Real Madrid gegen FC Barcelona: Spielanalyse

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Bildquelle: fcbarcelona.com

1-1 trennen sich der FC Barcelona und Real Madrid nach dem Hinspiel im Halbfinale des spanischen Pokals. Aufgrund der vielen Ausfälle auf Seiten der Königlichen gingen viele von einem Sieg der Katalanen aus, jedoch war es ein insgesamt relativ ausgeglichenes Spiel mit vielen Höhepunkt, wenn auch nur zwei Toren.

 Jordi Roura brachte seine bestmögliche Elf, um Real Madrid entgegenzutreten:

Einwechslungen

75. Sánchez für Pedro

84. Thiago für Fàbregas

Spielweise und Taktik von Real Madrid

Real Madrid fehlten Casillas, Pepe, Ramos, Coentrao und Di Maria, was ahnen lässt, dass sie improvisieren mussten. Dies gelang ihnen insgesamt relativ gut. Im Tor stand der Heimkehrer Diego Lopez, während die Viererkette aus Essien, Varane, Carvalho und Arbeloa (von rechts nach links) bestand. Vor ihnen agierte wie gewohnt die aus Xabi Alonso und Sami Khedira bestehende Doppelsechs. Davor stellte José Mourinho Callejon und Ronaldo auf die außen und Özil hinter die einzige Spitze Karim Benzema. 

Das Ziel der Königlichen war es, dass Zentrum sehr dicht besetzt zu halten, um so vor allem Messi, Xavi und Iniesta den Raum zu nehmen. Normalerweise hat Mourinho mit Ramos und Pepe zwei Verteidiger zur Verfügung, die mittlerweile gut darauf getrimmt sind Messi zu beschäftigen, indem immer einer von ihnen herausrückt und Messi somit zwischen den Ketten abfängt. Dies war allerdings diesmal nicht möglich, da beide Spieler fehlten, weshalb sich vor allem die beiden Sechser um Messi kümmerten. Bei Madrid wusste man natürlich auch um die Probleme, die die eigene Notaußenverteidigung bereiten könnte, was dazu führte, dass man Barcelona ins Zentrum drängen wollte. Damit dies möglich ist, muss man ihrem Spiel die Breite nehmen, so dass ihnen nur noch der Weg durchs Zentrum bleibt. Sehr wichtig hierfür war Callejon, der Jordi Alba insgesamt gut und auch sehr oft defensiv band, was verhinderte, dass dieser seinen Offensivdrang so ausleben konnte, wie er das gerne tut und wie es dem Spiel von Barcelona guttut. Somit konnte man die vermeintliche Schwachstelle Essien relativ gut schützen. Da Alba links nicht konstant die Breite in Barcelonas Spiel erzeugen konnte, war diese Seite oft ziemlich verwaist, weil Barcelona sich mehr ins Zentrum orientierte oder auch nach rechts. Ronaldo als offensiver Freigeist ist weitestgehend von Defensivaufgaben befreit, was Alves hilft seinen Offensivdrang auszuleben, im Gegensatz zu Alba. Dies nahm Madrid aber bewusst in Kauf, um so darauf zu hoffen, dass man eigene Konter über die rechte Seite fahren konnte, die durch die Offensivläufe von Alves verwaisen könnte.

Im Großen und Ganzen gelang es den Hauptstädtern relativ gut, Barcelona ins Zentrum zu drängen, wo man sich durch die personelle Überzahl bessere Chancen erhoffte die Katalanen zu stoppen als über die geschwächten Außen. Gerade in der ersten Halbzeit gelang dies auch wirklich gut, wenngleich Barcelona dennoch zu einigen Chancen kam, wobei die größte aus einem missglückten Fehlpass von Carvalho entstand. In der zweiten Halbzeit konnte Barcelona das Spiel mehr kontrollieren und kam auch besser mit Madrids Defensivtaktik klar. Dadurch kamen die Gäste aus Katalonien zu vielen hochkarätigen Chancen, welche sie aber nicht nutzen konnten. Gerade wenn man sich die Ausfallliste von Madrid anschaut, muss man sagen, dass sie defensiv eine gute Partie ablieferten, gerade im ersten Durchgang. Auch in den zweiten 45 Minuten gab es einige gute Defensivaktionen, aber insgesamt ließ Madrid doch zu viel zu und hatte einfach Glück, dass Barcelona an sich selbst scheiterte.

Offensiv setzte Madrid wie gewohnt auf Konter. Diese sollten vor allem über Özil und Ronaldo gespielt werden, wodurch die Königlichen auch zu einigen Chancen kamen. Callejon war bemüht, aber offensiv weitestgehend wirkungslos. Ronaldo hingegen kam zu einigen Chancen und hatte Pech, dass ihm ein Treffer vergönnt war. Zudem zeigte er auch eine spielerisch ansprechende Leistung, ebenso Mesut Özil, welcher viele Angriffe initiierte. Madrid gelang es immer wieder einige gute Konter zu fahren, vor allem über die Außen. Dadurch, dass vor allem Jordi Alba oft sehr weit einrückte, waren die Seitenwechsel auf Barcelonas linke Defensivseite insofern wirkungsvoll, als es regelmäßig etwas dauerte bis Alba bei seinem Gegenspieler war und dieser bis dahin schon oft die Hereingabe spielen konnte. Dass daraus keine Tore entstanden sind, lag an der starken Defensivarbeit der restlichen katalanischen Defensivspieler sowie teilweise auch an der Unfähigkeit der madrilenischen Offensivspieler.

Madrid zeigte eine insgesamt mutige Offensivleistung, was viele nicht erwarteten aufgrund der vielen Ausfälle. Man war sich aber bei Madrid wohl darüber bewusst, dass man auf Tore angewiesen ist und sich nicht nur hinten reinstellen kann. Die Königlichen schafften es sich einige Chancen zu erspielen, ihr einziges Tor machten sie aber durch einen Rebound nach einer fälschlicherweise gegebenen Ecke, was bezeichnend für ihre Effektivität ist, die an diesem Abend nicht allzu gut war, wenngleich es bei Barcelona noch schlimmer aussah.

Taktik und Spielweise von Barcelona

Defensiv zeigte Barcelona eine wechselhafte Leistung. Man ließ einige Chancen zu, fast ausschließlich nach Kontern. Verantwortlich hierfür waren zunächst die vielen und unnötigen Ballverluste in der Offensivbewegung. Zudem gelang es Busquets nur phasenweise der Abwehr genügend Sicherheit zu verleihen, wenngleich er kein schlechtes Spiel machte, aber eben auch nicht so gut war wie er sein kann. Am gefährlichsten wurde es für die Katalanen wenn einer der beiden Außenverteidiger fehlte oder aber wenn Alba zu weit einrückte und die Hereingabe von außen nicht verhindern konnte. Hierbei konnte man hin und wieder nur knapp klären und hatte einmal auch schlicht Glück, dass Ronaldo einen Kopfball aus nächster Nähe neben das Tor köpfte. Ansonsten zeigten alle Abwehrspieler eine durchaus gute Leistung und konnten viele Bälle zurückgewinnen, gerade die Innverteidiger Puyol und der wohl stärkste Barça-Spieler Piqué. Besonders bemerkenswert ist seine Leistung, wenn man bedenkt, dass er schon nach ca. 50 Sekunden die gelbe Karte sah und dann im restlichen Spiel kein einziges Mal mehr foulte, dafür aber defensiv sehr sicher stand und viele Bälle erobern (mit 16 die meisten im Spiel) und auch einige Male in höchster Not klären konnte.

Das Gegentor war insgesamt sehr unnötig aus Sicht von Barcelona, nicht nur weil es aus einer zu Unrecht gegebenen Ecke für die Gastgeber resultierte. Nach einer geklärten Ecke kommt der Ball nach außen zu Özil, welcher nicht angegriffen wird und unbedrängt flanken kann. In der Mitte behindern sich Piqué und Fàbregas gegenseitig, was Varane nutzt und den Ball ins Tor köpft. Gänzlich unhaltbar sah der Ball nicht aus, wenngleich es auch kein krasser Patzer des ansonsten sehr stark spielenden Pintos war.

Offensiv wurde Barcelona wie schon erwähnt sehr oft ins Zentrum gedrängt und konnte dann auch nicht die Breite erzeugen, die sie gerne hätten. Die galt vor allem für die linke Seite, auf die deshalb in der ersten Halbzeit auch Pedro ab und zu auswich. Ansonsten orientierten sich phasenweise Iniesta und Fàbregas auf die linke Seite, waren aber insgesamt mehr im Zentrum anzutreffen. Dort verlor Barcelona ungewohnt oft den Ball, was zu gefährlichen Kontersituationen für Madrid führte. Im Laufe der zweiten Halbzeit konnte Barcelona das Spiel dann aber mehr und mehr kontrollieren und kam so zu einigen Chancen. Die beste entstand ironischerweise aus einem Konter. Nach einem langen Ball aus der eigenen Hälfte von Xavi, scheiterte Pedro nur haarscharf mit einem gechippten Ball. Dazu kamen noch gute Chancen von Alba, Messi, Alves und die beiden Lattentreffer von Xavi und Fàbregas. Dann gab es noch eine Szene, in der Messi alleine auf das Madrider-Tor zugerannt wäre, aber wegen Abseits fälschlicherweise zurückgepfiffen wurde, obwohl er mit dem ganzen Körper klar nicht im Abseits stand.

Barcelona konnte sich nach einer durchschnittlichen ersten Halbzeit im zweiten Durchgang deutlich steigern, ohne sein volles Potential abzurufen. Insgesamt hatten beide Mannschaften einige Chancen, jedoch hatte Barcelona letztlich mehr und auch die besseren. Ärgerlich aus Sicht der Katalanen ist neben den vergebenen Chancen vor allem noch die Tatsache, dass eine Riesenchance von Messi zu Unrecht zurückgepfiffen wurde und dass der Ausgleich aus einer Ecke entstand, welche zu Unrecht gegeben wurde. Hätte Barcelona aber seine Chancen genutzt und das 2-0 erzielt, hätten diese Fehler des Schiedsrichters auch keine Rolle mehr gespielt, weshalb man auch selbst Schuld ist dieses Spiel nicht gewonnen zu haben, obwohl man die bessere Mannschaft war.

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