Kommentar: Barça und das böse Erwachen

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Gestern ist etwas geschehen, was für schier unmöglich gehalten wurde; etwas, das man nicht als Momentaufnahme oder kurzzeitiges Blackout betrachten kann, sondern etwas, das Barça die nackte Angst vor der Zukunft offenbaren muss, die man bis vor kurzem noch gut verdrängen konnte. Einen 4:1-Vorsprung zu verspielen, ist im Fußball an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Ihn gegen einen Verein zu verspielen, der auf dem Papier viel schwächer ist als man selbst, ist aber noch einmal eine ganz andere Nummer. Uns Culés bleibt daher nichts anderes übrig, als der AS Roma unsere aufrichtige Gratulation auszusprechen. Wir haben den Nachbericht diesmal ausfallen lassen, da es nicht wirklich etwas zu sagen gibt. Barça hat alles falsch und nichts richtig gemacht. Daher setzen wir uns, wie es nach so einem Spiel einfach notwendig ist, mit den beängstigenderen Tatsachen auseinander.

Wie konnte es dazu kommen? An dieser Stelle darf man nicht nur kurzfristig zurückblicken, sondern muss den Verfall, der unter dieser und der vorangegangenen Vereinsführung Rosells nahezu mutwillig herbei geführt wurde, über die gesamte Zeitspanne aufarbeiten. Wir haben unter Pep die wohl glorreichste Ära aller Zeiten erlebt, nicht nur was die Titel, sondern auch was den Fußball betrifft. Pep Guardiola wurde von Laporta mit der Zusprache Cruyffs ins Amt berufen und formte aus schier unerschöpflichem Potenzial eine nahezu unbesiegbare Mannschaft. Die Geschichte, die nun fast wie ein Märchen klingt, kennen wir alle zu genüge und sehnen sie, ich zumindest, beinahe täglich wieder herbei. Doch der Verfall nach dieser unfassbaren Erfolgsgeschichte war vorprogrammiert und lässt sich wohl am besten in drei Etappen gliedern.

Post-Pep

Nach dem Abgang Peps wurde zunächst nicht wirklich etwas geändert, Tito übernahm und getreu dem Motto „never change a running system“ wurde gearbeitet. Dass Tito einige taktische Feinheiten initiierte und es kleinere Veränderungen gab, wurde schnell vergessen. Der Fußball rückte durch seine Krebserkrankung in den Hintergrund und eine verständlicherweise mit der Situation überforderte Mannschaft konnte sich am Ende noch den Liga-Titel sichern, den man unter Vilanova bereits in der Hinrunde quasi fixiert hatte. Im Sommer zwang seine Krankheit Tito schließlich zum Rücktritt und Tata Martino ersetzte ihn. Auch da wurde verpasst, wirklich mutige Entscheidungen zu treffen, da der Erfolg fälschlicherweise als selbstverständlich angenommen wurde. Neymar kam und wurde viel zu voreilig als Messi-Nachfolger auserkoren, und zwar in jeder Hinsicht, obwohl der beste Spieler aller Zeiten damals gerade einmal 26 geworden war. Nach einer desolaten Saison kam dann der vermeintliche Umbruch im Sommer 2014. Rosell war inzwischen zurückgetreten, aber das änderte insgesamt nichts.

Luis Enrique

Luis Enrique wurde als Trainer geholt, Ivan Rakitic und Ter Stegen als Neuzugänge für die Zukunft geholt und mit Luis Suárez ein absoluter Top-Star verpflichtet. Mit Mathieu und Vermaelen dachte man, endlich das Innenverteidiger-Problem gelöst zu haben und Rafinha sollte im Mittelfeld eine Perspektive haben, frei nach dem Motto: „Bruder von Thiago, Mittelfeldspieler, La Masia und so weiter – passt“. So in etwa müssen die meisten Personalentscheidungen dieses Präsidiums abgelaufen sein. Claudio Bravo neben Ter Stegen ebenfalls für die Torwart-Position.

Dass mit Enrique in der ersten Saison der unerwartete, aber irgendwie erhoffte Gewinn des Triples eintrat, war so im Verlauf der Hinrunde auch nicht abzusehen. Nach einer Niederlage im Anoeta, in der Enrique einmal mehr mit einer fragwürdigen Aufstellung aufzeigte, war seine Entlassung alles andere als unwahrscheinlich. Probleme mit Messi wurden von den Medien schnell ausgemacht. Dass Messi auch damals schon als kleiner Diktator galt, zeigt, was es ausmacht, wenn Jorge Mendes nicht dein Agent ist, aber gut, lassen wir das.

Danach folgte eine Rückrunde, die ihres Gleichen sucht. Die Mannschaft trat komplett als Einheit auf, Messi, Neymar und Suárez schossen alles in Grund und Boden und das Mittelfeld war mit Busquets, Rakitic und Iniesta sowie Xavi als Bankspieler eine sichere Bank hinter dem Ausnahmesturm, ebenso wie die Defensive. Dieses man möchte es „Aufbäumen“ nennen, war aber keineswegs das Ergebnis eines strukturierten und nachhaltigen Planes, sondern viel mehr das einer unfassbar großen individuellen Klasse, gepaart mit ungewöhnlicher Formstärke. Diese Formstärke konnte bis zur Hinrunde der nächsten Saison gehalten werden und gipfelte in einem großen Vorsprung in der Liga und in der Copa beförderte sich Madrid selbst aus dem Bewerb. Dass das Finale gegen Sevilla ein Kraftakt war und man in der Liga den Vorsprung beinahe noch verspielt hätte, wird gerne vergessen, ebenso, dass man in der Champions League gegen Atlético kein Konzept hatte und sang- und klanglos ausschied. Am Ende stand aber trotzdem das Double und Luis Enrique blieb im Amt, da ihm der Erfolg rechtgab. Inzwischen war mit Turan übrigens eine neuer Spieler für die Lücke, die im Mittelfeld von Xavi hinterlassen wurde, gekommen. Der Rest dieses Transfers ist Geschichte.

Mit den Verpflichtungen von Gomes, Digne, Umtiti, Denis Suárez und Paco Alcácer glaubte man für die Zukunft ausgesorgt zu haben, vom besten Kader aller Zeiten war die Rede. Die Ernüchterung folgte im Frühjahr. In der Champions League schaffte man es nur wegen eines unglaublichen Sieges gegen Paris ins Viertelfinale, um dort gegen Juventus unterzugehen. In der Liga war man vor allem wegen eines überragenden Messis und eines schwächelnden Real Madrids lange im Titelkampf vertreten und in der Copa hatte man einen leichten Turnierbaum und konnte dabei zusehen, wie sich die Mitfavoriten selbst eliminierten. Am Ende blieb es dann bei der Copa, Enrique, der bereits zuvor seinen Rücktritt verkündet hatte, ging und Valverde folgte ihm nach.

Ernesto Valverde

Bis auf das Präsdium konnte Valverde niemand als „Wunschkandidat“ bezeichen und der Neymar-Abgang trug dann sein Übriges dazu bei, dass für die Saison ein Fiasko erwartet wurde. Dazu kam es nicht. Das hatte primär den Grund, dass Valverde in der Hinrunde mit einem sehr pragmatischen und konservativen Ansatz an die Aufgabe heranging. Reaktiver und gleichsam oftmals ziemlich unattraktiver Fußball waren die Folge. Die Ergebnisse gaben Valverde recht und die Statistiken zeigten einen zumindest strukturierteren Fußball, hin zum Kollektiv, weg von MSN. Damit war er den Plänen Enriques schon um einiges voraus. Dass Messi eine 10/10-Performance nach der anderen lieferte, trugen das Übrige dazu bei, dass man am Ende im Viertelfinale stand und in der Liga einen großen Vorsprung hat. Dabei geriet aber in Vergessenheit, dass man als Topmannschaft nicht immer reaktiven Fußball spielen kann. Als FC Barcelona hatte man bis dato immer den Anspruch, dem Gegner das eigene Spiel aufzuzwingen und nicht nur zu reagieren. Wenn dann wie gestern die Reaktion ausbleibt, dann geht man gegen Rom aus dem Bewerb, auch nach einem großen Vorsprung. Warum die Reaktion ausblieb, kann wohl nur Valverde selbst beantworten. Er tat es nicht. Vermutlich war er mit der Situation einfach überfordert. Die Champions League war Neuland für ihn, aber das war sie für Enrique auch und der brachte zumindest immer Mut mit, Mut, den Valverde gestern und auch gegen Chelsea und im Hinspiel schon zur Gänze vermissen ließ. In der Liga mag die reaktive Herangehensweise Erfolg bringen, aber über zwei Spiele geht man in Europa damit einfach fast immer baden, da, sofern einmal die Reaktion fehlt, ganz schnell ein Spiel nicht mehr umbiegbar ist, das im Gesamtkontext von 38 Spielen einfach vernachlässigt werden könnte.

Ein Scheitern mit Langzeitfolgen

National lief es ja auf dem Papier alles andere als schlecht, der Anspruch muss aber mit Lionel Messi immer in Europa liegen und dabei sind ein kurzfristiger Titel ein desolates Halbfinale und viermal Endstadtion Viertelfinale, wobei keine davon auch nur im Ansatz unverdient war, einfach zu wenig. Viel zu wenig. Dass Madrid gleichzeitig quasi ohne Konkurrenz drei Titel in vier Jahren und vermutlich im Mai den dritten in Folge stemmen kann, ist dabei ein noch viel größeres Desaster, da damit das Vermächtnis von Messi und Guardiola in ein falsches Licht gerückt wird. Von der Leistung her hätte Barcelona in der Guardiola-Zeit in jedem Jahr den Titel verdient gehabt. Gegen Inter schied man unverdient, haarscharf und mit unendlich viel Pech aus, ebenso gegen Chelsea. Im Finale hätten beide Male die Bayern gewartet, beide Male wäre Barça Favorit gewesen. Nun wird Madrid vermutlich das gelingen, was Barça in dieser Zeit verwährt blieb und das, obwohl der Fußball weder viel Identität, noch sonderlich viel Raffinesse hat. Er hat einfach viel individuelle Klasse und das notwendige Glück.

Es gibt keinen (sportlichen) Plan

Eigentlich kann muss man sagen, dass wir uns noch immer in der Post-Pep-Ära befinden. Das soll jetzt keineswegs despektierlich gegenüber Luis Enrique klingen, aber ich sehe seine Zeit bei Barça nicht als eine eigene Epoche. Barça lebt(e) bis dato noch von den Strukturen, die unter Laporta geschaffen wurden. Pep hat nachhaltig ein Konzept implementiert und die Spielintelligenz der Spieler so sehr gefördert, dass die Mannschaft eine hohe „geistige“ Autonomie hat, anders, als das beispielsweise aktuell bei Manchester City der Fall ist. Das Verständnis von Fußball, das Pep den Spielern gelehrt hat, trägt immer noch Früchte. Messi, Busquets, Piqué und Iniesta sind nach wie vor die Säulen der Mannschaft, letzterer wohl nach dieser Saison nicht mehr. Alves war es lange Zeit und Jordi Alba kam aus der Spanischen Nationalmannschaft mit viel entsprechender Kompetenz und lernte auch noch ein halbes Jahr unter Tito. Enrique schaffte es, Suárez in die Mannschaft zu integrieren, mit MSN ein unfassbares Sturmtrio zu bilden und mit Sergi Roberto einen Spieler zu formen bzw. ihm überhaupt eine Chance zu geben, den Barça jetzt nicht missen möchte. Er hatte als auch seinen Beitrag, genauso wie Valverde, unter dem Umtiti aufblühte und Alba zu alter Stärke zurückfand und Barça wieder Struktur zu geben.

Das Problem ist, dass der Verfall in dieser Zeit einfach ein viel größerer Faktor war, der von den Trainern auf der einen Seite nicht verhindert werden konnte und auf der anderen Seite auch einfach ausgeblendet wurde. Man war immer darauf bedacht, kurzfristig die Mühle zum Laufen zu bekommen, als nachhaltig zu arbeiten. Das Präsidium bot aber auch gar nicht die Möglichkeit, nachhaltig zu arbeiten, da kein sportlicher Plan verfolgt wurde und wird. Schlichtweg gar keiner. Es wurde ein Business-Plan erarbeitet, der durch potenzielle Korruption und mutwillige Verdunklung aber ebenfalls in schlechtem Licht steht und bei dem einfach das Wesen des Vereins, der Sport, vergessen wurde. Trikotverkäufe und Online-Präsenz alleine machen einen Verein nicht erfolgreich, ein großes Stadionprojekt ebensowenig. Diese Infrastruktur sollte um die sportliche Struktur herum entstehen und nicht den Sport unter sich begraben bzw. zumindest in den Schatten stellen. Ein Stadion ohne Zuseher_innen, die es füllen, oder Spieler, die darin spielen möchten, ist nichts, außer ein totes Gebäude. Mal ganz abgesehen davon, dass die Finanzierung sowieso in den Sternen steht.

Der Business-Plan führt sich aber sogar ohne die oben erwähnten Anschuldigungen, von denen immer wieder zu lesen war, ad absurdum, da die Ausgaben für Spieler die dem Verein nichts, aber auch wirklich gar nichts gebracht haben, so exorbitant hoch sind. Barça spielte gegen Rom auf acht Positionen mit der gleichen Elf wie gegen Juventus Turin im Champions League Finale vor knapp drei Jahren. Alves wurde dabei durch Sergi Roberto ersetzt, der aber aus der eigenen Jugend kam und statt Neymar stand, wenn auch nicht positionsgetreu, Semedo auf dem Platz. Mascherano war bis zur letzten Saison noch ein fester Bestandteil der Stammelf, heuer spielt Umtiti dort, der aber um knapp 30 Millionen wirklich ein Schnäppchen war. Für Akteure, die gegen Rom nicht in der Startelf standen, weil sie entweder aus Leistungsgründen den Verein bereits wieder verlassen mussten oder aus Leistungsgründen nur auf der Bank saßen bzw. nicht im Kader standen wurden in dieser Zeit ca. 450 Millionen Euro ausgegeben und da sind die Bonuszahlungen für Dembélé und Coutinho noch nicht inkludiert. Es wurden also 450 Millionen für Spieler ausgegeben, die Barça in der Champions League nicht weiterhelfen konnten. Dass 250 Millionen dafür für Dembélé und Coutinho waren, relativiert die Sache ein wenig, aber 200 Millionen sind einfach immer noch eine absurde Zahl, wenn man rechnet, dass Madrid bei ähnlicher Marktlage die Spieler Isco, Modric, Kroos und Asensio zusammengerechnet für knapp 100 Millionen Euro bekommen hat. Alle Spieler, und das ist ein offenes Geheimnis, die in ihrer Vergangenheit für Barça schwärmten bzw. sogar ziemlich nah an einer Unterschrift für die Katalanen standen. Dass Gündogan für Arda nicht kam, kann man so auch nicht erfinden, das ist einfach alles an Absurdität nicht zu überbieten. Sogar Coutinho und Dembélé sind mit Vorsicht zu genießen, denn ersterer ist auf einer Position beheimatet, die es bei Barça so nicht gibt. Man kann jetzt also das System umbauen, das aktuell zugegebenermaßen ohnehin nicht vorhanden ist, oder den Spieler „umlernen“. Das Problem ist, dass ersteres andere Spieler in Positionsnot bringt und zweiteres Zeit ebenfalls viel Zeit braucht. Dembélé ist ein Rohdiamant, der aufgrund spezieller Umstände so teuer war, aber sein Start ist alles in allem einfach suboptimal verlaufen. Es ist keineswegs garantiert, dass die beiden Spieler auch nur im Ansatz den Erfolg bringen, den man sich von ihnen erhofft. Das ist zwar bei Transfers immer so, aber hierbei wirkt das Risiko doch noch um einiges höher.

Das Erwachen ist sowieso böse

Insgesamt hat der FC Barcelona sowieso keinen Plan für die Zeit nach Messi, Busquets und Piqué. Diese drei Säulen des Vereins und auch die letzten ihrer Zunft aus La Masia sind alle in etwa gleich alt. Die Positionen von Piqué und Busquets sind jetzt nicht unbedingt so stark an Spritzigkeit gebunden wie andere, aber was eine Saison mit drei Wettbewerben, wo die beiden quasi in jedem jedes Spiel spielen mussten, an Kräften verbraucht, sieht man heuer so stark wie noch nie. Busquets geht nach einer mittelschweren Verletzung völlig auf dem Zahnfleisch, Piqué musste lange trotz Knieproblemen jedes Spiel machen. Ob die Probleme ausgestanden sind, weiß bis heute keiner. Bei Messi, der was die Anzahl an Spielen betrifft, sowieso eigene Grenzen definiert, hat der Oberschenkel schon nicht mehr ganz mitgespielt und jetzt steht auch noch die auslaugende WM auf dem Programm und dabei wird er im Juni 31. Es muss zumindest die realistische Chance bestehen, ein Spiel ohne Messi gegen Mittelklasse-Gegner souverän bzw. zumindest irgendwie zu gewinnen. Aktuell sieht es aber nicht aus, als wäre das möglich. Aktuell ist jedes Spiel mit Messi schon ein enormer Kampf und am Ende ist es meistens er, der die Kohlen aus dem Feuer holt. Das letzte Auswärtstor in der Champions League, das nicht von Messi erzielt wurde, liegt fast 560 Tage zurück. In den letzten fünf KO-Duellen konnte man auswärts gerade einmal ein Tor erzielen und kassierte dabei 13. Dabei überraschen dann auch die vier Niederlagen und ein mageres Unentschieden nicht, bei dem man eigentlich auch hätte verlieren müssen, aber eben Messi hatte.

Jetzt sollte es doch zumindest im Interesse des Vereins liegen, Messi für die paar Jahre, die er in seiner Karriere noch hat, ein Top-Team zur Seite zu stellen. Stattdessen hat man ab nächstem Jahr, sofern Iniesta wirklich geht, wonach es aussieht, mit Sergio Busquets einen Mittelfeldspieler mit Weltklasse-Format und mit Rakitic einen wirklichen Top-Akteur, der aber auch komplett überspielt ist aus den letzten Jahren. Die restlichen Spieler haben, so brutal es klingt, nicht das Niveau um bei einem europäischen Top-Team eine Säule zu sein, schon gar nicht bei einem Mittelfeld lastigen, wie dem FC Barcelona. Der Zug, eine nachhaltige Entwicklung für die Zeit nach Messi zu nehmen, ist de facto eh schon abgefahren. Dafür müsste das Board vermutlich schon in desem Sommer komplett ausgetauscht werden und ein neuer Trainer mit Mut und Visionen kommen. Beides ist unrealistisch. Der Scherbenhaufen wird nach Messi und somit auch nach Busquets und Piqué ohnehin seines Gleichen suchen, aber da ist ein Aufbau dann auch wesentlich leichter, weil die Ambitionen dann einfach andere sein werden müssen.

Nur müsste es noch nicht jetzt soweit kommen, denn Messi hat, wenn alles gut läuft noch mindestens fünf Jahre auf Top-Niveau. Wenn Totti, Pirlo und Co. so lange gehen können, dann sollte das Messi mit seiner ökonomischen Spielweise auch hinbekommen, sofern keine große Verletzung oder Ähnliches dazwischen kommt. Nur ist seine Spielweise aktuell nicht mehr wirklich ökonomisch, da er in ziemlich jedem Spiel für Mittelfeld und Angriff gleichzeitig zuständig ist. Mittlerweile wirkt Barça für Messi so zermürbend wie Argentinien und das ist es wahrscheinlich auch, nur ist Barça jede Woche und Argentinien ein paar Mal im Jahr.

Der letzte Strohhalm

Wenn sich nicht schlagartig einiges ändert, dann ist es durchaus möglich, dass Messi, sofern er bei Barça bleibt, nie wieder auch nur ein Champions League Halbfinale spielen wird. Das Problem ist, dass dieses Präsidium die Macht mit aller Kraft halten will. Zuletzt gab es leise Gerüchte um einen Rücktritt Bartomeus im Sommer, doch der Plan sei, das Präsidium weiterhin so zu halten, eben nur mit dem Führungswechsel an der Spitze. Und selbst wenn es zu Neuwahlen kommt, hat die aktuelle Vereinsführung gute Chancen erneut zu gewinnen, weil die nationalen Erfolge die alteingesessenen Mitglieder vor Ort sehr stark zu blenden scheinen. Sofern also sportlich nicht noch die Meisterschaft vergeben wird, ist die Chance sehr gering, dass sich im Sommer wirklich etwas ändert. Geld wird wieder viel fließen, aber eher für Glamour-Transfers wie den von Griezmann oder  Alibi-Transfers wie irgendwelche Mittelfeldspieler, die in Europa zumindest irgendeinen Namen haben, aber ohnehin nicht ins Profil passen. Valverde wird wieder ein Stückwerk von Kader zur Verfügung gestellt bekommen, das es aber wahrscheinlich noch schwieriger macht etwas aus sich machen zu lassen, da Iniesta wohl auch nicht mehr da sein wird und Messi, Piqué und Busquets wieder ein Jahr älter sind. Dass alle von einer extrem aufreibenden WM kommen werden, ist noch ein weiterer erschwerender Faktor.

Fazit

Schlussendlich könnte wahrscheinlich nicht einmal ein Jahrhunderttrainer wie Pep aus diesem Kader einen ernsthaften Titelkandidaten in Europa machen, aber Valverde ist eben trotz allem einfach kein Visionär, sondern ein Pragmatiker. Einer, der wirklich gut darin ist, Schadensbegrenzung zu betreiben und einem Team eine grundlegende Struktur und Ordnung zu geben, mit den Mitteln die er hat. Nur sind das alles die Merkmale eines Mittelklasse-Teams. Die Frage ist, ob Barça zu so einem wird, denn dann ist man am Ende froh, wenn Valverde Trainer bleibt. Aktuell deutet die Entwicklung in diese Richtung – aber ein Mittelklasse-Team hat normalerweise keinen Messi.

 

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