Aspektanalyse: Arda Turans Gala gegen die Niederlande im Fokus

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Zwar steht Neuzugang Arda Turan aufgrund der Spielerregistrierungssperre des FC Barcelona bei seinem neuen Arbeitgeber noch auf keiner Spielerliste, dennoch durfte der Türke im Dienste seiner Nationalmannschaft ein wenig Spielpraxis sammeln. Nach seiner Partie gegen Lettland erhielt der 28-Jährige erneut das Vertrauen von Türkei-Teamchef Fatih Terim gegen die niederländische Auswahl und demonstrierte ein paar interessante Punkte in seinem Spiel. Wir wollen deswegen drei Aspekte noch einmal etwas genauer betrachten und einen analytischen Blick darauf werfen.

Schon früh in dieser Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 kam es zu einem alles entscheidenden Endspiel in der Gruppe A zwischen der türkischen sowie der niederländischen Nationalelf. Beide Mannschaften rangierten mit neun beziehungsweise zehn Punkten auf keinem direkten Qualifikationsplatz und standen somit schon mit dem Rücken zur Wand. Teamchef Fatih Terim vertraute in dieser wichtigen Partie auch auf seinen Schützling Arda Turan, der sich trotz der fehlenden Spielpraxis beim FC Barcelona mit zwei Scorerpunkten hervorragend in Szene setzten konnte. Wir wollen deswegen auf drei Facetten im Spiel des Türken eingehen.

Auf dem Papier Flügelstürmer, im Aufbau etwas zentraler

Turan agierte in dieser Partie zusammen mit Bayer Leverkusens Hakan Çalhanoğlu auf dem Flügel, während ganz vorne Burak Yilmaz den Stoßstürmer gab. Auf der zentralen Sechser-Position nahm Inan Platz, während vor ihm seine etwas offensiveren Kollegen Özyakup sowie Tufan aufliefen. Interessant zu beobachten war allerdings, wie sich diese Formation im Aufbau verhielt, da sowohl Çalhanoğlu als auch Turan für gewöhnlich immer eher gen Zentrum orientiert sind.

Inan zeigte in dieser Partie Tendenzen auf die linke Seite, was dem eher aufbau-orientierten Tufan ermöglichte Pendelbewegungen auf der rechten Seite zu tätigen, um Inans Positionierung auszugleichen. Dadurch entstanden teilweise Pärchenbildungen dieser beiden Spieler, wobei Tufan immer einen Tick höher postiert war als sein Pendant. Özyakup konnte deswegen stärker in die vordere Zentrale tendieren beziehungsweise neben Yilmaz im Zwischenlinienraum Tiefe geben, während Çalhanoğlu und deutlich stärker auch Turan in die Halbräume einkippen konnten.

Die ‚Nummer 10‘ der Türken gab damit so gut wie nie Breite, was durch die eher absichernde Rolle der Außenverteidiger auch kaum geschah. Selten, aber doch, kippte der 28-jährige Turan zudem auch noch über seinen linken Halbraum etwas ab, was allerdings aufgrund der schon geballten Personaldecke im Aufbau (Viererkette + Doppelsechs-artiges Pärchen) selten zu sehen war beziehungsweise eher situativ zustande kam. Dies ist insofern eine interessante Erkenntnis, da Turan auch beim FC Barcelona in ähnlichen Zonen aktiv wäre und auch wesentlich häufiger ballorientiert pendeln dürfte.

Nadelspielerfähigkeiten und flexibles Positionsspiel

Mit dem Ball gab es auch sehenswerte und erwähnenswerte Aspekte zu beobachten. Turan zeigte sich im Positionsspiel für die eigenen Ballzirkulationen in vielen Situationen sehr flexibel. Der Türke positionierte sich in Situationen nach Standards immer relativ klug beziehungsweise balancierte die Bewegungen seiner direkten Mitspieler aus, womit sich dadurch schöne Dreiecksbildungen erzeugen lassen konnten. Das hielt die Ballzirkulation aufrecht und konnte den restlichen Teil der Mannschaft wieder in die gewohnte Grundstellung zurückkehren lassen.

Ein paar Kniffe aus der Trickkiste durften von Turan aber natürlich nicht fehlen, so gesehen beim 1:0 durch Tufan. Arda Turan hielt sich in dieser Situation ausnahmsweise etwas höher und zockte für einen eventuellen Konter. Zwar blieb er hier noch zu Anfang breit, rückte aber anschließend herausragend ein und konnte dann nach einem kurzen Lauf ins Zentrum seine herausragenden Nadelspielerfähigkeiten gegen die in dieser Situation schwach rückwärts pressende ‚Elftaal‘ einsetzten.

Selten intensives, aber kluges Verteidigen

Eine Aussage Turans stimmte die Fanschar der Blaugrana vor seinem Wechsel etwas nachdenklich. Darin beschreibt der 28-Jährige seinen Unmut bezüglich des sehr laufintensiven und auf Kompaktheit orientierten Defensivsystems Diego Simeones bei Atlético Madrid. Insofern war es spannend, wie Turan in seinem Spiel gegen den Ball agieren und darauf basierend dann auch abschneiden würde.

Es war wahrlich schwer, ob es nun mit der fehlenden Spielpraxis verbunden mit seiner jüngst erlittenen Verletzung zu tun hat, allerdings merkte man Turan in ein paar Phasen des Spiels leichte Ermüdungserscheinungen an. So musste kurz vor seiner Auswechslung Yilmaz seinen Platz schnell übernehmen, weil Turan zu spät einrückte beziehungsweise dann kurzzeitig den Platz des türkischen Stoßstürmers einnahm.

Dennoch sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass sich Turan während des Spiels zwar nicht allzu intensiv, dafür aber äußerst klug und geschickt bewegte. Der Türke rückte in der eigenen Defensivformation häufig auf die äußerste linke Position der zweiten Verteidigungslinie ein und verhinderte durch seine gute Deckungsschattennutzung primär Zuspiele in seinen Halbraum. Wenn er auf dem Flügel in das direkte Duell kam, versuchte er erst einmal zusammen mit seinem Außenverteidiger den Zwischenlinienraum zu versperren und den Ball aus dem eigenen Drittel wieder herauszukriegen. Und auch beim Pressing in höheren Zonen achtete Turan, wie in der folgenden Grafik zu sehen, stets darauf, zentrale Räume nicht zu öffnen und die eigene Kompaktheit zu wahren.

Turan Verteidigen Türkei

Die Türkei befindet sich in einem höheren Pressing und hat kurz zuvor versucht, auf der rechten Seite den Ball gegen die Niederländer zu erobern. Dabei agierten sie in ihrer gewohnten 4-1-4-1-Ausrichtung, wobei Tufan normalerweise durch tiefere Positionen versuchte, eventuelle Anspielstationen hinter der zweiten Linie zu decken. Der Ball gerät zu Blind, der schon von Yilmaz angelaufen wird. Turan tendiert hierbei schon zu seinem gegnerischen Außenverteidiger, allerdings wartet er bewusst bis sich der Ball auf dem Weg zum Gegenspieler befindet. Warum? Weil bei einem eventuellen früheren Rausrücken Turans sein Gegenspieler hinter ihm frei wäre beziehungsweise seine Mitspieler nicht so schnell verschieben könnten, um ihn wieder zu decken. Deswegen hält er seinen Deckungsschatten auf Narsingh aufrecht und beginnt im richtigen Moment herauszurücken, bis die Kompaktheit auf seiner Seite wieder gegeben ist.

Bei seinem eigenen Tor beispielsweise war Turans gesamtmannschaftliches Denken ebenfalls zu beobachten. Özyakup sicherte Turans linke Halbposition ab, weswegen sich der Flügelstürmer bewusst etwas breiter aufhielt. Damit stellte er den Passweg zum Flügelstürmer für den zu diesem Zeitpunkt ballführenden Außenverteidiger zu und provozierte einen Pass auf Blind im Zentrum. Dieser wurde von Turan dann aggressiv angelaufen und verlor den Ball. Anschließend folgte nur mehr lediglich der zweite Scorerpunkt Turans in dieser Partie.

Fazit: Ein „Flügelachter“ und Defensivkünstler

Man kann aus einer einzigen Partie sicherlich keine allzu großen Erfahrungswerte oder Erkenntnisse gewinnen, dennoch ist es möglich, gewisse Charakteristiken Turans auf jeden Fall schon herauszulesen. Herausstechend war, dass der Türke durch seine Jahre unter Diego Simeone viele relevante Erkenntnisse gewann, was das eigene Defensivspiel anbelangt. Turan mag hinsichtlich der Intensität im Defensivspiel nicht an einen Suárez rankommen, dafür sind die gewählten Bewegungen des 28-Jährigen stets mannschaftlich und zugunsten der Kompaktheit gewählt.

Im Spiel mit dem Ball ließ er zwar seine berüchtigten Dribblings noch vermissen, was sicherlich der fehlenden Spielpraxis geschuldet ist, dennoch konnte Turan viele sehenswerte Aktionen auspacken, wobei eine davon sogar zu einem Tor führte. Deswegen wird es auf jeden Fall noch spannend sein, wie Enrique die Rollenauslegung für seinen türkischen Spieler auslegen wird und für welchen Spieler er in die Mannschaft rücken soll. Man darf auf jeden Fall gespannt verbleiben.

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