International Champions Cup: Die Spiele des FC Barcelona in der taktischen Analyse (1)

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Die erste Teilnahme des FC Barcelona im diesjährigen International Champions Cup ist mit dem vierten und letzten Spiel offiziell zu Ende gegangen. Dabei konnte Teamchef Luis Enrique gegen lukrative Gegner wie Manchester United oder auch den FC Chelsea die Vorbereitung in seine zweite Saison als Blaugrana-Trainer angehen und weitere Verbesserungen an seiner Triple-Mannschaft vornehmen. Wir nehmen die bisherigen Begegnungen der Katalanen noch einmal genauer unter die Lupe und ziehen ein kleines taktisches Fazit dieses International Champions Cup.

Am 13. beziehungsweise 15. Juli meldeten sich die meisten Kaderspieler des FC Barcelona aus ihrem Urlaub zurück. Lediglich die fünf Teilnehmer der Copa América, namentlich Lionel Messi, Neymar, Dani Alves, Javier Mascherano sowie Claudio Bravo durften noch schöne Stunden in der Sonne verbringen und sollten erst nach der US-Tour zum Team stoßen. Somit war es spannend zu beobachten, wie die strategische und taktische Ausrichtung der Katalanen ohne wichtige Säulen des Erfolgs der letzten Spielzeit aussehen würde. Der FC Barcelona reiste mit folgenden Spielern in die Vereinigten Staaten:

Tor: Marc-André ter Stegen, Jordi Masip, José Suárez

Verteidigung: Jordi Alba, Adriano, Thomas Vermaelen, Marc Bartra, Gerard Piqué, Jérémy Mathieu, Aleix Vidal (gesperrt), Douglas

Mittelfeld: Sergio Busquets, Ivan Rakitić, Andrés Iniesta, Sergi Roberto, Rafinha Alcântara, Arda Turan (gesperrt), Alen Halilović, Sergi Samper, Gerard Gumbau

Sturm: Pedro Rodríguez, Munir El Haddadi, Sandro Ramírez, Luis Suárez

LA Galaxy 1:2 FC Barcelona  

Zum Auftakt ging es für die Katalanen gegen LA Galaxy mit Star-Neuzugang Steven Gerrard. Spannend war insbesondere die Besetzung des Flügelpärchens im Sturm, da mit Messi sowie auch Neymar zwei essenzielle, inverse Dribbler im System Enriques fehlten. Auf der linken Flügelstürmer-Position entschied sich der Asturier mit Pedro für einen klassischen Tausch, wie man ihn schon in der letzten Spielzeit beobachten konnte. Messis Platz wurde währenddessen von Rafinha eingenommen und äußerst interessant vom agilen Katalanen interpretiert.

Auf den anderen Positionen konnte Enrique – bis auf die Rechtsverteidiger-Position – nahezu aus dem Vollen schöpfen. Im Tor stand Masip, während vor ihm Adriano, Mathieu, Bartra sowie Back-Up-Rechtsverteidiger Douglas, der als einziger seines Faches zur Verfügung stand, die Viererkette bildeten. Davor gab Mittelfeldgenie Busquets den alleinigen Sechser, während die Halb- beziehungsweise Achter-Positionen von Rakitić sowie Roberto bekleidet wurden.

Auf der anderen Seite bot Teamchef Bruce Arena mit Rowe im Tor sowie Dunivant, Leonardo, DeLaGarza und Gargan eine relativ unbekannte Hintermannschaft auf. Auch das Vierermittelfeld mit den Spielern Maganto, Walker, Juninho (Nein, nicht der Freistoßgott) sowie Husidić darf sich auf europäischem Boden keiner großen Bekanntheit erfreuen. Das Prunkstück stellte mit Sicherheit der Sturm dar, der mit Keane sowie Neuzugang Gerrard durch zwei äußerst prominente ehemalige Premier-League-Spieler besetzt wurde.

Und nun zum Spiel: Die Kalifornier überließen der Blaugrana den Ballbesitz und wollten mit einer etwas passiveren Rolle den Weg zum Torerfolg suchen. Angeordnet in einem ballorientierten beziehungsweise ballverschiebenden 4-4-2-Gerüst übernahmen Gerrard und Keane die vordersten Positionen. Dabei sollten sie in erster Linie die Passwege der Innenverteidiger auf Sergio Busquets verschließen und den Spielaufbau der Katalanen damit auf die Außen lenken. Wurde dies erreicht, orientierte sich der ballnahe Angreifer auf den Innenverteidiger, während der ballferne Angreifer etwas abkippte und Busquets manndeckte. Der ballnahe Flügelstürmer rückte dann etwas auf, während der Sechser neben ihm den im Halbraum abkippenden ballnahen Achter übernahm. So sollten Isolationen und Verschließungen der Passoptionen der gegnerischen Außenverteidiger auf den Flügeln vollzogen werden. Konnten die Katalanen trotz alledem ins zweite Drittel vorstoßen, dann übernahm Gerrard den Manndecker für Busquets, während sich die Ketten enger postierten.

Galaxy baute eher selten im eigenen Drittel auf und nutzte zu großen Teilen des Spiels lange Bälle auf Steven Gerrard, um den Aufbau sogleich ins zweite Drittel zu verschieben. Dort sollte der Ex-Liverpool-Spieler wohl für Ablagen auf einen vorstoßenden Sechser sorgen, die anschließend die Außen sowie Stürmer und Wandspieler Keane bedienen sollten. Doch aufgrund von Sergio Busquets sowie von Kontraktionen des katalanischen Defensivgerüsts konnte Gerrard seine Ablagen so gut wie überhaupt nicht vollziehen beziehungsweise an den Mann bringen. 26 Prozent Ballbesitz belegen diese erfolglose Herangehensweise. Selten waren auch leichte Aufbaustrukturen zu erkennen; so blieben die Außenverteidiger häufiger abwartend und tief im eigenen Drittel, während Juninho den Sechserraum besetzte und Walker etwas höher stand. Gerrard stand hier als hängende Spitze etwas tiefer als Keane, während die Außen breit standen. Dennoch konnten dadurch kaum Räume fokussiert werden, um Kurzpassstafetten durchzuführen und letzten Endes war auch hier Busquets der Störenfried für die Kalifornier.

Da es das erste Testspiel für den FC Barcelona war, waren großartige Neuerungen nicht unbedingt zu erwarten und sicherlich auch eine gewisse Eingewöhnungsphase für alte Mechanismen vonnöten. Zwischenzeitlich hatte sich das in diesem Spiel auch herausgestellt. Die Katalanen agierten in ihrem üblichen 4-3-3, wobei erneut ein flügel-orientierter Fokus gesucht wurde. Im Aufbau kippte der ballnahe Achter neben Busquets ab – wahrscheinlich zur Stabilisierung -, während der ballferne Achter etwas höher stand. Das hatte zur Folge, dass der Flügelstürmer auf der ballnahen Seite in den Halbraum abdriften und dem Außenverteidiger damit Vorstoßräume erschaffen sollte. Doch in dieser Hinsicht hatten die Katalanen einige Problemzonen zu verzeichnen. Mittelfeld FCBarcelona LAGalaxy

Schon früh machten sich diese Problemzonen bemerkbar. Adriano befindet sich in Ballbesitz und Roberto kippt etwas ab. Damit zieht er einen Manndecker auf sich, während der Flügelstürmer gerade Adriano anläuft. Busquets befindet sich in der Manndeckung des abgekippten Gerrard und Keane hält sich bedeckt und lauert auf eventuelle Rückpässe auf Mathieu. Zählt man nach, dann kommt man auf eine 4-gegen-4-Situation, wobei Galaxy aufgrund der Nutzung des Deckungsschattens viel leichter den Ballführenden anlaufen konnte, ohne Passoptionen zu öffnen. Pedro war isoliert, zum Teil auch wegen der Abkippbewegung Robertos, der keine Folgeaktion wählt, wie beispielsweise nach außen zu rücken und entweder eine Passoption zu Pedro zu öffnen oder selbst eine zu werden. Bedingt durch diese Statik war es für die Blaugrana oft äußerst schwer, überhaupt ins zweite Drittel vorzustoßen.

Lösungen für diese Bredouille waren zum einen plötzliche Abkippbewegungen von Suárez, der anschließend Ablagen auf die Außen oder auf die Achter verteilte und zum anderen der wieder einmal geniale Sergio Busquets – seines Zeichens der unterschätzteste Spieler auf diesem Planeten. Der Sechser löste die Isolationen beziehungsweise die Engstellen auf den Flügeln mehrere Male auf eine äußerst geniale Art und Weise. Entweder war er es selbst, der – trotz Manndeckung und engem Raum – für Verlagerungen sorgte, oder aber er brachte seine Mitspieler dazu, einen Pass zum ballfernen Innenverteidiger zu spielen, der dann damit vorstoßen konnte.Busquets Engstelle LAGalaxy

Hier erleben wir eine derartige Situation: Busquets ist in Ballbesitz und ist von gleich drei Spielern umstellt beziehungsweise wird von Gerrard auch noch von hinten angelaufen. Er erkennt die Situation um sich herum und wählt einen überlegten Pass, der Adriano ins Feld zieht. Dieser kann anschließend auf den ballfernen Bartra passen, dem sich wiederum einige Vorstoßräume für Übergänge in die nächsten Drittel bieten. Es ist nur eine der vielen kleineren Situationen, mit denen sich Busquets konfrontiert sah und die er trotz alledem immer genial lösen konnte. Insofern ist die obige Szene lediglich eine exemplarische Veranschaulichung der Genialität von Sergio Busquets.

Ein zweiter Spieler, der hier nicht unerwähnt bleiben sollte, ist Rafinha. Der agile und dribbelstarke Katalane wurde auf die rechte Flügelposition, dem Wirkungsbereich von Messi, gesetzt und interpretierte seine Rolle etwas anders als Pedro. Zuerst sollte das häufig hervorragend getimte Einrücken Rafinhas in den Zwischenlinienraum erwähnt werden. Das hatte allerdings nicht nur Räume für Douglas zur Folge; auch schnelle Dynamiken sowie Kurzpasskombinationen konnten damit initiiert werden. Zudem agierte der Mittelfeldspieler äußerst weiträumig und vollzog mit dem Ball auch weite Bewegungen ins Feld hinein. Da die Mannorientierungen Galaxys im zweiten und letzten Drittel zudem kontraproduktiv wurden und dadurch kein festes Gebilde oder auch kein Block mehr bestand beziehungsweise Lücken und Räume entstanden, konnte Rafinha diese besetzen beziehungsweise der FC Barcelona leicht in den Zwischenlinienraum gelangen. Des Weiteren waren im Verlauf der Partie auch immer wieder Positionswechsel mit Pedro erkennbar, wahrscheinlich um den Gegner etwas zu verwirren. Insbesondere im Hinblick auf die neue Saison könnte es interessant sein, wenn Messi kurzzeitig mal auch auf der linken Seite aufzufinden wäre.

Im Pressing agierte der FC Barcelona nicht sonderlich herausragend oder bot etwas großartig Neues auf. Im 4-1-4-1 konnten viele gegnerische Spieler mannorientiert gedeckt werden. So entstanden Situationen, in denen Busquets Gerrard, die Achter die gegnerische Doppelsechs sowie die Flügelspieler die Außenverteidiger beziehungsweise mit ihrem Deckungsschatten auch die Flügelstürmer in Deckung nahmen. Suárez sollte mit bogenartigen Läufen den Spielaufbau auf eine Seite locken, während das Grundgerüst mit den Manndeckungen nachschob und damit Isolationen vollbracht werden sollten. Auch das Gegenpressing funktionierte in dieser Partie zu großen Teilen ganz ordentlich und wirkte bis auf ein paar Ausnahmen relativ gut.

In der zweiten Hälfte wurden die kompletten Mannschaften ausgewechselt. Der FC Barcelona lief in der zweiten Halbzeit mit folgender Elf auf: Masip (Suárez ab der 70. Min.) – Alba, Vermaelen, Piqué, Douglas – Samper, Iniesta, Roberto (Gumbau ab der 61. Min.) – Sandro, Munir, Rafinha (Halilović ab der 70 Min.). Aufseiten Galaxys sah die Aufstellung folgendermaßen aus: Wolverton – Romney, Meyers, Steres, Rodgers – Mendiola, Vayrynen, Garcia, Maganto – Jamieson, Buddle.FCBarcelona ManchesterUnited 29.07.15

Am Charakter der Partie änderte sich allerdings wenig. Barça hatte weiterhin mit der hemmenden Wirkung in puncto Durchschlagskraft auf den Flügeln im Aufbau zu kämpfen, konnte aber insbesondere auf links diese Probleme mit besseren Bewegungen von Sandro auf dem Flügel etwas abschwächen. Dank ihm sowie Alba, Iniesta und teilweise Samper konnten viele kleinräumige Kombinationen gestaltet und anschließend auf die ballferne Seite verlagert werden. Was sich zudem im Verlauf der ersten Hälfte abgezeichnet hatte, bestätigte sich auch in der zweiten Halbzeit. Galaxy wich vom Pressing ab und wurde abwartender beziehungsweise passiver. Man beschränkte sich auf eine kompakte Block-Bildung in der eigenen Hälfte und streute einzelne kurze Pressingphasen mit 4-4-2-ähnlichen Formationen ein.

Da beim FC Barcelona auch in der Ballzirkulation in hohen Zonen der ballnahe Achter abkippte und der ballferne aufrückte oder teilweise auch dynamisch vorstieß (Rakitić insbesondere), entstand zusammen mit Rafinha, Suárez sowie manchmal dem zweiten Flügelstürmer eine hohe Präsenz im Zwischenlinienraum. So ergaben sich produktive horizontale und insbesondere vertikale Staffelungen, die für einige Kombinationen gesorgt haben und den Gegner hinten hineingedrückt haben.

Manchester United 3:1 FC Barcelona

Nur drei Tage nach dem Spiel gegen LA Galaxy trafen die Katalanen auf einen alten Bekannten. Niemand Geringerer als Ex-Trainer Louis van Gaal zusammen mit sFCBarcelona ManchesterUnited 29.07.15einer Truppe aus Manchester waren der nächste Kontrahent im International Champions Cup. Dabei setzte Van Gaal mit Matteo Darmian auf rechts, Morgan Schneiderlin in der Doppelsechs sowie Memphis Depay in der Offensive auf gleich drei Neuzugänge. Lediglich Bastian Schweinsteiger wurde vorerst noch außen vor gelassen. Konkret ging United mit folgender Elf in das Spiel: de Gea – Shaw, Blind, Jones, Darmian – Schneiderlin, Carrick – Young, Depay, Mata – Rooney.

Auf der anderen Seite wurden beim FC Barcelona im Vergleich zur Ausgangself gegen Galaxy fünf neue Personalien in die Startelf befördert. Ter Stegen im Tor sowie Alba, Vermaelen, Piqué und Adriano besetzten die Hintermannschaft, während Busquets den Sechser gab und Roberto sowie Iniesta die Achter-Rollen übernahmen. Vorne wirbelte das Sturmtrio, das schon gegen die Kalifornier zum Einsatz kam, namentlich Pedro, Suárez sowie Rafinha.

In der Anfangsphase schien es, dass der Aufbau Uniteds sehr flügel-fokussiert war. Der ballnahe Sechser kippte nach außen, zog seinen anderen Kollegen ins Zentrum und ermöglichte seinem Außenverteidiger ein kleines Aufrücken. Im Verlauf des Spiels aber agierten die Mannen aus Manchester im Aufbau häufiger mit einer Sechs, die eine etwas höhere Grundposition im jeweiligen Halbraum einnahm, sprich Carrick im rechten Halbraum und Schneiderlin im linken, während der andere Sechser den Sechserraum vor den Innenverteidigern besetzte. In den noch unbesetzten gegenüberliegenden Halbraum positionierte sich meistens dann Depay oder in äußerst seltenen Fällen auch kurzzeitig einer der Flügelstürmer. Diese 1-2-Staffelungen wurden vorne durch Rooneys Bewegungen in den linken offensiven Halbraum ergänzt, der damit höchstwahrscheinlich Bälle annehmen und den eher linear agierenden Young bedienen sollte. Partiell war aber auch ein Tausch Rooneys mit Depay auszumachen, der im Gegensatz zu Depay allerdings trotzdem eher Richtung halblinks tendierte und damit einen leichten linken Fokus erschuf. Mata auf rechts konnte in den meisten Fällen lediglich Verlagerungen auf die linke Seite tätigen und selten zu Durchbrüchen beitragen. Charakteristisch dafür war auch, dass Darmian Mata wesentlich häufiger hinterlief als sein Pendant Shaw, der aufgrund der ohnehin schon hohen Präsenz eher absichernd agierte. Eben eine dieser Verlagerungen auf die fokussierte linke Seite vollendete Young mit einem gefährlichen Schuss, den ter Stegen noch mit einem schnellen Reflex klären konnte.

Im Pressing war eine 4-2-3-1-ähnliche Staffelung zu beobachten, die durch die Absicherung der Flügelstürmer – mit Tendenzen zur reaktiven Bewegungen nach außen, wenn die gegnerischen Außenverteidiger den Ball erhielten – in den Halbräumen und den Manndeckungen der Doppelsechs auf die Achter-Paarung der Katalanen gekennzeichnet war; Depay übernahm währenddessen Busquets. Bedingt durch diese Manndeckungen waren teils auch 4-5-1-ähnliche Staffelungen zu erkennen, wenn die zweite und dritte Linie zusammenschoben.

Während Mata auf rechts gute Bewegungen gegen den Ball zeigte – Alba häufig Passwege zu Pedro versperrte und Vermaelen mit bogenförmigen und leitenden Läufen zu Verlagerungen auf die andere Seite drang -, waren in Youngs Positionierung Tendenzen zum Zentrum zu erkennen sowie eine etwas tiefere und zurückgezogenere Position. Dadurch konnten die Katalanen relativ häufig leicht von links auf rechts verlagern, da Youngs Positionierung nicht produktiv für einen sofortigen Zugriff auf den Flügelspieler war. Da die Blaugrana häufig über die linke Seite aufzubauen schien und bewusst auf mehr Verlagerungen setzte, ist nicht zu klären, ob sich Mata beziehungsweise Young genau andersrum verhalten hätten, wenn frequenter über die andere, sprich die rechte Seite aufgebaut worden wäre.

Dieser linke Fokus im Aufbau scheint von Luis Enrique bewusst gewählt worden zu sein, und es scheint auch eine Reaktion auf die Aufbauprobleme im ersten Drittel im Spiel gegen Galaxy gewesen zu sein. Rafinha agierte in dieser Partie erneut eher invers, pendelte horizontal im Zwischenlinienraum, besetzte im Gegensatz zu Pedro häufig eher den Halbraum als den Flügel und öffnete damit für Adriano viel Raum. Da das Manchester-Kollektiv häufig auf die linke Seite der Katalanen verschieben und damit die offene Seite von Adriano verwaisen lassen musste, konnte der FC Barcelona nach Verlagerungen äußerst viel Raum vorfinden, natürlich auch bedingt durch die kontraproduktive Positionierung von Young.

Eine weitere kleine Neuerung im BallbesitzsMittelfeld Iniesta Robertopiel der Katalanen waren die Bewegungen Iniestas sowie Robertos im Vergleich zu Busquets. Dabei schien Busquets etwas nach vorne zu schieben, zog damit Depay etwas aus seiner Position und ermöglichte damit neue Passkanäle. Roberto und Iniesta pendelten im Halbraum zwischendurch so weit nach hinten, dass sie eben aufgrund von Busquets Bewegungen auf einer hinteren Horizontallinie auftauchten als der alleinige Sechser der Katalanen. Da diese Variante vergleichsmäßig nicht so häufig zum Einsatz kam, ist es fraglich, ob sie nur aus der Situation heraus entstand oder geplant war. Für die Zukunft könnte es aber eine interessante Option im Aufbau darstellen.

Was zusätzlich ein paar Male zu beobachten war, waren interessante Lockversuche der Katalanen, um Manchester aus der tiefen Defensivformation zu bekommen. Dabei ließ sich Busquets zwischen die Innenverteidiger fallen und brachte Depay zum Aufrücken. Die Achter schoben aufgrund Busquets Abkippen auch zurück, was die gegnerische Doppelsechs aus ihrer Position zog. Nun konnten mit langen und scharfen Bällen auf einen einrückenden Flügelstürmer (manchmal auch Außenverteidiger) schnelle Vorstöße nach vorne initiiert werden. In den meisten Fällen war Pedro dieser einrückende Flügelstürmer, der einmal Suárez mit einer Kopfball-Weiterleitung in Szene brachte (ähnlich der Kopfballweiterleitung von Messi auf Suárez im Hinspiel gegen die Bayern) beziehungsweise auch eine anschließende Verlagerung auf Rafinha tätigte.

Im Pressing agierten die Katalanen zwar in ihrem gewohnten 4-1-4-1, hatten allerdings einige neue Adaptionen und Mechanismen aufzubieten, die verständlicherweise noch nicht das gänzlich gewünschte Ergebnis brachten. Dabei standen die Flügelstürmer Pedro sowie Rafinha auffallend tief und gingen die Bewegungen der Außenverteidiger mit. Um allerdings trotzdem aktive und leitende Bewegungen gegen den Ball aufzubieten, wurden die Achter eingesetzt. Dabei schob der ballnahe Achter nach vorne gegen den Ballführenden, während Suárez den ballnahen Innenverteidiger deckte. Der Flügel war aufgrund der Manndeckungen der Flügelstürmer zugedeckt, weswegen ins Zentrum gespielt wurde. Dort hielt sich der ballferne Achter bewusst tiefer, um den Ball in diese Region kommen zu lassen und den Gegner hier einzukesseln. Doch waren die Bewegungen der Achter bei Weitem noch nicht abgestimmt genug und der Raum war oftmals eher offen als der Ort für eine Pressingfalle, weswegen dieser Effekt selten wirksam wurde. In höheren Zonen, wenn der Torhüter den Ball hatte, konnten die offensichtlichen Passoptionen für de Gea aber aufgrund des aufrückenden Achters der Katalanen auf den abkippenden Sechser Uniteds (beziehungsweise auf den Innenverteidiger Uniteds, während der Sechser in den Deckungsschatten gestellt wurde), durch die nachrückenden Bewegungen des anderen Achters auf den zweiten Sechser, dank Luis Suárez sowie durch die Flügelstürmer oft abgedeckt und damit lange – wahrscheinlich nicht geplante – Bälle provoziert werden.

Beim Pressing in tieferen Phasen war ebenso ein 4-1-4-1 zu erkennen, wobei die Katalanen oftmals stark ballorientiert verschoben und damit die ballfernen Flügel außer Acht ließen. Wenn nun der Ball nicht erobert werden konnte, so ergaben sich auf der anderen Seite viele Räume beziehungsweise 1-gegen-1-Situationen für den Außenverteidiger, die zu häufigen gefährlichen Situationen führten. Womöglich könnte man mit einem etwas höher stehenden Außenverteidiger, der eventuelle Seitenverlagerungen leichter auffangen kann, diese Problematik nach etwas Übung leicht lösen.

In der zweiten Hälfte gab es nacheinander die kollektiven Wechsel beider Mannschaften, weswegen sowohl der Spielfluss als auch die Synergien zueinander etwas litten. Grundsätzlich kann man Iniestas mehr einrückende Läufe ansprechen, die Pedro Passwege öffneten und ihn besser ins Spiel einbanden (darauf gehen wir im nächsten Teil aber noch genauer ein). Ebenso zu erwähnen ist auch das erstmalige Aufgebot von Sergi Roberto als Rechtsverteidiger, der mit sehr gut getimten linearen und teils auch diagonalen Vorstößen nach vorne sowie relativ soliden Bewegungen gegen den Ball auf sich aufmerksam machen konnte. Rafinha zeigte zudem noch, dass er bei inversen Läufen mit dem Ball noch nuancenreiche Probleme in der Entscheidungsfindung besitzt und in diesem Vergleich zu Messi noch relativ klar abfällt. Aufgrund der (wahrscheinlich) nachlassenden Kräfte war es im Verlauf der Partie zudem schwieriger für die Katalanen, gegen die nun noch mehr verdichtete Zentrale mit einem engen 4-4-2 der Engländer anzukämpfen und man lief öfter in Konter, von denen zwei zum letztlich nicht gänzlich unverdienten 3:1-Sieg genutzt wurden.

Teil 2 der taktischen Analyse zum ICC:

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