Wahnsinn in Granada: Barça kämpft sich durch verrücktes 5:3 nach Verlängerung ins Halbfinale

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Zuerst unglücklich 0:2 hinten, dann aber noch mit dem späten Doppelpack in die Verlängerung: Der FC Barcelona besiegte Granada im Viertelfinale der Copa del Rey mit einer wahren Mammutleistung, nachdem man zuvor schon beinahe ausgeschieden gewesen war. Pfostentreffer am Fließband, ein fragwürdiger Elfmeter und ein Traumtor machten das Spiel zu einem absoluten Drama, aus dem Barça am Ende als verdienter Sieger hervorging.

Im Viertelfinale der Copa del Rey hatte der FC Barcelona mit dem FC Granada einen vermeintlich machbaren Gegner vor der Brust – von Losglück konnte dennoch nicht wirklich die Rede sein. Zwar waren die Blaugrana der haushohe Favorit, doch die Andalusier spielen für ihre Verhältnisse eine tolle Saison. Momentan auf dem 8. Platz in La Liga liegend, würde es der Truppe aus Granada sicherlich nicht an Selbstvertrauen mangeln. Das Ligaspiel hatten die Katalanen noch vor einem Monat souverän mit 4:0 gewonnen, in der Copa war kein so klarer Sieg zu erwarten.

Ronald Koeman blieb seinem Versprechen, nicht zwischen Liga und Copa zu unterscheiden, treu. Er schickte beinahe seine beste Startelf auf den Platz, womit er Barcelonas Ambitionen in diesem Wettbewerb nochmals unterstrich. Lediglich Francisco Trincão und Sergi Roberto waren neu in der Startelf im Vergleich zu den letzten Spielen. Trincão erhielt somit wieder einmal die Chance, sich von Beginn an zu beweisen und endlich seinen ersten Treffer für die Blaugrana zu erzielen. Ousmane Dembélé und Sergiño Dest wurden dafür (vorerst) geschont.

Barças topmotivierter gegen passives Granada

Der FC Barcelona brauchte dann keine zehn Sekunden, um ins Spiel zu finden. Die Katalanen gaben den Ball überhaupt nicht mehr her und zeigten sofort, wer hier als Sieger vom Platz gehen sollte. Während Granada in den ersten Minuten sehr passiv verteidigte und das Zentrum überraschend offen ließ, schoben die Blaugrana weit nach vorne. Bereits in der 2. Minute tauchte Trincão zweimal in Granadas Strafraum auf, eine Minute später schlug Alba eine gute Flanke hinein. Koemans Mannschaft gab Granada danach überhaupt keine Luft zum Atmen mehr und drang immer wieder in gefährliche Räume vor.

In der 7. Minute zog dann Messi halblinks in den 16er und prüfte Granadas Schlussmann Aarón Escandell mit einem Flachschuss, den dieser aber zu parieren wusste. Den Abpraller nahm Trincão per Dropkick, wieder konnte der Keeper den Ball aber entschärfen. Kurz darauf kamen Araújo und Griezmann auch noch zu Chancen, konnten die Kugel aber nicht aufs Tor bringen. Nach einer guten Viertelstunde beruhigte sich die Partie ein wenig, die Hausherren gaben den Katalanen jetzt weniger Platz zum Kombinieren und standen stabiler. In der Folge blieben auch die Torszenen aus.

Nach 20 Minuten meldete sich dann Granada mit einer ersten Torchance, Puertas drückte einen Kopfball aber neben das ter Stegens Tor. Die Antwort erfolgte im Zuge eines Messi-Freistoßes (23.), den Escandell aber sicher parierte. Die nächsten Möglichkeiten fand Araújo wieder, der es zweimal mit einem Kopfball versuchte (28. & 30.). In dieser Spielphase zog der FC Barcelona wieder etwas das Tempo an, zeitgleich wurde die Partie emotionaler.

Sorgloser Umtiti schenkt Granada das 1:0

Der gesamte gute Spielbeginn wurde dann jedoch ad absurdum geführt, als es plötzlich hinter Marc-André ter Stegen schepperte. Busquets gewann im eigenen Strafraum den Ball und passte zu Umtiti an die Grundlinie. Anstatt allerdings den Befreiungsschlag zu wählen, ging Umtiti sorglos ins Dribbling und verlor den Ball an Alberto Soro. Der musste nur noch vors Tor querlegen, wo Kenedy vor Sergi Roberto an das Leder kam und den Ball über die Linie drückte (33.). Somit hatte Barça zwar eine halbe Stunde lang das Spiel gemacht, sich dann das 0:1 aber quasi selbst eingeschenkt.

In der Folge war Barcelona natürlich bemüht, den eigenen Treffer zu erzielen, der schon hätte fallen müssen. Zu zwingenden Chancen kam man aber vor der Pause nicht mehr. Somit ging es mit einem unverdienten wie enttäuschenden 0:1 in die Kabinen.

Soldado schießt Barça in die Verzweiflung

So vielversprechend die erste Halbzeit für Koeman und den FC Barcelona begonnen hatte, so schlecht begann die zweite Halbzeit. Griezmann versuchte in der 47. Minute einen Schnittstellenpass, blieb jedoch an Montoro hängen. Der spielte einen hohen Ball in die Spitze und schickte Roberto Soldado ins Laufduell mit Umtiti. Da sich der Franzose aber erst einmal um die eigene Achse drehen musste und Soldado, der zum Zeitpunkt des Abspiels noch in der eigenen Halbzeit war, einen guten Meter Vorsprung hatte, lief Granadas Mittelstürmer schlussendlich allein auf ter Stegen zu. Soldado behielt dabei die Ruhe und versenkte den Ball eiskalt rechts unten ins Eck (47.) – das 2:0 war eine richtig kalte Dusche für die Blaugrana.

Pechvogel Trincão an die Latte

Nachdem die Partie so auf den Kopf gestellt worden war, versuchten die Blaugrana natürlich alles, um den Anschlusstreffer zu erzwingen. Doch wirklich viel gelingen wollte ihnen vorerst nicht. Vorne wirkten die Katalanen zunehmend hektisch und verzweifelt, es wollte ihnen einfach keine Lösung einfallen, um Granadas Abwehrbollwerk zu knacken. Die beste Chance auf das Anschlusstor hatte Trincão, doch der Portugiese hämmerte den Ball aber nur an die Latte (62.) – beim Neuzugang aus Braga wollte es einfach nicht klappen.

Koeman reagierte direkt und brachte Dest (für den verletzten Sergi Roberto, dessen alte Verletzung offenbar erneut aufgebrochen ist), Dembélé und Braithwaite für Trincão und Umtiti. Mit diesen offensiven Wechseln setzte Koeman früh alles auf eine Karte. Es gab nur mehr eine Richtung, doch Granada stand gut und ließ kaum Großchancen zu.

Griezmanns Fallrückzieher entschärft

Anstatt jedoch ein offensives Feuerwerk abzubrennen, wurde das Spiel eher zerfahren. Granada legte es natürlich nur mehr darauf an, hinten alles wegzubolzen, was ihnen gefärhlich werden konnte. Die Katalanen fanden einfach keine Lücke, ein Messi-Freistoß aus aussichtsreicher Position landete nur in der Mauer. So sehr sie sich auch bemühten, es kamen keine Torschüsse zustande. Das änderte sich, als Griezmann in der 82. Minute einen Fallrückzieher auspackte – doch wieder einmal war Escandell auf dem Posten und lenkte den Ball sensationell über den Kasten.

Es schien, als ob es an diesem Abend einfach nicht sein sollte. Dieser Eindruck bestätigte sich, als Dembélé einen klasse Fernschuss abgab, der jedoch ebenfalls an die Latte donnerte (88.). Man dachte, das wäre es gewesen, doch plötzlich gelang Griezmann in der 88. Minute dann aber plötzlich doch noch der Anschlusstreffer.

 

Barcelona trifft zum dritten Mal Alu

Messi spielte den Franzosen mit einem hohen Schnittstellenpass an, Griezmann kam artistisch zum Abschluss, und der Ball prallte vom Pfosten an Escandells Knie und von dort ins Tor – hier war der Torwart erstmals nicht auf dem Posten und völlig verdutzt. Nun warfen die Katalanen absolut alles nach vorne. Messi zog stark in den Strafraum, kam mit links zum Abschluss – und wieder wackelte das Torgestänge, der Ball prallte vom Innenpfosten wieder aus dem Tor heraus! Die direkt anschließende Flanke nahm Braithwaite mit dem Kopf, setzte den Ball aber daneben. Pures Drama spielte sich ab.

Alba rettet Barça in die Verlängerung

In der 92. Minute packte Messi dann einen klasse Ball auf Griezmann aus, eine Wiederholung des Passes vor dem Anschlusstreffer. Griezmann legte den Ball dann schnell in die Mitte, wo der hineinsprintende Jordi Alba mit dem Kopf den Ball über die Linie drückte (90.+2)! Das 2:2, der nicht mehr für möglich gehaltene Ausgleich, war nun erzielt! Doch das Spiel war noch nicht vorbei, die Katalanen drängten nun sogar in den verbleibenden zwei Minuten der Nachspielzeit auf den Siegtreffer, hätten um ein Haar hinten noch den Gegentreffer kassiert, doch Granadas eingewechselter Stürmer Luis Suarez schoss einen Flachschuss halbrechts im Strafraum knapp am langen Eck vorbei. So ging es in die Verlängerung.

Hochdramatische Verlängerung

Der FC Barcelona war nun in emotionaler Hochstimmung, Granada konnte es immer noch nicht fassen, hier in die Verlängerung gehen zu müssen. Dementsprechend machten die Katalanen weiter das Spiel. Messi kam mit seinem Signature-Move links im Strafraum zu Abschluss, sein versuchter Tunnel wurde von Escandell gerade noch so verhindert, der rechtzeitig die Beine zusammenziehen konnte. Es regnete nun aber Hereingaben in Granadas Strafraum, Barça wollte unbedingt das 3:2.

Nur eine Minute nach Messis Chance kam Braithwaite zum Kopfball, Escandell rettete Granada nicht zum ersten Mal an diesem Abend. Das Power Play der Katalanen ging aber weiter. Alba schlug von links eine hohe Flanke in die Mitte, Griezmann stieg am höchsten und köpfte den Ball mit viel Wucht rechts oben ins Tor. Keine Chance mehr für Escandell, der nun wiederholt geschlagen war. 3:2 für Barcelona, das Spiel war gedreht.

Doch es gab keine Zeit zum Durchatmen, direkt im Anschluss ging Granada in den Angriff über. Carlos Neva wurde lang geschickt, ging in den Zweikampf mit Dest und ließ sich im Strafraum plötzlich fallen. Schiedsrichter José María Sánchez Martínez fiel auf die Schauspieleinlage rein und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Auch der VAR widersprach nicht, so blieb es bei diesem schmeichelhaften Strafstoß für die Hausherren. Fede Vico trat an – und verwandelte sicher unten links. 3:3 (103.)! Der Wahnsinn ging weiter.

De Jong erlöst den FC Barcelona, Alba macht den Deckel drauf

Die zweite Halbzeit der Verlängerung brach an, die Blaugrana war weiter klar gewillt, der Lotterie des Elfmeterschießens aus dem Weg zu gehen. Granada tat weiterhin nicht viel, Barça drängte auf die neuerliche Führung. Messi übernahm zum wiederholten Male in diesem Spiel die Verantwortung, dribbelte an die 16er-Kante und zog ab. Escandell parierte, ließ den Ball aber weit nach vorne klatschen. Dort stand de Jong goldrichtig, der auf den Abpraller spekuliert hatte, und schoss das 4:3!

In der 108. Minute war Barça also wieder auf dem Weg ins Halbfinale der Copa del Rey – diesmal war Granadas Wille endgültig gebrochen. In der Folge machte der FC Barcelona endgültig den Deckel auf diese verrückte Partie, indem Jordi Alba einen Volleyschuss unhaltbar ins Tor drosch und so Barça durch das 5:3 endgültig ins Halbfinale schoss (113.).  

So zog der FC Barcelona mit einer moralischen Mammutleistung und einem späten spielerischen Feuerwerk in das Halbfinale der Copa del Rey ein – ein Spiel, das man so schnell nicht vergessen wird.

 

Michael Weilch
Treuer Culé seit Beginn der Ära Messis und der festen Überzeugung, dass Barça "més que un club" ist. Hofft, dass sich die Blaugrana auf ihre historischen Wurzeln besinnt und gerade in heutigen Zeiten ein Leuchtbild für Demokratie und Chancengleichheit darstellt - der Grund, warum der FC Barcelona eben nicht "nur" ein Fußballverein ist. Motto: "Tots units fem força!"
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