PSG gegen Barça: Ibrahimović und Verratti schauen nur zu – wie groß ist der Nachteil?

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Paris St. Germain hat den Einzug ins Viertelfinale der Champions League teuer bezahlen müssen. Gegen den FC Chelsea holte sich Ibrahimović eine Rote Karte ab und wird am Mittwochabend nur von der Tribüne aus zuschauen können. Marco Verratti blieb vom Schiedsrichter ebenfalls nicht verschont und darf erst im Rückspiel ins Geschehen eingreifen. Wir möchten angesichts dieser hochkarätigen Ausfälle der Frage auf den Grund gehen, wie sich das Fehlen in der Partie gegen den FC Barcelona auswirken könnte. Hat Barça nun leichteres Spiel oder macht das die Sache womöglich noch komplexer?

Während der Achtelfinal-Begegnung zwischen dem FC Chelsea und Paris Saint-Germain hat sich manch ein Fan schwer verliebt. Nicht in den Londoner Nachthimmel, der die kühlen Strahlen der Flutlichter zu dieser Jahreszeit in die Dunkelheit verschlang. Vielleicht in José Mourinho? Der Portugiese besitzt in der Tat viele Seiten, die es sich zu lieben lohnt, doch verzweifelte er seinerseits an diesem Abend an einer Liebesbeziehung, die es ihm nicht zu trennen gelang. Der Ball folgte beharrlich den Anweisungen von Marco Verratti, und es kam ihm nicht in den Sinn, auch nur eine unvorhergesehene Wendung zu machen, die seinen Meister in einem schlechten Licht hätte zurückgelassen. Die Londoner am Rande der Verzweiflung, Diego Costa wild gestikulierend, auf sie mit Gebrüll, schließlich sind wir ein Mann mehr, doch so eng sich die Schlinge auch zuzog, so aussichtslos der weitere Spielaufbau erschien: An den Füßen von Marco Verratti verwandelte sich an diesem Abend fast alles zu Gold.

Sperre von Verratti: Ein herber Verlust für die Pariser

Marco Verratti, 165 Zentimeter groß, 60 Kilogramm Kampfgewicht, Werte, die den Gegner nicht unbedingt in Ehrfurcht erstarren lassen. Und doch dürften die Spieler von Chelsea, nach den Fußballkünsten des Italieners gefragt, sich mit Lobgesang kaum zurückhalten. Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Pariser auch mit einem Mann weniger auf dem Feld, dezimiert durch eine nicht gerechtfertigte Rote Karte für Zlatan Ibrahimović, nicht ins Hintertreffen gerieten. Zlatan muss sein Ibrakadabra vor seinem Abgang an Verratti übertragen haben. Oder Verratti ist einfach so gut, zu gut für ein nicht in letzter Konsequenz durchdachtes Offensivpressing, dem er sich, wenn alle anderen Anspielstationen verschlossen sind, durch Ballsicherheit und geschickte Antritte entziehen kann. Es ist nicht leicht, Paris Saint-Germain zu pressen, und es ist mit Sicherheit umso schwerer, wenn Verratti auf dem Feld steht. Doch der Spieler hat auch eine andere Seite. Gegen Chelsea verbuchte Verratti sieben Tacklings und damit so viel wie kein anderer Spieler auf dem Feld. Er kann also auch anders, was ihn noch wertvoller für die Pariser macht.

Welche Auswirkungen könnte das Fehlen von Verratti auf den Ansatz des FC Barcelona haben? Aufgrund der dargelegten Qualitäten des Spielers könnte es durchaus angesagt sein, das Mittelfeld- und Offensivpressing am Mittwochabend etwas stärker zu pflegen. Die Sicherheit am Ball reduziert sich gewiss nicht nur auf die Personalie Verratti, das haben auch die Spiele gegen Barça gezeigt. Unbestritten ist aber, dass er in dieser Hinsicht ein wichtiges Mosaik im Kader von Laurent Blanc ist. Wer immer den 22-Jährigen im Pariser Mittelfeld vertritt, wird mit Sicherheit nicht das abrufen können, was der Italiener in diesem Bereich zu leisten imstande ist.

‚Zlataniert‘ wird keiner: PSG bleibt trotzdem gefährlich

Was Zlatan Ibrahimović leisten kann, darüber wurde in der Fußballwelt schon oft berichtet. Fallrückzieher aus dem Halbfeld außerhalb des Strafraums? Alles schon gesehen bei dem wuchtigen Schweden, der gemessen an seiner Statur mit einer erstaunlich filigranen Technik aufwarten kann. Bedeutung in den Plänen von Laurent Blanc erlangt der Stürmer nicht nur vor dem Tor, sein Einfluss wirkt auch in den Spielaufbau seiner Mannschaft mit hinein. Für gewöhnlich lässt sich Ibrakadabra in der Defensivformation hinter die Mittellinie im Zentrum fallen (oder in einen Halbraum) und versucht als Ruhepol zu wirken, indem er den ankommenden Ball verarbeitet und auf die schnell aufrückenden Spieler, gegen Barça vornehmlich die Flügel, weiterleitet. Es kommt nicht von ungefähr, dass Barças Innenverteidiger den 95-Kilo-Mann in der Angriffsformation bis weit hinter die Mittellinie verfolgen und bei der Ballannahme stören. Wenn er an den Ball kommt und ihn verarbeiten kann, könnte eine Kausalkette in Gang gesetzt werden, die aus Sicht des Gegners einen unglücklichen Verlauf nimmt. Angesichts der Klasse von PSG ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich die Dinge dann in dieser Weise entwickeln.

So diszipliniert sich Ibrahimović als Anspielstation für seine Mitspieler anbietet, gibt es Situationen in einem Spiel, an denen er sich eher widerwillig beteiligt bzw. für die er mit seinen 95 Kilogramm nicht gerade gemacht ist. PSG ist nicht nur eine Mannschaft, die gut verteidigen und schnell kontern kann. Sie spielen grundsätzlich bestimmend und pressen auch gerne mal offensiv. Gerade beim Pressing hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass die Mannschaft ohne Ibrahimović im Rahmen der hohen Verteidigung eine höhere läuferische Disziplin an den Tag legen konnte, weil der Spieler, der anstelle des schwedischen Nationalspielers zum Zug kam, vermehrt kollektiv bedeutsame Aufgaben erledigte. Man sollte sich als Barça-Fan also nicht zu früh freuen: Die Abwesenheit von Ibrahimović könnte das Unterfangen noch unangenehmer machen.

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