Brennpunkte | Asymetrisches System, individuelle Fehler und tolle Moral

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Mit einem asymetrischen und ungewohnten System trat der FC Barcelona bei Real Betis an. Gepaart mit zahlreichen individuellen Fehlern war es dadurch ein sehr schweres Spiel für die Katalanen. Durch eine tolle Moral konnte das Spiel dennoch gewonnen werden. Unsere Brennpunkte zum Sieg in Sevilla.

Ungewohntes, asymetrisches System

Bereits mit der Bekanntgabe der personellen Besetzung für das schwere Auswärtsspiel gegen Real Betis dürften sich die Anhäger des FC Barcelona gefragt haben, in welchem System Quique Setién seine Mannen auf das Feld schickt und insbesondere welcher Spieler welche Position einnimmt. Und auch nach den ersten Spielminuten war dies noch nicht eindeutig. Das Spiel der Katalanen war gekennzeichnet von zahlreichen Positionsrochaden. 

Möchte man die Positionierung der Spieler in einem System erfassen, dann war es wohl ein 4-4-1-1, allerdings stark asymetrisch. Die linke Flanke wurde fast ausschließlich von Junior Firpo (später dann Jordi Alba) besetzt. Auf der rechten Seite gab Nelson Semedo die Breite und wurde von Sergi Roberto unterstützt. Dieser agierte als eine Art halbrechter Mittelfeldspieler, der immer wieder zwischen Außenbahn und rechtem Halbraum pendelte. Startete allerdings fast nie in die vorderste Spielreihe durch. 

Während Busquets als einer der wenigen Spieler seine gewohnte Rolle einnahm, agierte Frenkie de Jong als Achter, der oft in die Spitze stieß und so auch sein Tor erzielte. Noch etwas weiter vorne als de Jong war meist Arturo Vidal zu finden. Der Chilene agierte als eine Art Zehner und war sogar des Öfteren neben Antoine Griezmann im Sturm zu finden – und zwar insbesondere dann, wenn sich Lionel Messi ins Mittelfeld fallen ließ. Und dies war sehr häufig der Fall. 

Obwohl Barça das Spiel in Sevilla letztendlich gewinnen konnte, war es den Spielern anzumerken, dass sie noch Probleme mit dem System hatten. Inbesondere Griezmann und Sergi Roberto waren ständig auf der Suche nach der richtigen Positionierung – konnten diese aber während des gesamten Spielverlaufes nicht wirklich finden. 

Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch Spieler, die von diesem System sehr profitieren. Bestes Beispiel am gestrigen Abend war de Jong. Der Niederländer zeigte auf einer etwas offensiveren Rolle eine ansprechende Leistung und konnte sogar seinen zweiten Treffer im Trikot der Katalanen erzielen. 

 

Zahlreiche individuelle Fehler

Ob es am ungewohnten System gelegen hat oder nicht sei mal dahingestellt – allerdings war die Anzahl der individuellen Fehler der Katalanen insbesondere in Halbzeit Nummer eins erschreckend hoch. Besonders Vidal zeigte sich extrem fehleranfällig. Unter anderem ermöglichte eine schlampige Ballanahme des Chilenen samt damit verbundenem Ballverlust den 2:1-Führungstreffer für Real Betis. Auch das Verteidigungsverhalten Samuel Umtitis in der gleichen Szene war amateurhaft. Rund 18 Meter vor dem eigenen Tor begleitete der Franzose seinen Landsmann Nabil Fekir (der für seinen starken Abschluss bekannt ist) nur, statt wirklich einzugreifen (Barçawelt-Note: 5)

Auch ein schnelles Umschaltspiel wurde durch einfache Fehler oftmals zunichte gemacht. Neben Sergi Roberto spielte vor allem Griezmann einige unsaubere Pässe, wodurch die Katalanen Tempo aus Ihren Angriffen herausnehmen mussten. Auch Messi ließ sich dabei von seinen Kollegen anstecken und wirkte in einigen Aktionen etwas unsauber. 

Zu guter Letzt trifft dieser Punkt auch auf den Torschützen Clement Lenglet zu. Der französische Innenverteidiger verschuldete bereits den Strafstoß durch ein unglückliches Handspiel. Sein Platzverweis in der zweiten Halbzeit kann man jedoch deutlich in die Kategorie “dumme Aktion” einordnen. 

Setiéns Anpassungen

Dass die Mannschaft trotz des ungewohnten Systems und der individuellen Fehler einen Sieg einfahren konnte, darf sich auch Setién auf seine Fahne schreiben. Nach doppelten Rückstand gegen ein an diesem Abend stark aufgelegtes Real Betis zurückzukommen und das Spiel zu gewinnen spricht für die Moral der Mannschaft.

Letztendlich war der Sieg eine absolute Willensleistung. Während Barça noch unter Valverde bei einem Rückstand meist apathisch und ideenlos wirkte, wurde es deutlich, dass die Spieler das gestrige Spiel unbedingt gewinnen wollten. Auch aus taktischer Sicht waren einige Anpassungen des neuen Übungsleiters zu erkennen. Während Barça unter Setién bislang eher auf eine risikoloses Spiel mit vielen Quer- und Rückpassen aus war, versuchten die Spieler gestern immer wieder vertikaler und direkter in die Spitze zu spielen.

Gerade nach Ballgewinn wurde sehr oft der direkte Ball in die Spitze gesucht. Wirklich erfolgreich war dieser Schachzug gestern zwar nicht oft – abgesehen beispielsweise von de Jongs Treffer nach schönem Messi-Chip -, jedoch hat ein direktes Umschaltspiel bei einer besseren Tagesform einiger Spieler großes Potential.

Gerade in Verbindung mit dem ohnehin straken Pressing und Gegenpressing unter Setién könnte darin eine große Chance liegen. Der nächste Punkt auf Setiéns Agenda dürfte hingegen die Spieleröffnung gegen einen hoch pressenden Gegner sein. Auch gestern hatte Barça wieder große Probleme, sich aus dem Pressing von Real Betis zu befreien, wenn diese Barcelona beispielsweise bei Abstößen komplett zustellten. Dies liegt natürlich mitunter auch am Fehlen von einer echten Nummer 9. Mit Luis Suárez hatte ter Stegen noch eine robuste Anspielstation für einen langen Ball, die diesmal komplett fehlt.

 

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