Atlético Madrid gegen FC Barcelona: Barça zieht ins Halbfinale ein

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Nach dem 1-0-Hinspielsieg im Camp Nou standen die Vorzeichen für Barcelona gut. Dennoch war klar, dass es im Vicente Calderón schwer werden würde. Dass es von Minute eins aber so temporeich in beide Richtungen gehen würde, war so vorher nicht unbedingt zu erwarten, sorgte aber für ein sehr unterhaltsames Spiel, speziell in der ersten Halbzeit.

 

Atlético spielt mit offenem Visier

Haben sich die Gastgeber in den letzten beiden Spielen offensiv noch sehr zurückgehalten, so spielten sie im Vicente Calderón von Beginn an stürmisch nach vorne. Direkt nach dem Anstoß begannen sie damit, sehr hoch zu pressen und Barcelona immer wieder anzulaufen. Kombiniert mit dem schlechten Zustand des Platzes und der zunächst schlechten Positionierung der Katalanen sorgte das dafür, dass Barcelona sich kaum befreien konnte, schon gar nicht spielerisch. Atlético schaffte es, Barça sehr oft dazu zu bringen, weite, lange Bälle von hinten heraus zu spielen. Diese abzufangen, war dann ein Leichtes für die ‚Rojiblancos‘, die Barcelona physisch klar überlegen sind. Diego Simeones Team griff meistens über die Außen an, wodurch sie Barcelonas Defensive auseinanderziehen wollten, um auf diese Weise mehr Platz im Zentrum zu schaffen. Sehr effektiv war dabei der Angriff über links. Gelang es ihnen, in den Rücken von Dani Alves zu kommen, so musste Gerard Piqué nach außen rücken, wodurch Barcelona im Strafraum keine Lufthoheit mehr hatte. Auf diese Weise entstanden auch zwei sehr gute Möglichkeiten für die Gastgeber, namentlich Griezmanns Schuss genau auf ter Stegen und an den Arm von Jordi Alba.

Atlético spielte offensiv eine ziemlich gute erste Halbzeit, in der sie zu ein paar guten Möglichkeiten und auch zu zwei Toren kamen. Die Rote Karte für Gabi während der Halbzeitpause entschied dann das Spiel, weil es in Unterzahl für die Gastgeber kaum noch möglich war, drei Tore zu erzielen. Aus taktischer Sicht war dies sehr schade, da es interessant gewesen wäre, wie lange Atlético dieses unglaublich hohe Tempo hätte gehen können. Hätten sie das wirklich 90 Minuten durchziehen können oder wären sie irgendwann eingebrochen? Das lässt sich nun leider nicht mehr beantworten, woran aber Atlético selbst Schuld hat. Gegen ein kampfbetontes Spiel hat sicher niemand etwas einzuwenden, doch Atlético schoss in diesem Copa-Rückspiel mehrmals über das Ziel hinaus und hatte im späteren Verlauf auch die Nerven nicht mehr im Griff.

Durch dieses sehr offensive Spiel, ergab sich natürlich viel Platz für Barcelona, den die Katalanen auch gut nutzten. Die Gastgeber ließen sich viel zu oft von ihrer Position weglocken, wodurch Barça immer wieder Lücken schuf, in die man dann hineinspielen konnte. So ließ sich beispielsiweise Miranda vor dem 1-1 von Luis Suárez nach außen mitziehen, wodurch im Zentrum ein riesiges Loch klaffte, in welches Neymar hineinstieß und den wichtigen Ausgleich erzielte. Mit Suárez hatte Atlético mehrere Male große Probleme, da dessen Bewegungen sehr gut waren. Er zog seine Gegenspieler von ihren Positionen weg und schaffte so mehrmals viel Raum für Neymar, Messi oder auch Jordi Alba. So gesehen vor dem 3-2, als Suárez sich nach Rechtsaußen begab, Neymar daher in die Mitte rückte und Alba dann problemlos in die freigewordene Zone stoßen konnte. Dies war ihm nur möglich, weil Suárez und Neymar ihre Gegenspieler mit sich gezogen hatten, aber keiner den frei gewordenen Raum deckte.

In der zweiten Halbzeit wusste Diego Simeone, dass das Spiel bereits entschieden war und entschied sich deshalb dafür, hinten kompakt zu stehen und das Spiel einfach über sich ergehen zu lassen. Die Gastgeber ließen kaum noch etwas zu, hatten aber auch selbst nur eine gute Chance, als Cani mit einem strammen Schuss an ter Stegen scheiterte.

Barça profitiert vom Chaos

Es war eine sehr zerfahrene und chaotische erste Halbzeit, in der Atlético sogar mehr Ballbesit als der FC Barcelona hatte. Alleine diese Tatsache zeigt schon, dass die Katalanen in den ersten 45 Minuten keine wirkliche Kontrolle über das Spiel hatten. Das frühe Stören von Madrid machte es ihnen sehr schwer, das Spiel von hinten heraus aufzubauen, weshalb sie viele lange Bälle spielen mussten. Später wurde es ein wenig besser, weil sich die Spieler endlich enger zueinander positionierten, wodurch es leichter war, das Pressing zu umspielen. Dennoch blieb die Partie chaotisch, was aber kein Nachteil für die Katalanen war, die sich sehr stark bei eigenen Kontern zeigten, gerade über Messi, Neymar und Suárez.

Andrés Iniesta wirkte im ersten Durchgang ein wenig verloren, auch wenn er viel Einsatz zeigte. Ein Spiel mit so wenig Kontrolle ist nicht ideal für ihn, während Ivan Rakitić damit deutlich besser zurechtkommt, auch wegen seiner Physis. Als man dann in der zweiten Halbzeit in Überzahl das Spiel verwaltete, konnte auch Iniesta wieder mehr in Erscheinung treten.

Jordi Alba zeigte sich offensiv stark, aber defensiv ziemlich fehleranfällig, was unter anderem auch zum Elfmeter für Atlético führte, wenngleich dieser unberechtigt war. Dani Alves zeigte eine ordentliche Leistung, war aber im ersten Durchgang nicht immer ideal postiert. Er war nicht zu weit vorne, da dort Messi lauerte, aber auch nicht weit genug hinten, um seine Seite dicht zu machen. Er stand häufig circa auf Höhe der Mittellinie, wodurch es Atlético sehr oft gelang, in seinen Rücken zu kommen, was dann wiederum, wie schon beschrieben, dazu führte, dass Gerard Piqué nach außen rücken musste. Im Laufe des Spiels steigerte sich Alves dann, auch weil der Druck von Atlético nachließ.

Fazit

Barcelona zeigte eine ordentliche Leistung, die zumindest im ersten Durchgang aber nicht Barça-typisch war, da die Spielkontrolle fehlte. Die Katalanen bewiesen aber, dass sie auch anders gefährlich sein können und schlugen Atlético letztlich mit deren eigenen Waffen – Kontern und Standardsituationen. Das verdient ein besonderes Lob, nicht nur angesichts des gestrigen Spiels. Luis Enrique und Juan Carlos Unzué, der in dieser Hinsicht mit der Mannschaft trainiert, haben das Team unglaublich verbessert, wenn es um Standardsituationen geht, sowohl offensiv als auch defensiv. Wenn man trotz physischer Unterlegenheit gegen Atlético Madrid derart sicher bei Standards steht und dann selbst ein Tor nach einer Ecke erzielt, dann ist das eine sehr gute Leistung, die ein großes Lob verdient hat!

Im Halbfinale wird es jetzt für die Katalanen gegen den FC Villarreal oder den FC Getafe gehen. Dass sowohl Real Madrid als auch Atlético Madrid nun ausgeschiedenen sind, ist zwar gut, doch den Titel hat Barça noch lange nicht sicher. Bevor es soweit ist, müssen sie noch in drei Spielen bestehen.

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