AC Mailand gegen FC Barcelona: Spielanalyse

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Das hat man sich beim FC Barcelona ganz anders vorgestellt. 0-2 verlor man beim AC Mailand und steht somit kurz vor dem Aus im Achtelfinale der Champions League, sollte man im Rückspiel kein mittelgroßes Wunder zustande bringen.

 Jordi Roura schickte seine vermeintliche bestmögliche Elf auf das Feld:

Einwechslungen

62. Sànchez für Fàbregas

88. Mascherano für Puyol

Taktik und Spielweise von Milan

Die Mailänder waren zunächst einmal darauf bedacht, defensiv sicher zu stehen und aus dieser Kompaktheit auch immer wieder offensiv gefährlich zu werden. Die Gastgeber agierten in einer Art 4-3-3, das aber relativ defensiv ausgerichtet war. Dies beinhaltete natürlich auch defensivdenkende Stürmer, welche ihre Kollegen über die 90 Minuten sehr gut unterstützten. Milan störte einige Schlüsselspieler von Barcelona schon bei der Ballannahme und doppelte Spieler wie Messi oder Iniesta auch, um sie so im Griff zu behalten. Gegebenenfalls wurden auch andere Spieler in gefährlichen Zonen gedoppelt, wie beispielsweise Pedro.

Aber auch wenn Barcelona etwas “warmlaufen” konnte, stand Milan defensiv sehr geordnet und schaffte es außerordentlich gut die Lücken in den eigenen Ketten zu schließen. Dies gelang ihnen teils durch eine gewisse Überlappung der verschiedenen Ketten, sprich: Es ließen sich Mittelfeldspieler in die sich auftuenden Lücken in der Abwehr fallen. Dadurch gab es für Barcelona so gut wie keine Möglichkeit mal einen Lochpass zu spielen, was einer der Gründe war, wieso sie zu keiner wirklichen Torchance kamen.

Die Spieler vom AC Mailand spielten defensiv unglaublich diszipliniert und ließen Barcelona auch über die Außen kaum einmal gefährlich werden. Entweder verhinderte man schon die Hereingabe, oder aber man klärte diese ohne Probleme. Genauso problemlos konnte man auch versuchte Einzelaktionen stoppen, einfach weil es defensiv eine geschlossene Top-Leistung war. Ein Beispiel hierfür ist eine Szene, wo Andrés Iniesta an drei Spielern vorbeigeht, dann aber vom vierten aushelfenden Spieler den Ball abgenommen bekommt.

Je nachdem wo die Mailänder den Ball verloren, störten sie Barcelona schon sehr früh, teils auch nur, um schnelle Angriffe und Vorstöße der Katalanen zu verhindern. Währenddessen zog man sich immer weiter zurück und ließ sich von den Gästen in der eigenen Hälfte einschnüren, ohne aber eine echte Chance zuzulassen. Während der zweiten Halbzeit wurde Milans Pressing insgesamt offensiver und aggressiver, weshalb sie auch den Ball noch öfter in Barcelonas Hälfte eroberten und somit schnell nach vorne spielen konnten, so geschehen beim 2-0.

Offensiv wirkte Milan vor allem in der ersten Halbzeit viel zu überhastet und ungestüm. Sie versuchten mit schnellen langen Bällen nach vorne zu kommen und so über Konter gefährlich vor Victor Valdés’ Tor zu kommen. Hierbei verlor man einige Male den Ball und wurde eigentlich nie so richtig gefährlich, lediglich in Ansätzen.

Im zweiten Durchgang wirkten die Angriffe der Gastgeber durchdachter und gefährlicher. Dies begann schon mit dem früheren Pressing, da man dadurch keinen so weiten Weg zum Tor hatte. Man konnte sich schneller nach vorne kombinieren und hatte teilweise auch weniger Gegenspieler um sich, vor allem wenn man den Ball in einer Phase eroberte, wo schon viele Spieler von Barcelona nach vorne marschiert waren. Man schaffte es immer wieder in die Nähe von Barcelonas Strafraum zu kommen, zum Abschluss kam man aber insgesamt selten und wirklich gefährlich wurde es auch nur bei den beiden Toren.

Insgesamt zeigte Milan eine sehr starke Leistung, vor allem defensiv. Man zog den Katalanen, die einen schlechten Tag erwischten, den Zahn und siegte letztlich aus einer sehr kompakten Defensive heraus – auch wenn das Ergebnis am Ende wohl etwas zu hoch ausfiel, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass der erste Treffer aus einem klaren Handspiel resultierte.

Taktik und Spielweise von Barcelona

Wie schon erwähnt, trat Barcelona in der nominellen Bestbesetzung an, wirklich gesehen hat man dies aber nicht. Defensiv zeigte man im ersten Durchgang eine sehr konzentrierte und sehr sichere Leistung. Die Abstimmung stimmte, die Abseitsfalle funktionierte und man ließ Milan zu keiner wirklichen Chance kommen. In der zweiten Halbzeit sah das aber anders aus. Barça hatte mehr Probleme mit den Gastgebern als in den ersten 45 Minuten, schaffte es aber insgesamt doch recht gut, sich ihrer zu erwehren. 

Lediglich zwei Mal waren die Katalanen nicht auf der Höhe des Geschehens. Beim 0-1 stand niemand bei Boateng und Constant, welche dafür sorgten, dass Milan in Führung ging. Hierbei muss aber auch erwähnt werden, dass Constant den Ball klar mit der Hand zu Boateng ablenkte und es nicht nur daher ein ziemlicher Zufallstreffer war. Nichtsdestotrotz hätte jemand bei den jeweiligen Milan-Spielern stehen müssen, was das Tor verhindert hätte.

Beim zweiten Gegentor verlor zuerst Jordi Alba den Ball viel zu leicht. Danach ließ Puyol sich zu einfach von Niang aus dem Spiel nehmen und konnte den Ball dann in die Mitte zu El Sharawy spielen. Dieser wiederum konnte – weil Alves ins Zentrum einrückte – Muntari perfekt freispielen, welcher keine Probleme damit hatte den Ball im Tor unterzubringen.

Offensiv enttäuschte Barcelona auf ganzer Linie. Die Katalanen zeigten zwar durchaus viel Bewegung, aber nicht die nötige. Die wirklich wichtigen Zonen wurden von Milan sehr gut abgedeckt und Barcelona schaffte es einfach nicht, sich in diesen Zonen – also kurz vor dem Strafraum oder gefährlich außen um den Strafraum herum – wirklich in Szene zu setzen. Das lag an der kompakten Defensive der Mailänder und dem Verschließen der Schnittstellen, aber auch an dem guten und frühen Stören der Barça-Spieler.

Ein weiterer Grund für die Harmlosigkeit von Barcelona war, dass die Spieler insgesamt einfach klar unter ihren Möglichkeiten blieben. Fàbregas war bemüht, hatte aber einige Fehler in seinem Spiel und keine wirklich gute entscheidende Szene. Auch Xavi merkte man an, dass er nach seiner Verletzung noch nicht bei 100% ist. Er spielte einige Fehlpässe, die ihm so normalerweise nicht passieren und konnte dem Spiel auch nicht so seinen Stempel aufdrücken, wie man das von ihm kennt. Messi und Pedro versuchten viel, agierten aber letztlich glücklos und bissen sich an der starken Milan-Defensive die Zähne aus. Lediglich Iniesta konnte zumindest andeuten, wozu er in der Lage ist, aber wirklich zwingend war auch er nicht. Zumindest war er für den einzigen Torschuss der Katalanen verantwortlich, in der 76. Minute!

Insgesamt enttäuschte Barcelona einfach. Man hatte natürlich Pech beim 0-1, aber letztlich war man einfach offensiv zu harmlos und ließ später auch zu leicht das zweite Gegentor zu, welches die Ausgangslage vor dem Rückspiel sehr schlecht erscheinen lässt. Barcelona muss im Rückspiel kompakt stehen, um kein Auswärtstor zu kassieren und offensiv muss man sich deutlich steigern, um diese starke Defensive der Mailänder zu knacken. Nur wenn das gelingt und die Tagesform auch dementsprechend ist, haben die Katalanen noch eine Chance ins Viertelfinale der Champions League einzuziehen.

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