Barça vs. Osasuna: Die vielleicht letzte Pflichterfüllung

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Die zuletzt gezeigten Leistungen des FC Barcelona waren ein Spiegelbild der Gemütslage im Verein. An die Meisterschaft glaubt kaum noch jemand bei Barça, doch die Pflicht muss auch im Heimspiel gegen Osasuna wieder erfüllt werden. Dann heißt es ein womöglich letztes Mal hoffen. Die Vorschau zum Spiel.

Spieltag 37 in La Liga kann die Entscheidung im Titelkampf herbeibringen. Am späten Donnerstagabend könnte so oder so Gewissheit herrschen im ewigen Duell der beiden Erzrivalen um den Titel: Gewinnt Real Madrid sein Heimspiel gegen Villarreal oder schafft es der FC Barcelona nicht, den CA Osasuna zu schlagen, dann sind die Madrilenen neuer spanischer Meister.

„Wir werden bis zum Ende kämpfen“, hörte man Quique Setién am Donnerstagmittag auf der Pressekonferenz die üblichen Parolen herunterbeten; Sätze, die man so oder so ähnlich seit Wochen hört bei der Blaugrana. Setién wahrt nach außen den Schein, doch im Lager Barças glaubt man sicherlich kaum noch an den Titel.

Suárez glaubt nicht mehr an Ligatitel

Stellvertretend dafür wurde Luis Suárez deutlich, der im Gespräch mit der Mundo Deportivo unumwunden zugab

: „Es ist quasi unmöglich, die Meisterschaft zu holen. Wir müssen selbstkritisch sein, falls wir die Liga nicht gewinnen sollten, sind wir selbst daran Schuld, dass uns der Titel entglitten ist.“ Es waren ehrliche Worte, die tief blicken lassen und die die Auftritte der letzten Wochen in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Zwar hat sich Barça gegen Villarreal (4:1) nach zuvor zwei Unentschieden in Folge, die letztlich aller Voraussicht nach den Titel kosteten; zu einer Reaktion aufgerafft und anschließend bei den Siegen gegen Espanyol (1:0) und Valladolid (1:0) seine Pflicht getan, aber auch wirklich nur diese.

Leistungen als Spiegel der Gemütslage

Die Leistungen ließen da schon extrem zu wünschen übrig, es war reinste Bürokratie auf dem Fußballplatz, die Verwaltung von Ergebnissen, die eingefahren werden müssen, um die leisen Hoffnungen auf den Titel zu wahren, mehr aber nicht. Glaube, Hingabe, Leidenschaft – all das sah man bei den knappen Zittersiegen nicht. Das Feuer, es loderte nicht mehr bei Barça, das sah man richtiggehend bei den Performances in den letzten Spielen – Ausnahme der Regel war wie gesagt das Spiel in Villarreal.

Die Pflichtschuldigkeit getan, ohne wirklich daran zu glauben, dass es viel bringen würde – so könnte man die beiden 1:0-Siege zuletzt zusammenfassen. Und diese Gemütslage fasste nun Suárez auch mit seinen Statements zusammen.

Natürlich spielt Barça auch gegen Osasuna wieder auf Sieg, alles andere als drei Punkte wären Enttäuschung, faustdicke Überraschung und auch Kapitulation im Titelkampf zugleich – allein, es dürfte nicht reichen, da Real Madrid nur siegen muss beziehungsweise nicht einmal das: Selbst zwei Remis, zwei Punkte aus den letzten beiden Spielen reichen den Blancos, um sich die Meisterschaft zu holen – dem direkten Vergleich gegen den FC Barcelona sei Dank (0:0, 2:0).

 

De Jong oder Puig – oder beide?

Wie Barça das Unterfangen Pflichtsieg angehen wird, wird nur auf wenigen Positionen spannend zu beobachten sein. Die Abwehrkette ist eigentlich fix und sollte die gleiche der letzten Wochen sein, im Mittelfeld stellt sich die Frage: Steht der wiedergenesene Frenkie de Jong direkt in der Anfangself, oder doch Youngster Riqui Puig – oder gar beide?

Und setzt Setién wieder auf sein 4-1-2-1-2 mit Messi in freier Rolle auf der Zehn – hier könnten Suárez und Martin Braithwaite die Doppelspitze geben – oder setzt Setién in Absenz des verletzten Antoine Griezmann auf das altbewährte 4-3-3, mit Ansu Fati oder Braithwaite auf dem linken Flügel?

In welcher Formation auch immer, Osasunas Trainer Jagoba Arrasate erwartet ein angriffslustiges Barcelona. „Sie haben nur wenige Optionen [auf den Titel], aber die werden sie ausnutzen wollen. Sie werden früh in Führung gehen wollen, um Druck auf Real Madrid auszuüben. Daher erwarte ich ein gutes Barça“, so Arrasate.

Ein gutes Spiel zeigen und einen Sieg einfahren ist das Mindeste, was der FC Barcelona am Donnerstag tun kann – und dann heißt es wieder einmal hoffen. Womöglich ein letztes Mal.

Alex Truica
Freier Sportjournalist, Podcaster und Chefredakteur Barçawelt
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