Der Tag der Entscheidung

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Die Stunde der Wahrheit naht mit aller Vehemenz. Wer noch unschlüssig ist, mit welchen Erwartungen er diese Partie in Angriff nehmen möchte, sollte sich schnell über seine Empfindungen im Klaren werden. Die meisten hingegen haben bereits Position bezogen und nur wenige von ihnen glauben an ein weiteres wundersames Ereignis im Camp Nou. Jeder Gedankengang, der sich mit Lösungsansätzen befasst, diesen Bayern beizukommen, mündet unweigerlich in der Hypothek von vier Toren. Vier Tore im Camp Nou entziehen sich der gewissenhaftesten Planung und nicht einmal die Gegentorprävention scheint in den Händen der Katalanen zu liegen, vielmehr in jenen der höheren Mächte und der Bayern. Die Anspruchshaltung sinkt somit, das einstige Ziel – das Finale in Wembley – ist ein weite Ferne gerückt. Jetzt geht es nur noch darum, die beschmutzte Ehre wiederherzustellen.

Die demütigende und herabwürdigende Berichterstattung hierzulande hat wieder einmal zum Ausdruck gebracht, dass die Erfolge der Vergangenheit nichts gelten. Unabhängig davon, welchen Mediums man sich bediente, wurde der FC Barcelona mit Häme und Spott überschüttet. Xavi und Co. waren maßgebend mitverantwortlich dafür, dass es für die deutsche Nationalmannschaft in den letzten drei Turnieren nichts zu holen gab. Die Kantersiege gegen den FC Bayern und gegen Bayer Leverkusen waren der Sympathie für den FC Barcelona auch nicht gerade zuträglich. Jetzt wandelte sich der sportliche Frust in unsportliche Überheblichkeit, die den Blauroten noch mehr auf die Nerven gehen dürfte als die Niederlage an sich.

Demzufolge wäre ein jeder heute über ein Fußballwunder äußerst dankbar. Wieviele von euch haben sich bei dem Gedanken ertappt, wie es sich anfühlen könnte, wenn Barça sich mit einem 4:0 in die Verlängerung rettet und in der Nachspielzeit, für die Dramatiker unter uns auch gerne im Elfmeterschießen, das scheinbar unvermeidliche Schicksal des Ausscheidens noch abwendet? Die zu erwartende Genugtuung wäre unermesslich und nicht weniger als ein Segen für die Fans. Man könnte wieder das Barça-Trikot anziehen, ohne dass Schwachmaten mit dem Horizont einer Erbse mit dem Finger auf einen zeigen. Man könnte mit einem breiten Grinsen morgens das Haus verlassen, wohlwissend, dass das Karma wieder zugeschlagen hat. Whats goes around comes around.

Damit aber genug der Träumerei. Die Realität sieht zu unserem Leidwesen etwas düsterer aus. Jordi Alba hat sich im Hinspiel das Recht herausgenommen, auf den zweiten Akt zu verzichten. Puyol und Mascherano sind noch weit davon entfernt, wieder einsatzbereit zu sein. Defensivstratege Sergio Busquets ist auch an einem Mitwirken gehindert, er wird durch Alexandre Song vertreten. Keine guten Voraussetzungen, um vier Tore gegen selbstbewusste Münchener zu erzielen. Hinzu kommt ein Xavi, der weit von seiner Topform entfernt ist, aber trotzdem auflaufen wird, weil Tito Vilanova noch nicht den Mut dazu aufgebracht hat, Xavis Platz in der Stammformation zur Disposition zu stellen. Stärker kann sich ein Spieler kaum aufdrängen, was eine Position auf der Reservebank anbetrifft. 

Die Unstimmigkeiten in der Mannschaft sind eklatant und wurden auf Barçawelt – insbesondere in unserem Forum – hinreichend beleuchtet. Es fängt an bei einem taktisch zweifelhaften Konzept, das noch funktionierte, als alle Spieler auf der Höhe ihrer Schaffenskraft waren, mittlerweile aber eher zusätzlichen Ballast aufwirft. Stichwortartig soll an dieser Stelle die Rolle der Flügel genannt werden, die – unter fast vollkommener Aufopferung ihrer Qualitäten – Aufgaben in der Defensive verrichten, die Xavi und Iniesta obliegen. Die mangelnde Intensität im Spiel ist ebenso ein Problem wie das fast schon peinliche Verhalten bei gegnerischen Standards. Die physische Unterlegenheit und die suboptimale Raumaufteilung sollten ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden.

Was also spricht für den FC Barcelona? Das tolle Auftreten der Mannschaft gegen den AC Milan dient vielen als letzter Strohhalm für ihre Hoffnung an einen gelungenen Abgang des katalanischen Ensembles. Die Hoffnung an ein Weiterkommen nämlich ist angesichts der Tatsachenlage pures Wunschdenken, das gänzlich an den realen Gegebenheiten vorbeigeht. Der FC Bayern ist stärker als der AC Milan und es würde seltsam anmuten, sollte der FC Barcelona in der Lage sein, gegen diese gefestigte Mannschaft mehr als zwei Tore zu erzielen – selbstredend unter Zugrundelegung der Rückspiel-Vorstellung gegen den AC Milan. 

Die Hoffnung kann damit nur dahin gehen, dass die Mannschaft wie im Spiel gegen den AC Milan alles aus sich herausholt und am Anschlag ihrer Möglichkeiten spielt; und damit ihren guten Ruf wiederherstellt. Es wäre schön für die Fans, wenn sie sehen könnten, dass die Mannschaft noch mithalten kann und zumindest punktuell zu Höchstleistungen imstande ist. Im Hinblick auf die nächste Saison würde ein solcher Auftritt Mut machen. Und wer weiß, vielleicht hält uns Fortuna heute die Treue und macht Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer einen Strich durch die Rechnung. Der Fußball schreibt seine eigenen Geschichten und kümmert sich nicht um Gesetzmäßigkeiten, das hat die Vergangenheit oftmals gezeigt. 

Visca el Barça!

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