Im Clásico erneut verdeutlicht: Schwächelt Messi, schwächelt der FC Barcelona

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Der FC Barcelona hat im Clásico eine große Chance ausgelassen, gegen ein taumelndes Real Madrid einen großen Schritt Richtung Meisterschaft zu machen. Nun kommt es im Saisonendspurt noch mehr auf Lionel Messi an, der aber gleichzeitig auch Barças Auswärtsmisere verkörpert. 

Auch zwei Tage später fühlt es sich noch wie eine vertane Chance an. Der FC Barcelona hatte im Bernabeu alles in der eigenen Hand – der Gegner beeindruckt, mental angeschlagen, zögerlich; dazu waren Ballbesitzanteil und Dominanz so, wie es sich Quique Setién sicherlich ausgemalt und vorgestellt hatte. Der FC Barcelona dominierte die Partie gegen den Erzrivalen, der angeschlagen war, hatte Chancen – allein, er verwertete diese nicht.

Selten war Real Madrid im Bernabeu in einer Halbzeit dermaßen anfällig, Barça fühlte sich wieder einmal wohl im Stadion des Erzrivalen – in dem es seit 2014 nicht mehr verloren hatte. „Sie passen und passen und passen, und dann beschleunigen sie“, sagte Emilio Butragueño, Madrids Klub-Direktor. Doch das Setiénsche Spiel hielt so richtig nur eine Halbzeit lang an, während das Endprodukt, der Torerfolg, er fehlte.

Barça wollte in seinem Tempo auch Durchgang zwei diktieren, hatte die Rechnung aber ohne die Madrilenen gemacht. Spätestens nach Iscos Schlenzer, den Marc-André ter Stegen sensationell aus dem Winkel wischte, änderte sich das Spiel schlagartig, diese Chance gab den Königlichen plötzlich Schwung.

In Halbzeit eins hätte Barça gegen taumelnde Blancos die Führung erzielen müssen, im Nachhinein kann man das so klar sagen. Die Chancen von Arthur, Lionel Messi und Antoine Griezmann waren da, doch die letzte Entschlossenheit fehlte bei den Abschlüssen. Die vergebenen Möglichkeiten sollten sich rächen, noch so eine biedere Halbzeit würde Madrid nicht noch einmal abliefern. Iscos Schuss weckte die biederen Blancos aus der Lethargie auf.

„Wir haben die Chance liegen gelassen, ihnen richtig einen mitzugeben und auf den Tisch zu hauen“, formulierte es Gerard Piqué treffend nach der Partie, der bärenstarke Sergio Busquets blies ins gleiche Horn: „Wir haben eine einmalige Gelegenheit verpasst.“

Statt fünf Punkte (plus gewonnenem Vergleich) vorne zu sein, liegt Barça jetzt einen Punkt hinter Real, hat die Tabellenführung wieder verloren. Und ebenso natürlich den direkten Vergleich, der bei Punktgleichheit in Spanien entscheidet. Vielleicht noch wichtiger: Real Madrid hat wieder Momentum, Selbstvertrauen gewonnen. Und in der Endphase der Saison zu allem Überfluss wohl auch noch das leichtere Restprogramm, zumindest auf dem Papier.

Messi verkörpert Barças Auswärtsmisere

Besorgniserregend ist auch die Durststrecke und durchaus auch die Clásico-Leistung Lionel Messis: Im Bernabeu war der Superstar der Blaugrana nicht auf der Höhe seiner Schaffenskraft, zweimal fehlte ihm zentral vor dem Tor in aussichtsreicher Position die Spritzigkeit, auch fehlte ihm die Bindung zum Spiel.

„Messi scheint einsam zu sein, er wird von Frustration überwältigt“, diagnostiziert die SPORT bereits – und führt das auf einen fehlenden Mittelstürmer an seiner Seite zurück, namentlich natürlich seinen Kumpel Luis Suárez. Der Uruguayer hat jüngst in einem Interview selbst analysiert: „Es ist für Messi viel leichter, mit einer echten Neun zusammenzuspielen, der die Innenverteidiger fixiert“ – denn dann hat der Argentinier mehr Platz. Aktuell ist Antoine Griezmann sein Partner, der sich selbst gerne fallen lässt und überall im Angriff herumschwebt, aber eben alles andere als ein Fixpunkt in der Zentrale ist, der die Innenverteidiger beschäftigt.

So lastet noch mehr Druck auf Messi, dem zudem ein Flügelstürmer abgeht – nicht selten hat Barça wie im Bernabeu nur mit Griezmann und Messi im Angriff agiert. Folglich können sich die Abwehrreihen auch mehr auf Messi fokussieren, ihm das Leben schwer machen. Dribbelstarke Spieler, die selbst etwas kreieren und so auch Räume für Messi schaffen, hat Barça mit Ausnahme des 17-jährigen Ansu Fati keine mehr im Kader – darunter leidet nicht zuletzt auch das Spiel des Kapitäns der Katalanen merklich.

In den letzten elf Spielen hat Messi „nur“ sechs Tore geschossen, wobei aber vier Treffer in nur einem Spiel kamen, gegen Eibar. Mit anderen Worten: Messi hat nur in acht der letzten elf Partien getroffen. Besonders auswärts tut sich La Pulga mit dem Toreschießen ungewöhnlich schwer in dieser Saison, er hat lediglich in drei Liga-Auswärtsspielen ein Tor erzielen können – zuletzt war das am 1. Dezember bei Atlético Madrid der Fall. 

Es ist eine uralte Regel: Schwächelt Messi, schwächelt auch der FC Barcelona. Die Messidependencia, sie wird im Schlussspurt dieser bisher so verkorksten Saison wohl größer sein als jemals zuvor. Ohne einen Messi in Topform schwinden die Hoffnungen der Katalanen auf den erneuten Gewinn der Meisterschaft. Die verpasste Chance im Clásico könnte im Nachhinein eine Partie mit vorentscheidendem Charakter gewesen sein.“

Alex Truica
Freier Sportjournalist, Podcaster und Chefredakteur Barçawelt
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