Ferrans Flaute: Die Gründe für Torres‘ Torkrise

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Nach kurzen Startschwierigkeiten am Anfang war Ferran Torres beim FC Barcelona richtig gut angekommen. Seit sechs Liga-Spielen hat der Spanier nun aber nicht mehr getroffen, zuletzt nicht einmal mehr Schüsse aufs Tor abgegeben. Wie ist dies zu erklären?

Sechs Liga-Spiele ohne Tor – Ferran Torres mit kleiner Krise

Der FC Barcelona ist in der Formkrise – was für den Klub gilt, gilt aktuell auch für einen Spieler: Ferran Torres. Barças Angriffs- und Torflaute zuletzt (nur ein Treffer in den letzten drei Ligaspielen) ist auch Torres‘ Torflaute. Der Winterneuzugang von Manchester City hat seit sechs Ligaspielen kein Tor mehr erzielt, rechnet man das Europa-League-Rückspiel gegen Eintracht Frankfurt dazu, sind es sieben Partien ohne Tor. Viel erschreckender: In den letzten fünf Spielen hat Torres noch nicht einmal einen Schuss auf das Gehäuse des Gegners abgegeben (gegen Mallorca wurde einer geblockt, zudem zählte ein Treffer wegen Abseits nicht).

Seine Formschwäche spiegelt sich auch in den Barçawelt-Noten wieder – der beste Auftritt kam noch gegen Real Sociedad (Barçawelt-Punkte: 6), wo Torres nicht nur den Assist zum Tor des Tages lieferte sowie ein paar Abschlüsse hatte, sondern auch fleißig mit nach hinten arbeitete. Doch in den anderen Partien enttäuschte der 22-Jährige auf ganzer Linie, war teilweise überhaupt nicht zu sehen und somit kein Faktor im sowieso schon lahmenden Offensivspiel der Blaugrana – respektive sogar einer der Hauptgründe dafür (Frankfurt: Barçawelt-Punkte: 1, Cadiz: 3 Punkte, Rayo: 2 Punkte, Mallorca: 2 Punkte).

Doch wie ist der Formabfall zu erklären? Ist es Müdigkeit? Nur eine Momentaufnahme? Auf jeden Fall ist es augenscheinlich, dass Ferran aktuell enorme Probleme hat. In seinen ersten 13 Spielen als Barça-Spieler legte Torres einen tollen Start mit 6 Toren und 5 Assists hin, doch aktuell herrscht Flaute – und er ist auch kaum in der Offensive zu sehen, zuletzt fast immer abgemeldet gewesen, von der Torgefährlichkeit zu Anfang keine Spur mehr.

Der 22-Jährige hat normalerweise viele Stärken, die Barça zugutekommen. Er ist schnell, fleißig, arbeitet nach hinten mit und hat ein Gespür für den Raum und das Timing für richtigen Läufe gen Tor, bringt sich so oft in gute Abschlusspositionen. Sein Abschluss ist hingegen bislang eine seiner Schwächen, wie sich auch statistisch belegen lässt.

Ferran Torres underperformt seine expected Goals

Der Valencianer hat in La Liga bisher vier Tore geschossen, womit er an seinen Torchancen und Abschlüssen gemessen weniger Tore erzielt als erwartet. Torres underperformt seine expected Goals, denn sein xG-Wert beträgt 6,84 (Quelle: understat.com). Mit anderen Worten: Er hätte normalerweise sechs oder sieben Tore erzielen müssen. Ferran muss im Schnitt etwa 14 Schüsse abgeben, um ein Tor zu erzielen. Während seiner Karriere hatte er dabei Phasen, wo seine Quote doppelt so gut war.

Das Problem liegt aber neben der Quantität auch in der Qualität der vergebenen Chancen. Oftmals erhält er in zentraler Position die Kugel und vergibt dann teilweise ohne Gegnerdruck kläglich. Andere Barçaspieler schießen auch öfter aus ungünstiger Entfernung oder schwierigem Winkel auf den Kasten und haben dennoch bessere Werte. Wieder andere nutzen ihre wenigen Chancen effektiv. Zum Vergleich, Aubameyang benötigt drei Schüsse für einen Treffer.

Ferran Torres‘ Schusstechnik nicht auf Topniveau

Torres ist seine Unsicherheit anzumerken und partiell lässt sich sein Formtief psychologisch erklären. Ein wichtiger Bestandteil des Abschlusses sind Konzentration und Antizipation. Durch seine schwachen Leistungen zuletzt ist das Rampenlicht auf ihn gerichtet und setzt ihn massiv unter Druck, was seine Leistungen weiter vermindert. Ein Teufelskreis, aus dem er irgendwie ausbrechen muss – dabei helfen natürlich am besten Tore.

Die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor beim Abschluss geht im ab, aber auch technisch gibt es Schwachpunkte. Bei genauer Beobachtung fällt auf, dass er überdurchschnittlich oft nach einem Schuss hinfällt. Das passiert durchaus hin und wieder mal, bei Ferran ist es jedoch  vielmehr durch eine verbesserungsfähige Balance zu erklären. Er steht wahlweise mit seinem Standbein zu seitlich zum Ball und muss kraftlos mit der Innenseite schießen oder auch zu weit hinten und muss einen Ausfallschritt beim Schuss machen – was sich letztlich auf Präzision und Schusskraft negativ auswirkt.

Xavi wird nicht müde zu betonen, dass der ManCity-Winterneuzugang einen hohen Wert für die Mannschaft besitzt – auch fernab seiner (aktuell nicht vorhandenen) Tore. Und eine Torflaute macht schließlich jeder Stürmer durch. „Er ist sein ganzes Leben lang torgefährlich, in den Trainingseinheiten ist er einer derjenigen, die am meisten treffen. Er hat unser absolutes Vertrauen“, hatte Xavi schon im Februar erklärt, als Torres erstmals in seiner frischen Barça-Karriere eine kleine Flaute durchgemacht hatte. Denn es hatte fünf Ligaspiele gedauert, bis Torres erstmals nach seinem Wechsel getroffen hatte. „Das Barça-Trikot wiegt ein paar Kilo mehr“, hatte Xavi damals betont. Das gilt auch für die aktuelle Situation.

Dominik Herzog
Angehender Sportjournalist und Taktikanalyst bei Barcawelt.

4 Kommentare

  1. Ich bin da ganz bei ricki putsch.
    Als ich gelesen habe, dass ferran torres für 55 Mio verpflichtet wurde, konnte ich es nicht glauben. Ein riesen Fehlkauf! Der Typ ist weder torgefährlich noch hat er speed, um sich auf aussen durchzusetzen. Ich weiß bislang immer noch nicht, warum Xavi von ihm so schwärmt. In den nächsten spielen würde ich dembele auf links und adama auf rechts spielen lassen.

  2. Die Torflaute an sich finde ich persönlich jetzt gar nicht mal so schlimm, weil da jeder mal durch muss aber leider muss man ihn in meinen Augen größtenteils auf seine scorer reduzieren (offensiv), weil er sonst wenig Mehrwert bringt bislang und das macht das ganze dann schon gravierender.

    Ich glaube die Kritik an ihm wäre niemals so groß, wenn er nicht jedes spiel machen würde. Das ist wohl das, was die Leute am meisten stört, wenn man gerade nicht liefert aber dennoch unangefochten spielen darf. Da tut mir Ferran auch schon richtig leid, weil ich glaube dass es für alle Beteiligten besser zu lösen wäre.

    Aber was man halt von ihm erwarten muss, ist schon dass er mehr Chancen kreiert. Ich fand es sehr erschreckend, dass nur etwa 27% seiner Dribblings in der Liga (whoscored) erfolgreich sind. Er geht quasi 4 mal ins Dribbling, nur um eins zu gewinnen. Für einen Flügelstürmer ist das schon extrem wenig und er hat auch nicht unbedingt diese Spielmacher Qualitäten, um was zu initiieren. Prozentual müssten seine erfolgreichen Dribblings der niedrigste wert in der Mannschaft sein. Bin ein paar Namen durchgegangen und selbst Braithwaite, Luuk und Co haben da bessere Werte, nur Jordi Alba hat noch so einen niedrigen Wert.

    Ich glaube aber wir werden erst einen richtig guten Ferran sehen, wenn er um seinen Platz kämpfen muss und da Fati jetzt langsam zurückkommt, könnte es schon bald der Fall sein.

  3. interessanter punkt, das mit dem hinfallen; das war mir bisher nicht aufgefallen.

    na mal schauen, ich halte ferran für einen guten spieler, allerdings auch für jemanden, der schnell in die rotation rutschen könnte, wenn ein anderer spieler sich auf der linken seite als torschütze etablieren sollte, was vermutlich auch von ansu fatis gesundheit abhängen wird, denn auch wenn ansu auf der 9 spielen kann, geh ich davon aus, dass auba da erstmal gesetzt ist, weil mit ihm und ansu gleichzeitig zwei aggressive und treffsichere stürmer auf dem feld hätte.

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