FC Barcelona gegen Benfica Lissabon – Taktikrückblick

StartChampions LeagueFC Barcelona gegen Benfica Lissabon - Taktikrückblick
- Anzeige -
- Anzeige -

Bildquelle: fcbarcelona.com

Vor heimischer Kulisse sprang für den FC Barcelona nicht mehr als ein mageres 0-0 heraus. Mit überschaubaren Mitteln nahm der Vertreter aus Portugal eine uninspirierte katalanische Auswahl aus dem Spiel, die mit zahlreichen Spielern aus dem Jugendteam angetreten war, bereichert um den ein oder anderen Star aus der ersten Mannschaft. Torchancen waren ein rares Gut und die Zuseher waren gut beraten, auch nur den Hauch einer Torchance vollkommen auszukosten. So arm das Spiel auch an spielerischen Highlights war, dürfte ein jedem Culé der Puls gegen Ende in die Höhe geschnellt sein, als Lionel Messis Weg zum Rekord ein jähes Ende auf einem Wagen fand, der ihn noch vor Abpfiff der Begegnung aus dem Stadion beförderte.

Rafinha zentral, Montoya gehemmt

Zunächst aber gehörte Messi nicht zu den auserwählten Protagonisten, die das Spiel im Camp Nou in Angriff nahmen. Vilanova vertraute auf das Können einer modifizierten B-Elf und gab jungen Spielern die Chance, sich zu profilieren und Erfahrungen zu sammeln. Auf den Außenverteidigerpositionen fanden sich Montoya und Planas ein, für die notwendige Stabilität in der Abwehr sollten Puyol und Adriano Gewähr leisten. Das Mittelfeld bekleideten Song, Sergi Roberto und Thiago, während im Angriff Villa, Tello und Rafinha für Furore sorgen sollten.

Villa agierte zentral, während Tello die linke Flanke zu erobern suchte. Rafinha war zwar nominell als Stürmer aufgestellt, tatsächlich aber war er zumeist im Zentrum anzutreffen und nicht auf dem rechten Flügel, sodass sich im Spiel ein deutlich asymmetrisches Bild ergab. Während nämlich Tello wie gewohnt auf dem linken Flügel klebte und keine Anstalten machte, diesen zu verlassen, war der rechte Flügel zumeist verwaist. Auch Montoya war aufgrund einer verhältnismäßig hohen Auslastung im defensiven Bereich kaum in der Lage, in die Lücke vor ihm vorzudringen. Dementsprechend mangelte es dem Spiel des FC Barcelona deutlich an Breite, die Angriffsbemühungen konzentrierten sich auf das Zentrum sowie auf die linke Seite. Es ist verwundert daher nicht, dass sich die Katalanen kaum Torchancen erspielen konnten. Die Verteidigungsreihen von Benfica Lissabon konnten eng agieren und hatten keine Veranlassung, die von ihnen aus gesehen linke Seite als Bedrohung in ihr Kalkül aufzunehmen. Darüber hinaus funktionierte ihre Abseitsfalle ohne Fehl und Tadel – ein wichtiger Faktor in diesem Spiel.

Benfica: Mit “losem Pressing” erfolgreich

Zu weit war der Weg von Montoya nach vorne, um beim schnellen Umschalten seiner Mannschaft eine gewichtige Rolle zu spielen. Dass Montoya so stark in der Defensive eingebunden war, hatte seinen Grund in der Spielweise des Gastes. Benfica Lissabon setzte in diesem Spiel auf ein “loses Pressing”, bei dem die Spieler ihre direkten katalanischen Kontrahenten einfach Covern und damit die Anspielstationen für ein fortgesetztes Aufbauspiel zustellen. Benfica verzichtete demnach gänzlich auf ein unbedingtes hartes Pressing, sondern begnügte sich mit einem unvollkommenen teilintensivem Vorgehen, das sie in die Lage versetzte, diese Spielart physisch lange aufrecht zu erhalten. Und der Spielverlauf gab den Portugiesen Recht, die Katalanen hatten massive Schwierigkeiten mit dem Aufbauspiel aus der Abwehr heraus. Die Mittelfeldspieler ließen sich zuweilen sehr tief fallen, um überhaupt eine Fortsetzung im Aufbauspiel zu ermöglichen. 

Die tiefe Positionierung der Mittelfeldspieler brachte aber kaum Abhilfe, auch sie wurden bis tief in die eigene Hälfte verfolgt und konnte die Probleme im Aufbauspiel nicht lösen. Mehr noch, es fehlten die Voraussetzungen für ein schnelles Spiel nach vorne – an das gewohnte Tiki Taka war unter diesen Umständen und mit diesem Spielermaterial am gestrigen Abend nicht zu denken -, weil mit Ausnahme von Villa und zuweilen Tello, der aber gleichermaßen mit nach hinten arbeitete, viele Spieler tief in der eigenen Hälfte eingebunden waren und der Weg zum gegnerischen Tor sehr weit war. Zumeist konnte Benfica Lissabon bereits in der Hälfte des FC Barcelona einen Ballgewinn für sich verbuchen, da sich zu dem losen Pressing auch noch fehlerhafte Passmuster und ein Mangel an Harmonie im Zusammenspiel gesellten. Es war erschreckend anzusehen, wie wenig Aufwand es bedurfte, um die Zukunft des FC Barcelona in einen Zustand der Hilflosigkeit zu versetzen. 

Barcelona rat- und ideenlos

Und es war erstaunlich, mit welcher Engelsgeduld die Spieler immer wieder mit dem gleichen Lösungsmuster aufwarteten, welches häufig genug gescheitert ist. Dass die Spieler des FC Barcelona ihrem Spielstil stets treu bleiben und auch unter widrigsten Bedingungen um eine spielerische Lösung bemüht sind, ist bekannt und dagegen bestehen keinerlei Einwände. Allerdings kann man davon ausgehen, dass das Spiel mit der Bestbesetzung gestern einen anderen Verlauf genommen hätte. Benfica Lissabon war kein unüberwindbares Hiindernis, man hätte ihre taktische Ausrichtung ohne Weiteres gegen sie verwenden können. Ihr Mittelfeld rückte weit auf und verfolgte die Gegenspieler bis tief in die Hälfte des FC Barcelona. Ihre Abwehrreihe war entsprechend dieser Spielweise angehalten, bis an die MIttellinie vorzurücken und notfalls – wenn sich ein Angreifer noch weiter nach hinten fallen ließ – noch weiter vorzurücken. Lange hohe Bälle hinter die weit aufgerückte Abwehrreihe hätten damit ein Problem für den Gast werden können. Gleichsam fehlte es dem FC Barcelona an spieleröffnenden Innenverteidigern, die mit nur einem beherzten Antritt gefahrlos bis zur Mittellinie hätten vordringen können. Sowohl Adriano als auch Puyol verhielten sich in dieser Hinsicht sehr zurückhaltend und risikoavers. 

Bei optimaler Raumaufteilung, einem gutem Positionsspiel sowie aufeinander abgestimmten Laufwegen hätte das Pressing von Benfica Lissabon aber auch umspielt werden und der Gegner nach und nach zurückgedrängt werden können. Der Mannschaft gestern fehlte deutlich die Eingespieltheit, um die Hürde eines teilintensiven Pressings zu nehmen. Auch der Blick über den Horizont des Tiki Taka hinaus erfolgte nicht, sodass sich für den Zuschauer ein ungewohntes und unschönes Spielbild entwickelte. Benfica war die bessere Mannschaft mit den besseren Torchancen und nur Pinto ist es zu verdanken, dass die Zuschauer nicht nur den Verlust von Superstar Lionel Messi zu beklagen hatten. Dem Vernehmen nach hat sich Messi nur einen Bluterguss zugezogen, der leicht behandelt werden kann. Seinem Mitwirken im nächsten Spiel steht diese Verletzung nicht entgegen. Eingehendere Untersuchungen folgen erst im Verlauf des Tages. 

- Anzeige -

AKTUELLE USER-KOMMENTARE