Griezmanns Abgang bei Barça: Ein millionenschweres Missverständnis mit Ansage

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Antoine Griezmann hat den FC Barcelona Richtung Atlético Madrid verlassen. Es ist das Ende eines 120 Millionen Euro teuren Missverständnisses. Von den Fans verabschiedete er sich via Social Media, sein Verhältnis zu den Medien war hingegen angespannt. Fraglich ist, wie ihn die Atleti-Anhänger nun willkommen heißen werden.

Es schien von Anfang an ein teures Missverständnis zu sein, das nun beendet wurde. In den letzten Minuten des verrückten und spannenden Deadline Day verlieh der FC Barcelona Antoine Griezmann für zwei Spielzeiten an Atlético Madrid, anschließend besitzen die Colchoneros eine Kaufoption, die laut der spanischen Tageszeitung Marca ab einer bestimmten Anzahl an bestrittenen Partien zu einer Kaufpflicht wird.

Ein Missverständnis, das Barça erneut ein riesiges Loch in die Taschen gefressen hat. 120 Millionen Euro, so viel zahlte Barca 2019 an Atlético, um sich die Dienste Griezmanns zu sichern. Der Transfer lief nicht ohne Kontroversen ab, verhandelten die Katalanen mit dem Weltmeister doch schon unerlaubterweise im Februar, was Atlético reichlich erzürnte. Um die Angelegenheit schnell aus der Welt zu schaffen, flossen weitere 15 Millionen Euro in die spanische Hauptstadt.

Griezmann ein weiterer planloser Bartomeu-Transfer

135 Millionen also für einen Spieler, bei dem von Anfang an klar war, dass er eigentlich gar nicht in das ballbesitzorientierte Spiel Barcas passt, zu oft hielt er sich in denselben Räumen wie Lionel Messi auf, zu beschränkt sind seine Fähigkeiten im Kombinationsspiel beziehungsweise im Dribbling.

Viele Fans gingen wohl davon aus, dass sich die Verantwortlichen beim FC Barcelona bei dem Transfer schon etwas gedacht haben und der damalige Trainer Ernesto Valverde schon eine Idee hätte, wie man Griezmann gewinnbringend einsetzen könnte. Nun, zwei Jahre später, sind wir alle schlauer und wissen: dem war nicht so.

Es war lediglich eine weitere Möglichkeit für den damaligen Präsidenten Josep Maria Bartomeu, Geld für einen großen Namen zum Fenster rauszuschmeißen, ohne den sportlichen Mehrwert im Blick zu haben. Unter ihm schien Geldverbrennen zu einer neuen Freizeitbeschäftigung des Vorstandes zu werden – Ousmane Dembélé, Philippe Coutinho, Antoine Griezmann, um nur einmal die drei teuersten Flops zu nennen.

 

„Nur“ ein Copa-Sieg für Griezmann – Konkurrenz bei Atlético groß

Griezmann kann man dies freilich nicht zum Vorwurf machen. Er wollte unbedingt zu Barcelona wechseln, um endlich große Titel zu gewinnen, dafür nahm er angeblich (jedenfalls im ersten Jahr) sogar Gehaltseinbußen hin, verdiente er bei Atlético zuvor doch mehr.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass er während seiner zwei Spielzeiten in Barcelona „nur“ eine Copa del Rey gewann, während Atleti sich vor wenigen Monaten zum Meister in La Liga krönte und Griezmann nun zu diesem Atlético zurückkehrt und erneut auf einen Teil seines Gehaltes verzichtet – es ist die Rede von einer Gehaltsreduzierung von 50 Prozent.

Dass Griezmann bei Barca trotz einiger Torerfolge – 52 Scorerpunkte in 102 Partien – nie wirklich fruchten konnte, lag hingegen vor allem an der Art und Weise, wie er eingesetzt wurde. Sowohl Valverde als auch Quique Setién und Ronald Koeman ließen ihn vornehmlich auf dem Flügel auflaufen, von dort hatte der Franzose, der gerne im Zentrum die Fäden zieht und von sich selbst einmal gesagt hat, dass er nicht wirklich dribbeln könne, kaum Einfluss auf das Spiel. Dass er nach wie vor seine Qualitäten hatte, zeigte er hingegen regelmäßig in der französischen Nationalmannschaft, wo Trainer Didier Deschamps ihn in der Zehnerrolle einsetzt.

Es wird interessant zu sehen sein, wie es Griezmann nun bei Atlético ergehen wird, die Konkurrenz auf seiner Position ist mit Angel Correa, João Félix und Neuzugang Matheus Cunha schließlich gewaltig.

Griezmann: Kritik „geht manchmal zu weit“

Darüber hinaus soll Griezmann selbst auf seinen Abschied aus Barcelona gedrängt haben, womöglich auch, weil er die ständige – wenngleich nicht komplett ungerechtfertigte – Kritik an seiner Person satt hatte. „Ich akzeptiere die Kritik, denn ich weiß, dass man nicht den besten Griezmann sieht. Aber manchmal geht sie zu weit. Immer, wenn irgendwas passiert, wird über mich gesprochen“, merkte Griezmann im Dezember 2020 in einem Interview an. „Die Leute sollen etwas sanfter mit mir umgehen, die Journalisten sollen mir nicht immer jedesmal mit dem Stock eins überziehen und mich etwas in Ruhe lassen.“

Nun werden ihn die Medien in Barcelona in Ruhe lassen – denn er stürmt fortan wieder für Atlético. „Ich habe alles für dieses Trikot gegeben und bin traurig, dass ich die Zeit nicht mehr mit euch auf den Tribünen genießen konnte“, verabschiedete sich Griezmann via Social Media von den Barça-Anhängern. „Aber ich bin stolz, einer von euch gewesen zu sein.“

Wie herzlich ihn die Atlético-Anhänger im Wanda Metropolitano empfangen werden, ist hingegen fraglich. Viele Fans waren gegen seine Rückkehr, haben ihm seine Selbstinszenierung bei der Wechsel-Doku ‚La Decisión‘ sowie den ein Jahr später folgenden Transfer zum FC Barcelona immer noch nicht verziehen. Dass er nun die Nummer 8 auf dem Rücken tragen wird, die zuvor Klub-Legenden wie Luis Aragones oder zuletzt Saúl Ñíguez gehörte, bietet eine weitere Angriffsfläche.

Sicher, sollte Griezmann bereits früh überzeugen, könnte er einen Teil der Fans mit Toren schnell wieder auf seine Seite bringen. Sollte er sich jedoch einen Fehltritt leisten oder den Erwartungen an ihn – die trotz seiner im Barça-Trikot zuletzt schwachen Leistungen hoch sind – nicht nachkommen, könnte es auch in Madrid bald ungemütlich für den 30-Jährigen werden.

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