FC Barcelona gegen Paris Saint Germain: Spielanalyse

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Es war ein hartes Stück Arbeit für den FC Barcelona, aber am Ende schafften die Katalanen es, sich zum sechsten Mal in Folge für das Halbfinale der Champions League zu qualifizieren, ein Rekord! Die Franzosen machten es Barcelona sehr schwer und stellten sie vor einige Probleme, letztlich war es dann die Einwechslung von Messi, die die Entscheidung herbeiführte.

 Tito Vilanova schickte die fast erwartete Elf auf den Platz, lediglich Pedro startete etwas überraschend für den zuletzt starken Alexis Sànchez.

Einwechslungen

61. Bartra für Adriano

61. Messi für Fàbregas

84. Song für Villa

Taktik und Spielweise von Paris

Was schon im Hinspiel gut klappte, wollten die Franzosen nun auch im Camp Nou wieder so gut wie möglich umsetzen. Ancelottis Team stand defensiv in ihrem 4-4-2-System relativ kompakt, was auch an den beiden Sechsern Verrati und Motta lag. Die Franzosen spielten ein ordentliches Pressing, je nach Situation mal offensiver und mal defensiver. Die Innenverteidigung stand insgesamt ziemlich sicher, ließ aber auch einige Lücken, die Barcelona jedoch nicht nutzen konnte – oftmals, weil freigewordene Räume nicht wie gewohnt durch Messi genutzt wurden, aber dazu später mehr.

Paris verstand es gut, nach eigenem Ballgewinn schnell nach vorne zu spielen und gefährlich vor das Tor von Victor Valdés zu kommen; vor allem über Ibrahimovic, aber auch Pastore und vor allem Lucas Moura waren sehr gefährlich. Gerade in dem Bereich vor Barças Innenverteidigung – also im Wirkungsbereich von Sergio Busquets – fanden die Franzosen immer wieder sehr viel Platz vor, den sie auch oftmals zu nutzen wussten. Sie spielten einige gute Pässe, für die sie auch genug Zeit hatten, da Barcelonas Innenverteidigung selten herausrücken konnte, durch die fehlende Absicherung von Busquets sowie mangelnde Abstimmung untereinander. PSG war im ersten Durchgang insgesamt gefährlicher als die Gastgeber und schaffte es auch, zu einigen guten Abschlüssen zu kommen, jedoch zeigte Valdés wie im Hinspiel eine klasse Leistung und hielt sein Team ohne Gegentor.

In der zweiten Halbzeit ging es erst so weiter und Paris schaffte es, dann auch eine ihrer Konterchancen zu nutzen. Ibrahimovic spielt erst einen kurzen Doppelpass am Mittelkreis mit Pastore, wartet dann auf den richtigen Moment und schickt eben diesen Pastore mit einem klasse Pass. Auf die Fehler von Barcelona an dieser Stelle werden wir später zu sprechen kommen, aber aus Pariser Sicht bleibt hier festzuhalten, dass Ibrahimovic einen sehr guten und wunderbar getimten Pass spielte und Pastore aus diesem auch das Maximum herausholte. Er lief gut, hielt sich Dani Alves vom Leib, wartete lange, ließ Valdés am Ende keine Chance und traf zur durchaus verdienten Führung für die Franzosen.

Dass die Vorarbeit von Ibrahimovic kam, war kein Zufall, spielte er doch schon in der ersten Halbzeit einige gute Pässe, wie auch in den vorangegangenen Spielen, wodurch er insgesamt schon sieben Assists gab. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Ibrahimovic nur 20 Pässe spielte, während alleine Victor Valdés mit 22 schon mehr spielte. Jedoch waren die Pässe von Ibrahimovic fast alle sehr wichtig für das Angriffsspiel der Pariser und leiteten mehr als einmal gefährliche Situationen ein. Den Schweden bekam Barcelona erst nach dem Ausgleich wirklich zu fassen, davor konnte er sich der Bewachung der Katalanen gut entziehen. Das lag einerseits am schwachen Spiel von Busquets, aber auch daran, dass er immer wieder sehr gut nach außen auswich und durch diese aktive Spielweise immer wieder sehr gefährliche Situationen entweder einleitete oder selbst vorfand.

Nach dem 1-0 hatte PSG noch die ein oder andere gute Konterchance, doch dann kam das 1-1 und danach fand Paris offensiv eigentlich gar nicht mehr statt. Barcelona schaffte es, den Ball gut in den eigenen Reihen und weit weg vom eigenen Tor zu halten, weshalb sie am Ende auch nicht mehr wirklich unter Druck gesetzt werden konnten. Da hätte von den Gästen einfach mehr kommen müssen. Sie hätten es schaffen müssen, den Ball nochmals gefährlich in Barças Strafraum zu bringen – selbst wenn es durch hohe Bälle gewesen wäre – aber sie schafften es einfach nicht. Die hohen Bälle kamen nie bei Ibrahimovic an und auch sonst lief bei den Franzosen offensiv kaum noch etwas zusammen.

Defensiv ließen sie insgesamt wenig zu. Lediglich bei schnellen Direktkombinationen – gerade über Iniesta wirkten sie angreifbar – am Tor aber war der Spanier nicht beteiligt. Alves spielt einen Ball auf Messi, der den Ball zentral, ungefähr in der Mitte der gegnerischen Hälfte, annahm. Von dort zog er Richtung Strafraum und umspielte dabei zwei Gegenspieler. Im Anschluss spielte er mit dem Außenrist einen Pass auf den diagonal zum Tor laufenden Villa, welcher erst mit dem Ball lief und ihn dann genau im richtigen Moment für Pedro zurücklegte, der Barcelona ins Halbfinale schoss. Hier soll es jetzt erstmal um die Fehler von PSG gehen – und der Hauptfehler lag einfach in ihrer Passivität. Man kann schon mal von Messi ausgedribbelt werden, aber man darf Villa nicht einfach durch den Strafraum rennen lassen; und dass Pedro dann völlig unbedrängt schießen kann, ist natürlich alles andere als optimal. Natürlich muss hierbei auch gesagt werden, dass das alles sehr schnell passierte, die Katalanen diesen Angriff auch sehr gut spielten und er schwer zu verteidigen war.

Es war insgesamt eine sehr gute Leistung von Paris. Sie standen defensiv überwiegend sicher und hatten teils auch etwas Glück, dass die offensive Feinabstimmung bei Barcelona nicht stimmte, bevor Messi in die Partie kam. Offensiv zeigten sich die Gäste immer wieder gefährlich und es war vor allem Victor Valdés zu verdanken, dass  die Katalanen nur ein Tor kassierten. Es war aber nach dem Ausgleich zu wenig, was PSG zeigte, da sie es ab diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr schafften, den nötigen Druck aufzubauen und Barça das Ergebnis somit locker über die Zeit retten konnte.

Taktik und Spielweise von Barcelona

Barcelona begann wie erwartet ohne Messi und mit Adriano in der Innenverteidigung. Die Schnelligkeit des Brasilianers sollte gegen die gefährlichen Konter von PSG helfen, aber so wirklich stabil wirkte die Innenverteidigung mit Adriano und Piqué nicht. Letzterer ordnete die eigene Hintermannschaft immer wieder, gab dauernd Kommandos und versuchte die Defensive zu organisieren. Er gewann zwar nur 20% seiner Zweikämpfe, aber das spiegelt seine Leistung nicht wieder. Er war stets präsent, war wie gesagt der Organisator und gewann viele wichtige Zweikämpfe. Ohne diese gewonnenen Zweikämpfe wäre Paris sicherlich noch zu weiteren Großchancen gekommen, daher sollte man Piqués Leistung nicht zu schlecht bewerten. Insgesamt war er wohl nach Valdés, Iniesta und Alba der beste Spieler von Barcelona.

Alves war defensiv solide, während Alba relativ sicher stand. Adriano war wie gesagt nicht so stabil, wie man das bei Barcelona gehofft hatte, aber das lag nicht nur an ihm. Sergio Busquets machte eines seiner schlechtesten Spiele für die Katalanen. Er konnte der Defensive zu kaum einem Zeitpunkt Stabilität verleihen und auch sein Stellungsspiel war wirklich schlecht. Auch beim eigenen Pressing war er sehr oft falsch positioniert und ließ somit PSG im Zentrum viel zu viel Platz, was dann auch die Hintermannschaft von Barcelona immer wieder vor große Probleme stellte. Die Angreifer von Paris konnten auf Barcelonas Innenverteidiger zulaufen, ohne gestört zu werden. Piqué und Adriano hatten dann auch kaum einmal eine Möglichkeit herauszurücken, da sie somit Platz für einen Lochpass öffnen würden. Daher blieben sie bei ihren Gegenspielern und ließen dem ballführenden Spieler sehr viel Platz – was beispielsweise auch zu der Chance von Lavezzi führte, der nach einem Pass von Ibrahimovic an Valdés scheiterte.

Xavi spielte zwar jeden Pass zu einem Mitspieler, aber die große Dominanz nach vorne konnte er nicht ausstrahlen. Er war sehr ballsicher und verteilte die Bälle gut, aber der Versuch mal in die Spitze zu spielen blieb aus, wohl auch, weil vorne die Abstimmung ohne Messi  fehlte und sich kaum eine gute Situation für einen solchen Pass ergab. Iniesta hingegen war sehr dominant. Nach Valdés war er der beste Barcelona-Spieler und er schaffte es, das Spiel an sich zu reißen. Er war stets präsent, sehr ballsicher und spielte gute Pässe. Er ging wie gewohnt auch mehr und mit mehr Dynamik mit nach vorne als Xavi, ging auch mal ins Dribbling und war insgesamt an mehr gefährlichen Aktionen beteiligt.

Vorne durfte etwas überraschend der gerade erst genesene Pedro für den zuletzt sehr starken Alexis Sànchez spielen. Was genau man sich davon versprach, kann man nur vermuten, nicht aber mit Sicherheit sagen. Dass gerade Pedro dann den Siegtreffer erzielte, gibt Vilanova am Ende Recht, dennoch gibt es sicherlich einige Argumente, die für Sànchez gesprochen hätten. Pedro spielte wie immer sehr bemüht, aber mit dem Ball war er größtenteils nicht wirklich gefährlich. Er schaffte es einmal eine gute Hereingabe zu spielen und kam dabei zu einem Torschuss, aber ansonsten war er offensiv selten mal gefährlich.

Villa spielte insgesamt unauffällig, was auch daran lag, dass er wieder eher rechts positioniert war und von da aus immer wieder in die Mitte zog. Dort sollte er wieder Platz für die “Falsche Neun” Cesc Fàbregas schaffen, wie er es im Rückspiel gegen Milan vorbildlich für Messi tat. Das Problem gegen Paris war, dass Villa zwar wieder einige gute Läufe zeigte, aber weder Fàbregas noch sonst jemand diese vorhandenen Räume nutzte und dort hineinstieß. Natürlich ist es nur spekulativ, ob Messi diese Räume genutzt hätte. Aber es ist anzunehmen, dass er diese Räume besser genutzt hätte, weil Villa abgestimmt auf Lionel ist und es mittlerweile gewohnt ist, dessen “Helfer” zu sein. Fàbregas interpretiert die Rolle der “Falschen Neun” hingegen anders und geht nicht ganz so oft mit in die Spitze, weshalb die Bemühungen von Villa zum Großteil ohne Wirkung blieben.

Mit Ball waren aber alle drei Stürmer eher unauffällig und blieben unter ihren Möglichkeiten. Villa und vor allem Fàbrgeas ließen – wie eigentlich das gesamte Team – beim Abschluss die Präzision vermissen, was auch ein Grund dafür war, dass man in Rückstand geriet, denn man hätte durchaus auch selbst in Führung gehen können.

Mit Messis Einwechslung lief es plötzlich besser für Barcelona, wodurch sich jetzt wieder viele Leute darin bestätigt sehen, dass Barça von Messi abhängig sei. Hierzu muss man sagen, dass es nur normal ist, dass man versucht, aus einem solchen Spieler das Maximum herauszuholen. Dafür müssen eben andere Spieler, die vorher vielleicht selbst der Star ihrer alten Teams waren – wie zum Beispiel ein Villa oder ein Fàbregas – “La Pulga” unterstützen und sich selbst dem unterordnen, was Messi am besten zur Geltung kommen lässt und damit am Ende auch dem Team hilft. Barcelonas Nr. 10 ist der Fixpunkt des Teams, das System – welches zwar prinzipiell immer gleich ist – ist auf ihn abgerichtet und sucht ihn. Er hat Qualitäten, die so kein Spieler der Welt besitzt, vor allem nicht in dieser Vielfalt. Er wird immer unter Sonderbewachung genommen, was seinen Mitspielern mehr Platz gibt, wie man auch beim Treffer zum 1-1 sehen konnte. Jeder im Team kennt Messis Laufwege und ist darauf abgestimmt. Die Spieler versuchen Lionel in Szene zu setzen und sind dessen Laufwege gewohnt. Spielt er dann mal nicht, ist es klar, dass es da Abstimmungsprobleme gibt und diese sah man im Spiel gegen Paris.

Barcelona ist eine Top-Mannschaft – auch ohne Messi – aber es ist klar, dass man das Fehlen vom weltbesten Spieler merkt, vor allem wenn er eben der Fixpunkt der Mannschaft ist. In so kurzer Zeit ist es einfach sehr schwer, sich so umzustellen, dass alles auch ohne “La Pulga” wunderbar klappt, und gerade deshalb wäre es eventuell besser gewesen, Alexis Sànchez mit Fàbregas spielen zu lassen, da diese beiden sehr gut miteinander harmonieren, was sie beim 5-0 gegen Mallorca zeigten.

Natürlich ist es schwer ohne Messi, aber es ist zugleich eine Chance, andere Spieler besser in Szene zu setzen. Das ist aber nicht so einfach in ein oder zwei Spielen zu schaffen, dafür braucht es Zeit. Damit sich das ganze Team wirklich ohne diesen Fixpunkt Messi einspielen kann, müssen sich die Spieler auch die geänderten Laufwege einprägen. Es sind alles nur Nuancen, aber diese sind im Fußball nun mal entscheidend. Gegen PSG ließ Villa des Öfteren mal Bälle durch, weil er hinter sich Fàbrgeas vermutete, der aber oft einfach nicht da war – Lionel wäre wohl da gewesen. Sollte er irgendwann wirklich mal länger fehlen, dann wird das Team darauf reagieren und sich darauf einstellen müssen. Sie werden sich die etwas geänderten Laufwege einprägen und sich auch taktisch etwas entwickeln – nicht weiterentwickeln, aber entwickeln – müssen, um diesen Ausfall zu kompensieren. Ist Messi aber fit, ist es nichts Schlimmes, ihn als Fixpunkt zu haben und das System auf ihn abzustimmen, da man so das Beste aus dem besten Fußballer der Welt herausholen kann – und das kann einem Team nur gut tun. Barcelonas Probleme liegen weiter hinten, daher sollte man jetzt nicht versuchen, medial plötzlich das ganze Team infrage zu stellen. Man darf nämlich eins auch nicht vergessen: Der Großteil von Barcelonas Spielern wurde Welt- und Europameister mit Spanien und das alles auch ohne Messi.

Barcelona spielt insgesamt schwach, erreicht aber das Halbfinale der Champions League durch ein nicht unverdientes 1-1. Barça ließ viel zu und hatte nicht so viel klare Torchancen wie Paris. Möglichkeiten hatten sie aber auch einige, die aber nicht gut zu Ende gespielt wurden. Es fehlte bei vielen Schüssen (Villa, Fàbregas, Alves) auch die Präzision, sodass die Katalanen am Ende relativ selten wirklich auf das Tor von Sirigu schossen, aber eben einmal trafen und das reichte nach einem ordentlichen Hinspiel mit zwei Auswärtstoren eben zum nicht unverdienten Weiterkommen.

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