Der bisherige Saisonverlauf des FC Barcelona im Rückblick

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Der FC Barcelona befindet sich nach vielen Wochen mit allerlei Hochs und Tiefs im verdienten Winterschlaf. Nach beinahe der ersten Hälfte der Spielperiode sind die Katalanen in allen Wettbewerben ganz vorne mit dabei. Auf einen elektrisierenden Hurra-Fußball zu Beginn der Saison folgten allerdings mitunter enttäuschende Auftritte gegen leicht- und mittelgewichtige Mannschaften aus der Liga. Während die Leistung diverser Leistungsträger in der Defensivabteilung und im Mittelfeld zwar über weite Strecken zu denken gab, machen die vergangenen vier Pflichtspiele Hoffnung in puncto Fokussierung, Abschlussstärke und das gemeinsame Pressing.

Der Plan am zurückliegenden Mittwoch bestand darin, sich mit einer unterhaltsamen Leistung vor heimischer Kulisse aus dem ablaufenden Kalenderjahr zu verabschieden. Die Zielsetzung ging auf und die Stars in den blauroten Leibchen überzeugten ergebnistechnisch zu 100 Prozent. So gestaltete das Team von Cheftrainer Luis Enrique das letzte Pflichtspiel im Jahr 2016 mit einem furiosen 7:0-Sieg gegen Hércules Alicante. Obwohl dem Triumph über den Drittligisten wenig Gewicht zuzumessen ist, gab es gegen den Zwergengegner immerhin sowohl kollektive als auch individuelle Highlights zu vermerken. Nach seinen eigenen Aussagen möchte Enrique während der Weihnachtszeit zwar noch keine Bilanz über die bisherige Kampagne seiner Mannschaft ziehen – eine gewisse Tendenz des Kaders zeichnet sich vor allem in Sachen Teamspirit dennoch ab.

Solide Ergebnisse und Platzierungen in …

… der Copa del Rey

In der Copa del Rey steht Barcelona in der Runde der letzten 32. Nach dem Gesamtsieg gegen Alicante stehen bislang acht Tore und ein Gegentreffer zu Buche. Der nächste Gegner im Spanischen Pokal ist kein geringerer als Athletic Bilbao. Mit der Truppe aus dem Baskenland bekommt es der amtierende Pokalsieger mit einem ernstzunehmenden, giftigen Rivalen zu tun. Doch die baskisch-katalanische Auseinandersetzung ist nicht das einzige Topspiel, auf das es im Achtelfinale ein Auge zu werfen gilt. Langzeit-Kontrahent Real Madrid trifft indes auf einen FC Sevilla in Hochform. Vor nicht allzu langer Zeit konnten die Mannen von Luis Enrique ein spannendes Cup-Finale gegen den die Andalusier für sich entscheiden.

… La Liga

In der Primera División überzeugt der FC Barcelona durch eine recht stattliche Torstatistik von 40 erzielten und 14 kassierten Treffern. Im internationalen und europäischen Vergleich können, abgesehen von den ‚Los Blancos‘ (+ 26 Tore), momentan nur der OGC Nizza (+ 36 Tore) und der FC Bayern (+ 29 Tore) ein stärkeres Torverhältnis vorweisen. Mit einer Tordifferenz von 25 Zählern, zehn Siegen, vier Remis, zwei Niederlagen und 34 Punkten rangiert Barça damit nach 15 Spieltagen auf Platz Zwei hinter Erzfeind Real. Die Hauptstädter sammelten bereits 37 Punkte und müssen aufgrund der Klub-WM noch ein aufgeschobenes Nachholspiel absolvieren. Hinter den Katalanen nimmt derzeit etwas überraschend nicht etwa Atlético Madrid, sondern der FC Sevilla mit 33 Punkten auf dem dritten direkten Champions-League-Rang Platz. Zum Vergleich: In der Saison 2015/16 stand der amtierende Meister nach 16 Spielen mit 38 Punkten an der Tabellenspitze. Und das, obwohl die Tordifferenz (+23 Tore) mit 39 Treffern und 16 Gegentreffern sogar minimal schwächer ausfiel als in der jetzigen Spielzeit. Der Mangel an Effizienz lässt sich durch die zehn abgegebenen Punkte (zwei Unentschieden und zwei Niederlagen) belegen. Barça trifft zwar öfter und kassiert weniger Gegentore, kann die Tore aber nicht immer in drei Punkte ummünzen. Zu Hause gab es letzte Saison jedenfalls nur einen Punktverlust.

Mut macht primär ein Blick auf die Triple-Saison 2014/15. In der erfolgreichsten Ära von ‚Lucho‘ lag Real nach derselben Anzahl von Spielen mit vier Punkten vorne und hatte bereits eine spektakuläre Torausbeute von 57 erzielten Treffern im Vergleich zu 41 Toren der Katalanen. Am Ende konnte Barcelona aber bekanntlich auch diese Spielperiode mit zwei Punkten Vorsprung für sich beanspruchen.

… der Königsklasse

In der Champions League hat Barça das Achtelfinale erreicht. In der ersten Etappe gelangen den Akteuren aus der zweitgrößten Stadt Spaniens 15 Punkte. Für die Blaugranas gab es nach sechs Partien in der Gruppenphase gegen Manchester City, Mönchengladbach und Celtic Glasgow fünf Siege und eine Niederlage. Nur im Auswärtsspiel gegen die Citizens und Pep Guardiola offenbarten Messi und Co. Schwächen in der Konzentration. In der Königsklasse stehen seither 20 Treffer auf dem katalanischen Torkonto, während die Defensive um Marc-André ter Stegen vier Gegentore hinnehmen musste. 2015 stand Barça nach den Gruppenspielen ebenfalls an der Tabellenspitze. Gegen Rom, Leverkusen und Borisov gab es summa summarum einen Punkt und fünf geschossene Tore weniger als gegen die zurückliegenden Vorrundengegner. In beiden Jahren bekam der FCB vier Gegentore.

Als nächstes folgt im Achtelfinale das Duell mit Paris Saint-Germain. Der Clash mit PSG fand in den vergangenen Jahren mehrfach statt. Barça konnte sich in der Regel sowohl in der Gruppenphase als auch in den späteren Phasen des Turniers gegen Paris erfolgreich durchsetzen und war den Franzosen taktisch und technisch zwei Nasenlängen voraus. Im Jahr des Triples lag man in der Gruppentabelle mit zwei Punkten vor dem Ex-Klub von Zlatan Ibrahimovic.

Besondere Fakten und Zahlen über …

… die Verteidigung

In der laufenden Phase scheint in der Defensive Gerard Piqué am konstantesten aufzutreten. Der großgewachsene Katalane konnte bisweilen in nahezu allen Auftritten durch sein gutes Stellungsspiel glänzen, welches in den letzten Spielzeiten nicht immer auf Topniveau lag. Piqué hat sich zur absoluten Führungsfigur in der Verteidigung gemausert und profitiert auch vom Zusammenspiel mit Ter Stegen. Der deutschen Keeper ist nach dem Weggang von Claudio Bravo zur unangefochtenen Nummer Eins im Tor aufgestiegen und bekommt mit Goalie Jasper Cillesen einen gesunden, aber nicht übermäßigen Druck zu spüren. Nach einer anfänglichen Schwächephase hat sich auch Javier Mascherano in den vergangenen Auftritten konditionell gesteigert. Überraschungskind ist aber eindeutig Samuel Umtiti. Der Franzose glänzte in allen Auftritten durch einen kühlen Kopf, ein ausgewogenes Gefühl für den Raum und eine beachtliche Sprungkraft. Bei den Außenverteidigern ist Lucas Digne hervorzuheben, der mit zwei Scorerpunkten in 18 Spielen zwar noch Luft nach oben hat, aber eine mehr als solide Alternative zu Jordi Alba darstellte. Auf Alba wirkt sich die Anwesenheit Dignes bisher positiv aus. Der Spanier wirkte zuletzt befreiter und angriffslustiger als zu Beginn der Saison, als ihm sein Spielwitz etwas abhandenkam. Auf der rechten Seite vertraut Enrique weiter auf Sergi Roberto, der sich teils überragend in Dani-Alves-Manier ins Kombinationsspiel mit Messi und Rakitic einbinden konnte, aber hin und wieder Mängel im Rückwärtsgang offenbarte. Aleix Vidal wird aller Voraussicht nach auch 2017 weiterhin nur eine Reservistenrolle spielen.

… das Mittelfeld

Barças Mittelfeld war in der Hinrunde 2016/17 aus zweierlei Gründen von Andrés Iniesta abhängig. Zunächst brachte der Spanier spielerische und technische Komponenten in das teils fad wirkende Spiel der Katalanen. Des Weiteren nahm es sich der Routinier zu Herzen, die blutjungen Spieler wie Rafinha Alcántara, André Gomes und Denis Suárez in die komplizierten Passstafetten einzubinden. Der Portugiese konnte wettbewerbsübergreifend drei Vorlagen beisteuern. Der Namensvetter von Barças Sturmspitze, der im Spiel gegen Alicante mit seinen Bewegungen einen ähnlichen Wow-Effekt wie seinerzeit Bojan Krkic beim Publikum auslöste, kommt auf einen Assist in der Liga. Thiagos jüngerer Bruder beteiligte sich mit neun Scorerpoints (sechs Tore und drei Vorlagen) noch etwas häufiger am Geschehen. Alle vorgenannten Spieler kommen immer besser ins Laufen und werden in Zukunft versuchen, mehr Druck auf die Mittelfeldmotoren Ivan Rakitic und Sergio Busquets auszuüben und diese gleichzeitig zu entlasten. Im gesamten Kalenderjahr hat ‚Busi‘ übrigens 3082 von 3403 erfolgreichen Pässen gespielt – so viel zum Thema Krise.

… den Angriff

Für ‚MSN‘ gilt im Großen und Ganzen ‚Business as usual‘: Lionel Messi und Luis Suárez führen mit jeweils zwölf Toren die spanische Torjägerliste an. Die Skills, Pässe und Schüsse des kleinen Argentiniers sind nach wie vor nicht von dieser Welt, eine Augenweide für alle Fußballästheten und unabdingbar für das Kreativspiel Barcelonas. Luis Suárez erweist sich hingegen erneut als einer der besten, wenn nicht sogar der kompletteste Neuner in Europa. Für seine Teamfähigkeit sprechen überdies acht Vorbereitungen, die er in der Champions League, dem Pokal und der Liga seinen Compañeros serviert hat. Neymar schießt nicht mehr ganz so viele Tore, assistiert dafür wie am Fließband. Es ist zu vermuten, dass seine Torgefährlichkeit im neuen Jahr in den wichtigen Spielen ansteigen wird. Stand jetzt gehen 44 Tore auf Rechnung der drei Südamerikaner. 2015/16 brachten Leo, Luis und Ney furchteinflößende 131 Mal die Kugel ins Eckige. Eine Marke, die laut eigenen Aussagen gebrochen werden soll.

Arda Turan hat in fünf Spielen als Mittelfeldspieler zwei Tore und einen Assist beigesteuert. In der Rolle des Linksaußen gelangen dem Türken jedoch neun Tore in neun Spielen und zusätzliche sechs Torvorlagen für seine Mitspieler. Die beeindruckende Statistik verrät, dass der Nationalspieler auf der linken Außenbahn wesentlich besser aufgehoben zu sein scheint als im zentralen Mittelfeld. Dass es sich hierbei aber nur um eine Halbwahrheit handelt, verdeutlichen Ardas regelmäßige Ausflüge vor und in den Sechszehner. Wenn Turan spielt, dann kommt er derzeit für den Flügelflitzer Neymar zum Einsatz. Im Gegensatz zum Brasilianer beackert Barças Nummer Sieben die Längen des Spielfeldes aber nicht mit schwindelerregender Dynamik. Er ist immer dann am besten, wenn er nach einigen Pässen mit Jordi Alba, Lucas Digne oder Andrés Iniesta vor dem Strafraum nach innen ziehen darf und eine Position auf einer Höhe zwischen Don Andrés und Luis Suárez einnehmen kann. Der Allrounder, der in seiner ersten Saison in Barcelona kaum Fuß fassen konnte, begeistert jetzt durch eine bessere Positionierung auf dem Platz, Schlüsselpässe im letzten Drittel und eine atemberaubend schöne Schusstechnik, die man zuvor nur bei Messi, Neymar, Suárez und Rafinha bestaunen durfte. Turan hat sich zu einem der wichtigsten Ergänzungsspieler im Team von Luis Enrique entwickelt und könnte 2017 in allen drei Wettbewerben einen fundamentalen Part für die Kaderbreiter und Rotation spielen.

Schlussendlich wäre da noch Paco Alcácer, der Mann, der für 30 Millionen im Sommer vom Liga-Rivalen Valencia abgekauft wurde, bisher aber nicht wirklich zünden wollte. Paco positioniert sich gut auf dem Feld, aber es mangelt ihm sichtlich an Selbstbewusstsein, Esprit und dem letzten Willen und Funken Glück, um den Ball über die Torlinie zu drücken. Die Rückendeckung von der Mannschaft und dem Trainer hat er – diese beschenken ihn regelmäßig mit Flanken und Einsatzzeiten. Mittlerweile hat der junge Spanier wenigstens zwei Tore erzielt, eines im Pokal und eines im Freundschaftsspiel. Hinzu gesellt sich noch ein Assist. Aufgrund der starken Vorsaison von Munir El Haddadi und der momentanen Überform von Sandro Ramírez beim FC Málaga bleibt für viele Culés aber ein bitterer Beigeschmack. Im Jahr 2017 kann es für den sympathischen Akteur mit der Rückennummer 17 nur bergauf gehen.

… das Fairplay

Barça hat in der Liga 33 gelbe und keine roten Karten vom Referee gezeigt bekommen. Dieser Wert wird nur von Real Madrid (32 gelbe und keine roten Karten) und Villarreal (29 gelbe und keine roten Karten) getoppt.

… Ballbesitz und Pässe

Als „Ballbesitzkönige“ dürfen sich Barças Spieler schon seit ein bis zwei Jahren nicht mehr bezeichnen. Paris Saint Germain und Bayern München haben hinsichtlich des Ballschiebens fleißig nachgelegt. Mit einem durchschnittlichen Wert von 62.6 Prozent pro Ligaspiel wird Barça vom Deutschen Meister (64.9 Prozent) geschlagen. 86.9 Prozent aller Pässe finden im konterlastigen Tiki-Taka-Spiel der Katalanen ihren Mann. Mit diesem Wert liegt Barcelona unter den Top Fünf.

… die Art der geschossenen Tore und Gegentreffer

Die meisten Tore erzielt Barça in der Liga aus dem offenen Spiel heraus und steht damit auf einem Niveau mit Real, Dortmund und Napoli. Dabei nutzen die Katalanen überwiegend den linken Fuß als Schusswaffe – öfter als jedes andere Team. Trotz einiger Kunstschüsse ist Barcelona nicht unbedingt für seine Abschlüsse aus der Distanz gefürchtet. Auch in dieser Saison ist die Mannschaft im Strafraum am gefährlichsten.

Fazit und Ausblick

18 Tore und ein Gegentreffer in den vergangenen vier Pflichtspielen sind ein stattlicher Wert für eine Mannschaft, die zuletzt noch gegen Mittelgewichte wie Málaga und Real Sociedad in La Liga Punkte liegen ließ. Neymar, Messi und Konsorten führen nicht nur mehr erfolgreiche Dribblings durch als alle anderen europäischen Vereine, sondern agieren seit wenigen Spieltagen in allen drei Wettbewerben als Einheit. Die Mannschaftsteile arbeiten seit dem Clásico besser zusammen, attackieren und verteidigen Hand in Hand. Auch das Mittelfeld wirkt durch die Genesung von Andrés Iniesta stabiler und Sergi Roberto sowie Jordi Alba finden Stück für Stück zu alter Spritzigkeit und Dynamik zurück. Die Debüts der Spieler der Barça B Marlon, Nili, Carbonell, Borja López, Cardona und Aleñá machen zudem Hoffnung für die noch lange und anstrengende Saison.

Neujahrsvorsätze für 2017: Konstanz erarbeiten, Konzentration aufrechterhalten und die jungen Spieler in die Rotation einarbeiten.

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