Das große Interview mit Luis Suárez: „Es war sehr hart zu realisieren, was ich tat“

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In einem ausführlichen Interview mit dem ‚Barça-Magazin‘ äußerte sich Luis Suárez zu vielen brisanten Themen. Unter anderem sprach der Barça-Star über seine Titelambitionen, seine neuen Teamkollegen und seine taktische Rolle am Spielfeld. Darüber hinaus gab es auch Fragen bezüglich der langen Sperre zu beantworten und überraschend ehrliche Worte zum Zwischenfall, der zu dieser Strafe führte.

Zählst du bereits die Tage bis zu deiner Rückkehr?

Während der letzten Spiele von Barça habe ich gemerkt, wie sehr ich bestrebt bin, wieder zu spielen und meinen Teamkollegen zu helfen. Was ich jetzt tun muss, ist, sie zu unterstützen, an ihrer Seite zu stehen und einfach warten – mehr kann ich derzeit nicht tun. Ich hasse es, mich so hilflos zu fühlen – ich kann jedoch derzeit nicht mehr tun, um ihnen zu helfen.

Als Fußballer: Wie bist du mit dieser viermonatigen Sperre umgegangen?
Die ersten zwei Monate waren die härtesten, denn ich fühlte mich nicht wie ein Fußballer. Das war der schlimmste Abschnitt. Es ist wichtig, seine begangenen Fehler zu akzeptieren, aber es machte mich wütend, dass ich mich nicht wie ein Profi oder Arbeiter fühlte, so wie es andere Fußballer tun. Das hat am meisten geschmerzt.

Wie fühlt es sich an zu wissen, bald wieder auf das Fußballfeld zurückkehren zu können? Du musst doch bereits davon träumen!
Ich habe das noch nicht realisiert. Ich spielte 15 Minuten bei der Gamper-Trophäe, aber um ehrlich zu sein fühlte sich das an, als wäre ich ein Gastspieler. Ich fühlte mich nicht wirklich wie ein Barça-Spieler. Ich bin gerade rechtzeitig zur Gamper-Trophäe angekommen und war noch immer ein bisschen nervös. […] Wissen Sie, ich bin die Art Person, die daran glaubt, dass gewisse Dinge aus gewissen Gründen geschehen. Und aus all den 19 Mannschaften in der Liga ist es ausgerechnet Real Madrid im Bernabéu-Stadion, gegen die ich zurückkehren werde. Dafür muss es einen Grund geben.

Du bist Barças fünfter Gewinner des Goldenen Schuh. Du hast in der vergangenen Saison 31 Tore in der Premier League erzielt und damit den Rekord gebrochen. War es frustrierend, nicht den Ligatitel zu gewinnen mit Liverpool?
Individueller Erfolg ist immer sehr schön und macht einen glücklich, weil es eine Bestätigung für all die harte Arbeit ist. Aber ich stelle das Team über diese Erfolge, und in der vergangenen Spielzeit war Liverpool sehr nah dran, die Liga zu gewinnen. Ich schätze die Arbeit des gesamten Teams, aber ich habe sechs Spiele verpasst und all diese Treffer erzielt, ohne Elfmeterschütze zu sein. Ich konnte den Verein sehr glücklich verlassen, wenn ich nicht die Einstellung und Mentalität gehabt hätte, um das Team zu führen, dann, denke ich, hätte Liverpool nicht so eine starke Saison gespielt. Zurück in die Champions League zu kommen war ein weiteres Ziel, das ich im Kopf hatte.

Du hast mehr als 100 Tore für Ajax erzielt. Statistiken, die dich in eine Liga mit Cruyff, van Basten oder Bergkamp katapultieren. Dein erstes Champions-League-Spiel mit Barça wird gegen Ajax sein. Ist das auch Schicksal?
Nach so einer langen Zeit nach Amsterdam zurückzukehren, um für den Verein zu spielen, von dem ich schon immer träumte, ist sensationell. Ja, das ist Schicksal. Es wird ein sehr spezielles Spiel für mich sein. Ich treffe dann auf viele alte Bekannte und die Fans. Ich liebe alles daran!

Bereits mit 22 Jahren warst du Kapitän bei Ajax. Das sagt vieles über dich aus.
Ich wechselte 2007 zu Ajax und wurde 2009 Kapitän. Der Trainer, Martin Jol, mochte die Art und Weise, wie ich Dinge erledigte und dachte, es würde dem Team von Nutzen sein. Für ein Team wie Ajax verantwortlich zu sein, ist sehr motivierend. Ich dachte, dass die Sprachbarriere ein Problem darstellen würde, aber dieser Gedanke kam beim Trainer nie auf. Er sagte nur, dass ich das Team führen und mein Bestes geben soll. Es war etwas Einzigartiges für mich – historisch, wenn man mein damaliges Alter bedenkt.

Du hast seit deiner ersten Saison bei Nacional (2005/06) nie weniger als zehn Tore in einer Spielzeit erzielt und deinen persönlichen Rekord bei Ajax mit 35 Treffern (2009/10) aufgestellt. Bist du davon besessen, Tore zu erzielen?
Was einem Stürmer am meisten gefällt, ist, Tore zu erzielen. Das zu erreichen hängt von der Qualität, dem Selbstvertrauen, dem Instinkt zur richtigen Zeit und dem Opportunismus ab. Aber ein Stürmer ist auch ein Teamspieler. Ich mag es auch, meine Mitspieler in Szene zu setzen. Auch wenn das einige Personen nicht glauben, gibt es Stürmer, die es bevorzugen, einen Treffer vorzubereiten, wenn ein Mitspieler besser positioniert ist. Bei den Mannschaften, bei denen ich bisher spielte, habe ich immer versucht, nicht nur mit Toren zu helfen, sondern auch mit Assists.

Du wirst als Mittelstürmer bezeichnet, aber in der vergangenen Saison hast du auch viel Zeit auf der Flügelposition verbracht. Bei Barça musst du möglicherweise auch etwas flexibler sein. Fühlst du dich bei diesem Gedanken wohl?
Einige Personen sehen mich als Mittelstürmer, andere als einen flexiblen Angreifer. Aber auch wenn ich als Mittelstürmer aufgeboten werde, spiele ich nicht ausnahmslos auf dieser Position. Ich bewege mich immer sehr viel und mag es nicht, auf einer Stelle zu verharren. Wenn wir den Ball haben, bewege ich mich auf allen Angriffspositionen. Ich möchte nicht lediglich an einer Stelle des Platzes agieren. Aber man muss auf die Anweisungen des Trainers hören und dem Team bestmöglich helfen.

Du bist nun in einer Mannschaft mit Spielern wie Messi, Neymar, Xavi, Iniesta oder Busquets. Barça hat eines der besten, wenn nicht das beste Offensiv-Trio der Welt. Was bedeutet das für dich?
Ich denke nur daran, wieder zu spielen, dem Team zu helfen, einen Platz in der Startelf zu erkämpfen und dem Trainer zu zeigen, dass ich hierher kam, um Barça dabei zu helfen, Titel zu gewinnen. Aber die Qualität der Spieler hier ist unglaublich. Es ist bewundernswert.

Kann man das auch im Training beobachten?
Natürlich. Man verfolgt die Spiele und sieht, wie gut sie sind. Mit ihnen zu trainieren bestätigt dann das, was man in den Spielen gesehen hat. Man sieht die Pässe von Leo, Neymar, Xavi oder Iniesta. Sie sind unglaubliche Spieler: Wenn man denkt, es ist unmöglich für sie, einen Pass zu spielen, dann wird man schnell darüber staunen, dass sie es trotzdem schaffen. Mit ihnen zu trainieren und das tägliche Leben zu teilen, ist spektakulär.

Was können die Anhänger von Luis Suárez erwarten?
Alles, was ich sagen kann, ist, dass ich mit dem Wunsch gekommen bin, hier mit Barça erfolgreich zu sein und Titel zu gewinnen. Ich habe seit einigen Jahren nicht mehr in der Champions League gespielt, werde aber in jedem Spiel alles geben. Ich werde zu keinem Zeitpunkt nachgeben, denn in meinem Leben wurde mir nichts geschenkt. Jetzt habe ich endlich die Gelegenheit für den Klub zu spielen, für den ich mein Leben lang spielen wollte. Dafür werde ich alles geben. Ich möchte den Anhängern zeigen, dass ich sehr wertvoll sein kann für den Erfolg bei Barça.

Du spielst nun für Barça, aber es gab eine Zeit, in der du dachtest, dass du den Fußball aufgeben musst.
Meine anfänglichen Jahre waren sehr hart. Als ich 14 Jahre alt war und bei Nacional Montevideo spielte, sagten sie mir, dass sie mich nicht mehr benötigen, weil ich den Ansprüchen nicht gerecht wurde. Ich hatte schlechten Umgang und musste mich von all dem distanzieren, um mich voll und ganz auf meine Fußballkarriere konzentrieren zu können. Es gab einige Personen bei Nacional, die mir dabei halfen, eine letzte Chance zu erhalten. Außerdem lernte ich Sofía [Anm.: Ehefrau] in dieser Zeit kennen, und sie brachte mich zurück auf den richtigen Weg.

Kannst du dich daran erinnern, was Ricardo ‚Murmullo‘ Perdomo dir erzählte?
Perdomo war Jugendtrainer bei Nacional als ich 14 war. Er sagte mir, wenn ich mich jetzt nicht auf meine Karriere konzentriere, ich den Zug verpassen werde. Das war das Jahr, als meine Karriere wieder voranging.

Dein Temperament hat dir über die Jahre einige Probleme bereitet. Bereust du etwas?
Wenn ich sage, dass es mir leidtut, dann nur, weil ich etwas bereue. Wenn einem etwas leidtut, dann impliziert das Bedauern. Aber es gab auch einige persönliche Anschuldigungen, die nicht der Wahrheit entsprachen; wie zum Beispiel die Sache mit dem Rassismus. Ich wurde ohne jegliche Beweise beschuldigt und das betrübte mich am meisten. Die anderen Dinge waren Aktionen, an denen ich persönlich Schuld hatte. Ich akzeptierte das und ich bat um Vergebung, aber der Rassismus-Vorwurf war ohne Hintergrund. Das brachte mich aus der Fassung.

War es deine Entscheidung, sich für den Zwischenfall bei der Weltmeisterschaft zu entschuldigen?
Es ist gut zu akzeptieren, wenn man einen Fehler begangen hat – und das war der Fall. Ich unternahm ein paar Tage nichts. Man muss auch verstehen, dass ich auch nur ein Mensch bin und manchmal ist es sehr schwer, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Es war sehr hart, es zuzugeben und zu realisieren, was ich tat. Das waren Tage, an denen ich nichts davon hören wollte. Ich wollte nur bei meiner Frau und meinen Kindern sein, die mir durch diese Zeit halfen und mich unterstützten. Ich wollte mit keinem sprechen und die Tatsache nicht akzeptieren.

Das Interview wurde von fcbarcelona.cat durchgeführt und veröffentlicht!

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