Die Außenverteidiger von Barça im Check: Wie viel Qualität steckt in Dani Alves und Jordi Alba?

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Wer beim FC Barcelona seine Fußballschuhe schnürt, gehört gewiss zum Besten, was die Fußballwelt zu bieten hat. Keine Ausnahme hiervon bilden die Außenverteidiger der Blaugrana und hier besonders Jordi Alba und Dani Alves, die Woche für Woche ihr Können aufs Neue unter Beweis stellen. Trotzdem möchten wir hinterfragen, gerade mit Blick auf die kommenden Partien gegen namhafte Gegner, wie viel die beiden Dauerbrenner der Mannschaft geben können und wo ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen liegen.

Nur in einer Disziplin seine Stärken zu haben, bei nur einer Sache richtig gut zu sein, reicht im modernen Fußball schon lange nicht mehr. Die Vereine sind stetig auf der Suche nach Verbesserungen und nach Spielern, die ein Upgrade zum Status quo bringen und neben ihrer eigentlichen Domäne auf dem Feld auch noch andere Fähigkeiten in das Gefüge einbringen können. Dies trifft auf Spieler, die im offensiven Wirkungsbereich zum Einsatz kommen sollen, im Besonderen zu. Im letzten Jahrzehnt hat sich aber auch das Anforderungsprofil in der Verteidigung gewandelt: Wer hinten wie ein Fels in der Brandung steht und nichts anbrennen lässt, auf der anderen Seite aber in seiner offensiven Natur limitiert ist und zum Spiel seiner Mannschaft im Aufbau und in der Offensive nur wenig beitragen kann, gehört längst zum alten Eisen und wird im Profifußball nur eingeschränkten Erfolg haben. Wird keine großen Titel gewinnen wie Dani Alves und Jordi Alba, die beiden Dauerbrenner in den Reihen des FC Barcelona. Sie verkörpern die Moderne und gehören zu den besten Außenverteidigern der Welt – so zumindest das allgemeine Credo. Doch wie gut sind die Barça-Stars wirklich? Werden sie tatsächlich allen Facetten eines modernen Außenverteidigers – vor allem in der Offensive – gerecht? Wir haben uns ihr Spiel genauer angesehen.

Um die Leistungen der Spieler besser einordnen zu können, muss ihr Wirken auf dem Spielfeld aufgeschlüsselt und ausdifferenziert werden. Im ersten Spielfelddrittel sind die Außenverteidiger namentlich mit anderen Aufgaben und Herausforderungen konfrontiert als im zweiten und dritten Abschnitt, wodurch pauschale Aussagen nicht möglich sind. Ferner ist zwischen dem Spiel mit und dem Spiel ohne Ball zu trennen. Hiervon ausgehend gehen wir zunächst auf den Wert der Barça-Stars im Aufbauspiel ein und beleuchten anschließend ihre Qualitäten im Offensivspiel, in diesem Zusammenhang auch das Verhalten im Gegenpressing. Den Abschluss der Beurteilung bildet das Spiel ohne Ball, bei dem ein rein defensiver Blickwinkel angelegt wird.

Anforderungsprofil beim Aufbauspiel aus der Abwehr heraus

Auf einen geordneten Spielaufbau aus der Abwehr heraus wird beim FC Barcelona besonders großer Wert gelegt. Das Spielgerät soll nicht einfach hinten herausgeschlagen werden, was sehr einleuchtende Gründe hat: Die Spieler der Blaugrana sind physisch auf einem guten Niveau und es gibt nur wenige Mannschaften, die ihnen in dieser Hinsicht das Wasser reichen können. Aber es gibt sie. Sie sind stärker im Kampf um die Bälle und könnten Barça in dieser Disziplin den Rang ablaufen. Für eine Mannschaft, die über solch erhabene Künstler am Ball verfügt wie die Katalanen, macht es keinen Sinn, sich auf ein solches Spielchen einzulassen. Auf dem Fundament technisch begabter Spieler und gruppentaktisch starker Lösungen soll das Spielgeschehen schrittweise in Richtung des gegnerischen Tores verschoben werden.

Um dies zu bewerkstelligen, werden nahezu alle Spieler des FC Barcelona in die Verantwortung genommen. Weder die Innen- noch die Außenverteidiger sind hiervon ausgenommen. Die zentralen Verteidiger bilden häufig den Ausgangspunkt des Spielaufbaus und loten die Chancen und Risiken im Spielaufbau aus. Häufig kommen sie bei Barça zu dem Schluss, dass ein Pass auf die Außenverteidiger sinnvoll und geboten ist, wenn der Gegner – was mehr Regel denn Ausnahme ist – das Zentrum abdichtet und sich für die Innenverteidiger kaum eine andere Anspielstation bietet. Dies gilt umso mehr, je stärker und giftiger der Gegner ist. Ist der Ball bei den Außenverteidigern angekommen, beginnt für sie die Einbindung in das Aufbauspiel. In Abhängigkeit von der Vorgehensweise des Kontrahenten kann das bereits kurz hinter dem eigenen Strafraum passieren, wenn dem Spielaufbau der Blaugrana ein hohes Pressing entgegengesetzt wird.

In dieser Phase des Aufbauprogramms der Mannschaft besteht die Aufgabe der defensiven Außen in erster Linie darin, sich breit aufzustellen und dadurch den Gegner im Pressing zum Auffächern zu bewegen. Hierdurch erhalten nicht selten die zentralen Akteure von Barça Raum und können gefahrlos angespielt werden. Diese Aussage kann zumindest dann Geltung für sich beanspruchen, wenn der Widersacher die Schule des offensiven Pressings nicht ganz so gut beherrscht. Nur wenige Mannschaften verstehen es, den Raum im Pressing auf eine Weise aufzuteilen, dass alle Spieler der Katalanen abgedeckt sind und der Spielaufbau notwendigerweise über die Außenverteidiger begonnen oder fortgesetzt werden muss. Im Einzelfall wird dem Torhüter des FC Barcelona aber nichts anderes übrig bleiben, als einen hohen Ball auf einen Außenverteidiger herauszuspielen, wenn der Druck hoch, die Innenverteidiger diesem ausgesetzt sind andere Lösungen im Aufbauspiel nicht in gleicher Weise erfolgversprechend erscheinen.

Dies stellt für die Außenverteidiger auf den ersten Blick die unangenehmere Variante dar, erstmalig ins Aufbauspiel einbezogen zu werden. Der Ball kann im Regelfall vom Torhüter nur mit viel Gefühl gespielt werden, damit er auch zielgenau beim Außenverteidiger ankommt. Für diesen besteht die Herausforderung zunächst darin, zu erkennen, auf welcher Höhe der Ball ihn erreicht, wie der Gegner sich verhält und wohin sich die eigenen Spieler bewegen. Im Regelfall wird der Kontrahent zum Außenverteidiger verschieben und versuchen, ihn unter Druck zu setzen. Noch bevor der Ball den Außenspieler erreicht, muss dieser folgerichtig seine Handlungsoptionen abwägen und entscheiden, ob eine Ballannahme und eine anschließende Weiterleitung möglich sein wird oder der Ball – mit dem Fuß oder mit dem Kopf – aufgrund erheblichen Drucks direkt weitergeleitet werden muss. Ohne Zweifel muss ein Außenverteidiger in Ansehung dessen beim FC Barcelona technisch sehr stark sein. Er muss den Ball schnell kontrollieren können und über eine gute Passtechnik verfügen. Hieraus aufbauend ist eine schnelle Auffassungsgabe das A und O.

Nicht ganz so fordernd ist die Aufgabe für die Außenverteidiger, wenn die Innenverteidiger sie flach anspielen und einbinden. Im Regelfall werden diese Zuspieler leichter zu verarbeiten sein. Zudem besteht häufig die Möglichkeit, den Ball wieder zurück zum Innenverteidiger zu spielen, wenn keine Aussichten auf ein vertretbares Aufbauspiel bestehen. Je nach Ausgangskonstellation kann sich der Schwierigkeitsgrad im Aufbauspiel aber auch umwandeln. Dies ist dann der Fall, wenn der Gegner hoch steht, es ihm aber nicht gelingt, genug Druck auf den Torhüter aufzubauen, wodurch ein präzises Zuspiel in den Rücken des Gegners ermöglicht wird. In diesen Fällen haben die Außenverteidiger genug Zeit und Raum, den Ball zu verarbeiten und entweder einen Konter einzuleiten oder das Spiel in fernere Regionen zu verlagern. Auf der anderen Seite kann es Situationen geben, in denen der Gegner den Passweg zurück auf den Innenverteidiger zustellt und den Pressing-Gürtel dadurch enger schnallt.

Dani Alves ist der König, Jordi Alba mit Defiziten

Wie fügen sich Dani Alves und Jordi Alba in dieses Aufgabenprofil? Hier kann keine allgemein gültige Aussage über beide Spieler getroffen werden. Der Brasilianer ist mit Sicherheit der ‚King‘ beim Aufbauspiel aus dem ersten Drittel heraus und maßgebend mitverantwortlich für den Ruf der Mannschaft, über eine hohe Pressingresistenz zu verfügen. Die Qualität des 32-jährigen offenbart sich bereits bei der Ballannahme, kaum ein Ball verspringt und landet beim Gegner. Bei hohen Zuspielen der Torhüter beschleicht einen gleichwohl stets das Gefühl, die Verarbeitung des Balles könnte schief gehen und das Spielgerät beim Gegner landen. Alves gehört nicht zum erlesenen Kreis der Spieler, die den Ball immer und überall mit dem First Touch kontrollieren können. Aber wer kann das schon, mit Ausnahme von Lionel Messi? Das Unbehagen bei Dani Alves ist in den meisten Fällen unbegründet. Er lässt den Ball zwar tippen, hat sich aber eine ganz eigene Technik angeeignet, den Ball schnell unter Kontrolle zu bringen. Genauer stellt dieses Tippeln des Balles bei der Weiterverwendung für die Barça-Legende erstaunlicherweise kein Problem dar. Ein präziser Haken oder Pass zum freien Mitspieler ist für ihn trotz der kleinen zeitlichen Verzögerung fast immer möglich.

Das Passspiel, beim FC Barcelona elementar, und es versteht sich von selbst: Danis Fähigkeiten sind in diesem Bereich über jeden Zweifel erhaben. Seine Pässe kommen an, sie sind präzise und für viele Gegner eine Frustration. Mehr noch allerdings Pass-Kombos mit Mitspielern, am liebsten mit Lionel Messi; dies jedoch eher selten, wenngleich nicht ausschließbar im ersten Spielfelddrittel, überwiegend aber kurz nach der Mittellinie. Die Kombinationen locken den Gegner aus der Reserve, er wird ungestüm, und manchmal lässt sich Alves von der Schönheit des Kurzpassspiels zu sehr anstecken und übertreibt es, übersieht einfachere und sinnvollere Möglichkeiten, das eigene Spiel weiter voranzutreiben. Ein Makel, den sich Alves bei aller Qualität, die er der Mannschaft im Aufbauspiel gibt, vorwerfen lassen muss. Aber nur ein kleiner. Darüber hinaus ist er aber ein Spieler, auf den beim Aufbau Verlass ist – er ist taktisch sehr versiert, erfahren und hat gute Lösungen auf Lager. Einen besseren Spieler wird Barça diesbezüglich kaum finden.

Jordi Alba ist das Pendant zum Brasilianer. Zum Roadrunner bei Barça möchten wir sogleich eine Frage einwerfen: Warum erfolgt der Spielaufbau bei einem hohen Pressing des Gegners öfter über die rechte Seite? Weil Dani Alves in Sachen Ballverarbeitung und – verwertung schlicht mehr auf dem Kasten hat als der spanische Nationalspieler? Dieser Schluss ist nicht zwingend. In erster Linie ist der Aufbau abhängig von den Bewegungen des Gegners und den Spielern, die beteiligt sind. Für den Torhüter dürfte es technisch leichter sein, hohe Zuspiele auf rechts an den Mann zu bringen. Mit Piqué baut ein technisch sehr starker Innenverteidiger auf rechts auf, der in diesem Bereich gegenüber Javier Mascherano die Nase vorne hat. Dank einem physisch starken Spieler wie Ivan Rakitić kann im Notfall starker Druck auf den Gegner ausgeübt werden. Und dann wäre da noch Lionel Messi, der mit Abstand sicherste Akteur am Ball. Immer wieder lässt sich Leo bei gegnerischem Druck deutlich zurückfallen und ist eine Allzweckwaffe beim tiefen Spielaufbau.

Alves fügt sich mit seinen Fähigkeiten nahtlos in diese starke Gruppe und ist ein wichtiger Bestandteil. Der nur 1,70m große Jordi Alba ist beim Spielaufbau über die linke Seite für seine Mitspieler zumeist ebenfalls eine Bereicherung. Im direkten Vergleich zu Alves fällt allerdings auf, dass er unter Bedrängnis mehr ins Wanken gerät und nicht ganz so cool wie Dani den Druck des Gegners pariert. In technischer Hinsicht steht Jordi seinem Gegenüber in kaum etwas nach, er verarbeitet die Zuspiele an seine Person zumeist sauber und kontrolliert den Ball auch unter zeitlichem und räumlichem Stress sehr schnell. Auch sein Passspiel ist richtig gut. Die Unterschiede offenbaren sich jedoch in der weiteren Folge, wenn es darum geht, sich der Umklammerung des Gegners zu entziehen. Bei der Übersicht und der Souveränität kann der kleine Spanier nicht ganz an die internationale Spitzenklasse bei den Außenverteidigern heranreichen, die auch von Dani angeführt wird. Er wirkt in Drucksituationen etwas gehemmt in seiner Kreativität und wählt nicht immer die richtige Entscheidung.

Ist eine risikolose Weiterleitung des Balles an Neymar nicht möglich und zudem auch der ‚Exit‘ zum Innenverteidiger versperrt, wird trotz seiner körperlichen Statur eine gewisse Hüftsteife sichtbar, die es ihm erschwert, sich durch kluge, verhältnismäßige Bewegungen eine bessere Ausgangslage zu verschaffen. Stattdessen reduziert sich sein Wirken auf einfache Abläufe wie vorwärts oder zurück. Auch die Einbindung in Kombinationen funktioniert nicht ganz so tadellos wie auf der gegenüberliegenden Seite, was sicher auch mit der fußballerischen Veranlagung von Jordi Alba zu tun hat. Viel Raum für Kritik gibt es in diesem Bereich alles in allem dennoch nicht – der Barça-Star verrichtet seine Arbeit grundsätzlich solide und zufriedenstellend. Herausragende Lösungen im Spielaufbau sind aber eher eine Seltenheit.

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