Clásico-Brennpunkte | Schwächen im Pressing und Umschaltspiel und der fehlende Neuner

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Trotz einer Leistungssteigerung muss Barça eine Niederlage im Clásico hinnehmen. Insbesondere der fehlende Mittelstürmer und Schwächen im Spiel gegen den Ball kosteten die Punkte. Dennoch kann man auf die Leistung aufbauen, denn man zeigte nach einer schwachen ersten Halbzeit eine positive Reaktion. Unsere Brennpunkte.

Barça mit Schwächen gegen den Ball 

Insbesondere in der ersten Halbzeit – aber auch gut 15 Minuten nach dem Seitenwechsel – hatte man das Gefühl, dass jeder Angriff von Real Madrid zu einem gefährlichen Abschluss führen könnte. Dies lag jedoch weder an klug gespielten Angriffen oder der individuellen Qualität der Madrilenen, sondern vielmehr am schwachen Spiel der Katalanen gegen den Ball. 

Besonders auffällig waren die Schwächen beim Umschaltspiel der Blaugrana: Bei Ballgewinn rannte in einigen Angriffen gefühlt die komplette Mannschaft erstmal nach vorne: Jordi Alba sprintete den linken Flügel nach vorne, Sergiño Dest den rechten. Auch Pedri und Frenkie de Jong nahmen sehr schnell recht offensive Positionen ein. 

Besonders problematisch waren diese Bewegungen insbesondere dann, wenn der FC Barcelona den Ball schnell wieder verlor. Denn in diesen Situationen waren dann oftmals wenige Spieler hinter dem Ball und Real hatte viel Platz, um ein schnelles Umschaltspiel aufzuziehen. 

Aber auch generell war das Umschaltspiel nach Ballverlust teilweise extrem wild und planlos – bestes Beispiel vor dem ersten Gegentreffer: Messi verlor weit in der gegnerischen Hälfte den Ball und Barça begann ein halbherziges Gegenpressing, allen voran Frenkie de Jong verließ auf eigene Faust seine zentrale Rolle im Mittelfeld mit dem Ergebnis, dass Real die erste Reihe einfach überspielen und Valverde mit einem beherzten Spurt mit Ball rund 50 Meter Raum überbrücken konnte. 

Davon abgesehen konnte man auch sonst keinen klaren Plan beim Spiel gegen den Ball oder auch im Pressing erkennen – Sergio Busquets wurde oftmals als einzige Absicherung vor der Abwehrkette alleine und im Stich gelassen. Gegen ein derart abgezocktes Real hätte Ronald Koeman einen besseren Plan im Spiel gegen den Ball entwickeln oder sein Team in der Hinsicht besser coachen müssen. 

Die fehlende Neun 

Was war am Samstagabend der große Unterschied zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona? Ein abgezocktes Mittelfeld und ein echter Mittelstürmer. Während die Zentrale um Toni Kroos und Luka Modric gerade dem jungen Pedri und dem teilweise umherirrenden de Jong den Schneid abkaufte, entschied Karim Benzema als echte Nummer Neun quasi das Spiel zugunsten der Hauptstädter durch sein Hackentor in Weltklasse-Manier.

Dieses fehlende Element einer Neun, die eiskalt die Chancen verwertet, macht sich bei der Blaugrana insbesondere beim Ball-Festmachen und im Verwerten von Hereingaben deutlich. 

Da Real im ersten Durchgang im zentralen Mittelfeld sehr kompakt stand, konnte sich Barça dort nur schwer durchkombinieren. In einigen Situationen konnte man sich sogar nur mit einem langen Ball wirklich befreien. Für Barça wäre es im gestrigen Spiel Gold wert gewesen, wenn in der Spitze ein Spieler vom Format Benzema gewesen wäre, der lange Bälle hätte festmachen und halten können, damit dann die Akteure nachrücken können. 

So hätte man immer wieder das kompakte Mittelfeld Reals überspielen können und die echte Neun hätte die Bälle nur auf die hinter den Spitzen agierenden Messi und Pedri ablegen müssen. Von dort aus hätten die beiden mit ihrem Tempo und Dribbling gefährliche Situationen initiieren können. 

Dennoch hatten die Katalanen am Ende ähnlich viele und gute Chancen wie Real – mit dem einzigen Unterschied, dass bei Barça aktuell kein Spieler ist, der sich im Strafraum ins Getümmel stürzt und auch etwas ungenauere Hereingaben eiskalt verwerten kann – eben wie es Benzema beim Führungstreffer machte. Bei Dembélés bester Chance im ganzen Spiel schoss dieser in Durchgang eins zentral im Strafraum ein Luftloch.

Die XXL-Clásico-Nachbesprechung in Folge 81 des TIKI TAKA Podcasts:

 

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Barças positive Reaktion 

Besonders positiv muss man seitens der Blaugrana die zweite Hälfte hervorheben. Koeman zog die richtigen Schlüsse, wechselte mutig aus und gab der Mannschaft damit eindeutig das Signal, dass noch alles drin ist. Und mit etwas mehr Glück hätte man die Partie auch noch drehen können. 

Neben der Anpassung der Formation von 3-4-2-1 auf 4-3-3 war jedoch auch eine mentale Veränderung der Mannschaft zu beobachten. Plötzlich zeigten die Spieler eine andere Körpersprache, eine ganz andere geistige Frische und den absoluten Willen, das Spiel zu gewinnen. 

Die Spieler zeigten Emotionen, agierten mutig und gaben buchstäblich alles. Besonders hervorzuheben ist dabei auch die Rolle, die junge Spieler wie Oscar Mingueza oder Ilaix Moriba schon jetzt in der Mannschaft einnehmen und auch einnehmen dürfen. Es müssen nicht immer die „alten Hasen“ Busquets, Messi und Alba vorangehen, auch die Nachwuchsspieler übernehmen Verantwortung und genau das zeugt von einem gesunden Mannschaftsgefüge. 

Abschließend hat Barça zwar drei Punkte verloren und damit schlechtere Karten auf die Meisterschaft, jedoch kann man insbesondere auf die zweite Halbzeit aufbauen und auf eine positive Zukunft hoffen. Dabei darf man eines nicht vergessen: Der FC Barcelona befindet sich im Umbruch, und ein Umbruch ist ein Prozess, bei dem es auch Rückschläge gibt. Wichtig ist aber, wie man mit den Rückschlägen umgeht – und der Umgang der Katalanen war definitiv positiv.

Mehr zum Clásico: 

 

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