Spielanalyse | Atlético Madrid – FC Barcelona: Zu wenig Qualität für zu starken Gegner

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Nach dem 2:1-Sieg im Hinspiel reiste der FC Barcelona mit einem kleinen Vorteil ins Vicente Calderón zu Atlético Madrid. Im ersten Durchgang schien es der Blaugrana nur darum zu gehen, kein Gegentor zu kassieren, wodurch sie offensiv komplett harmlos blieb. Nach einem Fehler von Jordi Alba ging Atlético dann aber in Führung, woraufhin sie sich fast ausschließlich auf die Defensive konzentrieren konnten. Die Blaugrana rannte in der zweiten Halbzeit zwar ununterbrochen an, doch zu einem Tor sollte es nicht mehr reichen.

{spielstand h:Atlético Madrid a:FC Barcelona e:2:0}

Allgemein

Man merkte dem Spiel der Blaugrana an, dass sie mit einem Vorsprung in das Spiel gingen. Von Beginn an ging es den Gästen vor allem darum, den Ball zu halten und Atlético zu locken. Es schien so, als habe Luis Enrique Atlético ähnlich wie letztes Jahr in der Copa del Rey erwartet, wo die Mannen von Diego Simeone auch ein Tor brauchten und daher früh pressten. Der Plan ging scheinbar dahin, ein früh pressendes Atlético erneut auszukontern und damit zum Torerfolg zu kommen. Doch Atlético ging die Partie anders an. In ihrem 4-4-2 pressten sie zwar schon in Barças Hälfte, doch sobald die Gäste die gegnerische Hälfte erreichten, zog sich Atlético weiter zurück. Sie gingen das Spiel geduldig an und warteten auf ihre Möglichkeiten zu einem schnellen Konter.
War der Ball aber in Barças Hälfte, so waren die Gastgeber bestrebt dafür zu sorgen, dass die Blaugrana den Ball zu ihren Außenverteidigern spielte. Diese wurden dann energisch zugestellt. Es ist immer einfacher, auf der Außenbahn zu verteidigen, weil dort die Außenlinie der verteidigenden Mannschaft „hilft“.

Nach Albas Fehler und dem 1:0 durch Griezmann war klar, dass nun Barça ein Tor brauchen würde. In der zweiten Halbzeit rannten die Gäste auch an, doch es fehlte zu oft die Präzision beim letzten Pass. Zudem gelang es fast nie, die gegnerische Abwehr durch Dribblings aufzureißen. Die Blaugrana hatte Chancen, konnte diese aber nicht nutzen. Insgesamt war es aber offensiv nicht genug, was die Mannschaft von Luis Enrique anbot, speziell im ersten Durchgang, in dem man viel zu wenig nach vorne machte.

Jordi Alba vor dem 0:1

Jordi Alba hat den Ball eigentlich sicher. Atlético zieht sich nach Ballverlust nicht direkt zurück, sondern schiebt weiter in Richtung Ball. Dadurch versuchten sie, in diesem Fall sogar erfolgreich, Alba zu einem Fehler zu zwingen.

Der folgende Fehler des Außenverteidigers ist aus mehreren Gründen extrem ärgerlich. Zum einen hätte er den Ball einfach ins Aus spielen und damit die Gefahr direkt entschärfen können. Zum anderen hätte er auch Mascherano anspielen können, der sich extra anbot. Stattdessen klärt Alba den Ball in die Mitte, was niemals passieren darf, weil dies viel zu gefährlich ist.

Die nun folgende Flanke verwertete Atlético zum Führungstreffer. Mascherano fehlte im Zentrum, weil er sich kurz zuvor noch Alba als Anspielstation angeboten hatte. Auch Gerard Piqué fehlte im Zentrum, weil er zuvor ebenfalls in Richtung Ball verschob, um zwischen sich und Mascherano keine Lücke aufkommen zu lassen.

Und genau diese Tatsache macht Jordi Albas Ballverlust noch schlimmer, da Barça in der Defensive nicht darauf vorbereitet war. Die Innenverteidiger waren nicht auf ihren Positionen und hatten keine Chance,  Griezmann bei seinem Kopfball entscheidend zu stören.

Barças Offensive & Messis Rolle

Barça rückte in der zweiten Halbzeit weit nach vorne und verbrachte einen Großteil dieser Halbzeit komplett in der Hälfte von Atlético. Man versuchte, wie im Hinspiel die Räume im Strafraum gut zu besetzen, doch Atlético hatte darauf diesmal eine bessere Antwort. Die Gastgeber standen nicht direkt mit beiden Viererketten am Strafraum, sondern mit der vorderen ungefähr in der Hälfte der eigenen Hälfte. Schon um diese Reihe zu umspielen, brauchte die Blaugrana oft Messi und Iniesta vor dieser Linie. Dadurch fehlten aber beide hinter dieser Linie, wenn es um den Abschluss ging. Wartete Barça auf die beiden Spieler, so störte Atlético sie, sodass der Angriff abgebrochen werden musste und das Spiel von neuem begann. Atlético verstand es unglaublich gut, die vordere Viererkette jeweils nach vorne und nach hinten verschieben zu lassen, um Barça so das Leben extrem schwer zu machen.

In letzter Zeit wurde viel über die Rolle von Lionel Messi diskutiert, der auch diesmal, bis auf die ersten Minuten, sehr zentral spielte. Auf der einen Seite hilft das dem Spielaufbau von Barça, aber auf der anderen Seite fehlt auf dem rechten Flügel ein Spieler, der durch Dribblings die Abwehr aufbrechen kann. Zumal im Zentrum für gewöhnlich viel mehr Gegenspieler positioniert sind als auf dem Flügel. Darüber hinaus sorgt Messis zentrale Position dafür, dass Alves und/oder der rechte Achter für die Breite im Spiel sorgen müssen.
Die Gründe für diese Positionierung von Messi sind nicht ganz klar. Natürlich hilft er somit dem Spielaufbau, doch er ist weiter vom Tor entfernt und strahlt demgemäß nicht mehr solch eine starke Torgefahr aus. Es ist auffällig, dass Messi gerade seit der Länderspielpause so zentral spielt, was damit zusammenhängen könnte, dass ihm aktuell die Kraft fehlt, die Außenposition zu besetzen.

Insgesamt machte der Argentinier sogar ein recht gutes Spiel für einen Achter. Er war sehr ballsicher, verteilte die Bälle gut und leitete auch einige gute Angriffe ein. Er selbst aber hatte Schwierigkeiten, aus dem Spiel heraus gefährlich zu werden, weil er zu oft zu weit weg vom gegnerischen Tor agierte.

Fazit

Barça verlor dieses Spiel in der ersten Halbzeit, als man zu zaghaft agierte und kaum etwas nach vorne zustandebrachte. Verschlimmert wurde dies durch das Gegentor, welches aufgrund des Fehlers von Jordi Alba sehr ärgerlich war. In der zweiten Halbzeit ein kompaktes und vor allem clever verschiebendes Atlético zu knacken, fiel der Blaugrana extrem schwer. Dies lag an mehreren Dingen, wie an den zu ungenauen Pässen, an zu langsam vorgetragenen Angriffen und an den Dribblings, die nicht genug Durchschlagskraft hatten. Auch den vielen vergebenen Chancen im Hinspiel kann man hinterhertrauern, denn schon dort hätte Barça das Halbfinal-Ticket buchen können. So bleibt ein enttäuschender Abend, an dem der FC Barcelona in der ersten Halbzeit einfach zu wenig tat und es nach der Pause nicht mehr schaffte, den Schalter entscheidend umzulegen.

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