Paris Saint Germain gegen FC Barcelona: Spielanalyse

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Es war soweit, Tito Vilanova gab sein Comeback auf der Trainerbank des FC Barcelona und das ausgerechnet in der Champions League. In Frankreichs Hauptstadt zeigten die Katalanen eine weitestgehend konzentrierte und gute Leistung, spielten am Ende aber „nur“ 2-2, was nicht nur an eigenen Fehlern lag. Während des Spiels verletzten sich noch Javier Mascherano (für sechs Wochen) und Lionel Messi (genauere Tests folgen am Mittwoch).

 

Taktik und Spielweise von Paris

Die Gastgeber – die in einem 4-4-1-1 agierten, welches sehr flexibel gestaltet war – waren darauf aus, Barcelona über schnelle Konter zuzusetzen. Defensiv standen sie zunächst sehr kompakt und diszipliniert. Sie machten viele Lücken clever zu und gingen auch nicht zu ungestüm in die Zweikämpfe, sondern warteten oft geschickt auf den richtigen Moment zum tacklen. Zudem rannten sie den Gegner teilweise auch nur kurz an, um sich dann wieder auf die eigentliche Position fallen zu lassen. PSG wollte Barcelona aus dem eigenen Sechzehner raushalten und die Gäste somit zu Distanzschüssen zwingen. Ein solcher von Iniesta fand auch fast den Weg ins Tor, was dem Plan der Pariser sicher nicht zugute gekommen wäre.

Doch obwohl Paris prinzipiell gut verteidigte, ergaben sich einige Räume für Barcelona. Schaffte es Barça in den Strafraum der Gastgeber einzudringen, so wurde das Abwehrverhalten teilweise etwas ungestümer, weshalb sich einige Räume ergaben, vor allem auf der ballfernen Seite. Diese Räume konnte Barcelona aber zunächst nicht nutzen und bestrafte diese Nachlässigkeit der Mannen von Carlo Ancelotti nicht. Beim 0-1 aus Sicht der Gastgeber verlor die französische Hintermannschaft dann kurzzeitig komplett die Orientierung. Keiner achtete auf Messi, der nach einem Traumpass von Alves das 1-0 erzielte. Das Tor entstand aus einem verunglückten Konterversuch nach einer geklärten Ecke. Und scheinbar befand sich Paris auch gedanklich schon beim Gegenangriff, sodass sie nicht wirklich auf den „gekonterten Konter“ von Barcelona eingestellt waren und sich da einmal richtig kalt erwischen ließen.

Im zweiten Durchgang zeigten die Gastgeber weiterhin eine konzentrierte Defensivleistung, ließen aber auch die eine oder andere gute Möglichkeit zu. Dies war meistens der Fall, wenn es über die Außen ging, dann fehlte oft am langen Pfosten jemand – aber Paris hatte in diesen Situationen Glück, dass Alexis Sánchez eben dieses nicht hold war. Kurz vor Schluss war es dann aber jener Sánchez, der einen Elfmeter herausholte. Fàbregas bekommt den Ball mit dem Rücken zum Tor und spielt dann einen Hackenpass auf Sánchez, der erst zu lang wirkte, jedoch schaffte es der Chilene vor Sirigu an den Ball zu kommen, wobei der italienische Schlussmann den Barça-Stürmer danach regelwidrig zu Fall brachte.

Alles in allem war es also eine ordentliche Leistung von Paris in der Defensive, jedoch ließ ihre Konzentration phasenweise etwas nach und mit etwas mehr Konsequenz im Abschluss hätte Barcelona dieses Spiel auch gewinnen können. Ein weiterer auffallender Aspekt war die Tatsache, dass David Beckham im zentralen Mittelfeld spielte, dort aber nicht wirklich ein Problem für die Katalanen darstellte. Natürlich war er mehr für die langen, scharfen Bälle nach vorne zuständig, aber dass er dem Zentrum eben keine Stabilität geben konnte, hätte durchaus auch nach hinten losgehen können.

Offensiv spielte PSG bis zum 0-1 sehr engagiert. Nach eigener Balleroberung spielten sie schnell nach vorne, vor allem über die Flügel und Ibrahimovic. Dieser konnte viele Bälle gut verarbeiten und weiterleiten, aber auch selbst für Gefahr sorgen. Das tat er mit einem Freistoß, sowie zwei Schüssen. Dazu kamen noch eine gute Chance von Lavezzi, der – nachdem er Piqué ausgespielt hatte – nur den Pfosten traf, sowie die beiden Tore.

Das erste Tor zum 1-1 entstand aus einem Freistoß von der Seite. Maxwell brachte den Ball in die Mitte, wo Thiago Silva nur den Pfosten traf, von wo aus der Ball zu Ibrahimovic kam, der zum 1-1 traf. Jedoch befand sich der Schwede klar im Abseits, dies hätte der Linienrichter sehen müssen, da es eine sehr deutliche Abseitsstellung war. Der „Last-minute-Ausgleich“ fiel, nachdem Ibrahimovic eine Flanke schön nach hinten ablegte, von wo aus Matuidi mit links traf. Sein Schuss wurde noch vom eingewechselten Marc Bartra abgefälscht, sodass Victor Valdés keine Chance hatte, diesen Ball zu halten.

Paris spielte offensiv mutig und wirkte zu Beginn immer gefährlich. Nachdem sie aber ihre Chancen nicht nutzen konnten und in Rückstand gerieten, waren sie offensiv kaum noch zu sehen. Barcelona hatte alles im Griff, doch dann kam PSG aus dem Nichts zum Ausgleich, bei dem auch Schiedsrichter Wolfgang Stark samt seinen Assistenten eine Rolle spielte. Ein Tor hatten sich die Gastgeber aufgrund der guten ersten 35 Minuten verdient, ein Unentschieden ist aber letztlich sehr glücklich für die Franzosen und hält alle Möglichkeiten vor dem Rückspiel im Camp Nou nächsten Mittwoch offen.

Taktik und Spielweise von Barcelona

Barcelona spielte mit den wiedergenesenen Jordi Alba und Xavi Hérnandez und machte vor allem nach dem 1-0 ein sehr gutes Spiel. Defensiv hatte man zunächst einige Probleme und agierte etwas fahrig. Selbst Busquets wirkte erst etwas überfordert und fiel direkt durch zwei Fouls auf. Mit der Zeit bekam er aber immer mehr Ruhe in sein Spiel und konnte die Defensive mehr und mehr stabilisieren. Ähnliches gilt für Piqué, der zu Beginn zweimal gegen Lavezzi und Ibrahimovic nicht allzu gut aussah, im Laufe des Spiels aber souveräner wurde und insgesamt eine ordentliche Partie zeigte.

Das Gegenpressing von Barça war gut, aber fand vor allem sehr weit vorne statt, und wenn Paris dieses überspielte, waren hinten nur noch drei bis vier Katalanen. Das war aber kein allzu großes Problem, weil es meistens noch weniger Pariser waren, die den schnellen Konter spielten, wodurch Barcelona alle diese Angriffe abwehren konnte – die vergebenen Chancen mal außen vor gelassen.

Kommen wir nun zum 1-1. Rein taktisch lässt sich hier sagen, dass man bei einem Konter nach einer eigenen Ecke nicht sehr gut aussah und Mascherano schon fast foul spielen musste. Den nachfolgenden Freistoß verteidigte man gut, ebenso die daraus resultierende Ecke, aus der sich aber eine Großchance für Ibrahimovic ergab, welche Valdés auf fantastische Art und Weise zunichte machte. Auch die hierauf folgende Ecke konnte man gut verteidigen, bekam aber beim Konterversuch einen Freistoß gegen sich gepfiffen. Diesen verteidigte man nicht so gut. Piqué verliert das Kopfballduell gegen Thiago Silva, welcher den Pfosten trifft und dann staubt Ibrahimovic ab. Klar war das zu vermeiden, aber man muss hier auch einfach mal sagen, dass diesem Tor vier klare Schiedsrichterfehler zugrunde liegen, die letztlich das Tor mit verantworten: Dem Konter nach der eigenen Ecke ging ein klares Foul an Alves voraus, was nicht gepfiffen wurde. Nachdem die erste Ecke abgewehrt wurde, hätte Stark das Spiel unterbrechen müssen, weil Alba und Mascherano zusammengeprallt waren. Dann wäre die Großchance von Ibrahimovic nicht entstanden und letztlich auch das Tor nicht. Der Freistoß, aus dem das 1-1 resultierte, war kein Freistoß für Paris, sondern einer für Barcelona, da Villa klar gehalten wurde und dann auf seinen Gegenspieler fiel, was aber kein Foul vom Spanier war. Und schlussendlich war da noch die ganz klar sichtbare Abseitsstellung von Ibrahimovic; das alles lässt am Ende einen bitteren Beigeschmack zurück, da dieses Tor aus dem Nichts fiel und Barcelona davor alles im Griff hatte.

Das zweite Tor entstand in einer Situation, in welcher Barcelonas Defensive nicht richtig organisiert war. Die Flanke von außen konnte Ibrahimovic auf den völlig freien Matuidi ablegen, bei dem einfach niemand stand. Dazu kam am Ende noch Pech, dass Bartra den Ball so abfälschte, dass Valdés – welcher ein fantastisches Spiel machte – ihn nicht halten konnte.

Offensiv kamen die Gäste von Beginn an zu ordentlichen Möglichkeiten, spielten diese aber nicht gut aus. Das 1-0 war dann der Wendepunkt. Von da an spielte nur noch Barcelona und kam auch zu der einen oder anderen guten Möglichkeit. Die Katalanen kontrollierten das Geschehen, ohne aber das Tor der Pariser unter Dauerfeuer zu setzen, dennoch waren sie klar besser und dem 2-0 deutlich näher als die Gastgeber dem Ausgleich.

Barça versuchte wieder oft, Villa vor Messi und später Fàbregas zu stellen, um so die Innenverteidiger zu beschäftigen. Eigene Aktionen hatte Villa aber kaum welche. Sánchez, der auf links spielte, kam hin und wieder in gute Positionen, erzielte aber kein Tor. Mit dem Ball war er aber gut und hielt und verteilte diesen effizient. Seine Arbeit gegen den Ball war wie immer top. Auch Xavi und Iniesta zeigten gute Spiele. Sie waren sehr ballsicher und lenkten das Spiel ruhig und intelligent.

Alles in allem war Barcelona, besonders nach der Führung, die klar bessere Mannschaft und hätte einen Sieg verdient gehabt. Am Ende bleibt ein 2-2 mit bitterem Beigeschmack, wegen der Verletzungen von Messi und Mascherano – an beide von dieser Stelle aus gute Besserung!

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