmann beflügelte, der in neuer Rolle als Dreh- und Angelpunkt aufblühte. So könnte Koeman auch über eine neue Rolle von Messi nachdenken. Gleichzeitig hatte Barças Verteidigungskette erneut Probleme im Stellungsspiel. Die Brennpunkte zum Heimsieg. 

Griezmann überzeugt auf neuer Position

Ronald Koeman ließ das erste Mal in dieser Spielzeit Lionel Messi aufgrund von leichten Fitnessproblemen auf der Bank. Doch auch ohne den Argentinier fand sich schnell ein Fixpunkt im Spiel Barcelonas: Antoine Griezmann. Der Franzose agierte in einem 4-4-2-artigen System in Halbzeit eins als hängende Spitze, während Ansu Fati neben ihm den linken Stürmer gab, Ousmane Dembélé seine Rolle als rechter Flügelspieler sehr offensiv interpretierte und Pedri etwas zurückgezogener als linker Mittelfeldspieler agierte. 

Griezmann riss dabei schnell das Spielgeschehen an sich, indem er mit und gegen den Ball sich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft zu stellen versuchte. Das gewohnt hartnäckige Anlaufen Griezmanns sowie das Suchen von Ballkontakten tief in der eigenen Hälfte gegen Betis wurde durch das Kreieren von Chancen und klugen Läufen zwischen den Ketten ergänzt.

Nicht selten trug der Offensivspieler den Ball im Mittelfeld, um aus aussichtsreicher Position seine Mitspieler in Szene zu setzen. Zudem schien der 29-Jährige gedankenschneller zu sein, so traf er schnelle Entscheidungen wie vor dem 1:0 durch Ousmane Dembélé, als er seinen komplett freistehenden Landsmann in aussichtsreicher Position sah und einen Pass direkt zu Dembélé weiterleiten konnte.

Doch bei all der munteren Spielweise des ehemaligen Atlético-Akteurs muss man natürlich auch wieder über sein Pech (oder Unvermögen) im Abschluss sprechen. Mehrere sehr gute Einschusschancen setzte er knapp neben das Gehäuse, seine daraus folgende Verunsicherung sah mehr bei seinem dann äußerst harmlos geschossenen Elfmeter hinzu, mit dem Ex-Barça-Torwart Claudio Bravo keine Mühe hatte. Nichtsdestotrotz ist festzuhalten, dass Griezmann in der freien Rolle als Halbstürmer seine beste Leistung seit langer Zeit hinlegte (Barçawelt-Note 8).

Superjoker Messi: Eine zukunftsträchtige Rolle?

Zur Halbzeit betrat Lionel Messi das Spielfeld für Ansu Fati, den Knieprobleme plagten. Messi schaffte das, was von ihm erwartet wird. Beim Pausenstand von 1:1 und mehr Ballbesitzanteilen auf Seiten von Betis krempelte La Pulga den Spielverlauf komplett um. Sein Impact aufs Spiel war deutlich zu erkennen, schließlich brachte Messi Ruhe ins Spiel, ohne aber Tempo herauszunehmen. 

Mit seiner Einwechslung kam auch Pedri mehr in Schwung, den der Argentinier ein ums andere Mal ins Offensivspiel einbeziehen konnte. Griezmann hingegen war nun nicht mehr der Dreh-und Angelpunkt im Offensivspiel der Blaugrana, seine Leistungen stagnierten jedoch keineswegs. Seine Position als hängende Spitze wusste er weiterhin zu verstehen, woraufhin er mit Messi regelrecht harmonieren konnte. Griezmanns Treffer zum 2:1 darf als Paradebeispiel dienen.

Während in der ersten Halbzeit Chancen erarbeitet werden konnten und allen voran Griezmann einen engagierten Auftritt an den Tag gelegt hatte, war es schlussendlich Messis Einwechslung, die dem Team einen Schub gab und eine Leistungssteigerung fast aller Akteure der Blaugrana mit sich brachte.

So sollte Koeman öfter darüber nachdenken, Messi bei stetigen englischen Wochen mal als Joker zu bringen – gerade gegen dann müde Defensivverbunde kann der Argentinier nach seiner Einwechslung dem Team neue offensive Impulse geben, wie er gegen Betis demonstrierte. Ein paar mehr Pausen täten dem 33-Jährigen, der zuletzt verkrampft und überspielt wirkte, sowieso gut. Schließlich absolvierte Messi bis zum Samstag alle neun Pflichtspiele Barcelonas über die vollen 90 Minuten, hatte so gerade in engen Schlussphasen keine Reserven mehr im Tank. Koemans Minuten-Management von Messi wird nach der Länderspielpause wichtig sein.

 

Zaghafte Defensive

So organisiert und spielfreudig Barças Angriffe daherkamen, so wacklig zeigte sich einmal mehr die Verteidigung der Katalanen. Doch das sahen nicht alle Beteiligten so. Jordi Alba beispielsweise meinte nach dem Spiel: „Wir stehen kompakter und machen gute Arbeit.“

Sein Trainer stellte jedoch sofort fest, dass es durchaus Steigerungsbedarf gibt, denn Koeman meinte: „Wir müssen uns weiter verbessern und in der Abwehr verantwortungsvoller agieren.“

Klar ist, dass neun Gegentore aus sieben Spielen zu viele sind. Doch auch abseits der Zahlen gaben die Katalanen in der Defensive gegen die Andalusier kein gutes Bild ab. Die Béticos stellten vor allem mit Angriffen über die linke Außenbahn Barças Abwehrreihe vor Probleme, indem Außenverteidiger Álex Moreno ein ums andere Mal in offene Räume stoßen und von Ex-Barça-Spieler Cristian Tello angespielt werden konnte. Häufig folgte eine flache Flanke in den Strafraum Barcelonas – damit hatte Barça schon gegen Dynamo Kiew massive Probleme.

Beim zwischenzeitlichen Ausgleich vor der Halbzeit kam eine solche Hereingabe von Tello selber. Dabei kam Roberto nicht in den Zweikampf; Gerard Piqué und Clément Lenglet legten kein gutes Stellungsspiel an den Tag. Dies war der siebte Offensivvorstoß über die linke Angriffsseite von Manuel Pellegrinis Mannschaft, während Los Verdiblancos es zu diesem Zeitpunkt nur dreimal durch das Zentrum oder auf der rechten Außenbahn versuchten. Nach dem Seitenwechsel verblassten die Offensivaktionen der Gäste, bis Loren Morón in der 73. Spielminute verkürzen konnte. Wieder verteidigte Barça stümperhaft, als Piqué sich aus der Reserve locken ließ, Lenglet nicht das Laufduell mit Álex Moreno aufnehmen konnte, bevor dieser lehrbuchmäßig auf den freistehenden Morón ablegen konnte. Es bleibt abzuwarten, wie Koeman die Länderspielpause nutzen kann, um die Defensive auf Atlético Madrid um Luis Suárez einzustellen. 

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