Brennpunkte: Barça wie im Autopilot ohne Wille und Plan B

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Der FC Barcelona zeigt auch in Granada sein “Auswärtsgesicht”, lässt sämtlichen Willen vermissen und verliert völlig verdient mit 0:2. Die Mannschaft von Trainer Valverde wirkt müde, aber auch plan- und ideenlos. Die Besetzung des Mittelfelds überraschte einige Fans. Unsere Brennpunkte zum enttäuschenden Spiel gegen den Aufsteiger aus Andalusien. 

Barça nimmt den Kampf nicht an 

Der FC Granada hatte beim Heimspiel gegen den FC Barcelona einen klaren Plan: Die Andalusier nervten die Katalanen von der ersten Sekunde an durch aggressives Defensiv-Pressing, viele Zweikämpfe und zahlreiche Fouls im Mittelfeld. Und Barça ließ sich nerven: Die vielen Unterbrechungen brachten die Katalanen völlig aus dem Konzept und es kam kein Spielfluss zustande. Die Mentalität ist dann entscheidend, um in solchen Spielen zu triumphieren – und diese Mentalität ließen nahezu alle Spieler der Blaugrana vermissen. 

Es fehlte an Einsatzbereitschaft und Kampfeswillen: Der absolute Wille, einen Zweikampf zu bestreiten und auch zu gewinnen, geht derzeit einigen Spielern ab. Die Mannschaft wirkt betäubt, paralysiert und in gewisser Weise wie ein Auto im Autopilot – jedoch ohne die Möglichkeit, einzugreifen, wenn es notwendig ist. Vielen Spielern stand die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben und auch die Körpersprache lässt zu großen Teilen zu Wünschen übrig.

Fehlender Plan B

In gewisser Weise kann der FC Barcelona derzeit mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland verglichen werden. Beide Mannschaften haben beziehungsweise hatten auf dem Papier eine hervorragend besetzte Truppe – aber eben nur auf dem Papier. Was dem FC Barcelona derzeit (unter anderem) fehlt, ist die Flexibilität im eigenen Spiel. Wenn Plan A nicht funktioniert, gibt es keinen Plan B. 

Der europäische Fußball hat sich in den letzten Jahren verändert – weg von viel Ballbesitz und Kontrolle und hin zu einem von Tempo geprägten vertikalen Spielstil. Eine bedeutende Rolle kommt dabei auch dem Umschaltspiel zu. Zwei Beispiele, die diese Entwicklungen verdeutlichen, sind der FC Liverpool und die französische Nationalmannschaft. Beide Teams glänzen nicht durch großartiges Kombinationsspiel im Mittelfeld, sondern spielen direkt in die Spitze und setzten so ihre Stürmer ein. 

Dies soll in keinster Weise bedeuten, dass Barça zukünftig defensiv spielen und auf Konter spielen soll. Vielmehr sollte sich Ernesto Vaverde überlegen, wie er das Tempo und den vertikaleren Spielstil mit den stärken seines Kader verbinden kann – interessanterweise hatte Valverde selbst auf der Pressekonferenz vor dem Granada-Spiel die mangelhafte Vertikalität angesprochen. Ein Blick in den blauen Teil von Manchester oder in die eigene Vergangenheit könnte dabei helfen: Auch Luis Enrique setzte während seiner Zeit bei Barça auf einen von Tempo geprägten vertikalen Spielstil. 

Valverdes Rolle 

Wenn es einige Spieler nicht schaffen, einen Pass über wenige Meter zu spielen, kann der Trainer am wenigsten dafür. Dennoch muss sich auch Ernesto Valverde Rückfragen zu Aufstellung, Taktik und Einstellung gefallen lassen. Der Übungsleiter der Blaugrana rotierte im Mittelfeld – Frenkie de Jong weg von der Achterposition auf die Sechs, vor ihm spielten Rakitic und Sergi Roberto. Gerade in Anbetracht der aktuellen Situation und Auswärtsschwäche war diese Rotation im Nachhinhein nicht die beste Entscheidung, zu viele Akteure agierten unter ihrem normalen Niveau, waren indisponiert. Ob Firpo, Sergi Roberto, Griezmann, Rakitic, Suarez – Valverdes Aufstellung zahlte sich nicht aus, demzufolge korrigierte er zur Pause auch auf zwei Positionen, brachte Ansu Fati und Leo Messi.

Sorgen bereitet kurioserweise die Besetzung der Offensive, auch wenn sich hier schillernde Namen tummeln: Star-Neuzugang Antoine Griezmann begann auf dem linken Flügel, wechselte nach der Halbzeit auf den rechten Flügel – auf beiden Positonen fand der Franzose nicht ins Spiel. Er wirkt nach wie vor wie ein Fremdkörper und es scheint, als weiß er nicht, wie er sich bewegen soll. Es wird spannend zu sehen sein, wie Valverde seine Offensive aufstellt, wenn Lionel Messi wieder bereit für 90 Minuten ist. Das dürfte bereits beim Spiel am kommenden Dienstag der Fall sein. Valverde hat dann drei Superstars, die allesamt ihre Stärken im Zentrum haben. 

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