Paris Saint-Germain – FC Barcelona: Spielanalyse zum 3:1-Erfolg von Barça

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Das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Barcelona endete gestern Abend mit einem komfortablen 3:1-Erfolg für die Mannen von Luis Enrique. Dabei spielte Barça über weite Strecken der Partie sehr souverän und konnte dies zur Abwechslung wieder einmal in hinreichender Anzahl an eigenen Treffern unterstreichen. Unsere Spielanalyse gewährt einen taktischen Einblick.

 

PSG mit Rumpf-Mittelfeld

Den Gastgebern fehlten einige ganz wichtige Spieler – beispielsweise Zlatan Ibrahimović. Jene Akteure, die aber am meisten gegen den FC Barcelona vermisst wurden, waren aber wohl Marco Verratti und Thiago Motta. Beide Spieler sorgen üblicherweise dafür, dass die Franzosen das Spiel durch das Zentrum kontrollieren. Wahrscheinlich wären sie gegen Barça ohnehin ein wenig von dieser Idee abgerückt und hätten den Fokus mehr auf die Defensive gelegt, dennoch verlor Laurent Blanc so wichtige Bestandteile seiner Mannschaft. Es war Paris Saint-Germein dadurch nicht möglich, auch nur phasenweise ein Duell auf Augenhöhe im Mittelfeld zu gestalten, da schlichtweg das passende Spielermaterial dafür fehlte. Matuidi ist ein sehr energischer und physisch starker Mittelfeldspieler, aber ohne Verratti – der neben einer ähnlichen Dynamik noch die Fähigkeit mitbringt, ein Spiel an sich zu reißen – half die Physis des 28-Jährigen deutlich weniger als im Normalfall. Und in Abwesenheit von Thiago Motta fehlte den Parisern ein Akteur, der das Spiel aus dem defensiven Mittelfeld aufbauen kann und dabei auch unter Druck ruhig agiert.

Zu allem Überfluss musste auch noch der wohl angeschlagene David Luiz in die Partie eingreifen, da sich Thiago Silva früh verletzte. Er ließ sich im zweiten Durchgang bei beiden Gegentoren von Luis Suárez düpieren und hinterließ somit einen fragwürdigen Eindruck. Sollte er tatsächlich noch nicht fit gewesen sein, ist das natürlich äußert unglücklich für PSG – Trainer Lauren Blanc hätte ihn dann jedoch nicht bringen dürfen.

Zur Taktik der Franzosen gegen den FC Barcelona: PSG stand allgemein in einem 4-4-2 in der eigenen Hälfte und verschob mannorientiert. So schafften sie es auch, über weite Strecken nur wenig Gefährliches zuzulassen. Jedoch muss hierbei erwähnt werden, dass Barça das Spiel recht problemlos kontrollierte und nicht unentwegt darauf aus war, direkt zum Abschluss zu kommen. Insgesamt beging das Team von Laurent Blanc schlussendlich dann einfach zu viele Fehler, speziell bei den Gegentoren. Vor dem 0:1 rückte Van der Wiel völlig unnötig raus, um Iniesta zu bedrängen, der aber viel zu weit von ihm entfernt stand. Dadurch war der Belgier dann im Niemandsland, während Neymar komplett unbewacht von Messi angespielt werden konnte und problemlos zur Führung versenkte. Bei den nächsten beiden Toren war David Luiz jeweils durch individuelle Fehler beteiligt, wobei auch Marquinhos und Maxwell beim 0:2 nicht gut aussahen.

Offensiv konnte PSG nur bedingt gefährlich werden. Die meisten Konter wurden schlichtweg schwach ausgespielt – zudem drosselten sie zu häufig das Tempo bei ihren Gegenstößen. Dadurch konnte Barça sich wieder sortieren und die meisten Angriffe problemlos verteidigen. Die beste Chance hatte wohl Cavani nach einer zu kurz geklärten Ecke, jedoch konnte ter Stegen diesen Schuss phänomenal parieren. Eine weitere Großchance von Cavani kurz vor Ende der Partie konnte Jérémy Mathieu noch gerade so blocken und damit seinen Fehler beim Gegentreffer zum 1:3 wieder gut machen. Viel mehr boten die Franzosen offensiv aber nicht an.

FC Barcelona: Souveräner Auftritt im Parc des Princes

Die Katalanen kontrollierten das Geschehen von Beginn an und gingen auch verdient in Führung. Sie erspielten sich zwar nicht viele Großchancen, aber sie strahlten stets Gefahr aus und hatten zahlreiche gute Ideen und Spielzüge. Kurz vor der Pause verloren sie ein wenig den Faden, wodurch Paris Saint-Germain stärker wurde. Nach der Pause agierten die Gastgeber weiterhin etwas offensiver, doch nun kamen die Katalanen damit besser zurecht. Durch eine Einzelaktion von Luis Suárez nahm man den Franzosen schließlich endgültig den Wind aus den Segeln – das 3:0 war nur noch Zugabe. Auch defensiv zeigte der FC Barcelona eine ordentliche Leistung. Einige Male gab es zwar Lücken, doch diese wurden stets noch gestopft, sodass Paris nur zu sehr wenigen, wirklich gefährlichen Abschlüssen kam.

Interessant zu sehen war, wie Barça phasenweise die rechte Außenbahn überlagerte. Neben Neymar, Iniesta und Alba, orientierten sich auch Suárez und Messi häufig dorthin, um für numerische Überzahl zu sorgen. Dies lag nicht zuletzt daran, dass van der Wiel an diesem Abend einige Probleme hatte und die Blaugrana auf dieser Seite wohl eine kleine Schwachstelle ortete. Letztlich fiel über beide Seiten ein Treffer, was auch für die Ausgeglichenheit in Barças Offensive spricht. Ohnehin ist diese deutlich weniger abhängig von Lionel Messi als noch im letzten Jahr. Der Argentinier war zwar der auffälligste Akteur der drei Stürmer, jedoch lag sein Aktionsradius meistens tief im Zentrum, wo er das Spiel aus dem Zentrum heraus aufbaute und immer wieder für Nadelstiche sorgte. Dadurch kommt er zwar nicht mehr ganz so häufig zum Abschluss, gewinnt aber dank seiner Teamkollegen im Sturm an noch größerer Bedeutung für den FC Barcelona. Vor dem Assist zum 1:0 konnte er trotzdem beinahe einnetzen – sein Schuss von der Strafraumkante küsste Aluminium.

Allgemein zeigte Barça gegen Paris Saint-Germain erneut, dass sie mittlerweile sehr facettenreich agieren können. Das 1:0 war ein schön und schnell gespieltes Konter-Tor – nach erfolgreichem Pressing (großes Lob an Sergio Busquets!) -, während das 2:0 eine reine Einzelleistung von Luis Suárez war. Dennoch muss auch festgehalten werden, dass Martín Montoya und auch Luis Suárez – wenn er sich nach rechts orientierte – häufig keine Anspielstation in der Offensive hatten, da die Mitspieler nicht konsequent genug aufrückten. Nicht schlimm, darf aber erwähnt werden. Schlussendlich ein äußerst zufriedenstellender Auftritt der Katalanen, die nun alle Trümpfe in ihren Händen halten.

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